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Die Große Koalition hat sich auf das Rentenpaket geeinigt. Was bringt das Rentenpaket für Rentner und Rentenbeitragszahler? Die Beschlüsse im Einzelnen.

Millionen Mütter dürfen sich freuen, aber auch Erwerbsminderungsrentner und Geringverdiener. Die Kosten in Milliardenhöhe müssen Beitrags- und Steuerzahler tragen. Insgesamt kann von Entlastung aber keine Rede sein. Vor allem Arbeitnehmer sind gekniffen, denn ihnen bleibt weniger Netto vom Brutto.

Das Rentenpaket

Und so sieht das Rentenpaket, das Anfang 2019 in Kraft treten soll, genau aus:

Rentenniveau

Das Rentenniveau will die Schwarz-Rot bis 2025 auf dem heutigen Stand von 48 Prozent des Durchschnittslohns einfrieren. Was mit dem Rentenniveau nach 2025 passiert, bleibt vorerst offen. Zum Vergleich: Beamten kommen auf einen Pensionssatz nach 40 Dienstjahren von 72,2 bis 72,6 Prozent. Davon können Angestellte in der Privatwirtschaft nur träumen.

Durchschnittsgehalt, -Rente und Rentenniveau

JahrDurchschnittsverdienst*Standardrente*Rentenniveau in %
200023.341 12.356 52,9 
200123.785 12.512 52,6 
200224.083 12.746 52,9 
200324.244 12.925 53,3 
200424.341 12.891 53,0 
200524.389 12.821 52,6 
200624.501 12.796 52,2 
200724.907 12.781 51,3 
200825.425 12.840 50,5 
200925.101 13.055 52,0 
201025.632 13.232 51,6 
201126.441 13.253 50,1 
201227.249 13.465 49,4 
201327.847 13.612 48,9 
201428.553 13.743 48,1 
201529.253 13.955 47,7 
201629.880 14.367 48,1 
*in Euro

*in Euro; Aktuell liegt das Rentenniveau bei 48,2 Prozent

Rentebeiträge

Die Beiträge von derzeit 18,6 Prozent sollen bis 2025 nicht über 20 Prozent steigen. Das schließt aber schon ein, dass die Rentenbeiträge langfristig sicher steigen werden. Eigentlich war ja eine Senkung des Rentenbeitrags von 18,6 auf 18,3 Prozent geplant, was jetzt unter den Tisch fällt.

Rentenbeitragssatz in Deutschland

Rentenbeitragssatz in Deutschland

Erwerbsminderungsrente

Was die Erwerbsminderungsrentner betrifft, so sollen sie bessergestellt werden.  Bislang war es so, dass jemand, der wegen gesundheitlicher Probleme aufhören muss,  bei der Rente so gestellt wird, als hätte er nur bis zum 62. Lebensjahr gearbeitet. Diese Zurechnungszeit wird ab 2019 schrittweise auf 67 Jahre angehoben. Dumm nur, dass von dieser Regelung nur Neu-Erwerbsminderungsrentner profitieren. Also, wer möglicherweise Erwerbsminderungsrente beantragen will oder muss, sollte unbedingt bis 2019 damit warten. Im Januar 2019 wird es also eine Flut von Anträgen bei der Rentenversicherung geben.

Mütterrente II

Rin in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln – die Mütterrente II wird wieder einmal geändert. Seit 2014 gibt es für die vor 1992 geborenen Kinder ein zweites Erziehungsjahr, künftig sollen die annähernd zehn Millionen Mütter und Väter einen weiteren Zuschlag in Höhe eines halben Entgeltpunktes bekommen. Ursprünglich wollte die CSU jedem Kind drei Rentenpunkten zugestehen, jetzt sind es nur zweieinhalb für die vor 1992 geborenen Kinder. Dagegen war vor allem die SPD. Im Koalitionsvertrag wurde der Vorschlag eingedampft auf die Mütter, die drei und mehr Kinder vor 1992 geboren haben. Sie sollten drei Punkte bekommen, andere Mütter mit nur zwei Kindern oder einem Kind, die vor 1992 geboren wurden, wären leer ausgegangen. Ein Entgeltpunkt ist aktuell seit 1. Juli 2018 im Westen 32,03 Euro wert und im Osten 30,69 Euro. Das heißt, ein halber Entgeltpunkt bringt dann im Westen 16,02 Euro, im Osten 15,35 Euro.

Arbeitslosenversicherung

Arbeitnehmer sollen entlastet werden. Der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung soll 2019 um 0,5 Prozentpunkte auf 2,5 Prozent des Bruttolohns sinken (0,2 Prozentpunkte mehr als im Koalitionsvertrag vorgesehen). Finanzmathematiker haben ausgerechnet, wieviel das ausmacht: Bei einem durchschnittlichen Bruttoeinkommen von monatlich 3156 Euro wäre das eine Ersparnis von 15,78 Euro.

Soli

Beim Solidaritätszuschlag, kurz Soli, eiern die Koalitionäre immer noch herum. Im Koalitionsvertrag habe Union und SPD vereinbart, den Soli schrittweise abzuschaffen – aber erst ab 2021 und auch nur für 90 Prozent der Soli-Zahler. Die Rede war von einer Einkommensgrenze von 60 000 Euro. Wer mehr verdient, wird wohl noch bis in alle Ewigkeit Soli zahlen. Zur Erinnerung: Eingeführt wurde er 1991 befristet auf ein Jahr; ab 1995 wurde er dann unbefristet zur Finanzierung der Kosten der deutschen Einheit umgewidmet. Eigentlich sollte er 2019 auslaufen. Aber, was die Regierung mal hat, gibt sie so schnell nicht wieder her. Der Soli beträgt 5,5 Prozent der Einkommen- und Körperschaftssteuer.

Geringverdiener

Für Geringverdiener soll die Einkommensgrenze, ab der volle Sozialbeiträge gezahlt werden müssen, von 850 auf 1300 Euro steigen.

Grundrente

Schwarz-Rot wollen die Lebensleistung würdigen. Wer also lang gearbeitet hat, Kinder erzogen und Angehörige gepflegt hat, soll schon nach 35 Beitragsjahren eine Grundrente bekommen, die zehn Prozent über der Grundsicherung liegt.

Rentengarantien

Finanzminister Olaf Scholz wollte ja eine Rentenabsicherung bis 2040. Das scheint im Moment vom Tisch. Das soll jetzt die Rentenkommission richten – und sie wird ihre Ergebnisse bis März 2020 vorlegen, so ist es zumindest geplant.

Pflegebeitrag

Rentner und Rentenzahler dürfen nicht glauben, dass sie entlastet werden, denn Gesundheitsminister Jens Spahn hat schon angekündigt, dass der Pflegebeitrag Anfang 2019 um einen halben Prozentpunkt steigen wird. Konkret heißt das: 2,55 + 0,5 = 3,05 Prozent, Kinderlose zahlen ab 2019 dann 3,3 Prozent (2,8 + 0,5).

Kosten der Reform

Der „tz“ zufolge soll die Reform für die Rentenkasse bis 2025 annähernd 32 Milliarden Euro kosten. „Damit die Beitragssatzgrenze bei 20 Prozent gehalten werden kann, wird ein milliardenschwerer Fonds geschaffen“, schreibt das Blatt. Bei sinkenden Einnahmen der Rentenkasse müsse mehr Steuergeld zugeschossen werden.

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

2 Comments

  1. Beim Pflegebeitrag sind wohl zwei Fehler unterlaufen

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  2. Was bringt das Rentenpaket?
    Mehr Belastung für die Rentner!!!!!

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