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Das „größte Versorgungswerk“ (O-Ton IG Metall) Deutschlands lässt seine Betriebsrentner im Regen stehen und sagt nur im Kleingedruckten, was sie zu Beginn der Rente erwartet: staatliche Abzocke. Staat und Krankenkassen schöpfen die gesamte Rendite ab, so dass aus Betriebsrenten ein Minus-Geschäft wird. Die Metallrente dürfte keine Ausnahme darstellen.

Mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz, das Anfang 2018 in Kraft trat, hätte eigentlich alles besser werden können. Die große Koalition hat aber einen entscheidenden Webfehler bei Betriebsrenten nicht behoben: den doppelten Krankenkassenbeitrag, der bei Rentenbeginn von den Betriebsrenten abgezweigt wird. Immerhin geht es da um weit mehr als 18 Prozent, die von den Betriebsrentner zehn Jahre lang an die Krankenkassen gezahlt werden müssen.

Betriebsrenten sind beitragspflichtig

Wer als Metaller beispielsweise bei der Techniker Krankenkasse (TK) versichert ist und eine Metallrente abgeschlossen hat, muss von 100 000 Euro Betriebsrente  (als einmalige Auszahlung) 18,35 Prozent (7,3 % Arbeitnehmer-, 7,3% Arbeitgeberanteil, 0,7% Zusatzbeitrag, 3,05% Pflegebeitrag) an die TK zahlen – und das über zehn Jahre lang, also 120 Monate. Von den 100 000 Euro bleiben einem Metaller somit nur noch 81 650 Euro übrig. Dafür zahlt der Metaller in der Rente jeden Monat 152,92 Euro an die TK. Die Rechnung ist ganz einfach:

100 000 Euro ./. 120 (Monate) = 833,33 Euro (fiktive Betriebsrente),
-18 350 Euro  (18,35 % = 152,92 Euro)
—————————————————
81 650 Euro nach Abzug von Krankenversicherung
152,92 Euro monatlich

Der Metaller zahlt also den Betrag für ein Mittelklasseauto im Laufe seiner Rente an die TK. Dass von Rendite bei einem derartigen Modell nichts mehr übrigbleibt, verschweigt die IG Metall bei ihrer Metallrente geflissentlich. Würde sie das in die Werbung erwähnen, könnte sie ihre Metallrente gleich vergessen. Allein schon deswegen müsste sie sich der Initiative des Direktversicherungsgeschädigten e.V. anschließen und alles daran setzen, diese Abzocke zu beseitigen. Bislang ist aber von der IG Metall wenig zu hören, verständlich will sie doch ihre Metallrente verkaufen, trotz Webfehler.

Die Metallrente wurde übrigens 2001 gemeinsam von Gesamtmetall und IG Metall in die Welt aus der Taufe gehoben. Seitdem werden Betriebsräte regelmäßig angehalten, Werbung für die betriebliche Altersversorgung zu machen und dabei auf die Metallrente zu verweisen.

Erst das Kleingedruckte lesen

Lediglich im Kleingedruckten, sprich bei den FAQs (ganz nach unten scrollen), geht die IG Metall auf den Doppelbeitrag in die Krankenversicherung ein – und schreibt „Wenn Sie Ihre Beiträge für die Betriebsrente steuer- und sozialversicherungsfrei aus Ihrem Bruttoeinkommen bezahlt haben, müssen Sie als gesetzlich Krankenversicherter Beiträge in voller Höhe leisten; dies gilt aber nur, wenn Ihre Betriebsrentenansprüche monatlich die Geringfügigkeitsgrenze übersteigen (2019: 152,52 Euro monatlich); das gilt auch, wenn Sie sich für eine Kapitalauszahlung entschieden haben“. Das heißt, nur wer weniger als 18 302,40 Euro Rente im Laufe seines Lebens angespart hat, entgeht dem Zugriff der Krankenversicherung. Was dabei aber nicht vergessen werden darf, zu den Versicherungsbezügen werden auch andere Einkünfte wie aus freiberuflicher Tätigkeit hinzugezählt. Wer sich also in der Rente noch nebenbei etwas hinzuverdient, kommt locker über die 152,52 Euro und zahlt auch dann. Der Gesetzgeber hat sich große Mühe gegeben, möglichst viele zu schröpfen.

Weniger gesetzliche Rente

Damit nicht genug, die Metallrente mindert natürlich auch die gesetzliche Rente, weil ja „Teile des Gehalts für den Aufbau einer Betriebsrente verwenden werden, ohne dass dafür Sozialabgaben gezahlt werden“, so steht’s in den FAQs drin. Das gilt natürlich auch für Arbeitslosen- oder Kurzarbeitergeld sowie den Anspruch auf Krankengeld.

Ach ja, noch was – eine Betriebsrente wird natürlich teilweise auf die staatliche Grundsicherung im Alter angerechnet. Das heißt, wer im Alter zu wenig gesetzliche Rente hat und auf Grundsicherung angewiesen sein sollte, muss sich seine Metallrente anrechnen lassen. Der Grundfreibetrag liegt bei 100 Euro monatlich, darüber hinaus bleiben 30 Prozent der monatlichen Betriebsrentenzahlung anrechnungsfrei bis zu einem maximalen Gesamtfreibetrag von rund 200 Euro pro Monat (2019: 212 Euro). Wer also 100 000 Euro ausbezahlt bekommt, ist ebenfalls der Dumme. Neben dem doppelten Krankenkassenbeitrag muss der Metallrentner ja auch noch Steuern zahlen. Die IG Metall wiegelt ab, der individuelle Steuersatz als Rentner sei wahrscheinlich geringer als im aktiven Erwerbsleben. Also, von der Metallrente gehen Steuern und doppelte Krankenkassenbeiträge weg, ferner reduziert sich die gesetzliche Rente.

Merkel zementiert Abzocke

merkel-spahn

Merkel will Gesundheitsminister Jens Spahn eins auswischen

 

Was bringt der Metallrente-Fonds?

So weit, so schlecht – aber wie sieht es mit der Renditen der Metallrente vor Abzug der ganzen Beiträge und Steuern aus. Wie gut wirtschaftet die Allianz, die im Auftrag der IG Metall die Gelder der Metaller anlegt? Es lohnt sich, die Fact Sheets genau zu lesen. Im Dezember 2018 hat die Metallrente „Dynamik“  ein Minus von 5,2 Prozent gemacht, bezogen auf des ganze vergangenen Jahr waren es minus 6,1 Prozent, bezogen auf drei Jahre plus 3,3 Prozent per anno, seit Auflage des Fonds am 28. Februar 2003 weist der Fonds eine jährliche Rendite von 5,2 Prozent aus. Da sind die Kosten von 0,94 Prozent bereits abgezogen. Bei den anderen Formen sieht es leider nicht ganz so gut aus mit der Rendite. Die „Balance“-Variante bringt es auf eine Rendite seit Auflage von 3,8 Prozent und die „Sicherheit“-Variante auf 3,1 Prozent. Damit schlägt Allianz zumindest die Inflation, die im Schnitt bei zwei Prozent liegt.

Klingt per se nicht schlecht, wer allerdings den Metallrente-Fonds mit dem Flossbach von Storch Multiple Opportunities vergleicht, muss zwangsläufig ins Grübeln kommen. Der Flossbach von Storch ist binnen zehn Jahren um 175 Prozent gestiegen, der Metallrente-Fonds „nur“ um 125 Prozent, dabei weist der Flossbach von Storch wesentlich kleinere Kursschwankungen aus als der Metallrente-Fonds.

Metallrente-Fonds versus Flossbach von Storch

Metallrente

Der Metallrente-Fonds schneidet deutlich schlechter ab als der Flossbach von Storch

Dieser Beitrag erscheint im Rahmen der Challenge von Nadine Becker, die zu „28 Days of Blogging“ aufgerufen hat. Das heißt, 28 Tage im Februar jeden Tag einen Blog-Post zu schreiben. Alle Blogger, die mitmachen, verlinken ihre Beiträge auf Facebook in der Gruppe 28 Days of Blogging, bei Pinterest und Instagram. Bin selbst gespannt, ob ich das in letzter Konsequenz durchhalte.  Also, bleibt neugierig – wo immer ihr auch mitlest und haltet Ausschau nach #28daysofblogging .

Wer noch alles mitmacht bei #28DaysofBlogging:

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

6 Comments

  1. Wenn die SPD an der Regierung ist oder an der Regierung beteiligt ist sind Gewerkschaftler leider Farbenblind. Sie sind nicht in der Lage zu erkennen welchen Murks diese SPD Politiker machen. Die Betriebsrente als solche ist eine gute Idee die leider schlecht umgesetzt wurde. Die SPD krankt bis jetzt daran den Murks des Genossen Riester verteidigen zu müssen der bekanntlich seinen Namen für die dümmste Rente Deutschlands zur Verfügung gestellt hat. Auch der Genosse Riester war ein hohes Tier bei der IG Metall bevor er das Gnadenbrot von Gerhard Schröder bekam und Minister werden durfte.

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    1. Das Hauptproblem ist nach meiner Meinung, dass in den 90ern als der Sozialismus zusammengebrochen ist, aus einem kollektiven Überlegenheitsgefühl ein regelrechter Liberalitätswahn ausgebrochen ist. Ich muss einräumen, ich habe das auch eine Zeit mitgemacht, bis ich es begriffen hatte.

      In diesen Zeiten machten große Teile der Bevölkerung in der Wirtschaft mit. Ich hatte zum Beispiel diese „Motivationsseminare“ selbst ausprobiert, von Jürgen Höller bis Antony Robins. Jeder glaubte, er könne über Feuer laufen. Na dann klappt´s auch mit dem „über die Häuser springen“. Alle werden reich, wenn sie nur dran glauben.

      In dieser Zeit plagte sich die SPD scheinbar so sehr damit, abgemeldet zu sein, dass die regierenden SPD Politiker damals mit ihren Gesetzesänderungen regelrecht eine Art parteiliches Mindergefühl kompensiert hatten. Heute wünscht sich die SPD diese Zeiten zurück, um das ändern zu können.

      Kurz gesagt: man glaubte, es sei eine gute Wirtschaftspolitik, wenn man einfach der Wirtschaftslobby alles in den Rachen wirft, was sie will.
      Und nebenbei natürlich Fachabteilungen abschafft und dafür Lobbyisten einen zusätzlichen Job gibt: Gesetze für die eigene Branche zu schreiben.

      Die Börsenblasen, ähnlich wie heute, vermittelten das Gefühl, das Geld drucke sich von selbst.

      In einer solchen Stimmung greifen alle kräftig in den Pott, weil eine Geldflut erwartet wird. In geschlossenen Fonds konnte man das nach den Zusammenbrüchen gut nachvollziehen, als die zum Teil rechtswidrigen Abzweigungen von Provisionen etc. zum Vorschein kamen.

      Eine ähnlich bornierte Einstellung herrscht bis heute auch in der Politik. Die Leute müssen kein Geld verdienen, Nur ein bisschen Geld vom schwachen Verdienst in den Finanzmarkt abzweigen und danach erledigt sich Rente von selbst. Es mutet zynisch an, aber auch hier glaubte die allseits naive Politik, man schwimmt danach so im Geld, dass es keiner merkt, wenn Steuer- und Sozialabgaben wieder herausgenommen werden.

      Das tragische dabei ist, dass zum Beispiel Peter Hartz in seinem Konzept an einen Mindestlohn dachte, der für die gesamte Entwicklung wichtig gewesen wäre.
      So ist der Preis für die Arbeitskraft inflationiert. Es ist in etwas so, als würden sie in Zeiten des Wohnungsmangels alle Mietsteigerungseinschränkungen aufheben.

      Walter Riester hatte Kosten- und Provisionsbeschränkungen mit dem Produkt eingeführt, die wurden jedoch später zugunsten eines „härteren“ Verkaufs aufgeweicht.

      Betriebsräte zeigen heute mit dem Finger auf Walter Riester, dabei sind sie selbst die Mittäter, die nicht einsahen wollen, dass man auf eine Sache eingelassen hat, die man nicht verstanden hatte.

      Die Kritik an den Gewerkschaften sehe deshalb ähnlich. Es ist nicht die Aufgabe einer Gewerkschaft mit genau solchen verirrten Ideologien und enormen Risiken Finanzprodukte zu verkaufen. Das widerspricht schon dem Anspruch europäischer Richtlinien, dass dafür Qualifikationen notwendig sind.

      Hätten Gewerkschaften neutrale Experten zum Schutze der Arbeitnehmer aufgebaut, dann wäre das noch akzeptabel. Aber die Vermischung, selbst an einem Finanzprodukt der Konzerne beteiligt zu sein korrumpiert. Es ist praktisch ein Seitenwechsel. Wenn die Pensionskasse leiden sollte, wäre sogar die Gewerkschaft gezwungen, dies zu verbergen und die Arbeitnehmer zu täuschen. Sonst platzt das ganze Vermögen.

      „Nehmen Sie mal einen aufgeblasenen Luftballon und eine Nadel. Dann versuchen Sie mal mit der Nadel die Luft langsam aus diesem Ballon herauszulassen.“

      Deshalb auch die intensive Kampagne der Metallrente durch Herrn Karch. Doch achten Sie bei einem Interview mit Frau Sandra Navidi auf die Mimik und Haltung des Herrn Karch, wenn Sandra Navidi über Finanzmarktrisiken spricht. Frau Navidi hat bis heute tiefen Einblick in diese Welt und ist eine ausgesprochen wache wie kluge Querdenkerin.

      Hier der Link: https://www.youtube.com/watch?v=jd7dw9UMmcc

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      1. Korrektur zur Arbeitskraft: Die Arbeitskraft ist im Wert deflationiert und nicht inflationiert.
        Das heißt abgewertet. Das Angebot der „billigen Arbeitswilligen“ ist hingegen inflationiert.
        Das heißt im Überfluss vorhanden.

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  2. Wie ich gelesen habe, ist der gnädige Vorschlag von Spahn, den KK-Beitrag auf 50% zu senken, vom Genossen und Finanzminister Scholz abgelehnt worden. Keine Priorität, nicht finanzierbar. Na dann, liebe SPD: Ihr wollt es, Ihr bekommt es: Nicht meine Stimme. Auch nicht zur Europawahl. Wir können uns eben nur in der Wahlkabine wehren. Egal, welche Wahl ansteht.

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    1. Das Wahlkreuz ist ein wichtiges legitimes Instrument, Politikern zu zeigen, was man von ihrer Politik hält. Leider tun sich Politiker aufgrund von ideologisch lehrbuchartig verbauten Marketing und Kommunikationsexperten sehr schwer, zu verstehen was Wähler wirklich denken und wollen.

      Dann kommen noch die Fachexperten aus den Lobbygruppen hinzu. Wichtig ist es, dass Sie sich weiterhin öffentlich dazu äußern, damit Diskussionen entstehen und auch Politiker es langsam merken. Wichtig ist dabei (allgemein), dass man sich dabei nicht auf Hassreden beschränkt, wie es leider zu viele tun, sondern mit einer klaren begründeten Meinungsäußerung sich zu Wort meldet.

      Kommentieren Sie weiter und wo immer sie können!

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