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Mehr als eine halbe Million Rentner in Deutschland beziehen Grundsicherung im Alter. 544 090 Alte kommen ohne staatliche Stütze nicht mehr über die Runden, weil ihr Rente nicht reicht. Pensionären geht es deutlich besser.

Die Altersarmut steigt rapide – musste 2003 lediglich mehr als 250 000 Rentner zum Amt gehen, um über die Runden zu kommen, waren es 2010 dem Statistischen Bundesamt zufolge schon mehr als 400 000 und Ende 2017 mit 544 090 noch einmal ein Drittel mehr. Dabei ist das nur die halbe Wahrheit, denn viele arme Rentner schämen ich, Grundsicherung zu beantragen. Die tatsächliche Zahl der Bedürftigen sich sicher weitaus höher.

Altersarmut vor allem bei Frauen

Wer sich die Zahl genauer ansieht, merkt schnell, dass Altersarmut vor allem ein Problem von Frauen ist. Von den 544 090 Grundsicherungsempfängern waren 316 425 Frauen – und damit der überwiegende Teil. Seit 2003 hat sich die Zahl der Rentner, die auf Grundsicherung angewiesen sind mehr als verdoppelt. Die Zahlen zeigen einen stabilen Aufwärtstrend, der sich voraussichtlich ab 2025 noch verstärken dürfte, dann, wenn die Babyboomer in Rente gehen.

Im Alter auf Grundsicherung angewiesen

Grundsicherungsempfänger

Grundsicherung im Alter bekommt, wer keine oder zu geringe Renten erhält, um das Existenzminimum zu erreichen – und das lag 2017 bei 8820 Euro und liegt 2018 bei 9000 Euro, das sind monatlich 750 Euro. Die durchschnittliche Altersrente in Deutschland liegt jedoch nur bei 1172 (Männer) und 685 (Frauen) Euro. Allein diese Zahlen verdeutlichen, wie es um die Altersvorsorge vieler Menschen hierzulande bestellt ist. Aber selbst von 750 Euro kann in Schwarmstädten wie München oder Frankfurt kaum einer leben.

Das Problem wird sich noch verschärfen, denn die Mieten in den Metropolen steigen weiter. Selbst wer eine überdurchschnittliche Rente bezieht, wird sich München und Frankfurt bald nicht mehr leisten können. Die ersten Rentner müssen bereits wegziehen.

 

Immer mehr auf Grundsicherung angewiesen

Ob die neue Grundrente, die im Koalitionsvertrag enthalten ist, viel hilft, ist mehr als fraglich. Wer die Grundrente beantragt, muss allerdings weiterhin seine Bedürftigkeit nachweisen und sich finanzielle nackt ausziehen. Vermutlich werden das einige arme Rentner als entwürdigend ansehen.  VdK-Präsidentin Ulrike Mascher forderte insofern die Bundesregierung ebenfalls dazu auf, das Thema Altersarmut „endlich“ anzugehen. Vor allem die Regelsätze in der Grundsicherung für ältere Menschen müssten angehoben werden, so Mascher.

Was vor diesem Hintergrund besonders empört ist der eklatante Unterschied zwischen Renten und Pensionen. Während die durchschnittliche Pension bei annähernd 3000 Euro liegt, muss der durchschnittliche Rentner mit 1172 Euro und die Rentnerin mit 685 Euro auskommen. Die „Bild“ hat einmal zusammengestellt, wie viel Rentner und Pensionäre bekommen in den einzelnen Bundesländern. Bundesweit liegt er bei 1858 Euro bezogen auf die Rente von Männern und sogar bei 2345 Euro bezogen auf die Rente von Frauen. Ok, Pensionäre müssen ihre Pension voll versteuern und sind privat krankenversichert, womit von den 3030 Euro noch mal 700 Euro weggehen, unterm Strich haben sie jedoch mit 2300 Euro immer noch doppelt so viel wie ein Durchschnittsrentner. Der Unterschied zwischen der Höhe von Renten und Pension ist schon längst nicht mehr zu erklären, es wird Zeit, dass auch Beamte anders behandelt werden. Ein Niveau-Unterschied von 71 (Pension) zu 48 Prozent (Rente) ist nicht mehr hinnehmbar.

Wie viel Rentner und Pensionäre bekommen

BundeslandAltersrente Durchschnitt* Pension Durchschnitt**
MännerFrauen
Baden-Württemberg11996653230
Bayern11206383230
Berlin Ost12449922620***
Berlin West10487742620
Brandenburg11749022060
Bremen11286493060
Hamburg11537393080
Hessen11776423140
Mecklenburg-Vorpommern11368852130
Niedersachsen11445753070
Nordrhein-Westfalen12275953170
Rheinland-Pfalz11485753140
Saarland12285163130
Sachsen11808912090
Sachsen-Anhalt11618692040
Schleswig-Holstein11386333090
Thüringen11558822110
Deutschland gesamt11726853030

*Rentenzahlung nach Abzug von Kranken- und Pflegeversicherung
** Brutto vor Abzug von Kranken- und Pflegebeitrag und Steuern
***Wert für Gesamt-Berlin
Quellen: Deutsche Rentenversicherung, Statistisches Bundesamt, Bild

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

12 Comments

  1. […] fest. „80 Prozent sorgen sich um die Absicherung im Alter“, so Pausder. „Jeder vierte Rentner München“, betont er. In Zukunft werde das wohl noch schlimmer, denn viele, die heute Mindestlohn […]

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  2. […] gearbeitet hat, Kinder erzogen und Angehörige gepflegt hat, soll schon nach 35 Beitragsjahren eine Grundrente bekommen, die zehn Prozent über der Grundsicherung […]

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  3. Kurt Lindinger 31. März 2018 at 16:41

    Bei Betrachtung der Zahlen, fragt man sich wie Politiker bloß auf die Idee kommen bei derartigen Vergleichen von einer unnötigen Neiddiskussion zu sprechen und darstellen wie gut es den Rentnern eigentlich geht und was Beamte alles auferlegt wird. Wer sein Leben lang gearbeitet hat, sollte auch wenn er in Miete lebt zumindest noch für ein auskömmliches Leben ohne Saus und Braus, Geld für das Nötigste zur Verfügung zu haben ohne beim Staat Stütze beantragen zu müssen.

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    1. Helmut Achatz 1. April 2018 at 12:23

      Der krasse Unterschied zwischen Renten und Pension ist wie aus der Zeit gefallen und mit nichts zu begründen

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  4. Dipl.Ing.Alexander Meissini 30. März 2018 at 11:45

    Die Grundsicherung gibt es aber nur bei Singles,bei Eheleuten ist der Partner,hier der Mann ,für die Grundsicherung zuständig
    Vom Staat gibt es dann nichts……..

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    1. Richtig. Die Höhe des Regelsatzes für ein Ehepaar beträgt 736 Euro.
      Die Rente wird von der Grundsicherung abgezogen.
      Auch das Einkommen des Ehepartners hat unter Umständen Einfluss auf die Höhe der Grundsicherung. Allerdings sind das Zahlen für 2017. Und das schreibt biallo.de: Das Sozialhilfe- bzw. Grundsicherungsniveau lässt sich einfach errechnen durch die Formel „Warmmiete plus Regelsatz“. 2018 beträgt der (Eck-)Regelsatz für Allein­stehende 416 Euro im Monat. Ein Alleinstehender, der monatlich 400 Euro Warmmiete zahlen muss, hat 2018 einen persönlichen Grundsicherungsbedarf von 816 Euro. Für Paare liegt der Regelsatz 2018 insgesamt bei monatlich 748 Euro. Beträgt die Warmmiete eines Rentner-Ehepaars beispielsweise 500 Euro, so liegt ihr Grundsicherungsbedarf bei 1.248 Euro. Wer weniger zur Verfügung hat, kann Anspruch auf Hilfe vom Sozialamt haben. Vorrangig muss allerdings Wohngeld in Anspruch genommen werden.

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  5. Und genau so ist es von unseren Volksvertretern, Politikern und den Kapitalisten gewollt, es geht ausschließlich nur noch um Maximal-Profit für Konzerne und Banken.
    Nur eins scheint diesen Egoisten nicht klar zu sein:
    Wenn die Masse der „Abgehängten“, Verarmten groß genug geworden ist, muss man sich über Bürgerkrieg, steigende Kriminalität und weniger Umsatz nicht wundern.
    > > Die “ neue Kroko“ zeigt sowohl im Kroko Vertrag, als auch die SPD und CDU in Ihren Parteiprogrammen- dass alles genau so weiter gehen soll, wie bisher.
    > > Uns geht es gut- mit den Diäten lässt sich gut und gern hier leben – hier leben wir ( Politiker, Volksverräter ) gern !
    Man sollte die Politiker auch nicht für dümmer halten, als sie sind.
    Sie wissen was sie tun- sie haben jeden Tag Zeit sich die Realität anzusehen und haben in d. Regel Zugang zu allen Daten, Unterlagen und Statistiken – …aber wer jeden Monat weit über 10 000 € erhält ( nicht verdient …den verdient haben sie es nicht, dazu müssten sie dem Volke dienen- sie dienen aber dem Kapital ) muss erst mal das Geld nachzählen …das kostet viel Zeit.
    > > Und was das Volk will, was der Pflichtversicherte will, was im Grundgesetz ( zum Bsp. Artikel 20 Abs. 1 ) steht, interessiert weder Merkel, noch die Parteien, noch die „Volksvertreter“.
    > > Der neue Kroko –Vertrag ist ein Vertrag zur Aushebelung der Parlamente – die werden überflüssig – denn SPD und CDU haben schon vor jeder Abstimmung alles genau beschlossen, diktiert.
    > > Merkels 4. Amtszeit, mit einer SPD, die eigentlich ASDP heissen müsste ( A – soziale Partei D ) wird Deutschland vernichten !
    ( siehe Ihre Haltung zu D. hier; Merkel wirf Fahne weg ! http://www.youtube.com )
    >> Geld ( ESM) und Befugnisse sind schon zum grössten Teil der EU – Diktatur und dem „ Vereinigten Europa „ geopfert, den Rest erledigt „ Resttlement und Relocation „ , siehe CDU Programm von 2017 , Seite 63 – Umvolkung durch grenzenlose Einwanderung und Zuzug- auch alles schon lange beschlossen in der EU.

    In anderen Ländern streikt das Volk …“ spaniens-rentner-revoltieren-gegen-den-staat“
    vorunruhestand.de />
    aber der Deutsche ist geduldig…..wie lange noch?

    Eberhard Stopp Versicherungsmakler ( siehe http://www.Fair-Makler.com ….wird leider hier nicht angenommen meine Homepage )
    29.03.2018 12.40 UHr

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  6. Während die Rentner verarmen gönnen sich wenigsten die Gesetzesmacher noch etwas für ihre Altersversorgung. § 11 des AbgG regelt das Einkommen der Abgeordneten im Ruhestand. Es ist ein bescheidenes Zubrot daß diese Leute bekommen. Für ein Jahr im Bundestag gibt es monatlich €207,- Pension. Wer vier Jahre dort gesessen hat bekommt dann gerade mal €828,- Erst nach 27 Jahren im Bundestag bekommt der Abgeordnete dann monatlich € 5600,- Altersbezüge. Dafür müßte der Rentner nur 133 Jahre arbeiten um auch in den Genuß der Bezüge zu kommen die der Mann/die Frau bekommt die über seine Altersversorgung entscheiden. Früher wurden diese Leute irrtümlich auch Volksvertreter genannt. Jetzt nennen sich diese Abgeordneten gerne selbst Gesetzesmacher. Auch dieser Titel ist eigentlich falsch. Die Gesetze werden in den Ministerien gemacht. Diese Leute dürfen dann abstimmen ob sie dafür oder dagegen sind. Dann bekommt man als aktiver Abgeordneter monatlich über €9400,- Als Ruheständler jedoch nur 62,5%. Das sind nur 14% mehr als wie bei den Rentnern.

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    1. Richtig, die Relation stimmt schon seit langem nicht mehr

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  7. Erwin Tischler 29. März 2018 at 19:10

    Die GroKo wird an unserem Rentensystem nichts ändern, sind doch der überwiegende Teil der Abgeordneten der sogen. Volksparteien selbst Beamte, die sich auf ihre großzügigen Versorgungsbezüge freuen können. Bleibt zu hoffen, dass nicht nur die 6,3 Mio Direktversicherungsgeschädigten, die bei der nächsten Bundestagswahl schon 7,3 Mio. sind, mit ihren Angehörigen, Freunden und Kollegen alternativ wählen, damit sich in diesem Staat endlich mal etwas bewegt. Alles, was die CDU/CSU und die SPD veranstalten, ist doch reine „Flickschusterei!“

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    1. Andreas Havlik 15. April 2018 at 19:16

      Solange mit „alternativ“ nicht die Partei gemeint ist, die dieses Wort im Namen trägt, stimme ich zu. Merke: Von diesen Gestalten ist gar nichts zu erwarten, was in Richtung Rentengerechtigkeit geht.

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  8. Hans-Peter Neubauer 29. März 2018 at 19:03

    Um einen richtigen Vergleich zu haben, muss beim Rentner auch noch eine private Zusatzversicherung abgezogen werden. z.B. Heilpraktiker 100%, Implantate beim Zahnarzt…….

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