Zwei Drittel der Rentner zahlen keine Einkommensteuer

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Nur jeder Dritte Rentner zahlt Einkommensteuer, zwei Drittel keine – deswegen keine, weil sie so wenig bekommen, dass sie unter dem Grundfreibetrag liegen. Wie Rentner die Steuern reduzieren können.

Die annähernd 22 Millionen Rentnerinnen und Rentner haben 2021 rund 350 Milliarden Euro aus gesetzlicher, privater oder betrieblicher Rente erhalten, so das Statistische Bundesamt (Destatis). Zwar steigt wegen des Alterseinkünftegesetzes von 2005 der Besteuerungsanteil, das heißt aber nicht, dass mehr Rentnerinnen und Rentner mehr Steuern zahlen müssen, denn die meisten Renten fallen nicht sonderlich üppig aus. „Nur“ 7,3 Millionen Rentnerinnen und Rentner zahlen tatsächlich Steuern, 14,3 Millionen bekommen so wenig Rente, dass sie unter die Steuerpflicht fallen – und die lag 2019 bei 9.168 Euro (764 Euro monatlich), 2022 bei 9.408 Euro (784 Euro monatlich) und seit 1. Januar 2022 bei 10.347 Euro (862,25 Euro monatlich). Zum 1. Januar 2023 soll der Grundfreibetrag um 285 Euro auf 10.632 Euro steigen; 2024 wird er weiter erhöht auf 10.932 Euro. Die Erhöhung 2022 dürfte dazu führen, dass rund 75.000 Rentnerinnen und Rentner keine Einkommenssteuer mehr zahlen müssen.

Steuererklärung abgeben?

Grundsätzlich gilt, dass sich der besteuerte Anteil der Renten nach dem Rentenbeginn richten – je später jemand in Rente geht, desto höher ist Steueranteil. Dumm nur, dass diese Regel für Rentenerhöhungen nicht gilt, denn die sind komplett steuerpflichtig. Der Fiskus lacht sich bei jeder Rentenerhöhung ins Fäustchen. Der Rentenfreibetrag bleibt ein Leben lang gleich. Dazu die Deutsche Rentenversicherung:

Für alle, die bis 2039 erstmals Rente bekommen, errechnet das Finanzamt einen „Rentenfreibetrag“. Das ist der Teil der Rente, der nicht versteuert werden muss. Der Rentenfreibetrag ist ein fester Eurobetrag und bleibt auch in den Folgejahren unverändert. Das gilt auch dann, wenn Ihre Rente durch Rentenerhöhung weiter steigt. Künftige Rentenanpassungen erhöhen somit das individuelle steuerpflichtige Renteneinkommen und sind in voller Höhe steuerpflichtig.

Das heißt, der Staat unternimmt alles, um Rentnerinnen und Rentner abzuzocken – und trotzdem zahlen zwei Drittel keine Einkommensteuer. Der Grund: Ihre Einkünfte sind trotz aller Tricks des Finanzministers zu niedrig, als dass er sie besteuern könnte. Die jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamts stammen aus 2018, wie hoch die Quote der Nicht-Einkommensteuerzahler unter den Rentnerinnen und Rentner 2021 war, lässt sich vermutlich erst in zwei Jahren sagen – „aufgrund der langen Fristen zur Steuerveranlagung“, so Destatis.

Grundfreibetrag

JahrGrundfreibetragZuwachsInflation
200476641.6
2005766401.6
2006766401.5
2007766402.3
200876642.22.6
200978342.10.3
2010800401.1
2011800402.1
201280041.52
201381302.71.5
201483541.40.9
201584722.10.3
201686521.90.5
201788202.01.8
201890001.92
201991682.61.4
202094082.60.5
202197443.63.1
202210.3476.27.9
202310.6322.7-
202410.9322.8-

Ab wann Rentner Steuern zahlen

Der Grundfreibetrag für 2021 liegt bei 9.744 Euro, der für 2022 lag ursprünglich bei 9.984 Euro, wurde aber angesichts der steigenden Inflation im Februar 2022 rückwirkend um 363 auf 10.347 Euro für Alleinstehende angehoben und auf 20.694 Euro für Verheiratete.

Wenn alle Freibeträge, sprich Grundfreibetrag und Rentenfreibetrag berücksichtigt werden sowie die Beiträge zur Kranken- und Pflegversicherung und pauschale Werbungskosten von 102 Euro (Stand 2021) und 36 Euro für Sonderausgaben (für Ehepaare doppelt so hoch), dann muss ein Alleinstehender bei einer Bruttorente von mehr 13.990 Euro und einem Rentenbeginn im Jahr 2020 in diesem Jahr keine Steuern zahlen. Die Werbungskosten-Pauschale für Rentner hat sich in den vergangenen Jahren allerdings nicht geändert, obwohl die Lebenshaltungskosten gestiegen sind.

Jahr des RentenbeginnHöchste Jahresbrutto-Rente 2020, die steuerfrei bleibt in EuroMonatsbrutto 2. Halbjahr in EuroBesteuerungsanteil in %Rentenfreibetrag in Euro*
2005175551493506191
2006171401458525819
2007167951428545509
2008165831410565320
2009163141387585079
2010159511357604753
2011156811334624511
2012154881317644338
2013152931301664163
2014150621291683956
2015149231269703831
2016147891258723711
2017145681239743513
2018143391170763308
2019141141200783106
2020137081166802742
202113990812658
*im Jahr, das auf den Rentenbeginn folgt

Bis wann?

Die Frist für die Steuererklärung 2021 wurde schon einmal auf den 1. August 2022 verlängert. Jetzt ist sie noch einmal um drei Monate auf den 31. Oktober 2022 verlängert worden. Bis dahin muss sie beim Finanzamt vorliegen. Wer sich von einem Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein helfen lässt, hat für seine Steuererklärung 2021 sogar bis zum Ende August 2023 Zeit. Eigentlich wäre die Frist Ende Februar 2023 ausgelaufen.

Auch für die Steuererklärung 2020 gibt es eine Fristverlängerungen. Eigentlich war für die Frist schon abgelaufen, wer jedoch einen Steuerberater hinzuzieht,  hatte bis zum 31. August 2022 Zeit. Ab dem Jahr 2025 sollen wieder die alten Abgabefristen (immer Ende Mai) gelten.

Der Entwurf des vierten Corona-Steuerhilfegesetzes sieht auch für die Abgabetermine der Steuererklärungen 2022 eine Fristverlängerung vor. Für nicht beratene Steuerzahler gilt der Abgabetermin 31. August 2023 und für beratene Steuerzahler der 30. April 2024.

So lassen sich Steuern drücken

Belege sammeln muss zur Pflicht für jede Rentnerin und jeden Rentner werden. Sie können mehr absetzen als sie vielleicht denken. Das reicht von

  • Sonderausgaben über
  • haushaltsnahe Dienstleistungen,
  • Handwerkerrechnungen,
  • außergewöhnliche Belastungen,
  • Behindertenpauschbetrag,
  • Werbungskosten.

 

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5 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Eugen Dinkel
    13. Juli 2022 09:53

    „Zwei Drittel der Rentner zahlen keine Einkommensteuer“ – das klingt wie eine sehr positive Meldung, nach der man deutsche Politiker für ihre soziale Einstellung gegenüber Rentnern loben müsste.
    Doch wie es schon im Artikel anklingt, liegt es einfach nur daran, dass das Rentenniveau in Deutschland – verglichen mit anderen Industrieländern – eine Schande ohnegleichen ist.
    Und das wird allein durch skandalöse Sozialpolitik verursacht.

    Antworten
  • Helmut Achatz
    13. Juli 2022 16:49

    Ja, das ist leider so – und es wird nicht besser, sondern eher noch schlimmer.

    Antworten
  • Steuern zu drücken, ist fast unmöglich, wenn man allein lebt, keine Handwerker bezahlen kann (das machen die Kinder, glücklicherweise), nicht behindert ist und sonst keine außergewöhnlichen Belastungen geltend machen kann.

    Antworten
  • Die Dinge die im Artikel genannt werden stimmen, aber eigentlich handelt es sich lediglich um eine Werbung für ein Buch. Für den „Otto-Normal-Rentner“ wird es sehr schwierig, gar unmöglich, an der Sparschraube zu drehen, ohne im Vorfeld entsprechende Investitionen zu tätigen.

    Antworten
  • Dass ich für in dem Artikel auch – und die Betonung liegt auf „auch“ – für mein Buch werbe, tut dem Inhalt des Artikels keinen Abbruch.

    Antworten

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