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Wenn es nach Italiens Vize-Ministerpräsident Matteo Salvini geht, können Hunderttausende Italiener mit 62 Jahren und viele Italienerinnen sogar schon mit 58 Jahren in Rente gehen. Vorausgesetzt, sie können 38 oder 35 Beitragsjahre vorweisen. Italiens Rentner dürfen sich freuen.

Italien ist ein Rentnerparadies. Das lässt sich an den Zahlen des Istituto Nazionale Previdenza Sociale (INPS) ablesen. Der italienische Staat investiert deutlich mehr in die Rente seiner Bürger als der deutsche. Schon heute lässt sich Italien seine Rentner 286 Milliarden Euro kosten, das sind laut INPS immerhin 16,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), sprich dessen, was Italien jährlich erwirtschaftet. Deutschland zahlt seinen Rentner „nur“ 355 Milliarden Euro oder elf Prozent des BIP. Das ist, bezogen auf die Einwohnerzahl (Deutschland 82,5 und Italien 60,5 Millionen) prozentual deutlich weniger.

Italiens Rentner früher in Rente

Das reicht Salvini aber nicht. Er will die Rentner noch viel früher in Rente schicken, um für die Jungen Arbeitsplätze frei zu machen, so sein Argument. Setzt er sich durch, dürften Italiener bereits mit 62 Jahren in Rente gehen und Italienerinnen mit 58. Dafür soll die „Quote 100“ eingeführt werden. Alter und Beitragsjahre müssen 100 ergeben.

Anders als in Deutschland, unterscheidet sich das Rentenalter zwischen Männern und Frauen derzeit noch um ein Jahr, denn bislang können Italiener offizielle erst mit 66,7 in Renten gehen, Italienerinnen mit 65,7 Jahren. Für Italienerinnen soll das Renteneintrittsaltere auf 58 Jahren sinken, so sie denn 35 Rentenbeitragsjahre vorweisen können – für Italiener auf 62 Jahre.

Dieser frühe Renteneintritt soll bereits im Februar 2019 wirksam werden. Salvini schätzt, dass diese Änderung im kommenden Jahr sieben Milliarden Euro kosten wird.

Italiens Schulden steigen kräftig

Da Italien bereits heute im Euro-Raum das zweithöchst verschuldete Land ist, wird sich der Schuldenstand weiter erhöhen – denn es soll nicht an anderer Stelle gekürzt werden. INPS-Präsident Tito Boeri rechnete dem italienische Parlament vor, dass sich die Schulden der Rentenkasse damit auf rund hundert Milliarden Euro erhöhen würden. Dabei hat Italien bereits heute Schulden von 2,3 Billionen Euro, was annähernd 132 Prozent des BIP entspricht.

Dem „Chief Investment Officer“ zufolge soll Salvini Boeri geantwortet haben, doch besser abzutreten und in die Politik zu gehen. Boeri könne den Wählern dann ja erzählen, sie könnten erst mit 80 in den Ruhestand. Boeri schätzt, dass sich der Rentenanteil am BIP wegen dieser Änderung bis 2021 um einen Prozentpunkt auf 17,4 Prozent erhöhen werde.

Übrigens, bereits heute stehen viele italienische Rentner besser da als beispielsweise deutsche. Laut INPS liegt das durchschnittliche Renteneinkommen oder die Summe der Leistungen für jeden Rentner bei jährlich 21 000 für Männer (pro Monat: 1750 Euro) und bei 15 000 Euro (für Frauen: 1250 Euro). Davon können deutsche Rentner nur träumen.

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

One Comment

  1. Bei den Italienern gehen die Uhren bekanntlich anders.Mit dem Geld nimmt man es nicht so genau, besonders dann wenn es vom Steuerzahler kommt. Das zeigt sich bekanntlich bei den Abgeordnetendiaeten. Diese sind die hoechsten in Europa.Nun moechte man auch den Rentnern etwas zugute kommen lassen. Natuerlich schleicht sich hier das Gefuehl ein dass Italien bald zu einem zweiten Griechenland werden koennte. Auf jeden Fall ist ein Aspekt der Rentenreform richtig. Es sollten auf jeden Fall die Arbeitsjahre beruecksichtigt werden. Davon koennten die deutschen Politiker auf jeden Fall lernen.

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