Last Updated on 28. Januar 2020 by Helmut Achatz

Der Rentenexperte Bert Rürup empfiehlt der Groko, ähnlich wie in Österreich, die Beamten in das Rentensystem herein zu nehmen. Wenn nicht, droht ein Desaster, das den Staat überfordert, weil die Pensionsansprüche in die Billionen gehen. Pensionen werden zu einem gewaltigen Problem.

In Österreich gibt es nur ein Altersvorsorgesystem: jeder bekommt eine Pension. Die Trennung von Rente und Pension wurde schon 2004 aufgehoben. Die positive Folge: Österreicher dürfen sich den Experten der Hans-Böckler-Stiftung zufolge über ein Rentenniveau von 78,1 Prozent (brutto, vor Steuern und Sozialabgaben) und 91,6 Prozent (netto) freuen; in Deutschland sei das zukünftige Rentenniveau der gesetzlichen Rentenversicherung hingegen weitaus niedriger: 37,5 Prozent netto und 48,0 Prozent brutto. Die doppelte Haltelinie der Bundesregierung gilt nur bis 2025. Nur, was ist danach?

Pensionen für alle

Alle bisherigen Bundesregierungen haben sich geweigert, die Altersvorsorge zu reformieren. Der Grund für die Reformunwilligkeit liegt auch daran, dass ein Mehrheit der Bundestagsabgeordneten Beamte sind. Die anstehende Reform des deutschen Rentensystems böte die Chance, das zu ändern. Vermutlich wird die vom Staat eingesetzte Rentenkommission wieder einen Minimalkonsens vorschlagen.

Die Österreicher haben schon früher als die Deutschen erkannt, dass nur mit einer Erwerbstätigenrente (oder Pension) die Altersvorsorge der große Mehrheit zu finanzieren ist. Das habe sich, so Rürup, als „relativ clevere Reform“ erwiesen.

Reform jetzt angehen

Natürlich lässt sich das System der Altersvorsorge hierzulande nicht von heute auf morgen ändern. Aber jetzt ist die Zeit anzufangen. „Wenn man beschließt, wir ersetzen die Beamtenversorgung und stellen nur noch Angestellte ein, so werden die bis dahin in der Beamtenversorgung erworbenen Ansprüche damit ja nicht hinfällig“, sagte Rürup. Sie seien „eigentumsrechtlich geschützt und müssen weiter bedient und finanziert werden“, wie „FOCUS Online“ berichtet. In Österreich werde diese Übergangsphase erst 2040 weitgehend abgeschlossen sein.

Übrigens, Rürup ist nicht der einzige, der fordert, das System zu ändern.  So warnte etwa der Bernd Raffelhüschen von der Uni Freiburg gegenüber FOCUS Online wiederholt vor dramatischen Pensionslasten, die sich längst zu einem Billionen-Risiko summiert haben.

Serie Rentensysteme

Dieser Beitrag ist Teil einer Serie über Rentensysteme im Ausland. Bislang sind Beiträge erschienen über:

Blüm Was wir von Österreich lernen können Insgesamt zeigt Österreich, dass es auch anders geht – zum Nutzen der Rentner.

Die Rente in der Schweiz ruht auf drei SäulenWas wir von der Schweiz lernen können Die Schweizer sind bei der Altersvorsorge ein Vorbild, von dem deutsche Rentenpolitiker 

 

schweden Schweden Anders als die Deutschen setzen auch die Schweden auf den Kapitalmarkt für die Altersvorsorge – und fahren deutlich besser       als wir Deutsche.

 

norwegenNorwegen Die norwegische Staatsbank (Norges Bank) hat das Geld in Aktien und Immobilien weltweit in einem Pensionsfonds angelegt. Mittlerweile hat dieser Fonds ein Volumen von weit mehr als 8,23 Billionen norwegischer Kronen oder umgerechnet 825 Milliarden Euro.

 

niederlanden

Niederlande Anders als die Deutschen setzen auch die Niederländer, wie die Schweden und Norwegern auf den Kapitalmarkt für die
Altersvorsorge. Die Niederländer brauchen deswegen vor Altersarmut auch keine Angst haben. Was wir von den Niederlanden lernen

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

2 Comments

  1. Hans-Peter Liedtke 28. Januar 2020 at 19:31

    Wird das Geld für Pensionen knapp, greift man deer Einfachheit halber in die Rentenkasse

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  2. Dirk Feldhinkel 28. Januar 2020 at 15:08

    Altes Prinzip: Gewinne privatisieren und Kosten sozialisieren – kurz Kleptokratie genannt!

    Telekom AG
    Post AG
    Bundesbahn AG

    Hier wurden viele Beamte in den wohligen Vorruhestand gesetzt, um die Unternehmen „börsenfit“ zu machen.
    Bezahlt wird das von den Bürgern.

    Man glaubt es kaum, aber der Staatsfonds wird von den Grünen favorisiert – vorne dran Co-Chef Robert Habeck und Markus Kurth als Rentenexperte.
    Von der SPD sind dagegen nur schwache Töne in diese Richtung zu hören. Waren die nicht auch mal für die Bürgerversicherung bei den Krankenkassen?
    Die CDU/CSU? Frau Merkel macht einfach wieder mal eine Raute und die Politik ist und bleibt wieder mal alternativlos!

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