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Für viele Rentner ist die Steuererklärung immer noch keine Selbstverständlichkeit. Dabei müssen viele Ruheständler seit 2005 ebenfalls eine abgeben. Wer das versäumt, muss unter Umständen nachzahlen. Informieren lohnt sich. Wann also müssen Rentner Steuern zahlen? Die wichtigsten Regeln für Bestands- und Neurentner.

Einige Senioren haben in der Vergangenheit vom Finanzamt doch glatt einen blauen Brief bekommen mit dem Hinweis, dass sie ihre Steuerpflicht seit 2005 vernachlässigt haben. Wie das? Gerade Bestandsrentner, die vor 2005 in Rente gingen, dachte doch, dass Steuern für sie der Vergangenheit angehörten. Mit dem Alterseinkünftegesetz 2005 hat sich jedoch alles geändert. Wer ein bisschen mehr Rente bezieht als der Durchschnitt, muss Steuer zahlen – für das Gros der Rentner dürfte das indes nicht zutreffen. Damit müssen sie eine Einkommensteuererklärung abgeben. Viele waren ziemlich überrascht, denn sie waren ahnungslos. Mit den Rentenerhöhungen 2016 und 2017 dürften noch viel mehr Rentner in die Steuerpflicht rutschen.

Für wen gilt die Steuerpflicht?

Für wen gilt die Steuerpflicht? Betroffen sind vor allem Ruheständler mit hohen (gesetzlichen) Renten oder Zusatzeinkommen wie Mieten, Kapitalerträgen und Betriebsrenten. Was ist hoch? Ganz konkret gesprochen, wer mehr als 8820 Euro Rente bezieht und andere Einkünfte hat, muss eine Steuererklärung abgeben. 8820 Euro, das ist der Grundfreibetrag, der 2017 für Ledige gilt, bei Verheirateten sind es 17640 Euro. Herunter gebrochen auf den Monat bedeutet das: 735 Euro oder 1470 Euro.  Dieser Betrag wird somit auch für die Steuererklärung des vorangegangenen Jahres herangezogen.

Ein Beispiel – Rentenbeginn 2005

Ein Beispiel: Rudi Rentner, unverheiratet und Single, hat sein ganzes Leben lang gut verdient und bekam bei Rentenbeginn 2005 eine Altersrente von monatlich 1400 Euro, was einer Jahresrente von 16800 Euro entsprach. Davon muss er 50 Prozent versteuern – macht 8400 Euro. Damit liegt er unter dem Grundfreibetrag von 8652 Euro für Singles. Ok, angenommen, Rudi wäre damals mit monatlich 1550 Euro in die Rente eingestiegen, so wären das im Jahr 18600 Euro gewesen. Heute 50 Prozent davon müsste er ja versteuern – 50 Prozent von 18600 sind 9300 Euro. Den Grundfreibetrag von 8652 Euro abgezogen, müsste er also 648 Euro versteuern. Theoretisch wohlgemerkt. Übrigens, dank Rentenerhöhungen würde er heute rund 1700 Euro im Monat beziehen.

Jetzt wird’s knifflig: Der unverheiratete Rudi kann seine Bruttojahresrente dem Fiskus gegenüber reduzieren und einiges absetzen. Mit Werbungskosten, Sonderausgaben und außergewöhnlichen Belastungen drückt Rudi seine Steuerlast. So kann er beispielsweise Ausgaben für die private Haftpflichtversicherung, Spenden und Ausgaben für von der Kasse nicht erstattete medizinische Leistungen absetzen. Ferner kann Rudi einen Teil der Handwerkerrechnungen absetzen. Er kann zudem Kosten für seine Haushaltshilfe absetzen.

So jetzt die erweiterte Rechnung:

 

Euro
Bruttojahresrente20400
–Rentenfreibetrag 9300*
Gesamteinkünfte11100
–Vorsorgeaufwendungen2193
–Werbungskostenpauschale102
–Sonderausgabenpauschale36
zu versteuerndes Einkommen8769
————————————————————-
zu versteuerndes Einkommen8769
–Grundfreibetrag8652
Rest117

Das zu versteuernde Einkommen liegt über dem Grundfreibetrag, insofern muss Rudi Steuer zahlen, die etwa bei 16 Euro liegen dürfte.

*775 Euro oder 50 Prozent waren damals 2005 steuerpflichtig, das sind auf’s Jahr 9300 Euro – dieser Rentenfreibetrag wird für die Zukunft festgeschrieben. Was die Vorsorgeaufwendungen betrifft, so werden die Krankenkassenbeiträge berücksichtigt. Für Werbungskosten und Sonderausgaben gibt es Pauschalen.

Damit’s auch nicht zu einfach wird, hat sich der Fiskus noch was Neues einfallen lassen – den Altersentlastungsbetrag. Da Rudi damals zu Rentenbeginn älter als 64 Jahre war, darf er diesen Bonus in Anspruch nehmen. Der betrug damals 40 Prozent seiner Einkünfte oder maximal 1900 Euro. 2016 sind es nur noch 22,4 Prozent oder maximal 1064 Euro. Das heißt, Rudi zahlt keine Steuern. Rudi braucht nicht mal alle Abzugsmöglichkeiten ausschöpfen.

Und weil der Fiskus glaubt, das war immer noch zu einfach, hat er sich noch mehr Erschwernisse einfallen lassen, wozu sind die vielen Finanzbeamten schließlich da (das ist ironisch gemeint). Mit dem Alterseinkünftegesetz, das zum 1. Januar 2005 in Kraft trat, gab’s einen Systemwechsel hin zur schrittweise nachgelagerten Besteuerung. Mit 50 Prozent Besteuerung ging’s los. Wer 2005 und früher in Rente ging, versteuert 50 Prozent seiner Rente, ab 2006 waren es schon 52 Prozent, 2007 dann 54 Prozent, 2010 schon 60 Prozent – und 2016 sind es 72 Prozent. Ab 2040 ist die ganz Rente zu versteuern.

Ein Beispiel – Rentenbeginn 2016

So, jetzt lassen wir den Single Rudi 2016 in Rente gehen, was müsste er dann zahlen?

Rechnung für Neurentner ab 2016:

Euro
Bruttojahresrente20400
–Rentenfreibetrag5712*
Gesamteinkünfte14688
–Vorsorgeaufwendungen2193
–Werbungskostenpauschale102
–Sonderausgabenpauschale36
zu versteuerndes Einkommen12357
—————–
zu versteuerndes Einkommen12357
–Grundfreibetrag8652
Rest3705

 

*2016 liegt der steuerpflichtige Rentenanteil für Neurentner bei 72 Prozent – 28 Prozent steuerfrei von 1700 Euro sind 476 Euro, bezogen auf das ganze Jahr sind das 5712 Euro.

Die Steuer beträgt dann laut Smart-Rechner 655 Euro gemäß Einkommensteuertarif.

Wenn Rudi heute, sprich 2016 in Rente geht, sieht die Lage allerdings weniger rosig aus in punkto Steuern. Seit der Reform 2005 erhöht sich der steuerpflichtige Anteil für gesetzliche Renten von 50 Prozent peu à peu – er klettert seither jedes Jahr um zwei Prozentpunkte. 2016 liegt der Besteuerungsanteil bei 72 Prozent, das heißt, nur 28 Prozent bleiben unbesteuert – 2017 sind es dann bereits 74 Prozent. Diesen Prozentsatz beim Erstbezug der Rente behalten Rentner. Ach ja, noch was, damit es auch wirklich nicht zu einfach wird, sind spätere Rentenerhöhungen in voller Höhe steuerpflichtig.

Wie der Besteuerungsanteil steigt – und wie viel Steuern die Rentenversicherten bereits zahlen

Jahr des Vorgesehener steuerfreier 
RentenbeginnsBesteuerungsanteil*Beitragsanteil
20055050
20065250.41
20075450.87
20085651.4
20095851.98
20106052.59
20116253.25
20126453.96
20136654.7
20146855.46
20157056.28
20167257.17
20177458.01
20187658.95
20197859.95
20208061
20218162.09
20228263.37
20238364.52
20248465.83
20258567.2
20268668.62
20278770.04
20288871.43
20298972.8
20309074.15
20319175.49
20329276.79
20339378.04
20349479.25
20359580.43
20369681.57
20379782.67
20389883.74
20399984.78
204010085.82
Das gilt für einen Standardrentner mit 45 Beitragsjahre mit dem jeweiligen Durchschnittsverdienst; *laut Alterseinkünftegesetz;  Näheres dazu, vor allem zum  steuerfreien Beitragsanteil und zum steuerpflichtigen  Mehranteil  wird genau erklärt in der Studie zur Doppelbesteuerung von Neurentnern der Versicherungsberater-Gesellschaft

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

13 Comments

  1. […] ja, was verbindet Hubert und Christine noch mit Deutschland? Die Rente – und das Finanzamt. „Die paar Jahre, die wir in Deutschland und Österreich gearbeitet haben, bringen uns eine […]

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  2. […] Nach den Rentenerhöhung 2016 und 2017 rutschen viele Rentner in die Steuerpflicht – sicher ungewohnt für einige. Viel Papierkram, missverständliche Formulare und die Angst davor, etwas zu vergessen oder einen Fehler zu machen, bleibt weder Jung noch Alt erspart. In vielen Fällen ist die Steuererklärung für Rentner aber gar keine Verpflichtung. Mehr dazu unter welchen Umständen Rentner überhaupt steuerpflichtig sind. […]

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  3. […] Rente bezog und weiter bezieht, zahlt Steuern – und zwar muss er sie zu 50 Prozent versteuern. Seit dem steigt der zu versteuernde Anteil jedes Jahr um zwei Prozent, so dass, wer 2017 in Rente ge…, 2018 sind es dann 76 Prozent und 2040 dann hundert […]

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  4. […] Ja, Rentner müssen Steuern zahlen, wobei das so pauschal auch nicht gilt, denn betroffen sind vor allem Ruheständler mit hohen (gesetzlichen) Renten oder Zusatzeinkommen wie Mieten, Kapitalerträgen und Betriebsrenten. Was ist hoch? Ganz konkret gesprochen, wer mehr als 8652 Euro Rente bezieht und andere Einkünfte hat, muss eine Steuererklärung abgeben. 8625 Euro, das ist der Grundfreibetrag, der 2016 für Ledige gilt, bei Verheirateten sind es 17304 Euro. Heruntergebrochen auf den Monat bedeutet das: 721 Euro oder 1442 Euro. Ach ja, da gibt es ja noch den Altersentlastungsbetrag und Werbekosten sowie Sonderausgaben. Und der Besteuerungsanteil steigt von Jahr zu Jahr – wer 2017 in Rente geht, hat einen Besteuerungsanteil von 74 Prozent. […]

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  5. […] Rentner auf die Hälfte ihrer Altersbezüge Steuern zahlen – und dabei bleibt es nicht, denn der Fiskus will von den Rentner, die nach 2005 eine Rente beziehen sukzessive prozentual immer mehr. Für jeden neuen […]

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  6. […] 4 Prozent im Westen, 5 Prozent im Osten Mit der Rente geht es richtig rauf Wann Rentner Steuern zahlen müssen SPD fordert ein Rentenniveau bei 50 […]

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  7. […] Rente ab Juli heißt auch mehr Steuern Wann Rentner Steuern zahlen müssen Was geschieht mit der Rente nach einer Scheidung? Bestandsaufnahme vor der Rente in punkto Ausgaben […]

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  8. Das Alterseinkünftegesetz konnte 2005 nur mit den falschen Daten des Herrn Rürup durchgesetzt werden. Das BVerfG zitiert nicht mal aus seinen eigenen Quellen richtig: sehr genau wird das hier erklärt: http://altersarmut-per-gesetz.de/

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  9. Früher war das Leben einfacher. Renten wurden nicht versteuert weil die Beiträge zur Rentenversicherung bereits versteuert wurden. Pensionen wurden versteuert weil der Pensionär nie Beiträge an die Pensionskasse entrichtet hatte.

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