Zuletzt aktualisiert am

690 Milliarden Euro kosten uns die Beamten in Pension. Dafür lässt die Politik die gesetzliche Rente ausbluten. Die Schere öffnet sich immer weiter. Der Sozialverband VdK fordert deswegen eine #Rentefüralle, sprich, ein System, in das alle einzahlen.

Die VdK-Präsidentin Verena Bentele redet nicht lange um den heißen Brei. „Wir brauchen eine Rente für alle –  #rentefüralle. Davon sind wir aber in Deutschland weiter denn je entfernt. Es ist so, dass die Schere zwischen Pensions- und Rentenniveau noch nie soweit auseinander ging wie heute. Während sich die Pensionäre über 70 Prozent ihres letzten Gehalts freuen dürfen, sind es bei den Rentner gerade einmal 48 Prozent – 1990 waren es 55 Prozent – von den durchschnittlich eingezahlten Gehältern während des Berufslebens. Eine Beamtin mit 31 872 Euro Jahresgehalt bekomme beispielsweise nach 40 Jahren mit 67 eine Pension von 1902 Euro, eine Angestellte mit dem gleichen Gehalt nach 45 Jahren mit 67 jedoch nur 1058 Euro.

Entwicklung des Rentenniveaus

JahrSicherungsniveau vor Steuern
198057.6
199055
200052.9
200152.6
200252.9
200353.3
200453
200552.6
200652.2
200751.3
200850.5
200952
201051.6
201150.1
201249.4
201348.9
201448.1
201547.7
201648.1
201748.2
201848.1
201948,1*
202048,0**
202148
202248
202348
202448
202548
*geschätzt
**Haltelinie
Quelle: Deutsche Rentenversicherung

Sozialverband VdK wächst rasant

Angesichts dieser himmelschreienden Ungerechtigkeit wächst die Wut der Rentner, die sich um ihre Lebensleistung betrogen fühlen. Nicht von ungefähr steigt die Zahl der Mitglieder des Sozialverbands VdK, der in Bayern beispielsweise hat mittlerweile laut Landesgeschäftsführer Michael Pausder mehr als 706 000 Mitglieder, bundesweit sind es rund zwei Millionen.

Ulrike Mascher, Landesvorsitzendes des VdK Bayern, widerspricht dem Statistischen Bundesamt, das Bayern die geringste Armutsgefährdungsquote zuspricht. Sie liege bei nur 11,7 Prozent, wogegen Bremen mit 22,7 Prozent das höchste Armutsrisiko aufweise. Mascher hält entgegen, dass gemessen am Landesmedian Bayern mit 21,5 Prozent der über 65Jährigen ein hohes Armutsrisiko ausweise. „24,2 Prozent, also fast jede vierte ältere Frau, ist von Armut bedroht“. Die wirkliche Altersarmut ist laut Mascher weit größer als offiziell registriert. Und die städtischen Armutsberichte sind sich einig: Die Zahl der bedürftigen Rentnerinnen und Rentner ist in Wahrheit viel größer. „Die Scham und die Schuldgefühle, nicht selbst für sich gesorgt zu haben, verhindern oft, dass Bedürftige im Ruhestand sich Hilfe bei den Ämtern holen; auch ihren Familien wollen Betroffene nicht zur Last fallen“, so die Altersforscherin Irene Götz. Studien belegen Mascher zufolge, dass 70 Prozent der Berechtigten ihre Ansprüche auf Sozialleistunen aus Angst und Scham nicht einlösen, so hoch sei die Armutsdunkelziffer.

Armutsschwelle bei 1114 Euro

Was heißt das überhaupt „Grundsicherung im Alter“? Der Regelsatz liegt bei 424 Euro plus Mietkostenanteil. Die Stadt München stockt den Regelsatz um 21 Euro auf, ebenso der Landkreis München und Fürstenfeldbruck. Starnberg will nachziehen. Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein, aber immerhin. Die Armutsgefährdungsschwelle in Bayern liegt mit 1114 Euro übrigens 165 Euro über der in Bremen. Dumm nur, dass viele Rentnerinnen weit davon entfernt sind, sprich, sie sind dringend auf Arbeitslosengeld II, so der offizielle Name für Grundsicherung im Alter, angewiesen.

Aber selbst die Grundsicherung deckt vieles nicht ab, das gilt vor allem für Zuzahlungen beim Arzt oder Apotheker. Und wehe der Kühlschrank oder ein anderes Haushaltsgerät ist defekt, auch das ist bei der Grundsicherung nicht enthalten.

Schere zwischen Pensionen und Renten

Ein Riss geht durch Deutschland, ein Riss zwischen Pensionären und Rentnern. Während sich die einen keine Sorgen machen müssen im Alter, fürchten sich die anderen davor. Deswegen fordert der VdK ein gemeinsames Rentensystem für alle – also #Rentefüralle. „Der VdK fordert ein Rentensystem, in das alle einzahlen – Arbeitnehmer, Selbstständige, Beamte, Freiberufler, Manager und Politiker“. In Österreich zahlen alle ein, entsprechend ist die Pension (so heißt die Rente dort) deutlich höher als in Deutschland.

Quelle: VdK

Grundrente ohne Bedürftigkeitsprüfung

Bentele spricht sich für die Grundrente ohne Bedürftigkeitsprüfung aus. Das sei Respekt vor der Lebensleistung. Sie hält Bedürftigkeitsprüfungen für übertrieben. Eine Bedürftigkeitsprüfung würde viele davon abhalten, Grundrente zu beantragen – aus Scham.

Der VdK plant deswegen eine Großdemonstration im März 2020 in München. „An einem Samstag im März 2020 wollen wir mit mindestens 20 000 Menschen von der Theresienwiese zum Odeonsplatz ziehen, um eine #Rentefüralle zu fordern“, so Pausder.

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

3 Comments

  1. Die Forderung nach einer „Rente für Alle“ in dem Sinne, dass ALLE in eine Rentenversicherung einzahlen, ist schon lange ein Thema – das Beispiel Österreich wird ja immer wieder erwähnt. Dass das Rentensystem in Österreich gerechter ist, wissen die Politiker.
    Wenn eine Mehrheit der Benachteiligten begreifen würde, warum Politiker hierzulande nichts ändern wollen, hätten wir ganz andere Wahlergebnisse.
    Und wenn einmal ein fähiger Politiker mit Bildung und Erfahrung in Ökonomie und Wirtschaft antritt, um etwas zu verändern, wird er von den etablierten Parteien und den Mainstream-Medien unisono bekämpft oder sogar diffamiert.
    Auch die Forderung des VdK nach einer Grundrente ist aus sozialen Gründen sinnvoll. Da diese Renten nicht durch jahrzehntelange Beiträge erwirtschaftet wurden (Entgeltpunkte!), müssten diese auch durch Steuergelder finanziert werden. Doch es war schon zu lesen, dass dafür u.a. auch die Überschüsse aus Renten- und Kranken-Kassen verwendet werden sollen. Damit wäre die Grundrente nichts weiter als der nächste große Betrug durch deutsche Politiker.
    Direktversicherungsgeschädigte kennen das ja schon.

    Antworten

  2. Die Erwerbstätigenversicherung für alle wäre eine Lösung gewesen. Die SPD Vorsitzende von BW hatte diesen Vorschlag im letzten Jahr eingebracht. Offensichtlich hat sie dafür aber weder Unterstützung vom SPD Vorstand noch von den anderen Parteien in BW bekommen. Es fehlt bei diesem Thema einfach am politischen Willen. Besonders der SPD Vorstand hat auf der ganzen Linie versagt. Österreich hat eine bessere Altersversorgung als Deutschland. Darauf hat auch eine Rentnerin Angela Merkel in einer Fernsehdiskussion hingewiesen. Angela Merkel antwortete:“ Da haben sie Recht.“ Das hört sich auf den ersten Blick gut an, aber bedeutet leider nur an diesem Unrecht wird die CDU unter Angela Merkel rein gar nichts ändern wollen. Wenn der politische Wille bestanden hätte wäre der Gesetzesvorschlag Erwerbstätigenversicherung im Bundestag zur Abstimmung eingebracht worden. Das haben jedoch weder SPD noch CDU gemacht. Das alles erinnert mich an einen Gesetzentwurf der SPD über das Mindestlohngesetz. Diesen Gesetzentwurf der SPD hatten seiner Zeit die Linken im Bundestag eingebracht und selbst die SPD hatte damals dagegen gestimmt. Das war bevor Angela Merkel sich dafür entschied ein Mindestlohngesetz in Deutschland einzuführen. Für mich bedeutete das damals daß Angela Merkel die bessere Sozialdemokratin ist. Auch bei der Rentenreform ruht sie sich erfolgreich auf den Lorbeeren ihres Vorgängers Gerhard Schröder aus. Daher wir es bei Angela Merkel keine neue Rentenreform geben. Das ist genau so sicher wie es beim Mindestlohngesetz der Rot-Grünen Koalition unter Gerhard Schröder war. Damals sagte der Vorsitzende des AG Verbands:“Gerhard Schröder hat mir versprochen daß es unter seiner Regierung kein Mindestlohngesetz geben wird.Auf sein Wort kann ich mich verlassen.“ Ich bin der festen Überzeugung daß es unter der Regierung Angela Merkel keine Rentenreform geben wird. Daher sind die Proteste des VdK mehr als gerechtfertigt.

    Antworten

  3. Norbert Schönert 8. August 2019 at 17:19

    Eine radikale Systemveränderung ist schon lange überfällig. Aber solange Politiker überwiegend Beamte und selbstständige sind, werden sie freiwillig natürlich nichts ändern. Schaut euch mal die Begründung vom Beamtenbund an warum das alles gerechtfertigt ist. Da kommt jedem normalen Arbeitnehmer die Galle hoch.

    Antworten

Kommentar verfassen