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Rente oder Beamtenpension? Das sind zwei Paar Stiefel. Die Lücke zwischen Rente und Beamtenpension öffnet sich immer weiter, doch kaum einer spricht darüber, obwohl das Thema alle angeht. Wie unterscheiden sich Rente und Beamtenpension in Art und Höhe? Es wird Zeit, das Thema öffentlich zu diskutieren, da die Beamtenpensionen ja vom Steuerzahler beglichen werden müssen.

Welche Ausmaß die Zahlungen angenommen hat, verdeutlicht die Vermögensrechnung des Bundes für 2016. Die Gesellschaft wird von der Last der Beamtenpension in Zukunft erdrückt.  wenn sich langfristig nichts ändert. Dem „Handelsblatt“ zufolge sind die Pensionslasten des Bundes 2016 deutlich gestiegen. Die zu erwartenden Kosten für Beamtenpensionen und Beihilfen der heute aktiven Beamten belaufen sich mittlerweile auf annähernd 647 Milliarden Euro – das sind rund 63 Milliarden Euro mehr als zu Beginn des Jahres 2016, wie aus der aktuellen Vermögensrechnung des Bundes hervorgeht. Allein die Rückstellungen für Pensionsverpflichtungen des Bundes belaufen sich insgesamt auf annähernd 478 Milliarden Euro, ein Plus von rund 42,1 Milliarden Euro.

Mehr Geld für Beamtenpension

 4237042735Zuwachs
Rückstellungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen*58397064698063010
Rückstellungen für Pensionsleistungen43585047796042110
für ehemalige Bahnbeamte66390685202130
für ehemalige Postbeamte15937017101011640
Rückstellungen für Beihilfeleistungen14812016902020900
für ehemalige Bahnbeamte25930278301900
für ehemalige Postbeamte58140647706630
*in Millionen Euro

So richtig traut sich niemand an das Thema Beamtenpension heran. Dabei sind die Ungleichheiten eklatant, leider zuungunsten der Rentner. Der Bund der Steuerzahler prangert die Ungleichheit schon seit mehr als zehn Jahren an. Seit dem ist nichts passiert. Fakt ist, dass bis 2050 eine Kostenlawine von knapp 1,4 Billionen Euro auf die deutschen Steuerzahler zurollt, so der Bund der Steuerzahler. Denn, zu den Bundesbeamten kommen ja noch die Landes- und Kommunalbeamten.

Große Unterschiede zwischen Rentnern und Pensionären

Übrigens, wer wissen will, was Pension und Rente unterscheidet, ist am besten auf der Seite „aktive Rentner“ aufgehoben, die den Unterschied detailliert erklären. Bislang ist das Thema immer wieder versandet und ploppt nur gelegentlich wieder auf. Der Rentenexperte Bernd Raffelhüschen von der Universität Freiburg warnte in der „Wirtschaftswoche“ von einer tickenden Zeitbombe. Insgesamt habe der Staat, so die „Wirtschaftswoche“ „versteckte Schulden in einem Ausmaß von mehr als einer Billion Euro, die wir als Lasten zu schultern haben, ohne dass wir dafür eine Rückstellung gebildet haben“. Vor allem Rentner und Rentenbeitragszahler tragen die demografischen Lasten, von den Beamten ist nichts zu hören. „Und das ist eine schreiende Ungerechtigkeit“, so Raffelhüschen. Wenn es Zumutungen gebe, dann müsse es sie für alle geben.

2010 hat der Beamtenbund seine Broschüre „Die 7 Irrtümer zur Beamtenversorgung – Fakten statt Vorurteile“ herausgebracht. Ziel des Beamtenbunds war es, der „Neiddiskussion“ entgegenzutreten. Die Ungleichheiten sind seit dem allerdings eher größer als kleiner geworden, da das Rentenniveau weiter sank – und weiter sinken wird. An das Thema wagte sich bislang niemand so richtig ran. Erst am 20. Januar 2017 veröffentlichte „Bild“ einen detaillierten Vergleich zwischen Pension und Rente. Danach bekommt ein Bundesbeamter im Schnitt eine Pension von 2940 Euro, die Durchschnittsrente von Männern im Westen liegt bei 1079 Euro im Monat, im Osten bei 1181 Euro.

Die Argumente der Beamten

Wie sieht es aus mit der Ungleichheit zwischen Renten und Beamtenpensionen? Das hat nichts mit Neid zu tun, wie Beamte sofort unterstellen, sondern damit, dass es hierzulande eine deutliche Schieflage gibt zwischen Pensionen und Renten, die von allen Steuerzahlern finanziert werden muss. Max Schindlbeck, stellvertretender Vorsitzender der DBB Bundesseniorenvertretung hat im Juni 2014 hat in einem Beitrag in „AiR – Aktiv im Ruhestand“, dem  Magazin des dbb für Ruhestandsbeamte, Rentner und Hinterbliebene auf eine Modellrechnung des  baden-württembergischen Finanzministeriums verwiesen. Danach komme ein Meister aus der freien Wirtschaft nach 47 Berufsjahren auf 1676 Euro gesetzliche Rente, ein mit ihm vergleichbarer Eichbeamter erhalte 1830 Euro.

Schindlbeck verweist weiter darauf, dass „Pensionäre ihre Bezüge versteuern, die gesetzliche Rente ist für die große Mehrheit ihrer Bezieher weiterhin steuerfrei“. Und dann kommt das Argument, Pensionäre hätten in der Regel neben ihrer Pension keine weiteren Alterseinkünfte. Viele Rentner jedoch bezögen über die gesetzliche Rente hinaus noch Betriebsrenten. Ein Vergleich, dem nur der Betrag zugrunde liegt, den der Rentner von der Deutschen Rentenversicherung beziehe, sei also unvollständig. Dann verweist Schindlbeck darauf, dass zwei von drei Beamten im gehobenen und höheren Dienst seien, das heißt, sie haben mindestens einen Fachhochschulabschluss.

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

27 Comments

  1. […] vor 2005 in Rente gingen, dachte doch, dass Steuern für sie der Vergangenheit angehörten. Mit dem Alterseinkünftegesetz 2005 hat sich jedoch alles geändert. Wer ein bisschen mehr Rente bezieht als der Durchschnitt, […]

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  2. […] Sparerfreibetrag gekürzt hat, Hartz IV eingeführt und die Agenda 2010 umgesetzt hat. Wer hat das Rentenniveau gesenkt? Wer hat die Mehrwertsteuer von 16 auf 19 Prozent erhöht – der größten Erhöhung der […]

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  3. Es fehlen zwei wichtige Argumente .1 Beamte bekommen alle Versicherungen 10/20% günstiger.2. Beamte bekommen kein Krankengeld sondern immer ihre vollen Bezüge deswegen sind sie auch im Schnitt viel öfters krank als zB. Angestellte oder der Arbeiter.Kenne einige Beamte die sind von 25 Jahren arbeiten die Hälfte krank.Alles zusammen haben Beamte viele Vorteile und sollen aufhören zu jammmern

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    1. Danke für den Nachtrag 😉

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  4. Liebe Beamte wechselt!

    Wenn denn die hier schreibenden Beamten – sie sind sofort erkennbar, da sie jammern, um ihren wahren Wohlstand zu vertuschen – im Ruhestand so schlecht da stehen, kommt doch bitte alle freiwillig in unser Rentensystem, bei dem die Masse aller Arbeitnehmer keine Betriebsrente erhält, so wie ihr uns vorgaukelt! Wir nehmen euch gerne in unser Sozialsystem auf und das sogar zu den gleichen Konditionen, auch wenn ihr eine Arbeitsplatzsicherung habt, die wir leider nicht haben und deshalb nach dem Verlust des Arbeitsplatzes z. B. durch eine Insolvenz des Unternehmens oder aufgrund von Entlassung wegen fehlender Aufträgen gezwungen sind, Arbeitslosengeld zu beantragen oder einen zweiten Wohnsitz zu unterhalten, um an anderer Stelle als Wochenendpendler zu unseren Familien einen neuen meist weniger gut bezahlten Job anzunehmen. Das ist unsere Freiheit, die ihr natürlich nicht habt und ihr dürft noch nicht einmal streiken – welche Einschränkungen ihr alle ertragen müsst, darum wollen wir euch helfen: Kommt in die gesetzliche Rentenversicherung!!!!!

    Wir warten schon auf euch!!!!!

    Der sozialpolische Dreisatz, den ich nach ca. 45 Jahren Berufsleben gelernt habe lautet:

    1. Satz – vor 50 Jahren in der Schule gelernt:
    Das Volk ist der Staat und im Staat gibt es Staatsdiener, die also dem Staat – also dem Volk – dienen.
    2. Satz – heute also 50 Jahre später:
    Der Staat das sind die Minister, Abgeordneten und Beamte, der Rest ist das Volk.
    3. Satz- das Ergebnis:
    Wir – das Volk – hassen euch Beamte also den Staat!

    Herzlichen Glückwunsch an die Regierung und ihr Personal!!!!

    Mein Rat: Kehrt zurück zu dem 1. Satz und wir werden alle glücklich miteinander leben!

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    1. Finde ich gut. Als Beamter mit fast 40 Berufsjahren kann ich das nur begrüßen, das wir (Beamte) in die Rentenversicherung aufgenommen werden. Doch halt, dann müßte der Staat, also alle Bürger, auch die Beiträge in die RV abführen. So läufts ja auch bei den Steinzeitkommunisten in Österreich und der Schweiz (Steinzeitkommunisten = Ironie, zur Klarstellung).
      Mal schauen wie dann die Modellrechnung aussieht. Ich weiß es ehrlich nicht, wäre aber mal gespannt.
      Und mit Begriffen wie „hassen“ können wir keine Probleme lösen.
      Die meisten Beamte sind im übrigen nicht in der Gestaltungsverantwortung für Gesetze ! Wir, die Masse, sind Beamte des mittleren und gehobenen Dienstes. Da wird man garantiert nicht reich. Arbeitsplatzsicherheit – stimmt. Wenn ich keine goldenen Löffel klaue passiert mir nichts. Das erkaufe ich mit aber mit einem geringen Einstiegsgehalt, kaum Beförderungsmöglichkeiten, höhere Arbeitszeiten …
      Ich will nicht meckern, aber es nervt langsam dieses Rumkloppen auf Beamte.
      Ferner: wir Beamte haben einen Lohnsteueraufschlag zu zahlen ! Das ist eigentlich für die Rücklagen für Pensionen gedacht. KV tragen wir komplett allein. Macht allein bei mir im Monat 330,- € aus ! Nur mal so. Da bekomme ich NICHTS vom Staat dazu, falls es danach riechen sollte. Und meine Kinder sind dabei schon rausgerechnet. Ferner, Rechnungen für Ärzte, Krankenhaus … bekomme ich selbst erst mal und darf dann ggf. vorstrecken, zahlen, bevor ich dies von der KKS und der Beihilfe erstattet bekomme ! Das kann schon mal 4-6 Wochen dauern.

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      1. Kurze Ergänzung, laut Rentenauskunft habe ich eigentlich Anspruch auf 290, € Rente, aktuell. Ich habe ja mal als Arbeiter angefangen. Bekomme ich aber nicht, da ich mal eine Pension beziehen werde. Ich finde dies ehrlich gesagt auch nicht o.k. Aber wie gesagt, ich will nicht meckern.

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        1. Verstehe ich nicht ganz. Ich beziehe auch Witwer-Pension (sorry, blödes Wort) und werde ab 63 meine gesetzliche Rente beziehen. Wer in die gesetzliche Rente einzahlt und die nötigen Wartezeiten beieinander hat, bekommt auch – Äquivalenzprinzip – auch etwas ausbezahlt. Es gibt übrigens Rentenberater und den VdK als Interessenvertreter der Rentner. Ich denke, es wäre wohl das beste, die eine oder andere Stelle aufzusuchen und sich beraten lassen.

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  5. […] Rente oder Beamtenpension – Fakten, Vorurteile, Modellrechnung […]

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    1. Mit Halbwissen sollte man keine Artikel schreiben. Vom Nettogehalt und dem Nettoruhegehalt der Beamten geht noch die private Krankenversicherungsbeitrag ab und dann kommt bei der obigen Vergleichsberechnung im Ergebnis etwa das Gleiche heraus. Außerdem gibt es in der privaten Krankenversicherung keine Familienversicherung. Das heißt der Beamte muß für alle nicht beruflich tätigen Familienmitglieder extra Krankenversicherungsbeiträge bezahlen.

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      1. Noch eine Ergänzung. Bei der Berechnung müßte auch noch für alle Berufsjahre die höhere Arbeitszeit der Beamten abgezogen werden. Aktuell beträgt die Arbeitszeit der Beamten in Baden-Württemberg nach der Arbeitszeitverordnung durchschnittlich 41 Stunden in der Woche.
        Dann ist bei der obigen Vergleichsberechnung die Pension des Beamten im Verhältnis sogar deutlich niedriger.

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        1. Noch nichts davon gehört, dass in vielen Arbeitsverträgen in der privaten Wirtschaft der Passus steht „Gelegentlich anfallende Mehrarbeit ist mit dem Gehalt abgegolten“?

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          1. Hier gehts um die Regelarbeitszeit, nicht um Mehrarbeitszeiten !
            Ferner, ich habe im mittleren Dienst der Bundespost angefangen. Vergelicgbar einem Industriemeister Elektrohandwerk. Mein Gehalt zu Beginn: ca. 250,- DM über Sozialhilfesatz. Dafür durfte ich dann aber auch jeden Tag 100 km zur Arbeit fahren.
            Ich will wahrlich nicht jammern. Aber dieses Beamtenbashing geht einem so langsam auf den Keks.

      2. Von den 1900 Euro Rente gehen übrigens ebenfalls noch Kranken- und Pflegeversicherung ab, insofern sind hier sehr wohl Äpfel mit Äpfeln verglichen worden. Den Pensionärshaushalt möchte ich sehen, der noch kleine Kinder hat.

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        1. vielleicht keine kleinen Kinder. Aber Ehefrauen, die nicht gearbeitet haben, gibt es wohl öfter !

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  6. Man sollte mit diesem ganzen System endlich aufhören und eine Staatliche Höchstgrenze von 4000,00€ einführen und wer mehr haben will sollte es privat machen.Zum Beispiel Rister die haben ja dann das Geld es zu tun.Die sowieso kein Geld haben können auch nicht Ristern .

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  7. Ich finde es eine Frechheit von Beamtenpack zu sprechen. Jeder kann Beamter werden, wenn er will. Meist reicht aber der Kopf nicht dazu aus.
    Nicht zu vergessen wäre auch, dass man als Ingenieur in der freien Wirtschaft viel mehr verdient, als ein vergleichbarer Beamter.
    Wenn du zu deiner Zeit in A 11 Beamter geworden wärest, dann hast du bestimmt auch gesehen, was A 11 ist. Verschwindend wenig im Vergleich zu dem, was ein Ingenieur in der freien Wirtschaft verdient. Ja, und dann kommts halt bei der Rente dicke.

    Beamtenpack, das ist schon ziemlich unverschämt. Es gibt überall Beamte, sogar in Schweden, da sind es die Ärzte und die lassen Punkt Feierabend den Löffel fallen.

    Bei uns wird von einem Beamten ab einer bestimmten Besoldungsgruppe Überstunden erwartet.

    Du solltest vielleicht auch mal schreiben, warum du damals nicht Beamter geworden bist? Lage es am Kopf, lag es am Verdienst oder wollten sie dich bei Staat einfach nicht haben.

    Ist doch alles lächerlich.

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    1. Helmut Achatz 24. Mai 2016 at 13:20

      „Beamtenpack“ ist despektierlich, wohl wahr.
      Ansonsten habe ich in dem Beitrag sehr wohl Äpfel mit Äpfeln verglichen – und A11 mit einer entsprechenden Anstellung in der freien Wirtschaft. Entscheidend ist aber nicht der Bruttolohn, sondern was unterm Strich übrigbleibt – und da sind die Unterschiede nicht mehr so groß, da der Angestellte neben Renten-, Kranken- auch noch Arbeitslosenversicherung zahlen muss.

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    2. Das tut wahrlich weh, Überheblichkeit und Arroganz – damit kann man das Beamtentum nicht verteidigen

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  8. Laßt uns für das arme Beamtenpack sammeln, damit diese am eigenen Reichtum und Selbstmitleid erstickt – denn nur so werden wir dieses wieder los!

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    1. Nein?

      Das ist der pure Neid.
      Nichts im Kopf.

      Denn dann würdest du qualifizierter schreiben.

      Nikki

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  9. Sammy Morgane: nicht zu vergessen sei, dass Beamte für Arzt- u. Medikamentenkosten bis zu 200 € in Vorlage treten müssen weil Beamte erst ab 200 € bei der Krankenkasse einreichen können. Die Rückerstattung erfolgt nicht immer binnen einer Woche, Erstattungsabzüge hat es auch oft u. die GOÄ ist kompliziert.
    Für Beamte im gehobenen u. höheren Dienst mag das bezahlbar sein.

    Beamte im mittleren Dienst denen bei Versetzung in den Ruhestand aus gesundheitlichen Gründen bis zu 67 % des Einkommens abgezogen werden können ist das ein Riesenproblem.

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