Zuletzt aktualisiert am

Wer monatlich mehr als 50 Euro in seine Metallrente einzahlt, muss doppelte Krankenkassenbeiträge zahlen. Also Vorsicht! Nachrechnen lohnt sich. Metaller, die fürs Alters vorsorgen, sind leider die Dummen.

„Müssen Sie für Ihre Betriebsrente Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung zahlen?“ – auf diese Frage antwortet Metallente: „Wenn Sie Ihre Beiträge für die Betriebsrente steuer- und sozialversicherungsfrei aus Ihrem Bruttoeinkommen bezahlt haben, müssen Sie als gesetzlich Krankenversicherter Beiträge in voller Höhe leisten. Dies gilt aber nur, wenn Ihre Betriebsrentenansprüche monatlich die Geringfügigkeitsgrenze übersteigen (2019: 155,75 Euro monatlich). Das gilt auch, wenn Sie sich für eine Kapitalauszahlung entschieden haben. Um in diesem Fall die Beitragshöhe zu bestimmen, wird das Versorgungskapital fiktiv auf 120 Monate verteilt. Sie zahlen monatlich zehn Jahre lang einen im Verhältnis zur Betriebsrentenzahlung höheren Beitrag.“

50 Euro monatlich in die Metallrente

Schön blöd also, wer mehr in die Metallrente einzahlt, weil er dann im Alter doppelte Beiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung zahlt. Es lohnt sich also nicht, mehr als 50 Euro in die Metallrente einzuzahlen. Wieso 50 Euro?

Dazu folgende Rechnung:

Die Geringfügigkeitsgrenze wird 2020 bei 159,25 Euro liegen. So viel Metallrente wird nicht verbeitragt, das heißt nicht mit Kranken-, Zusatz- und Pflegebeitrag belastet. Alles, was darüber hinaus geht, wird bei der Metallrente mit dem vollen Krankenkassen- und Pflegebeitrag belastet. Wer sich bei seiner Direktversicherung (die Metallrente ist eine solche) für die Kapitalauszahlung entschieden hat, muss zehn Jahre, sprich 120 Monate den vollen Krankenkassen- und Pflegebeitrag zahlen, wenn er mehr als diese 159,25 Euro bekommt. Die Krankenversicherung verteilt nämlich eine Kapitalauszahlung auf eben diese 120 Monat.

Also bleiben sozialabgabenfrei:

159,25 x 120 = 19 110 Euro.

Angenommen, ein Metaller mit Metallrente sorgt über 35 Jahre (420 Monate) per Metallrente fürs Alter vor, sollte er im Alter nicht mehr als 19 110 Euro angespart haben. Das macht pro Monat:

19 110 ./. 420 = 45,50 Euro.

Seien wir großzügig: Die Geringfügigkeitsgrenze wird in den kommenden Jahren steigen, deswegen darf die monatliche Sparrate auch etwas höher sein – also vielleicht 50 Euro. Von allem, was darüber hinaus geht, holt sich die Krankenkassen ihren Anteil.

Vielleicht ist meine Rechnung in punkto Metallrente stark vereinfacht, aber im Grunde kann sich jeder Metaller, der eine Metallrente hat, selbst ausrechnen, wie viel er in maximal in die Metallrente einzahlen darf, um nicht von der Krankenkasse geschröpft zu werden.

Was, wer mehr einzahlt?

Diese Rechnung lässt natürlich Kosten und Rendite unberücksichtigt. Das müsste jeder vorsorgender Metaller selbst bei der Metallrente GmbH nachfragen. Entsprechend dürfte sich dann auch die monatliche Sparrate ändern.

Was, wenn ein Metaller mehr als diese 19 110 Euro Metallrente bekommt?

Dazu folgende Rechnung:

Wer als Metaller eine Metallrente abgeschlossen hat und beispielsweise bei der Techniker Krankenkasse versichert ist, muss von 100 000 Euro Betriebsrente 18,35 Prozent (7,3 % Arbeitnehmer-, 7,3% Arbeitgeberanteil, 0,7 Prozent Zusatzbeitrag, 3,05% Pflegebeitrag) an die TK zahlen – und das über zehn Jahre lang, also 120 Monate. Von den 100 000 Euro bleiben einem Metaller somit nach Abzug der vollen Krankenkassen- und Pflegebeiträge nur noch 81 650 Euro übrig. Dafür zahlt der Metaller jeden Monat 152,92 Euro an die TK.

Die Rechnung ist ganz einfach:

100 000 ./. 120 (Monate) = 833,33 Euro (fiktive Betriebsrente),
– 18,35 Prozent = 152,92 Euro
Gesamt 18 350 Euro bezogen auf zehn Jahre.

Der Metaller zahlt also den Betrag für ein Mittelklasseauto im Lauf seiner Rente an die TK. Dass von Rendite bei einem derartigen Modell nichts mehr übrig bleibt, verschweigt die IG Metall bei ihrer Metallrente geflissentlich. Würde sie das in die Werbung schreiben, könnte sie ihre Metallrente gleich vergessen.

Damit nicht genug, die Metallrente mindert natürlich auch die gesetzliche Rente, weil ja „Teile des Gehalts für den Aufbau einer Betriebsrente verwenden werden, ohne dass dafür Sozialabgaben gezahlt werden“, so steht’s in den FAQs (frequently asked questions) drin. Das gilt natürlich auch für Arbeitslosen- oder Kurzarbeitergeld sowie den Anspruch auf Krankengeld.

Zum vollen Kranken- und Pflegebeitrag kommt natürlich noch die Steuern. Da gesetzliche und Betriebsrente zusammengezählt werden und als Einkommen gelten, fallen entsprechend Steuern an, die bis zum einem Drittel der Betriebsrente auffressen, so dass von den 100 000 Euro im besten Fall noch zwei Drittel übrig bleiben. Alles in allem also ein schlechtes Geschäft.

Falls ich total daneben liege mit meiner Rechnung, lasse ich mich gern berichtigen. 

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

2 Comments

  1. Hallo Helmut, alles richtig dargestellt.
    Vor allem der Rentenverlust durch die Entgeltumwandlung fällt meistens unter den Tisch. Bei 200 € Einzahlung über 35 Jahre in die Betriebsrente muß man mit ca. 78 € geringeren gesetzlichen Rente auskommen. Und das lebenslänglich! Ergibt einen zusätzlichen Verlust von 78€ * 12 Mt. * 17 Jahre (bezugsdauer Rente) = 15.900 € (Die Rentensteigerungen während der Bezugsdauer kommen noch oben drauf)
    Damit ist das Minusgeschäft natülich noch viel krasser ersichtlich. Daran denken aber die wenigsten.

    Antworten

    1. Hallo Norbert,
      vielen Dank für den detaillierten Hinweis. Ja, leider vergessen das viele.

      Antworten

Kommentar verfassen