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Anders als die Deutschen setzen auch die Schweden (neben den Norwegern) auf den Kapitalmarkt für die Altersvorsorge – und fahren deutlich besser als wir Deutsche. Niedrige Kosten und attraktive Rendite zeichnen den Siebten Allgemeinen Pensionsfonds AP7 aus. Da könnten wir doch was lernen?

Offensichtlich sind die Skandinavier weit pragmatischer als wir Deutsche. Norwegen und Schweden setzen auf den Kapitalmarkt, um die Demographie bedingte Lücke bei der gesetzlichen Renten zu füllen. Der schwedische Staat hat bereits 2000 ein Premium-Pensionsystem eingeführt, das die staatliche Rente ergänzt.

Die Schweden zahlen 16 Prozent des Bruttogehalts in das umlagefinanzierte Rente ein und 2,5 Prozent investieren sie in die kapitalgedeckte Altersvorsorge. Sie können sich selbst aussuchen, in welchen von rund 800 Fonds sie einzahlen wollen. Wem das zu kompliziert ist, kann und muss per staatlich verwaltetem Fonds AP7 fürs Alter vorsorgen – also fast so etwas wie Zwangs-Riester.

Schweden zahlen weniger Gebühren

Der Unterschied zu Riester sind allerdings Kosten und Wertentwicklung der schwedischen Premium-Rente. Die Verwaltungskosten liegen bei 0,1 Prozent und die jährliche Rendite seitdem er aufgelegt wurde bei mehr als sechs Prozent – ja, richtig gehört, bei durchschnittlich sechs Prozent pro Jahr. Premium-Rentner zahlen sonst  keine zusätzlichen Depotgebühren. Seit 2010 sind aus 100 schwedischen Kronen so 280 Kronen geworden. Mit dem Aktienrechner lässt sich die Durchschnittsrendite ganz leicht ausrechnen.

Dank effizientem Fondsmanagement bleibt nahezu alles von der Rendite übrig und fließt in die Taschen der Rentner. Wie anders doch in Deutschland, wo Kapitallebensversicherungen und Investmentfonds 1,5 bis vier Prozent Kosten abziehen. Wegen des Krankenkassen-Doppelbeitrags bei Betriebsrenten bleibt Altersvorsorgern hierzulande meist gar nichts mehr übrig – sie hätten ihr Geld genauso gut unters Kopfkissen legen können und wären auch nicht schlechter gefahren. Da kann der Staat noch so viel fördern, wenn die Versicherer und Banken sowie Krankenkassen sechs und mehr Prozent abschöpfen, wird Altersvorsorge sogar zum Minus-Geschäft. So wird das allerdings nichts mit einem auskömmlichen Ruhestand.

AP7 als obligatorischer Bürgerfonds

Der AP7 ist ein obligatorischer Bürgerfonds, der sich der sozialen und ökologisch Verantwortung bewusst ist und Kernkraft oder Kinderarbeit nicht ins Depot lässt. Jeder kann ständig nachsehen, wie sein Anlagekonto steht, denn die Zahlen sind per Internet abrufbar. Den AP7 gibt es als Aktien- und als Rentenfonds. Beide haben eine International Securities Identifikation Number (ISIN), so eine Art Postleitzahl für Kapitalanlagen. Die ISIN des AP7: SE0003299999. Investieren können aber nur Schweden, alle anderen bleiben außen vor. Die Fondsbewertungsgesellschaft Morningstar weist für den AP7 zumindest die wichtigsten Kennzahlen wie Rendite und Anlagevolumen aus.

Die Schweden können zwar auch in Einzelfonds investieren, aber mit weit über 90 Prozent entscheidet sich die weitüberwiegende Mehrheit für den AP7. Wer jetzt glaubt, das staatliche Fondsmanagement arbeitet so bürokratisch wie manche deutschen Bundesbehörden, muss seine Meinung gründlich revidieren. Den Schweden ist alles erlaubt, um für die Bürger eine passable Rendite zu erwirtschaften. Sie wissen, dass sich bezogen auf einen Anlagehorizont von Jahrzehnten mit Aktien eine deutlich höhere Wertentwicklung erreichen lässt. Sie scheuen auch nicht davor zurück, auf fallende Kurse zu setzen und kaufen Beteiligungen. Natürlich investieren die Schweden global und messen sich am Welt-Index MSCI ACWI – ACWI steht für All Country World Index.

Noch ein Wort zur Investmentstrategie: Wer sich für den AP7 Såfa entscheidet, der entscheidet sich dafür, dass sein Altersruhegeld bis zum 55. Lebensjahr zu hundert Prozent in Aktien investiert wird, ab 60 geht der Aktienanteil runter auf 83 Prozent und mit 65 Jahren auf 67 Prozent. In Deutschland gäbe es einen Aufstand, wenn ein Pensionsfonds so agieren würde, wie es der AP7 tut. Aber dafür leben die Schweden besser als wir im Alter.

Nachahmenswertes schwedisches Modell

Wir können uns von den Schweden eine Scheibe abschneiden. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) kennt sehr wohl die Vorteile des schwedischen Modells, der Forschungsbericht ist aber in den Schubladen der Behörde verschwunden. Seit März 2017 ist in dieser Beziehung wenig bis gar nichts passiert. Die Autoren der Studie beschreiben das schwedische Modell zwar genau: Ein staatlich organisierter und betriebener Fonds zur Kapitalanlage auf DefaultBasis in einem System zwingender Vorsorge (Schweden). Dabei ist es aber geblieben. Einen Satz aus der BMAS-Studie (s. Seite 21) sollte sich jeder auf der Zunge zergehen lassen: „Tatsächlich sank die ausgezahlte Rente in Schweden auch nach der Finanzmarktkrise 2008 nie unter den einer Riester-Rente entsprechenden Garantiebetrag. Da diese Garantie vor allem bei Niedrigzinsen hohe Kosten verursacht, hat die schwedische Prämienrente eine deutlich höhere Verzinsung als eine Riester-Rente.“ Da bleibt nur zu sagen: glückliches Schweden.

Abzocke durch Fondsgesellschaften

Wer dann noch die Gebühren des AP7 Såfa mit den Verwaltungs- und sontigen Gebühren von deutschen Riester-Anbietern – zu finden in der BMAS-Studie auf Seite 28 – vergleicht, der kommt ins Zweifel, ob uns die Politik nicht an die Versicherungs- und Fondsbranche verraten hat. Der AP7 Såfa kommt auf Gesamtkosten von 6,4 Prozent bei hohen Kapitalerträgen, der Union Invest auf 31,3 Prozent, Deka Invest auf 33,7 Prozent und DWS auf 41 Prozent.

  Hohe Kapitalerträge* Niedrige Kapitalerträge* 
AnbieterProduktGesamtkostenErtragsminderungGesamtkostenErtragsminderung
Schwedische RentenagenturAP7 Såfa6.40.175.60.15
Union InvestmentUniProRente31.30.9727.80.83
Deka InvestmentDekaZukunftPlan S.33.71.0730.10.91
DWSDWS RiesterRente Prem.411.36341.06
*in Prozent

Vergleich dreier Riester-Verträge mit dem schwedischen Standardfonds AP7 Såfa. Stand: 2013

Die große Koalition hätte mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz die Chance gehabt, diese Schieflage zu ändern – sie hat es nicht getan, zum Schaden deutscher Rentner.

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

7 Comments

  1. Und wo investiere ich nun als Nichtschwede, 50 Jahre alt noch effektiv?

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    1. Ich bin kein Anlageberater, darf das auch nicht, weil ich sonst in Teufelsküche komme. Nur so viel, es gibt Indexfonds auf den Weltindex MSCI World – und das ganze sogar noch mit Minimum-Risiko-Faktor. So weit ich mich erinnern kann, heißt der Fonds MSCI World Minimum Volatility. Aber ich muss gleich auf meinen Disclaimer verweisen.

      Disclaimer:
      Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Die hier enthaltenen Aussagen sind nicht als Angebot oder Empfehlung bestimmter Anlageprodukte zu verstehen. Dies gilt auch dann, wenn einzelne Wertpapiere oder Investments erwähnt werden. Der Beitrag soll lediglich einen Überblick über die Möglichkeiten geben und die selbständige Anlageentscheidung erleichtern.

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  2. Dirk Feldhinkel 7. Januar 2019 at 12:57

    Endlich kommt es auf den Tisch. Jetzt noch der kleine Trick mit der Sterbetafel für 100-Jährige und die Homöopathie ist in der Rente angekommen.
    Der Glaube zählt.

    Aber Spaß beiseite: Der Finger liegt auf der Wunde. Diese Recherche zeigt ein Hauptproblem auf, welches die regiereden Fachpolitiker nicht sehen können oder wollen. Die Doppelverbeitragung der Betriebsrenten durch Krankenkassen wird sogar politisch dazu missbraucht, diese Entwicklung weiter zu beschleunigen.

    Solange deutsche Bürger so wenig über das Thema wissen und Politik nur klagend konsumieren, wird die Falle irgendwann zuschnappen.

    Ihr journalistisches Handwerkszeug ist unverkennbar und ein Fundus für diejenigen, die es genau wissen wollen. Kompliment!

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    1. vielen Dank

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  3. Johannes Emmonts 6. Januar 2019 at 10:29

    Wer geht denn ernsthaft davon aus, dass unsere Regierung von anderen Staaten etwas lernen oder gar übernehmen möchte? Die Vorbilder Oesterreich und Schweden sind schon lange bekannt.

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  4. Wieder mal ein guter, informativer Beitrag. Aber: Helmut, wo finde ich die >Seite 28< über Gebühren von deutschen Riester-Anbietern?

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    1. Ich habe die Studie des BMAS verlinkt. Die Tabelle baue ich noch in den Beitrag ein 😉

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