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Die wenigsten kennen die Höhe ihrer Rente, noch weniger wissen, wie viel Geld ihnen im Alter zur Verfügung steht. Beschämend, oder? Was für Dänen und Schweden selbstverständlich, müssten wir doch auch hinkriegen. Das Zauberwort heißt Vorsorgekonto.

Laut Bankenverband kennen zwei von drei Deutschen ihre Rente nicht. Wäre es nicht großartig, eine App zu haben, die den aktuellen Stand der Altersvorsorge ausweist? Bei den nordischen Nachbarn ist das eine Selbstverständlichkeit. Hierzulande kommt langsam die Forderung nach einem Vorsorgekonto auf. Die FDP hat in ihrem Wahlprogramm 2017 (siehe Seite 60) „mehr Transparenz durch ein Vorsorgekonto“ propagiert. Das Vorsorgekonto soll zusammenfassen, wie viel Rente jeder später aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Vorsorge zu erwarten hat. Voraussetzung: Jeder behält die Kontrolle über sein Vorsorgekonto. Vorteil dieses Vorsorgekontos: Es deckt Vorsorgelücken auf.

Wer will ein Vorsorgekonto?

Wer will denn so was? Nun, es gibt einige Befürworter für eine solche übergreifende Infoplattform, in der alles zusammengefasst sein könnte, was der einzelne Bürger wissen muss, um einschätzen zu können, was er im Alter an Versorgungsansprüchen zu erwarten hat. Da ist zum einen der Bankenverband, dann natürlich die Deutsche Renten Information, auch das Deutsche Institut für Altersvorsorge spricht sich dafür aus.

Es dürfte jedem klar sein – und eine Studie der Frankfurter Goethe-Universität verdeutlicht das –, dass es in Deutschland in punkto Altersvorsorge einen Paradigmenwechsel braucht. Die Bürger müssen über ihre Altersvorsorge-Ansprüche Bescheid wissen – zeitnah und transparent. Nur so können sich darauf einstellen, was sie im Alter erwartet und wie sie sich am besten verhalten sollen.

Null Peil was Altersvorsorge betrifft – leider Normalfall in Deutschland

Vorsicht vor staatlicher Fürsorge

Transparenz ist das eine, Rendite ist das andere. Die Bürger brauchen so etwas wie den AP7 der Schweden, einen Fonds, der ihre Gelder rentierlich anlegt und dabei unabhängig ist von staatlichem Zugriff. Der schwedische AP7 ist eine Art Bürgerfonds, in den alle einzahlen und der am Kapitalmarkt investiert. Die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) hat da einen Vorschlag. Prinzipiell schlägt sie etwas Ähnliches vor wie den AP7. Mit der Anlage auf dem Kapitalmarkt soll die Versorgungslücke geschlossen werden. Das Konzept der Friedrich-Ebert-Stiftung für eine Vorsorgekonto sieht einen Reservepuffer und einen Kapitaltopf vor. Kapitalerträge werden nicht sofort in voller Höhe ausgezahlt, sondern wandern teilweise in den Reservetopf, um Kursschwankungen in schlechten Zeiten auszugleichen. Den Risikoteil des Vorsorgekontos will die Stiftung folgendermaßen verteilen:

60% Aktien-ETFs
davon 23% Europa
davon 11% Asien
davon 23% Nordamerika
davon 1,5 Australien/Neuseeland
davon 1,5 Schwellenländer
35% Renten-ETFs
davon 24,5% Staatsanleihen
davon 10,5% Unternehmensanleihen
5% Immobilien-ETFs/Rohstoffe
davon 3,1% Immobilien-ETFs
davon 1,9% Rohstoff-ETFs

Auf die Idee zu einem solchen Vorsorgekonto ist der Stiftung zufolge die Deutsche Rentenversicherung Baden-Württemberg (DRV BW) gekommen. Dieses Vorsorgekonto soll von der Deutschen Rentenversicherung verwaltet werden. Eine ähnliche Idee hatte die Verbraucherkommission Baden-Württemberg, die enttäuscht war und ist von Kosten, Intransparenz des Marktes und der zögerlichen Abschlussbereitschaft der Riester-Berechtigten. Gemeinsam mit dem Bund der Versicherten e.V. und weiteren Verbraucherschutzorganisationen hat die Verbraucherkommission an einem gemeinsamen Konzept gearbeitet.  Bereits 2012 wurden zusammen mit dem Ministerium für Ländlichen Raum, Ernährung und Verbraucherschutz BadenWürttemberg erste Skizzen dieses Vorsorgekontos präsentiert. Das war 2016. Seitdem ist nichts passiert.

Skepsis ist angebracht

Aber, ist die Deutsche Rentenversicherung wirklich die richtige Stelle? Wie sich in der Vergangenheit regelmäßig gezeigt hat, greift der Staat, wenn es nötig ist, in die Rentenkasse und bedient alle möglichen Forderungen. Das wird beim Vorsorgekonto auch so sein. Die Deutsche Bundesbank wäre sicher eher für diese Aufgabe geeignet. Aber noch handelt es sich beim Vorsorgekonto um Sandkastenspiele. Kein Politiker greift das Thema ernsthaft an. Oder sollte ich mich getäuscht haben?

Auch wenn die Stiftung schreibt, das Geld der Vorsorgekonto-Anleger soll auf einem Treuhandkonto eingezahlt werden, würde ich dem Staat nicht über den Weg trauen, auch wenn die Stiftung schreibt, dass die neu zu schaffende Institution als eigenständige „Rechtspersönlichkeit“ auch gegenüber der Rentenkasse völlig unabhängig sein solle.

Querschüsse von Versicherern

Das Vorsorgekonto soll über die Rentenversicherung und nicht über private Versicherer laufen, was deutlich Kosten spüren würde – gut für die Versicherten. Das kann der Versicherungsbranche nicht schmecken, deswegen wird sie das Vorsorgekonto torpedieren. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) habe, so das „Versicherungsjournal“  in einer Stellungnahme doch schon 2015 wenig Gegenliebe gezeigt, als das Konzept eines kapitalgedeckten Vorsorgekontos unter dem Dach der GRV erstmals diskutiert wurde.

Leider ist die Lobby der Versicherungswirtschaft in Deutschland offensichtlich weit stärker als beispielsweise in Dänemark. Die „pensionforalle“ funktioniert dort ganz einfach. Jeder Bürger ist seit November 2014 bei der Digitalen Post angemeldet und erledigt vieles online – vom Umzug-Melden bis zum Antrag auf Kinderbetreuung und bis zum Vorsorgekonto. Wie der Staat mit seiner Altersvorsorge umgeht, kann der dänische Bürger natürlich auch jederzeit einsehen und nachvollziehen auf der Seite der Arbejdsmarkedets Tillægspension ATP oder auf der Seite pensionforalle. Das, worüber die Deutschen reden, praktizieren die Dänen längst. Im Gegensatz zu Deutschland, ist die ATP aber weitgehend unabhängig vom Staat – und somit seinem Zugriff entzogen. Was noch dazu kommt: Im Gegensatz zu Deutschland zahlen die Arbeitgeber mit zwei Drittel auch den Löwenanteil in die betriebliche Altersvorsorge.

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

2 Comments

  1. Was bringt ein Vorsorgekonto in Deutschland?
    Es wird sowieso wieder von unserem Staat geplündert.
    Siehe Rente, Krankenversicherung, Direktversicherung …..

    Antworten

  2. Wie schön wäre es wenn die Deutschen auch die Möglichkeit hätten selbst in ihre Rentenkonto einzuzahlen und es ggf. auch aufzustocken so wie das in Luxemburg der Fall ist. Die Deutschen werden von ihren Politikern bevormundet ohne Ende. Die Selbstverwaltung der Rentenversicherung ist wie ein Betriebsrat ohne Entscheidungsbefugnis. In den letzten 30 Jahren hat sich viel bei der Altersvorsorge verschlechtert. Besonders seit der Zeit der Wiedervereinigung ist eine soziale Schieflage entstanden die dann durch den sozialdemokratischen Kanzler Schröder mit der Rentenbesteuerung und Erhöhung der Mehrwertsteuer auf die Spitze getrieben wurde. Noch immer erinnere ich mich daran daß Schröder doch ernsthaft der Meinung war durch die Erhöhung der Benzinsteuer könnte man die Rentenversicherung sanieren. Das hätte er besser wissen sollen. Nur durch die Beitragszahlung aller Beschäftigten, einschließlich der Beamten und Politiker läßt sich die Rentenversicherung sanieren und die Beitragsbemessungsgrenze gehört abgeschafft. Es ist eine Schande daß sich ehemalige VW Vorstandsmitglieder damit brüsten können € 2553,- täglich an Altersversorgung zu bekommen Durch die Aufhebung der Beitragsbemessungsgrenze könnte man zu mindestens diese Leute an einer Solidargemeinschaft beteiligen.

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