Kommt die Aktienrente – oder doch nicht?

Finanzen

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Für die Altersvorsorge ist kein Geld da. Aus der von der FDP vorgeschlagenen Aktienrente wird wohl nichts – oder doch? Angeblich soll sie noch dieses Jahr kommen, wenn sie „etatreif“ ist. Bislang gibt es nur ein Eckpunkte-Papier.

Die Ampelregierung war angetreten, einen Kapitalfonds von zehn Milliarden Euro zur Entlastung der Rentenversicherung anzuschieben. Im Etatplan für 2022 war plötzlich nichts mehr davon zu lesen. Zehn Milliarden Euro, sind ganz abgesehen davon, für die Lösung des Problems viel zu niedrig. Bislang gibt es auch nur ein Eckpunktepapier der FDP.

Aktienrente und ihre Aussichten

Mit der Aktienrente wollte – oder will immer noch – Deutschland Schweden nacheifern, wenn es um das Rentensystem geht. Schweden hat solche Vorsorgefonds bereits seit 1998. Ein Vorbild für Deutschland? Ja, sagt Schwedens Sozialversicherungsminister Ardalan Shekarabi gegenüber dem „Tagesspiegel“.

Im Haushaltsentwurf nicht vorgesehen

Weil die für 2022 geplante Anschubfinanzierung von zehn Milliarden Euro aus der Staatskasse wegen der Ukraine-Krise jedoch im ersten Haushaltsentwurf der Regierung Scholz nicht aufgetauchte, sind viele davon ausgegangen, dass Bundeskanzler Olaf Scholz die Aktienrente schon beerdigt hat.

Aus ist falsch, wirklich?

Dem widerspricht jetzt Johannes Vogel, Rentenexperte der FDP: „Die Aktienrente wird noch dieses Jahr kommen“, sagte er T-Online in einem Interview. Sie sei integraler Bestandteil der Arbeit dieser Koalition. Darauf lege er großen Wert, weil er diese Idee ja mit vorangetrieben habe. Florian Toncar, Staatssekretär im Finanzministerium, hat getwittert, „dass die Aktienrente vor dem Aus stünde, ist schlicht falsch; an dem Projekt wird intensiv gearbeitet, es bleibt integraler Teil der Rentengesetzgebung der Koalition“. Sobald es „etatreif“ sei, komme es auch in den Haushalt.

Was haben Aktiensparer davon?

In dem Eckpunktepapier der FDP steht:

Wir machen die Aktien- und Vermögensanlage steuerlich attraktiver, insbesondere durch die Förderung von Aktiensparen.

  • Wir wollen, dass mehr Bürgerinnen und Bürger in Aktien investieren, da langfristige Aktienanlagen den Vermögensaufbau stärken und vor Inflation schützen können. Eine höhere Aktienanlage nützt auch unseren Unternehmen, denn sie können sich leichter Eigenkapital beschaffen. Dies sorgt wiederum für höhere Investitionen und schafft Sicherheitspuffer für Krisenzeiten.
  • Um stärkere Anreize für die Aktienanlage zu erzeugen, wollen wir einen Freibetrag für im Privatvermögen erzielte Gewinne aus der Veräußerung von Aktien und von Aktienfondsanteilen einführen.
  • Darüber hinaus wollen wir die Rahmenbedingungen für die Aktienanlage verbessern, indem wir den gesonderten Verlustverrechnungskreis für Aktienveräußerungsverluste abschaffen.
  • Damit wir auch eine wesentliche Vereinfachung im Abgeltungssteuerverfahren erreichen, wollen wir gleichzeitig die gesonderten Verlustverrechnungskreise für Verluste aus Termingeschäften und aus Forderungsausfällen im Privatvermögen aufheben.
  • Um den Fondsstandort Deutschland auch steuerlich zu stärken, werden wir die Umsatzsteuerbefreiung für Wagniskapitalfonds im Rahmen des unionsrechtlich Zulässigen ausweiten

Milliarden für alles mögliche

Angesichts des 100-Milliarden-Euro-Sonderetats für die Bundeswehr und der milliardenschweren Entlastungspakete klingt das indes nicht sonderlich glaubwürdig. Die Ampel hat das Thema Rente bereits abgehakt – alles andere würde wirklich überraschen.

Aktienrente zum Selbst-Nachbauen

Wer nicht warten will, bis sich die Scholz-Regierung endlich um das Thema Rente kümmert, kann sich ja selbst an den Schweden orientieren und der Fonds AP7 selbst nachbilden. Das Portal „ExtraETF“ zeigt wie’s geht: „Beim AP7-Aktienfonds handelt es sich um einen staatlich verwalteten Fonds, der einem strengen Portfoliomanagement unterliegt; er ist ein Bestandteil der schwedischen Premium-Rente, die wiederum eine wichtige Säule für das Rentensystem in Schweden darstellt“. Und wie lässt sich das nachbauen? „Der Kern des Portfolios des AP7-Fonds besteht zu 100 Prozent aus Aktien und selbst Aspekte wie das faktorbasierte Investieren oder die nachhaltige sowie soziale Verantwortung kommen nicht zu kurz. Um eine simple Nachbildung der Strategie zu ermöglichen, haben wir uns auf folgende Gewichtung festgelegt: 50 Prozent Industrieländer (ESG), 20 Prozent Schwellenländer (ESG), jeweils zu 12,50 Prozent den Faktor ‚Quality‘ sowie den Faktor ‚Value‘ und abschließend kommt noch fünf Prozent Private Equity hinzu.“ Dabei kam diese Liste heraus:

Aktienrente mit ETFs

NameWKNISINGewichtung
iShares MSCI World ESG Enhanced UCITS ETFA2PCB4IE00BHZPJ56950%
iShares MSCI EM ESG Enhanced UCITS ETFA2PCB0IE00BHZPJ23920%
Xtrackers MSCI World Quality UCITS ETFA1103DIE00BL25JL3512,5%
Xtrackers MSCI World Value UCITS ETFA1103EIE00BL25JM4212,5%
iShares Listed Private Equity UCITS ETFA0MM0NIE00B1TXHL605%
Xtrackers Global Aggregate Bond Swap UCITS ETFDBX0NVLU0942970103altersabhängig

Quelle: ExtraETF

Wo bleiben die Milliarden liebe FDP?

Für alles hat die FDP Geld, nur nicht für die Altersvorsorge? Die Rede von einer Aktienrente ist Geschwafel. „Too late and too little“, sagen die Amerikaner. Was sind schon zehn Milliarden für eine 83-Millionen-Volk? „Da wäre selbst ein 100-Milliarden-Euro-Fonds zu klein“, urteilt die „Welt“.  Die jährlichen Beitragseinnahmen der Rentenversicherung liegen der „Welt“ zufolge aktuell bei 250 Milliarden Euro, hinzu kommen direkte Steuerzuschüsse des Bundes von mehr als 100 Milliarden Euro. Da geht ein mittlerer einstelliger Milliardenbetrag aus einer Aktienrente unter. Wir können ja schauen, was Toncar zuwege bringt: Woche für Woche, Monat für Monat. Es ist zu befürchten, dass nichts passiert.

Ein Volk von Aktionären?

Aleks Bleck von Northern Finance hat Johannes Vogel, stellvertretender Bundesvorsitzender der FDP und Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der FDP-Bundestagsfraktion, interviewt, wie es denn um die Aktienrente steht. Die FDP hat vor, die Rente zu reformieren und eine Aktienrente einzuführen. Was ist daraus geworden? Bislang ist es still um das Thema Aktienrente. Wie könnte eine Aktienrente funktionieren?

Was ist die Aktienrente?
Dazu Vogel:

Die Aktienkultur ist in Deutschland viel zu gering ausgeprägt. Das ist ein großes Problem, auch für die Vermögensschere, so Johannes Vogel. Dabei können Aktien, vor allem als langfristige Anlage, sehr sinnvoll sein! In Staaten mit demografiefesten Rentensystemen, wie Schweden, den Niederlanden oder der Schweiz, wird viel mehr als in Deutschland auf Aktien gesetzt. Im Gegensatz zu diesen Ländern kommen auf Deutschland starke demografische Probleme zu: Denn die geburtenstarken Jahrgänge gehen bald in Rente. Wie die Rente dann noch finanzierbar sein soll, weiß keine der anderen Parteien, beklagt Vogel. Wenn man dann nicht zu schlechten Alternativen, wie einen enorm hohen Beitragssatz für Junge, einem hohen Steuerzuschuss, einer dauerhaften Aussetzung der Schuldenbremse oder einer extremen Erhöhung des Renteneintrittsalters greifen will, braucht man eine Rentenreform! Die Aktienrente funktioniert folgendermaßen: Ein Teil der Zahlungen der gesetzlichen Rente fließt in Aktien. Organisiert wird das mit einem staatlichen Non-Profit-Fond, mit dem man zum Beispiel in Schweden schon gute Erfahrungen gemacht hat. Die Aktienrente kann, so die FDP, die Rente und die Staatsausgaben stabilisieren und das Rentenniveau steigern. Davon profitieren dann auch Geringverdiener überproportional!

Vogels Antworten in voller Länge gibt’s auf Northern Finance. Aleks Bleck hat auch einen Youtube-Kanal.

 

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Helmut Achatz

Macher von vorunruhestand.de

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