Müssen Rentner um Pension fürchten?

Last Updated on 4. Juni 2020 by Helmut Achatz

Mit dem “Cura Italia” Erlass vom 17. März 2020 richtet der italienische Staat einen Fonds ein, um vom INPS 600 Euro verteilen zu lassen – und zwar an Selbstständige, deren Umsätze wegen der Coronavirus-Pandemie eingebrochen sind. Selbstständige, Freiberufler und Saisonarbeiter, die beim INPS registriert sind, können diesen Bonus erhalten. Von wem diese Millionen stammen sollen, ist noch ungeklärt. Bislang gilt dieser Erlass nur für März, er wird aber sicher auf April erweitert.

Jetzt bekommen italienische Rentner Angst, dass das Geld nur noch für zwei Monate reicht, denn Pasquale Tridico, Chef des INPS, erklärt im “Il Giornale”, dass das Geld für die Zahlung der Pension bis Mai reiche und es keine Liquiditätsprobleme gebe, schließlich könne das INPS auf den State Treasury Funds zurückgreifen. Dieses “bis Mai” versetzte Italiens Rentner in Aufruf. Tridico sah sich genötigt zu betonen, dass das Geld reiche, um sowohl das Geld für “Cura Italia” und für die Pensionen auszuzahlen. Das “INPS verfügt über die nötige Liquidität für die Zahlung der Pensionen”, so Tridico. Die Rentner könnten auf den Staat zählen. Das wird aber immer zweifelhafter, wie jüngste Meldungen zeigen. So schreibt “TecnoAndroid”, dass die Rentenzahlungen gefährdet seien. Ab Juni 2020 werde es eng, es gebe gewaltige Liquiditätsprobleme.

Die INPS ist mit der Auszahlung des Bonus von 600 Euro heillos überfordert, wie italienische Zeitungen berichten, darunter auch die “La Stampa”, die titelt “Domande all’Inps, continua il grande caos: sito impallato, numero irraggiungibile”. “Il Tempo” schreibt “Caos INPS – sul bonus da 600 Euro cambia tutto. A a chi spetta”.

Weil sich die Schulden häufen, drängt Italien auf Corona-Bonds, sprich auf eine Vergemeinschaftung der Schulden. Italien will jetzt, dass die anderen Europäer, vor allem Deutschland, Österreich und die Niederlande für ihre Schulden bürgern – nichts anderes sind Corona-Bonds. Italien fordert, dass die Euro-Länder angesichts der Coronavirus-Pandemie gemeinsam Anleihen aufnehmen, und dann gemeinsam für die Rückzahlung haften und natürlich gemeinschaftlich Zinsen zahlen. Italien wärmt einen Gedanken aus der Zeit der Finanzkrise auf.

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Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

21 Comments

  1. Wenn die Italiener so weitermachen, und ich denke, niemand wird sie bremsen können, dann werden sie den Euro sprengen: Irgendwann werden die Kapitalmärkte die Reißleine ziehen, das wird dann ganz schnell und ohne Vorankündigung passieren. Die große Masse der Deutschen sieht das über ihnen schwebende Damoklesschwert aber nicht. Wir hatten einmal eine Anti-Euro-Partei, die aber leider sonstwohin abgedriftet ist…

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    1. Helmut Achatz 31. Mai 2020 at 11:34

      Das ist auch meine Meinung. Leider werden wir das ausbaden müssen.

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  2. Helmut Achatz 28. April 2020 at 11:15

    Die gesetzliche Rente sichert in Deutschland vielen Seniorinnen und Senioren kein auskömmliches Alterseinkommen — das zeigen erneut Daten der Deutschen Rentenversicherung (DRV). Durchschnittlich wurden zum Jahresende 2018 nur 906 Euro Rente wegen Alters gezahlt. Auch wer mindestens 45 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt hat, erhält „nur“ 1.311 Euro Bruttorente im Schnitt. Und das hat sich bis 2020 nur unwesentlich geändert. Viele gehen aus Scham nicht zum Amt, deswegen ist die versteckte Altersarmut viel größer als die offiziellen Zahlen vermuten lassen.

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  3. Herr Achatz, für welche Gruppen genau gilt denn diese Regelung, die Sie beschreiben (Quote 100?).
    Meine Kollegen in Turin gehen erst mit 67 Jahren in Ruhestand und meine Recherchen im Internet geben andere Informationen, jetzt bin ich verwirrt!

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    1. Helmut Achatz 19. April 2020 at 11:17

      Die Quota 100 funktioniert so: Special Quota 100

      38 Beitragsjahre und Renteneintrittsalter 62 = 100, nachzulesen bei https://www.pmi.it/tag/quota-100

      The portion 100 is a key measure of the Law of Budget 2019, to counter the effects of the Reform of Pensions in 2011 the government Mountains (Fornero Reform). Quota 100 is operational from 2019 (experimental until 2021), allows early exit from the world of work for all those who have at least 38 years of contributions with a minimum age of 62 years (e.g. a worker with 39 years of contributions and 61 years of age will have to wait one year to submit an application). All without penalty on the check (if not the one due to the lower contributory amount).

      Follow PMI.it for all updates, legal requirements, instructions and special cases to calculate the pension on the basis of Quota 100.

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    2. Helmut Achatz 19. April 2020 at 11:19

      und hier noch mal eine andere Quelle, dieses Mal in italienisch: https://www.informazionefiscale.it/quota-100-cos-e-come-funziona-limitazioni-decreto

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    3. Helmut Achatz 28. April 2020 at 11:09

      Ist dann die offizielle Quota 100 Fake? Als ich in Sizilien war, habe ich ganz viele “junge” Rentner gesehen. Auch Fake?

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  4. Das Beste wäre jeder Staat ist wieder sein Eigener und gut ist.
    Dann kann Deutschland schauen mit welchen Zinsen sie Geld verdienen. Im Moment nämlich vom Süden.

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  5. Die Corona-Krise reißt Löcher in die klammen italienischen und spanischen Finanzen. Was liegt näher, als vom Norden Geld zu fordern. Die können ja dann ruhig bis 75 arbeiten. Wir sollten uns solidarisch zeigen. Unsere Steuern und das Rentenalter erhöhen und die Mehreinnahmen dem Süden schenken.

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    1. Helmut Achatz 8. April 2020 at 6:59

      Ja, darauf wird es hinauslaufen. Wir werden noch länger arbeiten, noch höhere Abgaben zahlen und dafür weniger bekommen. Zinsen können wir auf Jahrzehnte vergessen.

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    2. Eugen Dinkel 8. April 2020 at 11:14

      Das ist treffend auf den Punkt gebracht!
      Wie wäre es denn, wenn sich Italiener, Franzosen und andere solidarisch zeigen und das Rentenalter auf 67 sowie das Rentenniveau auf 48% angleichen würden?
      Oder noch besser: Man beendet die Missgeburt EU und gründet die Vereinigten Staaten von Europa mit gleichen Sozial- und Steuer-Gesetzen für ALLE.
      Das ist natürlich nur Illusion, aber dann würde der Begriff „Solidarität“ auf uns nicht mehr so makaber wirken.

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      1. Michael Hansen 26. April 2020 at 23:44

        Nein, auf keinen Fall Vereinigte Staaten von Europa. Das gibt Bürgerkrieg !

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        1. talien zahlt seinen Senioren ebenfalls überdurchschnittliche Renten bei unterdurchschnittlichen Löhnen für die Erwerbstätigen. Da das Armutsrisiko für Senioren hier aber mit 21,9 Prozent deutlich über dem EU-Durchschnitt von 18,2 Prozent liegt, dürften eher die geringen Löhne das Problem sein.
          Man muss immer das gesamte Sozialgefüge betrachten. Italien hat Rente mit 67, jedoch mit der kürzlich eingeführten Ausnahme (befristet für 2 Jahre), für Arbeitstätigkeit von 38 Jahren und einem Alter von 62 Jahren.

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          1. Helmut Achatz 27. April 2020 at 10:06

            Momentan – und das noch bis Ende 2021 – Rente mit 62 oder 58 Jahren. Italien hat das einfach ohne Rücksicht auf des europäische Sozialgefüge eingeführt. Überall sonst steigt das Renteneintrittsalter nur nicht in Italien. Aber Italien fordert Solidarität von den anderen ein, vor allem von Deutschland.

          2. Übrigens, bereits heute stehen viele italienische Rentner besser da als beispielsweise deutsche. Laut INPS liegt das durchschnittliche Renteneinkommen oder die Summe der Leistungen für jeden Rentner bei jährlich 21 000 für Männer (pro Monat: 1750 Euro) und bei 15 000 Euro (für Frauen: 1250 Euro). Davon können deutsche Rentner nur träumen.
            Wie verträgt sich diese Aussage mit einer anderen Info:
            Das Armutsrisiko ist in Italien mit 21,9% deutlich höher als im EU Durchschnitt von 18,2% ??

  6. Italiener haben pro Kopf ca.doppelt so viel Vermögen, wie Deutsche. Dazu gehen sie früher in Rente. Da finde ich es nahezu grotesk, Deutsche um Geld anzubetteln. Aber wir werden das mitmachen, auch wenn wir uns jetzt noch wehren. Wetten ?

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  7. Gerhard Fritzel 3. April 2020 at 19:04

    Italien ist eines der schönsten Länder der Welt, Nachteil: Sie können nicht rechnen. Deswegen machen sie es sich jetzt besonders einfach. Stichwort Eurobonds. Das Problem ist gelöst, Italien bekommt von uns und den Euroländern die, ebenfalls vernünftig gerechnet haben, eine Eurobond-Kreditkarte. Auf diese können sie dann noch mehr Schulden draufsatteln, für die wir dann mitverantwortlich sind. Bravo, so geht das Abendland dann entlich zugrunde.

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  8. Quote 100 ist keine schlechte Idee. Man bekommt aber weniger Rente als wenn man bis 67 arbeiten würde.
    Ich glaube schon für die Jugend Arbeitslosigkeit brings was.
    Es ist doch besser wenn ein Maurer z. B. mit 60ig der eh körperlich viel geleistet hat in Rente gehen zu lassen, um dann einen Jugendlichen mit 20ig eine Arbeit zu geben.

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    1. Besser schon, aber man muß es sich eben auch leisten können…. und da liegt der Hase im Pfeffer…

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    2. Die Arbeitsjahre sollten auf jeden Fall Priorität haben. In Italien sind das die 38 Jahre und sind bald auch 40 Arbeitsjahre. Wer diese Arbeitszeit nicht nachweisen kann muß auch dort bis 67 arbeiten. Warum ein Maurer bis 67 arbeiten sollte wenn er mit 16 Jahren angefangen hat zu arbeiten ist nicht einzusehen.Der Arzt der erst mit 28 Jahren seine Berufstätigkeit angefangen hatte darf natürlich bis 67 arbeiten. Bei dieser Rechnung hat der Maurer im Alter von 62 – 46 Arbeitsjahre und der Arzt im Alter von 67 – 39 Arbeitsjahre.

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  9. Bei den Italienern gehen die Uhren bekanntlich anders.Mit dem Geld nimmt man es nicht so genau, besonders dann wenn es vom Steuerzahler kommt. Das zeigt sich bekanntlich bei den Abgeordnetendiaeten. Diese sind die hoechsten in Europa.Nun moechte man auch den Rentnern etwas zugute kommen lassen. Natuerlich schleicht sich hier das Gefuehl ein dass Italien bald zu einem zweiten Griechenland werden koennte. Auf jeden Fall ist ein Aspekt der Rentenreform richtig. Es sollten auf jeden Fall die Arbeitsjahre beruecksichtigt werden. Davon koennten die deutschen Politiker auf jeden Fall lernen.

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