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Obwohl die Zahl der Riester-Verträge seit Jahren stagniert, empfiehlt die Versicherungsbranche ein „Aufrüsten statt Abwracken“ und „Riester für alle“. Die Zahl schrumpft deswegen, weil immer mehr begreifen, dass die Riester-Rente ein Minus-Geschäft ist. Riestern lohnt sich schon lange nicht mehr.

Dem Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) zufolge haben annähernd 17 Millionen Menschen in Deutschland Riester. Die Riester-Renten fallen allerdings erbärmlich aus, obwohl die Bürger jahrelang eingezahlt haben. Das IVFP errechnet eine durchschnittliche tatsächliche Rente von 75 Euro. Nur, damit lässt sich die Versorgungslücke, die sich durch das niedrige Niveau der gesetzlichen Renten auftut, nicht schließen.

Es hat sich trotz aller Beteuerungen der Politiker nichts getan:

  • Die Riester-Rente ist kompliziert bei der Beantragung und Abwicklung
  • Die Rendite ist schlecht

Riester-Rente schöngeredet

Es hilft auch nichts, wenn einschlägige Lobbyisten wie das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA), das weitgehend von Gesellschaftern wie Deutsche Bank, DWS Group, BHW Bausparkasse und Zurich Gruppe Deutschland abhängig sind, immer wieder beteuern, wie großartig doch Riester ist.

Wer sich die Zahlen der IVFP-Studie einmal genauer anschaut, wird feststellen, dass Riester weitgehend gescheitert ist. Derzeit stagniert die Zahl der Verträge laut der IVFP-Studie bei 16,6 Millionen. Dass die Zahl der Riester-Verträge nicht noch stärker gesunken ist, liegt allein an Wohn-Riester, denn für diese Art ist die Zahl sogar gestiegen. Alle anderen Riester-Varianten verlieren aber dramatisch. Die Zahl der Versicherungsverträge beispielsweise ist von elf Millionen um 200 000 auf 10,8 Millionen gesunken – von 2011 bis 2018.

Viele Verträge ruhen mittlerweile

Wobei das nur die halbe Wahrheit ist, denn viele Verträge werden schon lange nicht mehr bedient oder die Förderbeträge werden nicht ausgeschöpft. Das IVFP schätzt, dass ein Fünftel auf ruhend gestellt ist, das sind rund 3,3 Millionen Verträge. Das heißt umgekehrt, dass nur noch 13,5 Millionen aktiv bespart werden. Ferner leisten nur 53 Prozent, also etwas mehr als die Hälfte, den geforderten Mindesteigenbeitrag, der bei vier Prozent des sozialversicherungspflichtigen Vorjahreseinkommens liegt. Der Rest, sprich 47 Prozent zahlen ein und bekommen demzufolge auch nicht den vollen Förderbeitrag. Das heißt, die staatliche Förderung wird bei weitem nicht ausgeschöpft.

Deutlich weniger als die Hälfte der Riester-Förderberechtigten nutzt Riester, noch weit weniger nutzen Riester in vollem Umfang. Die Zahlen steigen nicht, sondern sinken sogar, obwohl die Politik bei Riester nachgebessert hat. Gerade einmal die Hälfte der Riester-Sparer kommen auf die volle Zulagen.

Riester-Rente für gescheitert erklärt

Anfang 2016 hat der heutige Bundesinnneminister Horst Seehofer die Riester-Rente für gescheitert erklärt. Die Anbieter gaukeln ihren Kunden immer noch vor, sie könnte entsprechende Renditen erwirtschaften. Wie denn? Sie müssen ihr Geld weitgehend in Anleihen anlegen – und die sind im Minus. Wie sollen sie da akzeptable Renditen erzielen? Das Fördergeld des Bundes einmal rausgerechnet, ist Riester ein Minus-Geschäft.

Negativzins zieht Riester ins Minus

Die Studie des Bundes der Versicherten (BdV) hat das einmal im Detail vorgerechnet:  Der Höchstrechnungszins ist seit 1997 von vier Prozent auf mittlerweile 0,9 Prozent  gesunken, entsprechend niedrig fallen die Riester-Renten aus. Wer beispielsweise 20 Jahre lang monatlich 85 Euro eingezahlt hat und die 175 Euro Grundzulage mitgenommen hat, bekommt laut Stiftung Warentest bei der Allianz 77 Euro Riester-Rente ausgezahlt, bei DEVK nur 74 Euro, bei der R+V AG 77 Euro – nicht gerade üppig. Die Zeit der Überschussbeteiligungen ist schon längst vorbei, weil die Versicherungen wegen der Negativzinspolitik von Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) gar keine Überschüsse mehr erzielen. An dieser Politik wird sich, sollte der jahrelangen Nullzinsphase erwirtschaften – und daran wird sich auch so schnell nichts ändern, sollte die Französin Christine Lagarde (bisher IWF-Chefin) künftige EZB-Chefin werden. Die Negativzinspolitik wird sich eher noch verschärfen. Dabei kommt der BdVschon heute bei den üblichen Riester-Angeboten auf erzielbare Renditen (plus Staatszuschuss) von minus 2,9 Prozent bis minus 0,3 Prozent – also ein Draufzahlgeschäft. Die Versicherer kalkulieren einfach mit viel zu hohen Lebenserwartungen.

Anleihenrenditen im Minus

Die Macher der Studie räumen denn auch ein, dass „die Riester-Rente in ihrer aktuellen Ausgestaltung kaum noch in der Lage ist, die Leistungen, die unter damals getroffenen Annahmen prognostiziert wurden, zu erreichen“. Sollte es so kommen, wie es sich im Moment andeutet und Lagarde wird nach Draghi EZB-Chefin, dann dürfte die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen beispielsweise noch weiter ins Minus fallen. Zurzeit verliert der Käufer einer zehnjährigen Bundesanleihe 0,365 Prozent, das heißt die Rendite ist bei -0,365 Prozent. Statt Zinsen verlieren die Versicherer, die sich mit Bundesanleihen eindecken systematisch Geld – Geld ihrer Kunden. Der Minus-Trend hat aber gerade erst begonnen und wird sich noch fortsetzen.

Was hat das mit Riester-Rentner zu tun? Sie werden sich auf kleinere Renten einrichten müssen. Wer sich die Tabelle des IVFP anschaut, stellt fest, dass bei einer Ansparphase von 2002 bis 2017 beispielsweise, also immerhin 15 Jahre, tatsächlich nur eine Rente von 95 Euro herauskommt. Diese einmal fest gelegte Rente steigt auch nicht, die Inflation frisst also im Lauf der Zeit diese Rente systematisch auf. Die Inflationsrate liegt im langjährigen Durschnitt bei zwei Prozent. Auch davon in der Studie kein Wort.

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

3 Comments

  1. Dirk Feldhinkel 8. Juli 2019 at 12:49

    Hallo Antje!

    Die Riesterrente ist ein sichtbarer Beleg dafür, dass Politik nicht einfach nur Fehler macht, sondern immer wieder versucht, an falschen Konzepten festzuhalten. Liegt es vielleicht an Scheckbücher für Parteispenden? – Oder bestbezahlte Vorstandsposten als Beschäftigung in der Pensionszeit? – Am Interesse für die Bürger sicher nicht!

    Der Staat sollte nach meiner Meinung die Bürger nicht durch „Anreize“ dumm machen, sondern durch Ausbildung klug. Die sogenannten Zuschuss-Förderungen begünstigen schon im Prinzip diejenigen, die es sich leisten können aber weniger brauchen und werden von denjenigen bezahlt, die es bräuchten aber sich nicht leisten können. Abgeräumt werden diese Förderungen durch Provisionen und Dienstleistungskosten der Finanzinstitute.

    Politik ist ein Schauspiel. Die Entscheidungen werden, wie wir sehen, woanders getroffen.

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  2. „Nach der Verlagerung der gesetzlichen Rentenversicherung
    zur privaten Altersvorsorge stehe die Finanzdienstleistungsbranche
    «vor dem größten Boom, den sie je erlebt hat»,
    sagte Maschmeyer.
    «Sie ist ein Wachstumsmarkt über Jahrzehnte.»
    Noch sei noch nicht überblickbar, wie sich der Anstieg
    der privaten Altersvorsorge im Detail ausgestalte.
    «Es ist jedoch so, als wenn wir auf einer Ölquelle sitzen»,
    «Sie ist angebohrt, sie ist riesig groß und sie wird sprudeln.»“
    Quelle u.a. Netzeitung vom 8.6.2005

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  3. . . . Statt die umlagefinanzierte Rente zu stärken, wird das Geld als „staatliche Zulage“ an Versicherungen verteilt. Der Altersvorsorge-Anteil (AVA), die Aufwendungen der Beitragszahler für Riester-Renten-Verträge führen bei den Rentnern zu einer Kürzung der Renten. Diese Kürzung erfolgt gemäß § 255 e,d SGB VI in acht Schritten (Riester-Treppe) für alle Rentner, egal ob sie geriestert haben oder nicht. Nach Abschluss dieser »Strafaktion« haben die Rentner weniger Rente. Insgesamt spart die Rentenkasse etwa 10 Milliarden Euro jährlich. Damit bezahlen die gRV-Rentner die angeblichen Zulagen mit entsprechend gekürzten Renten alle selbst. Das kommt zu allen anderen Kürzungsfaktoren noch dazu. Es ist also gewollt, dass Rentner kein Geld mehr ausgebebn können, weder für Mieten, nicht für sonstige Lebenshaltungskosten, nicht für Kinder und Enkel, nicht für Mitgliedschaften in Parteien, Vereinen und Verbänden, Tageszeitungen, nichts. Wie sinnvoll ist das für die Binnennachfrage und Arbeitsplätzen?? http://portal-sozialpolitik.de/rente/riester-treppe

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