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Mittlerweile bekommen die meisten jährliche ihre Renteninformation. Das ist noch kein Rentenbescheid, aber die Renteninformation lässt schon erahnen, wie viel jeder später in der Rente bekommen wird. Was steht genau in der Renteninformation drin, was heißt das konkret und was bedeutet das? Wie lese ich meinen Rentenbescheid?

„In dieser Renteninformation haben wir die für Sie vom … bis gespeicherten Daten … und das geltende Rentenrecht berücksichtig“, so beginnt das Schreiben der Deutschen Rentenversicherung – und es folgen einige Zahlen und im Anschluss der Versicherungsverlauf. Wie lese ich die Renteninformation und was bedeutet sie?

Mit der Renteninformation bekommt jeder Beschäftigte ein Gefühl dafür, was ihn im Alter erwartet. Was bedeuten aber die Zahlen und Begriffe in der Renteninformation? Was heißt beispielsweise Regelaltersrente und was Anpassungssatz? Was hat es mit Brutto- und Netto-Rente auf sich?

Was steht in der Renteninformation drin? Foto: Deutsche Rentenversicherung

Was steht in der Renteninformation drin? Foto: Deutsche Rentenversicherung

Ok, eins nach dem anderen:

Regelaltersrente:

Was heißt Regelaltersrente und was sagt das Datum aus? Was die Deutsche Rentenversicherung zur Regelaltersrente sagt: „Seit dem Jahr 2012 wird für ab 1947 Geborene die Regelaltersgrenze schrittweise von 65 auf 67 Jahre angehoben. Für die Geburtsjahrgänge ab 1964 ist dann im Jahr 2031 67 die Regelaltersgrenze. Wer seine Rente früher erhalten will, muss in aller Regel Abschläge in Kauf nehmen. Die ständig steigende Lebenserwartung der Bevölkerung macht es nötig.“ Wer also beispielsweise 1954 geboren wurde, geht in der Regel mit 65 plus acht Monaten in Rente. Wer früher in Rente geht, muss Abschläge hinnehmen – für jeden Monat früher 0,3 Prozent. Wer 45 Beitragsjahre zusammenbringt, kann schon mit 63 Jahren gehen – ohne Abschläge. Wobei das zu ergänzen ist: Die abschlagsfreie Rente mit 45 Beitragsjahren wird auch mit jedem Jahrgang angehoben. „Die Rente ab 63 gilt nur für Versicherte, die vor dem 1. Januar 1953 geboren sind und deren Rente nach dem 1. Juli 2014 beginnt und die die sonstigen Voraussetzungen erfüllen“, so die Deutsche Rentenversicherung. Für Versicherte, die nach dem 1. Januar 1953 geboren seien, steige die Altersgrenze mit jedem Jahrgang um zwei Monate. Das heißt konkret, wer nach dem 1. Januar 1964 geboren wurde, kann nach 45 Beitragsjahren abschlagsfrei in Rente gehen, wenn er das 65. Lebensjahr vollendet hat. Das trifft aber nur Beschäftigte, die nach der Lehre gleich gearbeitet haben – und zwar ohne Pausen bis zum 63. Lebensjahr. Ein Studium ist frührenten-schädlich.

Kranken- und Pflegeversicherung:

Wer glaubt, er bekommt seine Rente eins zu eins ausgezahlt, sollte diesen Traum schnell begraben. Auf die Brutto-Rente werden Krankenversicherungs- und Pflegeversicherung fällig – ja und seit neuestem auch noch ein Zusatzbeitrag zur Krankenkasse. Für die Krankenkasse werden 7,3 Prozent fällig, für die Pflegeversicherung 2,55 Prozent und der Zusatzbeitrag macht ein Prozent aus.

Steuern:

Ja, Rentner müssen Steuern zahlen, wobei das so pauschal auch nicht gilt, denn betroffen sind vor allem Ruheständler mit hohen (gesetzlichen) Renten oder Zusatzeinkommen wie Mieten, Kapitalerträgen und Betriebsrenten. Was ist hoch? Ganz konkret gesprochen, wer mehr als 8820 Euro Rente bezieht und andere Einkünfte hat, muss eine Steuererklärung abgeben. 8820 Euro, das ist der Grundfreibetrag, der 2017 für Ledige gilt, bei Verheirateten sind es 17640 Euro. Herunter gebrochen auf den Monat bedeutet das: 735 Euro oder 1470 Euro. Ach ja, da gibt es ja noch den Altersentlastungsbetrag und Werbekosten sowie Sonderausgaben. Und der Besteuerungsanteil steigt von Jahr zu Jahr – wer 2017 in Rente geht, hat einen Besteuerungsanteil von 74 Prozent.

Erwerbsminderungsrente:

Nicht alle schaffen es bis 63 Jahre, geschweige denn bis 65 plus. Wer vorher bereits nicht mehr kann und täglich nicht längere als drei Stunden Arbeit durchsteht, kann Rente wegen Erwerbsminderung – und zwar voller – beantragen. Dann bekommt er den in der Renteninformation ausgewiesenen Betrag. Wer indes zwischen drei und sechs Stunden täglich arbeiten kann, hat Anspruch auf 50 Prozent der Erwerbminderungsrente. Vorsicht! Die Rentenversicherung ziert sich, bevor sie Erwerbsminderungsrente zahlt – und verlangt ein ärztliches Attest und erwartet, dass entsprechend vorher Rentenbeiträge gezahlt worden sind.

Rentenhöhe:

Das bisher Erreichte: Also vor 63 Jahren gibt’s normalerweise keine Rente – und das gilt selbst für die besonders langjährig Versicherten, die auf 45 Beitragsjahre kommen. Wer allerdings früher aufhören will und nicht mehr in die Rentenkasse einzahlt, hat ja Ansprüche angesammelt. Wie viel das ist, steht in der Renteninformation. Das Geld zahlt die Rentenversicherung allerdings erst mit Rentenbeginn aus. Wer brav bis zur Regelaltersgrenze eingezahlt hat, darf eine monatliche Rente von … erwarten – wie gesagt, im besten Fall.

Rentenanpassung:

„Aufgrund zukünftiger Rentenanpassungen kann die errechnete Rente in Höhe von …. Euro tatsächlich höher ausfallen“, schreibt die Rentenversicherung. 2016 sind die Renten tatsächlich um 4,25 Prozent im Westen und um 5,95 Prozent im Osten gestiegen. 2017 fällt die Rentenerhöhung nicht ganz so üppig aus. Aller Wahrscheinlichkeit nach steigen die Renten 2017 im Westen um 1,4 Prozent, im Osten um 1,8 Prozent.

Anpassungssatz:

Klingt etwas sperrig, ist aber nichts anderes als eine Wahrscheinlichkeitsrechnung. Die Deutsche Rentenversicherung prognostiziert, wie hoch die Rente ausfallen könnte, wenn sie jedes Jahr beispielsweise um ein Prozent steigt oder sogar zwei Prozent. Verlassen sollte sich allerdings niemand darauf, denn in der Vergangenheit gab es schon mehrmals Nullrunden, so 2004 bis 2006 und 2010, 2013 fiel die Erhöhung im Westen mit 0,25 Prozent auch eher bescheiden aus.

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

12 Comments

  1. […] Darüber, wie Altersarmut entsteht und wie sie wirksam bekämpft werden kann, informiert der Sozialverband umfassend im Rahmen einer deutschlandweiten Informationskampagne. Neben aktuellen Zahlen, Daten und Fakten hat der Verband ein Konzept veröffentlicht, das konkrete Lösungswege aufzeigt. Die Kampagne richtet sich sowohl an die politischen Entscheidungsträger als auch an die Bevölkerungsgruppen, für die das Risiko wächst, im Alter zu verarmen. […]

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  2. […] Monat zehn Jahre lang an die Krankenversicherung. Wohl gemerkt zusätzlich zu dem, was sie als Rentner sowieso schon an Krankenkassenbeiträge berappen müssen. Einige dürften in der Rente damit mehr Krankenkassenbeiträge zahlen als in […]

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  3. […] wiegelte ab. Schulz wollte es dann noch genau wissen. Merkel bestand darauf, es bleibe bei der „Rente ab 67“. Schulz klopfte der  Kanzlerin verbal auf die Schulter: „ganz toll.“ Merkel betonte nach einmal: […]

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  4. […] Für jeden Monat, den ein Beschäftigter früher in Rente geht, muss er einen Abschlag von 0,3 Proze… in Kauf nehmen. Wer also beispielsweise Anfang März 1954 geboren ist, kommt auf einen Abschlag von 9,6 Prozent. […]

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  5. […] Wie lese ich meinen Rentenbescheid und was bedeutet das? […]

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  6. […] sich allein auf die gesetzliche Rente verlässt, ist verlassen. Ohne private Vorsorge geht’s nicht. Die betriebliche Altersvorsorge ist […]

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  7. […] muss schon 35 Jahre Wartezeit vorweisen können. Blödes Wort „Wartezeit“ – da fallen Beitrags- und Ersatzzeiten hinein, auch die Lehrlingsjahre und die Bundeswehr – ja, die gab’s damals noch zu meiner Zeit, als ich jung war. Dazu gehören neben […]

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  8. […] ja nur die halbe Wahrheit, denn von der Brutto-Rente gehen ja nicht nur Steuern weg, sondern auch Sozialabgaben, sprich Kranken- und Pflegeversicherung, die sich auf die Höhe der Rente beziehen. Das heißt, den Rentnern wird noch weit mehr als die […]

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  9. […] Altersvorsorge-Pass, der ausweist, wie viel jeder Einzelnen an privater und betrieblicher sowie gesetzlicher Rente zu erwarten hat und was ihm nach Abzug von Sozialversicherung und Steuern netto …. Den Altersvorsorge-Pass wird es allerdings so schnell nicht geben. Viele sind da ziemlich […]

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  10. Dirk R. Schuchardt 6. März 2017 at 11:45

    Bei der alljährlichen Renteninformation werden von den Empfängern drei wichtige Punkte gerne übersehen:

    1. Die genannten Rentenbeträge sind brutto, d. h. hiervon gehen noch Kranken- und Pflegeversicherung sowie im Einzelfall noch Steuern runter.
    2. Auf der RÜCKSEITE stehen noch weitere wichtige Informationen, insbesondere im vorletzten Absatz und da im letzten Satz: Wie hoch ist die Kopfkraft von 100 EUR wenn ich in Altersrente gehen werde?
    3. Bei der Renteinformation wird nicht geprüft, ob ihre Datengrundlage vollständig und richtig ist. Deshalb sollte man – am besten immer dann, wenn man einen runden Geburtstag feiert, aber auch jederzeit ohne besonderen Grund – einen „Antrag auf Kontenklärung“ stellen. Auch die Information, dass alles richtig gespeichert ist, ist eine Information. Tipp: Statt einer RentenINFORMATION sollte man besser eine RentenAUSKUNFT beantragen. In dieser steht nämlich auch, wie hoch die Renten wegen Todes sind.

    Leider reitet die Renteinformation zu viel auf dem Thema „Altersvorsorge“ rum. Mindestens genau so wichtig ist das Thema Absicherung im Fall der Erwerbsminderung (Rund 1/4 eines Jahrganges schafft es überhaupt nicht in die Altersrente, weil man so krank wird, das an Weiterarbeiten nicht zu denken ist).
    Bei Thema zusätzliche Absicherung im Fall von Erwerbsminderung, Alter und Tod empfiehlt sich der Gang zu Verbraucherzentrale. Eine Altersvorsorgeberatung kostet beispielsweise in NRW derzeit 170 €. Viel Geld? Auf jeden Fall weniger Geld, als sich Versicherungsvertreter und Banken für unsinnige Produkte als Provision auf die Tasche tun.

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  11. Wer seine Rente vor Erreichung des Regelalters beantragt muß Abschläge von 0,3 % für jeden Monat in Kauf nehmen den er früher in Rente geht. Bei zwei Jahren sind das bereits 7,2 % weniger als die errechnete Regelaltersrente. Wenn die Rente dann kommt ist es auf jeden Fall weniger als ursprünglich angekündigt. Jetzt werden auch noch Beiträge zur Krankenversicherung und auch Zusatzbeiträge, die allein vom Rentner zu zahlen sind, sowie Beiträge für die Pflegeversicherung von der Bruttorente abgezogen. Das sind dann auch noch mal € 100,- Abzüge pro Monat. Bei €1100,- Rente bleiben also nur noch €1000,- im Monat übrig. Das sind dann €12000,- Rente pro Jahr. Davon sind auch noch Steuern zu zahlen. Bei einem ledigen Rentner beträgt die steuerfreie Rente € 8625,-. In diesem Fall hätte der Rentner das Glück auch noch Steuern für eine Rente von €3375,- bezahlen zu dürfen.

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    1. Helmut Achatz 6. März 2017 at 7:59

      Danke für den Kommentar. Ja, brutto ist nicht gleich netto, das ist vielen nicht bewusst.

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