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Die Erwerbsminderungsrente steigt ab 2018. Was kommt für die Betroffenen heraus? Um wie viel steigt die Erwerbsminderungsrente ab 2018 tatsächlich? Wer profitiert von der „neuen“ Erwerbsminderungsrente?

2016 bekamen Rentner mit voller Erwerbsminderung im Schnitt 697 Euro pro Monat. Ab 2018 wird die Erwerbsminderungsrente für neue Rentner steigen. Sie wird aber nicht für alle Rentner steigen. Die „neue“ Erwerbsminderungsrente gilt nicht für die, die schon bisher eine Erwerbsminderungsrente bezogen. Die Verbesserungen kommen auch nicht sofort, sondern nur schrittweise.

Wer bekommt Erwerbsminderungsrente?

Wer bekommt überhaupt Erwerbsminderungsrente? Erwerbsminderungsrente bekommen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die so krank sind, dass nicht oder nur noch eingeschränkt arbeiten können. Zweite Voraussetzung: Die bis zum Zeitpunkt der Arbeitsminderung gesammelte Rente reicht nicht zum Leben.

Die Zurechnungszeit verlängert sich für diejenigen, die ihren Beruf nicht mehr voll ausüben können um drei Jahre. Sie werden künftig bei der Rente so behandelt, als hätten sie bis zum 65. Lebensjahr voll gearbeitet. Die Zurechnungszeit stieg 2014 bereits von 60 auf 62 Jahre und steigt nun weiter auf 65 Jahre. Die Regelung dürfte jährlich rund 170 000 Menschen betreffen, die aus gesundheitlichen Gründen vor dem Rentenregelalter nicht mehr arbeiten können und frühzeitig aus dem Arbeitsleben ausscheiden müssen. Der rentenpolitische Sprecher der Linksfraktion, Matthias Birkwald, kritisierte der „Tagesschau“ zufolge die Absprachen zur Erwerbsminderungsrente. Demzufolge schauten „1,8 Millionen kranke Rentner in die Röhre“, weil die geplanten Verbesserungen nur neuen Rentnern zugute kämen.

Erwerbsminderungsrente reicht nicht

Das ist indes nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Denn, die bis zur Erwerbsminderung angesammelten Rentenpunkte reichen meist nicht, um einigermaßen auskömmlich leben zu können. Was Erwerbsminderungsrente berücksichtigt. Sie berücksichtit, „wie sich bei gleichbleibender Berufstätigkeit bis zum gesetzlichen Rentenalter die Rentenansprüche entwickelt hätten“, so die Bundesregierung.

Nur 4,50 Euro mehr Rente

Klingt theoretisch gut, in der Praxis allerdings kommt beim Betroffenen wenig an. Der Linken-Rentenexperte Matthias Birkwald hat es für das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) einmal ausgerechnet: „2018 liegt das Plus bei gerade einmal 4,50 Euro im Monat, 2025 sind es 50 Euro.“ Die Zurechnungszeit wird dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales nicht am 1. Januar 2018 mit einem Schlag von 62 auf 65 Jahre erhöht. Das passiert stufenweise. 2018 kommen bei der Erwerbsminderungsrente zu den 62 Jahren drei Monate dazu. 2019 kommen sechs Monate dazu. 2020 kommen dann zwölf Monate dazu, 2021 schließlich 18 Monate, 2022 dann 24 Monate, 2023 letztlich 30 Monate.

Wie gesagt, das ist der aktuelle Stand Mitte Februar. In den Koalitionsverhandlungen hat die SPD bessere Konditionen ausgehandelt. So soll die Anhebung der Zurechnungszeit beschleunigt werden, das heißt, in einem Schritt auf 65 Jahre angehoben werden. Aber, das ist noch nicht in trockenen Tüchern. Ob es dazu kommt, hängt von der Zustimmung der SPD-Mitglieder zum Koalititionsvertrag ab. Aber selbst dann, könnte sich noch etwas daran ändern. Also, erst einmal abwarten.

Der Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD sieht allerdings eine sofortige Erhöhung der Zurechnungszeit vor. Hier der Wortlaut des Papiers:

Wir werden diejenigen besser absichern, die aufgrund von Krankheit ihrer Erwerbstätigkeit nicht mehr nachgehen können. Wir wollen die Anhebung der Zurechnungszeiten beschleunigen, indem wir das jetzt vorgesehene Alter von 62 Jahren und drei Monaten in einem Schritt auf 65 Jahre und acht Monate anheben. Danach wird die Zurechnungszeit in weiteren Monatsschritten entsprechend der Anhebung der Regelaltersgrenze auf das Alter 67 angehoben.

Wie die Zurechnungszeit steigt

2018um 3 Kalendermonateauf 62 Jahre und 3 Monate
2019um 6 Kalendermonateauf 62 Jahre und 6 Monate
2020um 12 Kalendermonateauf 63 Jahre
2021um 18 Kalendermonateauf 63 Jahre und 6 Monate
2022um 24 Kalendermonateauf 64 Jahre
2023um 30 Kalendermonateauf 64 Jahre und 6 Monate
2024um 36 Kalendermonateauf 65 Jahre

Auf Grundsicherung angewiesen

Die große Mehrheit der künftig kranken Rentner, die Erwerbsminderungsrente beziehen, werde weiter auf Grundsicherung angewiesen sein. Das ist so, auch wenn Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles meint, für sie sei die angemessene Sicherung der Erwerbsgeminderten „ein Gebot des Anstandes, der Solidarität, aber auch des Respekts für die, die sich in ihrer Arbeit aufgerieben haben“. Die Verbesserung werde 1,5 Milliarden Euro mehr pro Jahr kosten.

Wie viel EM-Rentner im Schnitt bekommen

2016 bekamen Erwerbsminderungsrentner im Schnitt 697 Euro. Das ist in der Regel weniger als die Höhe der Grundsicherung im Alter. Wobei sich die Grundsicherung aus dem Regelbedarf zusammensetzt plus Kosten der Unterkunft und Heizkosten. Der Regelbedarf eines Erwerbsminderungsrentners (alleinstehend) liegt 2017 bei 409 Euro. Ab 1. Januar 2018 liegt er bei 416 Euro. Wie sieht es nun aus mit der Entwicklung der durchschnittlichen Erwerbsminderungsrente? Die durchschnittliche Erwerbsminderungsrente ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Die EM-Rente liegt aber immer noch unter dem Niveau der früheren (bis 2000) Berufs- und Erwerbsunfähigkeitsrenten. Die Berufs- und Erwerbsunfähigkeitsrente lag damals bei durchschnittlich 706 Euro monatlich. Wie hat sich durchschnittliche Erwerbsminderungsrente entwickelt?

Durchschnittliche Erwerbsminderungsrente pro Monat

  • 2016: 697 Euro
  • 2015: 672 Euro
  • 2014: 628 Euro
  • 2013: 623 Euro
  • 2012: 607 Euro
  • 2011: 596 Euro
  • 2010: 600 Euro
  • 2009: 600 Euro
  • 2008: 599 Euro
  • 2007: 611 Euro
  • 2006: 623 Euro
  • 2005: 627 Euro
  • 2000: 706 Euro

Quelle: Deutsche Rentenversicherung

Wo gibt’s Wohngeld?

Wie und wo jemand, der Erwerbsminderungsrente bezieht Wohngeld und Grundsicherung beantragen kann, schildert ausführlich die Facebook-Gruppe „Schwerbehinderte, Rente, EM Rente“. Wer Grundsicherung beantragt, muss sich bei den Behörden in punkto Finanzen nackt ausziehen. Wie „Finanztip“ schreibt, liegt die „Rente oft deutlich unter einem Drittel des letzten Bruttogehalts“. Der Deutschen Rentenversicherung zufolge lag die durchschnittliche Rentenhöhe bei voller Erwerbsminderung 2014 bei etwa 719 Euro im Monat, so „Finanztip“. Ach ja, wer vorzeitig in Rente geht, muss natürlich mit Abschlägen rechnen – jeder Monat früher kostet 0,3 Prozentpunkte.

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

15 Comments

  1. […] weil sie das Rentenregelalter erreicht haben. Immerhin haben mit 350 547 fast eben so viele eine Erwerbsminderungsrente beantragt. Gerade hier gilt: beantragt ist nicht genehmigt. Von den 355 496 wurden nur 177 059 […]

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  2. […] ist es so, dass die nicht am 1. Januar 2018 mit einem Schlag von 62 auf 65 Jahre erhöht wird. Das passiert nach dem bisherigen Gesetz stufenweise. 2018 kommen bei der Erwerbsminderungsrente zu den …. 2019 kommen sechs Monate dazu. 2020 kommen dann zwölf Monate dazu, 2021 schließlich 18 Monate, […]

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  3. […] Die Politik hat nur halbherzig und auch nur für „Neu-Rentner“ ab 2018 etwas verbessert. Die Erwerbsminderungsrente fällt künftig ein kleines bisschen höher aus: Der Gesetzgeber hat sich entschlossen, ab 1. […]

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  4. Wie verhält es sich wenn ich im Januar 2018 in die Erwerbsminderungsrente komme, bleibt das dann bei Monaten oder steigt meine Rente weiter bis 2023?

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    1. Die Erwerbsminderungsrenten nimmt an den Rentensteigerungen teil.

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    2. Die reine Erwerbsminderungsrente in 2018 bleibt bei 62 Jahren und drei Monaten für immer,
      allerdings nimmt sie an den jährlichen Nullrunden oder Rentenerhöhungen teil.

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  5. […] wollen schon früher gehen. Das geht indes frühestens mit 63. Davon ausgenommen sind natürlich Erwerbsgeminderte. Mit 63 Jahren können aber auch nur die Rentenversicherten aufhören, ohne Abschläge akzeptieren […]

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  6. […] mit Blick auf alle anderen mit gebrochener Erwerbsbiografie? Wäre es nicht sinnvoller gewesen, die Erwerbsminderungsrente aufzustocken? Die SPD hatte bei diesem Gesetz eben vor allem den älteren männlichen Facharbeiter vor Augen, […]

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  7. […] vorher bereits nicht mehr kann und täglich nicht längere als drei Stunden Arbeit durchsteht, kann Rente wegen Erwerbsminderung – und zwar voller – beantragen. Dann bekommt er den in der Renteninformation ausgewiesenen […]

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  8. Ich hoffe, dass die Wohlfahrtsverbände und der VDK hier intervenieren. Denn warum sollen die alten/heutigen EMI Bezieher die angeschmierten sein?
    Das hat mit Sozial nichts zu tun, entweder alle das Gleiche oder keiner etwas. Wer sitzt hier eigentlich mit am grünen Tisch? Dieselben die uns Rente mit 67 eingebrockt haben SPD und Gewerkschaften??

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    1. Das ist wieder Rentenpolitik nach Gutsherrenart

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  9. Hans-Christoph Scheider 14. Februar 2017 at 23:30

    Wo bleibt da der Gleichbehandlungsgrunsatz?Diese Regelung ist das Unterlaufen des Art.3GG und wird deshalb eine Beschwerde und Klageflut vor dem Bundesverfassungsgericht auslösen. So wird keine Sozialpolitik gemacht Frau Nahles! Die SPD bleibt für mich unwählbar.

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    1. Was meinen Sie damit genau?

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      1. Ist der Inhalt des Artikels in der Form noch aktuell?!

        Ansonsten würde ich darauf tippen, daß das damit gemeint ist:

        Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland
        Art 3

        (1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
        (2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.
        (3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

        Ist die Frage, ob das in der Form überhaupt zutrifft, weil das durch irgendwelche anderen Gesetze wieder genauer definiert (und evtl. wieder ausgehebelt wird) – aber generell fühle ich mich als behinderter Erwerbsminderungsrentner doch schon ziemlich an der Nase herumgeführt, wenn ich lese, daß neue Gesetze oder Verbesserungen immer nur für Neu-Rentner gilt – aber nicht für die, die bereits massiv von den alten Dingen betroffen sind.

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        1. Den Artikel habe ich erst vor kurzem aktualisiert. Übrigens schon zum wieder holten Mal. Ja, ich finde es auch ungerecht, dass diese Regelung nur für erwerbsgeminderte „Neurentner“ gilt und nicht für „Bestandsrentner“. Ganz abgesehen davon, dass die Verbesserung schrittweise eingeführt werden und nicht sofort. Dieses Gesetz ist eher ein Feigenblatt als eine wirkliche Verbesserung der Situation der Erwerbsgeminderten. Schade.

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