Der Chef muss seit Anfang 2019 bei Neuverträgen etwas zur betriebliche Altersvorsorge zuzahlen – zu wenig, um die Nachteile in der Rente auszugleichen. So bleibt auch die „neue“ Betriebsrente ein Schuss in den Ofen.

Mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz sollte alles ganz anders werden – das Paradies für alle, die über den Betrieb fürs Alter vorsorgen. Ein schöner Traum. Die Wirklichkeit sieht ganz anders aus. Denn, wer genau hinschaut, stellt fest, dass die „neue“ Betriebsrente nicht viel besser ist als die „alte“. Die SPD hat Arbeitnehmer wieder über den Tisch gezogen und verkauft ihr Gesetz als den großen Wurf.

Der Chef wird einen Teufel tun und bei vor 2019 abgeschlossen Verträgen mitzahlen, dazu ist er ja auch nicht verpflichtet. Das Mitzahlen gilt laut §26a des Betriebsrentenstärkungsgesetzes für Altverträge erst ab 1. Januar 2022. Davor sind die Beschäftigten auf den Goodwill ihres Arbeitgebers angewiesen. Aber selbst, wer dem Chef einen neuen Vertrag, der nach dem 1. Januar 2019 abgeschlossen wurde, präsentiert, bekommt per Gesetz nur einem Zuschuss von 15 Prozent.  Dabei spart der Chef aber 20 Prozent Sozialabgaben. Das heißt, für die meisten, dass sich eine derart bezuschusste betriebliche Altersvorsorge immer noch nicht lohnt. Erst wenn der Chef 40 oder gar 50 Prozent zuschießt, lohnt sich das Sparen fürs Alter über den Betrieb.

Ein Schuss in den Ofen

Warum das? Weil Staat und Krankenversicherung am Ende so richtig zuschlagen und Direktversicherungen – um die geht es in der Regel –  rupfen. Also nicht von den 15 Prozent blenden lassen und auch nicht von den vermeintlichen niedrigeren Sozialabgaben. Das dicke Ende kommt zum Schluss.

Bei der Direktversicherung ist der Arbeitgeber der Versicherungsnehmer und nicht der Beschäftigte. Der Chef reicht aber nur das Geld an die Versicherung weiter. Der Arbeitnehmer hat somit nichts zu melden Deswegen kann auch nur der Arbeitgeber so eine Versicherung kündigen, weil er ja der Versicherungsnehmer ist. Beim Job-Wechsel wird’s ebenfalls schwierig, eben weil der Chef der Versicherungsnehmer ist. Wer weiß, ob der neue Chef gewillt ist, die bisherige Direktversicherung weiterzuführen.

Haken an der Betriebsrente

Der Arbeitnehmer verzichtet auf einen Teil seines Bruttogehalts und lässt dieses Geld von seinem Chef an die Direktversicherung überweisen. Das heißt, für den Teil vom Gehalt, denn der Angestellte nicht ausbezahlt bekommt, muss er auch keine Steuern und Sozialabgaben zahlen. Das klingt im ersten Moment verlockend, aber die Folgen sind gravierend.

Wie gesagt, bei neu abgeschlossenen Verträgen muss der Chef 15 Prozent zuschießen, weil er sich ja Sozialabgaben spart – und das sind immerhin 20 Prozent, so denn der Beschäftigte unterhalb der Beitragsbemessungsgrenzen für die Rentenversicherung und für die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung liegt. Vielleicht wäre der Chef ja bereit, die ganzen eingesparten Sozialabgaben weiterzugeben. Fragen kostet nichts.

Am Ende vom Staat abgezockt

Wer über den Betrieb fürs Alter vorsorgt, muss vom Ende her denken. Was bleibt mir in der Rente vom eingezahlten Geld übrig? Was der Arbeitnehmer in der Einzahlphase spart, muss er in der Rente wieder hergeben. Er zahlt dann seinen Anteil an der Kranken- und Pflegeversicherung plus den Anteil des Arbeitgebers. Die Politik will noch immer nichts daran ändern, obwohl die Betriebsrente damit für viele zum Minus-Geschäft wird, denn zum Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil an der Krankenkasse kommt noch der Zusatzbeitrag und der Pflegebeitrag – alles in allem mehr als 18 Prozent. Die Direktversicherung kann da gar nicht rentabel genug sein, wenn am Ende annähernd ein Fünftel an die Sozialkasse geht. Das Perfide daran, diese Abzüge zahlt der Betriebsrentner zehn Jahre lang, sprich über 120 Monate. Wenn in dieser Zeit die Sozialabgaben steigen, ist er jedes Mal mit dabei und zahlt und zahlt und zahlt …

Wer privat krankenversichert ist, zahlt natürlich nichts. Auch wer eine private Lebensversicherung abschließt, zahlt natürlich nichts. Also ist es besser, den Chef um eine Gehaltserhöhung zu bitten und sie dann privat anzulegen. Das ist flexibler und rentabler. Das kann aber nicht Sinn des Betriebsrentenstärkungsgesetzes sein, oder?

Betriebsrente mindert gesetzliche Rente

Mit der Kranken- und Pflegeversicherung ist es ja nicht getan. Der Fiskus schröpft Betriebsrentner, die ab 2040 ihren Ruhestand antreten. Die Betriebsrente wird dann zu hundert Prozent versteuert.

Damit der Betriebsrentner ja nicht übermütig wird im Alter und nicht weiß, wohin mit dem vielen Geld aus seiner betrieblichen Altersvorsorge, bekommt er natürlich weniger gesetzliche Rente, denn in seiner aktiven Phase hat er ja wegen der Entgeltumwandlung auch weniger in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt. Wenn er im Berufsleben krank oder arbeitslos wird, bekommt er natürlich auch entsprechend weniger Kranken-, Eltern- oder Arbeitslosengeld.

Lohnt eine Betriebsrente überhaupt?

Gute Frage. Sie lohnt sich nur, wenn der Chef ordentlich etwas dazuzahlt und wenn die ausgesuchte Direktversicherung auch entsprechende Rendite abwirft – und das über einen langen Zeitraum, denn so eine Direktversicherung läuft unter Umstände über Jahrzehnte. In dem allermeisten Fällen lohnt sich eine Direktversicherung eben nicht. Der Ex-Versicherungsmanager Sven Enger hat in seinem Buch „Alt, Arm und Abgezockt“ genau beschrieben, wie Betriebsrentner von den Versicherungen über den Tisch gezocken werden. Nicht von ungefähr verdienen Versicherer immer noch glänzend, Allianz hat erst vor kurzem einen Rekordgewinn für 2018 von 11,5 Milliarden Euro ausgewiesen. Woher das Geld stammt, kann sich jeder an den fünf Fingern abzählen.

Es gibt Berechnungen von „Finanztest“ die Betriebsrentner wenig Hoffnung machen. Wer als ledigen Gutverdiener mit einem Jahresbrutto von 58 000 Euro monatlich 100 Euro einzahlt und auf garantierte 107 Euro Monatsrente hofft, muss sich nach 27 Jahren Einzahlung mit 67 Euro netto begnügen – ein schlechter Deal.

Problem ist der Doppelbeitrag

Insofern ist das Betriebsrentenstärkungsgesetz ein Betriebsrentenschwächungsgesetz. So lange es beim doppelten Krankenkassenbeitrag von Betriebsrenten bleibt, ist von einer Direktversicherung eher abzuraten. Da muss schon viel zusammenkommen, dass sie sich am Ende lohnt.

Übrigens, weder die Arbeitgeber noch die Direktversicherung, noch die Krankenversicherung und auch nicht die Gewerkschaften klären die Arbeitnehmer über die vielen Haken einer derartigen Betriebsrente auf. Dem Arbeitgeber ist es vermutlich egal, die Direktversicherung sieht nur die Prämien, die Krankenkassen warten auf den Tag der Auszahlung und die IG Metall verkauft ja mit ihrer Metallrente selbst Direktversicherungen. Alle arbeiten zusammen, um den Arbeitnehmer glauben zu lassen, das wäre eine gute Sache. So aber wird das Vertrauen in die Betriebsrente verspielt – und die Betriebsrentner sind wütend, wenn sie feststellen, dass sie verschaukelt wurden.

Metallrente ist ein Flop

Obwohl weder Arbeitgeber noch Krankenkassen noch Versicherung noch Gewerkschaft über die Nachteile informieren, hat sich herumgesprochen, dass die Betriebsrente ein Minus-Geschäft ist – es werden immer weniger Betriebsrentenverträge abgeschlossen. Laut „Handelblatt“ ist der Verbreitungsgrad der betrieblichen Altersvorsorge seit 2013 bis 2017 von 58,9 auf 55,6 Prozent geschrumpft. Das heißt umgekehrt, dass wegen dieser Abzocke durch Staat und Krankenkassen immer weniger einen entsprechenden Vertrag abschließen und mittlerweile knapp die Hälfte der Beschäftigten überhaupt keine Betriebsrente haben.

Dieser Beitrag erscheint im Rahmen der Challenge von Nadine Becker, die zu „28 Days of Blogging“ aufgerufen hat. Das heißt, 28 Tage im Februar jeden Tag einen Blog-Post zu schreiben. Alle Blogger, die mitmachen, verlinken ihre Beiträge auf Facebook in der Gruppe 28 Days of Blogging, bei Pinterest und Instagram. Bin selbst gespannt, ob ich das in letzter Konsequenz durchhalte.  Also, bleibt neugierig – wo immer ihr auch mitlest und haltet Ausschau nach #28daysofblogging .

Wer noch alles mitmacht bei #28DaysofBlogging:

 

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

2 Comments

  1. Man wird irgendwann mal darauf reagieren, dass die Betriebsrente abstirbt. Aber bestimmt nicht wegen ihrem persönlichen Problem des Verlustes, das liegt auf der Hand. Nur gehen langsam die Ideen aus, womit man ihnen Förderung vorgaukeln kann, um es ihnen (un-) heimlich wieder abzunehmen.

    Bis sich hier etwas tut, ist die nächste Generation dran, und die wird noch mit ganz anderen Problemen zu tun haben. Ihre Kinder werden mit dem Desaster einer unfähigen Politik noch heftig zu kämpfen haben.

    Am 19.02.19 sah ich in der Abend-Talk-Show von Markus Lanz Herrn Daniel Stelter, der mir aus anderen politischen Diskussionsrunden bekannt war.
    Er ist Ökonom und Strategieberater.

    Er hat eine Erkenntnis in den Raum gestellt, die zu denken gibt.

    In den 60er musste ein Arbeitnehmer das 15-fache des Einkommensdurchschnitts verdienen, um den Spitzensteuersatz zu erreichen.
    Heute reicht das 1,3 – fache des Durchschnittseinkommens, um den Spitzensteuersatz abgezogen zu bekommen.

    Das erklärt nicht alles aber sehr vieles.

    Wir reden stolz davon, dass wir ein reiches Land seien. Seltsamerweise haben die Italiener trotz Staatskrise im Schnitt das doppelte Vermögen im Vergleich zu uns Deutschen. Die Franzosen haben noch mehr.

    Die Deutschen: 60.000,- Euro
    Die Italiener: 120.000,- Euro
    Die Franzosen: 140.000,- Euro

    Wenn Sie sich das Desaster der Betriebsrente anschauen, dann wird es nicht besser, sondern schlimmer.
    Wie Herr Achatz immer wieder recherchiert hat: ein typisch deutscher Weg.

    Ihre Kinder sind nicht dumm oder faul, sie haben nur kaum eine Chance etwas wegzulegen, weil die Steuern und Abgaben hoch sind oder Mitnahmeeffekte zuschlagen. Das Baukindergeld ist ein aktuelles Beispiel. Es geht fast vollständig in den Bestand und befeuert die Immobilienpreise nochmal.
    Man hat nichts aus den Blasenbildungen der Ostförderungen gelernt.

    Eine Regierung, die mit Leichtbenzin Brände löschen will.

    Inzwischen bekommen Sie es auch als heutiger Rentner schon mit, wenn Sie die Doppelverbeitragung hinzunehmen haben. Das ist jedoch nur das Vorspiel für das, was ihren Kindern bevorsteht.

    Der Rest geht in den Konsum. Das konsumtive Wachstum ist jedoch übrigens eine typische „Erfolgsthese“ der Bundeskanzlerin Angela Merkel.

    Der Witz dabei ist, dass der Staat dabei auch Verluste macht. Diese Erkenntnis richtig eingesetzt, könnte diesem Kartell ordentlich zusetzen.
    Die öffentliche Opferrolle wird nichts bewirken, das liegt auf der Hand. Dafür sind die Politiker, die Entscheidungen herbeiführen, einfach zu stoisch.

    Man nennt es auch „professionelle Distanz“.

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  2. Ja, das ist natürlich ein WIN WIN WIN Geschäft! Natürlich nicht für die untere Mittelschicht…

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