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Allen ist klar, die gesetzliche Rente muss reformiert werden, wenn sie auf Dauer funktionieren soll. Die von der Regierung eingesetzte Rentenkommission soll’s richten. Dumm nur, dass die jüngere Generation in dieser Rentenkommission komplett fehlt.

Um es auf einen kurzen Nenner zu bringen: Das Durchschnittsalter der zehnköpfigen Rentenkommission liegt bei 56,5 Jahren. Das heißt, einige haben das Rentenalter bereits erreicht, andere stehen kurz davor. Die Jüngste, Simone Scherger, Professorin für Soziologie mit Schwerpunkt Lebenslauforientierte Sozialpolitik an der Uni Bremen, ist 43 Jahre alt. Die beiden Vorsitzenden, Gabriele Lösekrug-Möller und Karl Schiewerling, sind 67 Jahre alt, waren Bundestagsabgeordnete – und beziehen eine Pension. Was ist von einer solchen Rentenkommission zu erwarten?

Alter der Mitglieder der Rentenkommission

 Mitglieder der Rentenkommission   
Funktion/AmtGeborenAlter
1Gabriele Lösekrug-Möller (Vorsitz)Ex-Staatssekretärin (SPD)20. April 195167
2Karl Richard Maria SchiewerlingEx-Bundestagsabgeordneter (CDU)18. May 195167
3Annelie BuntenbachMitglied DGB-Vorstand24. February 195563
4Alexander GunkelBundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände31. July 196849
5Katja MastMdB, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD4. February 197147
6Hermann GröheMdB, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU25. February 196157
7Stephan StrackeMdB, Stellvertretender Vorsitzender der CSU im Bundestag1. April 197444
8Axel Börsch-SupanDirektor Munich Center for Economis of Aging, Max-Planck-Institut28. December 195463
9Simone SchergerSOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik, Uni Bremen1. January 197043
10Gert G. WagnerVorsitzender des Sozialbeirats5. January 195365
Durchschnittsalter Rentenkommission56.5
Stand: 18. Juni 2018

Rentenkommission als Altenklub

In der Kommission fehlt die junge Generation komplett, wie auch schon die „Stuttgarter Nachrichten“ monierte. Sarna Röser, Vorsitzende des Verbands „Die Jungen Unternehmer“ und Firmennachfolgerin aus dem Kreis Ludwigsburg, zieht in der „Stuttgarter Nachrichten“ vom Leder. „Als ich erfuhr, dass in der neuen Rentenkommission kein einziges Mitglied unter 40 Jahren ist, habe ich mich richtig aufgeregt.“ Röser hält die Besetzung für „einen üblen Scherz“. Da wird über den Kopf der Jungen hinweg entschieden, was sie künftig an Lasten zu stemmen haben, ohne dass die Jungen eine Chance haben, mitzuentscheiden. Das versteht Sozialminister Hubertus Heil offensichtlich unter Generationengerechtigkeit.

Start der Rentenkommission am 6. Juni

Am 6. Juni hat die Kommission „Verlässlicher Generationenvertrag“ mit der konstituierenden Sitzung ihre Arbeit aufgenommen. Die Kommission soll, so der offizielle Auftrag, Empfehlungen für eine zukunftssichere und generationengerechte Altersvorsorge erarbeiten. Dazu zählen die nachhaltige Sicherung und Fortentwicklung der gesetzlichen Rentenversicherung, der betrieblichen Altersversorgung und der privaten Altersvorsorge. Bis März 2020 soll ihr Bericht fertig sein – der wegweisend sein soll für einen verlässlichen Generationenvertrag ab 2025.

Die Jungen kommen dabei zu kurz

Die baden-württembergische SPD-Sozialpolitikerin und Kommissionsmitglied Katja Mast (47) meint zwar, „die Sicht der Jüngeren wird in unseren Beratungen eine wichtige Rolle spielen“, ob das dann aber auch zum Tragen kommt, ist zweifelhaft. Schon bisher bewies die Regierung, dass sie den Jüngeren immer höhere Lasten aufbürdet in Form der Mütterrente II und der Rente mit 63 – beides müssen die Beitragszahler schultern. Das gilt auch für das Versprechen, das Rentenniveau bis 2025 stabil zu halten. Vor kurzem kündigte Gesundheitsminister Jens Spahn laut „Focus“ an, dass der Beitrag zur Pflegeversicherung um 0,3 Prozent erhöht werden müsse. Das trifft auch die Jungen.

Ein Witz ist natürlich, dass die Kommission aufgestellt wurde, nach dem die Regierung bereits ihr Rentenpaket geschnürt hatte. Die Kommission kann nur noch das abnicken, was bereits Fakt ist. Da stellt sich grundsätzlich der Sinn einer solchen Rentenkommission.

Die von der großen Koalition beschlossen Vorhaben werden für die jüngere Generation richtig teuer. Nach Berechnungen des Freiburger Finanzexperten Bernd Raffelhüschen summieren sich die Gesamtkosten der GroKo-Pläne langfristig auf 5,1 Billionen Euro, so die „Welt“.

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

2 Comments

  1. Eigentlich ist von dieser Rentenkommission rein gar nichts zu erwarten. Offensichtlich möchte die Bundesregierung nicht ihre Hausaufgaben machen und schiebt das Thema Rente an eine Kommission ab .Das erinnert mich an die Reformen der Rot-Grünen Koalition unter BK Schröder für die Peter Hartz seinen Namen hergab. Rentengerechtigkeit wird es erst dann geben wenn ein Volksentscheid über die Beitragspflicht stattfindet. Die Demographie muß für alle Berufsgruppen Geltung haben. Kein Bürger sollte bei der Altersversorgung bevorzugt oder benachteiligt werden. Wenn der Art. 3 des GG entsprechend ergänzt würde könnte man sich die ganze Kommission sparen. Wer dann immer noch nicht begriffen hat um was es geht sollte sich die Schweiz zum Vorbild nehmen. Da bezahlen alle Berufstätigen in die AHV ein und bekommen beim Erreichen der Altersgrenze auch ihre Altersversorgung ohne das Zutun einer Rentenkommission.

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  2. Eberhard Stopp 20. Juni 2018 at 16:51

    Diese Rentenkommission ist eine glatte Fehlbesetzung. Aber was will man von einer auch vollständig fehl besetzten Bundesregierung auch erwarten? Wir sollten uns davor hüten, in eine Diskussion Jung gegen Alt einzusteigen und uns zu dieser Diskussion verleiten zu lassen. Wer eine solche Kommission zusammensetzt, der gibt damit ganz klar das Ziel vor: Privatisierung der Vorsorge und dazu muss die gesetzliche Rente als “ unfinanzierbar “ dargestellt werden. Da die se Personen jedoch alles “ liebe Personen “ sind, geben sie den Bürgern die Chance ab 69 doch eine “ volle “ Rente zu erhalten. Natürlich darf man auch vorher gehen, mit den unabdingbaren Abschlägen.
    Ich nenne diese Rentenkommission “ Volksverdummungskommission“ , oder noch besser : Rentenkürzungskommission.
    Auffällig dabei auch, dass die große Mehrheit der Mitglieder von Pensionen, Diäten oder anderen Alimenten lebt, ohne in die Rentenkasse eingezahlt zu haben. Und natürlich werden die Betroffenen, die Pflichtversicherten, wieder nicht gefragt.
    Dazu ein Beitrag von R. Dressler , dem SPD -Urgestein, wo Sozialdemokratisch nicht nur Name, sondern auch Programm war: https://www.nachdenkseiten.de/?p=43007#h04
    Meine Meinung dazu hier: http://www.fair-makler.com/Aktuelles/286
    Obwohl ich als Versicherungsmakler einer “ Begünstigten “ dieser Privatisierungsorgie wäre, lehne diese Politik ab und empfehle diese privaten Spar-Versicherungsverträge nicht !!! Eberhard Stopp

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