Last Updated on 23. Juli 2020 by Helmut Achatz

Um das Rentensystem aufrecht zu erhalten, muss der italienische Staat immer mehr Geld zuschießen und Schulden machen. Das heißt, letztlich leben Italiens Rentner auf Pump.

Dass Italiener im Schnitt höhere Renten bekommen und auch schon deutlich früher als Deutsche in Rente gehen, dürfte mittlerweile längst jedem klar sein. Wo das Geld dafür herkommt, ist vielen vermutlich nicht ganz so klar: Der italienische Staat muss für die rentenpolitischen Wohltaten Jahr für Jahr mehr Schulden machen. Mittlerweile haben sich Italiens Staatsschulden auf 2,5 Billionen Euro hochgeschraubt. Italiens Staatsschulden dürften in diesem Jahr die Marke von 160 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) Italiens erreichen.

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Italiens Staatsverschuldung steigt unaufhörlich              Quelle: Querschuesse.de

Viel Geld für Italiens Rentner

Das Geld bekommt der italienische Staat praktisch für lau. Die Rendite zehnjähriger italienischer Staatsanleihen liegen deutlich unter zwei Prozent. Normalerweise muss ein schlechter Schuldner deutlich höhere Zinsen zahlen, das gilt aber nicht für Italien. Dank der Negativzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und ihres massiven Anleiheaufkaufprogramms bleibt Italien dieses Schicksal erspart. Das heißt, Italien kann weiter munter Schulden machen, denn die EZB kauft Italiens Staatsanleihen auf.

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Italien kann sich für lau verschulden                        Quelle: Querschuesse.de

Italiens Rentner bekommen insgesamt mehr als 300 Milliarden Euro, wie den Zahlen des Istituto Nazionale Previdenza Sociale (INPS) zu entnehmen ist. Davon schoss der Staat 2018 mehr als 105 Milliarden Euro zu. In Deutschland bekommen Rentner „nur“ 355 Milliarden Euro oder elf Prozent des BIP.

Höheres Rentenniveau in Italien

Die Nettolohnersatzquote, sprich, das was ein Rentner im Vergleich zum vorherigen Angestelltendasein bekommt, liegt in Italien laut OECD bei annähernd 92 Prozent, in Deutschland bei annähernd 52 Prozent – bezogen auf einen Durchschnittsverdienst. Parallel dazu ist die Abgabenquote in Italien deutlich niedriger als hierzulande. Das heißt, Italiener zahlen weniger in das Rentensystem ein und bekommen mehr.

Geldsegen für Italien

Dazu kommt der Geldsegen der Europäische Union. „Rund 209 Milliarden Euro erhält das südeuropäische Land im Rahmen des Europäischen Wiederaufbauprogramms, davon über 81 Milliarden Euro in Form von Zuschüssen, die nicht zurückbezahlt werden müssen“, schreibt die „Neue Zürcher Zeitung“. Rom erhalte damit den Löwenanteil des 750-Milliarden-Pakets. Ein Teil des Geldsegen wird sicher dafür verwandt, die Löcher in der Rentenkasse zu stopfen. Denn Italien hat vor zwei Jahren „quota 100“ eingeführt und damit das Rentenalter faktisch gesenkt. Die „Neue Zürcher Zeitung“ hält auch nicht hinterm Berg, dass Italien „ohne Europa längst pleite wäre“. Mit dem quasi unbegrenzten Aufkauf von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank, Hilfen der Europäischen Investitionsbank, der Aussetzung des Stabilitätspaktes und nun dem Europäischen Wiederaufbauprogramm habe die EU Italien einen kräftigen Vertrauensvorschuss gegeben und erstmals eine Vergemeinschaftung von Schulden akzeptiert. Aus der EU ist mittlerweile eine Enteignungsunion geworden.

Infografik: Corona treibt Staatsverschuldung in Europa nach oben | Statista

Italiens Staatsverschuldung wird weiter steigen         Quelle: Statista

 

Aufmacherbild von Andre Zan auf Pixabay

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

3 Comments

  1. […] war wieder einmal eine gewaltige Kapitalflucht aus Südeuropa nach Deutschland zu beobachten. Die Target-Überziehungskredite Italiens werden immer negativer – sie sind die „Fluchttür“ für Kapital. Target steht für Trans-European Automated […]

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  2. Die deutsche Regierung sorgt freiwillig für alle “Ausländer”, vergisst leider seit Jahren die eigenen arbeitenden Mitbürger, das nenne ich gekaufte Freundschaft von Merkel und Co. Ob Renten, Kinderbetreuung, Pflegeheime, Schulen, Studenten etc., Merkel hat Schröders “Asozialstaat” 1:1 übernommen und weitergeführt. Im Fernsehen hab ich sie vor Jahren in einem Interview mit ihr gesehen in dem sie rühmlich von sich gegeben hat: “Gerhard Schröder hat alles recht gemacht”. Leute, wann verabschieden wir diese Person endlich?

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  3. Wer den Italienern das Sparen auferlegen will muß das von oben anordnen.So lange wie die italienischen Politiker mit schlechtem Beispiel vorangehen wird sich im Land nichts ändern.Das Beispiel man könne mit 62 in Italien Rentner werden ist eine Verallgemeinerung die nicht zutrifft, denn man muß mindestens 38 Jahre gearbeitet haben. Das ist bei vielen Beamten in Deutschland nicht anders. Die dürfen auch schon mit 60 in Pension gehen und haben in vielen Fällen noch nicht einmal 38 Dienstjahre vollendet. Es kommt immer auf die Finanzierung des Systems an. In Luxemburg kann man auch schon mit 60 seine Rente bekommen wenn man denn 40 Jahre gearbeitet hat. Niemand in der EU wird jedoch behaupten wollen das die Rentner von Luxemburg auf Kosten der anderen ihre frühe Rente bekommen. In Italien ist der Grund ein anderer. Es sind zum einem die bezahlten Beiträge zur Rentenversicherung und zum anderen auch Zusatzleistungen die auf Dauer nicht finanzierbar sind. Genau wie in Deutschland ist eine Rentenreform nötig. Diese kann jedoch nicht mit dem Lebensalter der Beschäftigten sondern bestenfalls mit den Beitragsjahren und einer Erhöhung der Beiträge gelöst werden. Wer das Beispiel Deutschland für Italien befürwortet wird auch dort noch mehr Altersarmut erzeugen für das die Rot-Grüne Regierung des Gerhard Schröder in Deutschland inzwischen berühmt geworden ist.

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