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Immer mehr Menschen verarmen im Alter und sind auf Grundsicherung angewiesen. Mittlerweile beziehen mehr als eine halbe Million über 65-Jährige Grundsicherung – ein Anstieg von mehr als 36 Prozent.

Aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion geht hervor, dass die Zahl der armen Rentner, die auf Grundsicherung angewiesen sind von 2006 bis 2016 von 364 535 auf 525 595 gestiegen ist. Frauen sind überproportional von Altersarmut betroffen, denn die Zahl der weiblichen Grundsicherungsempfänger liegt bei 308 726, die der Männer bei 216 869. Noch gravierender ist der Anstieg bei Ausländern: In den zehn Jahren stieg die Zahl der Fälle um 75 Prozent – von 74 247 Empfängern 2006 auf 130 323 im vergangenen Jahr. Das Armutsrisiko steigt also. Das kann übrigens jeder selbst testen mit dem Test des Sozialverbands Deutschland.

Niedriglöhne sind schuld

Das sind freilich nur die Zahlen der Grundsicherungsempfänger – viele Alte gehen aus Scham oder Unwissenheit nicht zur Behörde, um Grundsicherung zu beantragen. Schuld an dieser Misere sind für die Linken-Abgeordnete Sevim Dagdelen vor allem „niedrige Löhne, prekäre Beschäftigung und die Zerstörung der gesetzlichen Rentenformel“. Das sei politisch organisierte Altersarmut. Insbesondere für überdurchschnittlich viele Migranten sei Altersarmut bereits bittere Realität. „Das muss aufhören!“, so ihre Forderung. Eine gute Rente beginne schon am Arbeitsmarkt. Die Linke verlangt deshalb „höhere Löhne, einen gesetzlichen Mindestlohn von zwölf Euro die Stunde und die Reform der gesetzlichen Rente wie in Österreich, wo ein Durchschnittsrentner 800 Euro mehr im Monat Rente bekommt.“

2030 mehr arme Rentner als heute

Eine halbe Million Grundsicherungsempfänger erscheint noch nicht sonderlich hoch – das sind bezogen auf die Zahl der Rente etwas mehr als zwei Prozent. Wie gesagt, dabei ist die Dunkelziffer, der Alten, die aus Scham keine Grundsicherung beantragen, nicht berücksichtigt.

Wie die gesetzliche Rente funktioniert – ein Erklärvideo

Zahl der Grundsicherungsempfänger in der älteren Generation

   20062016
DeutschegesamtAltersgrenze und älter364535525595
davon
bis 70138063184120
70 bis 7589110123549
75 und älter137362217926
männlichAltersgrenze bis 70119821216869
davon
bis 705693988469
70 bis 753307454886
75 und älter2980873514
weiblichAltersgrenze und älter244714308726
davon
Altersgrenze bis 708112495651
70 bis 755603668663
75 und älter107554144412
AusländergesamtAltersgrenze und älter74247130323
davon
Altersgrenze bis 703155945121
70 und älter4268885202

Quelle: Deutsche Rentenversicherung

Die Zahl der armen Rentner wird jedoch steigen, weil das Rentenniveau sinkt und mehr Beschäftigte mit lückenhafter Erwerbsbiografie Rente beantragen werden. In den kommenden zehn Jahren könnte sich der Anteil also deutlich erhöhen.

Davon kann niemand leben

Wer sich die Durchschnittsrenten genau anschaut, wird schnell feststellen, dass sich davon nicht leben lässt. Wenn die Durchschnittsrenten weiter sinken, erhöht sich zwangsläufig die Zahl der verarmten Rentner, die auf Grundsicherung angewiesen sind. Das ist das große Thema. Die Linke hat deswegen recht, wenn sie immer wieder darauf hinweist. Eigentlich wäre das Aufgabe der SPD, die sitzt aber in der Regierung.

So viel bekommt der durchschnittliche Rentner

 Deutsche Versicherte gesamtMänner Frauen Ausländer Männer Ausländer Frauen 
Renten wegen AltersRegelaltersgrenzebesonders langjährig versichertRegelaltersgrenzebesonders langjährig versichertRegelaltersgrenzebesonders langjährig versichertRegelaltersgrenzebesonders langjährig versichert
2012779.56707.021419.14358.541087.75318.741008.69185.54880.68
2013799.01703.611429.34363.841104.64341.821084.88201.8862.33
2014799.5733.641301.1319.45998.69356.17918.48220.97846.25
2015863.96752.971318.5380.73999.97361.02958.06228.79848.53
2016895.98781.141360.79459.031029.7364.24989.36248.73841.68

Quelle: Deutsche Rentenversicherung

Angewiesen aufs Amt – immer mehr Rentnern trifft’s

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

2 Comments

  1. […] Für viele öffnet sich da eine gewaltige Versorgungslücke im Vergleich zum letzten Gehalt. Wer nicht rechtzeitig extra vorgesorgt hat, schaut im Alter in die Röhre. „Ein erhebliches Risiko“ bestehe vor allem für Geringverdiener, mahnt die Bundesregierung. Das ist freilich noch ziemlich untertrieben. Geringverdiener werden im Alter zu Hartz-IV-Empfängern, sorry, das heißt ja Grundsicherung. […]

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  2. Danke, dass Die immer wieder das Thema Rente aufgreifen und eindringlich beschreiben. Leider eine Thematik, die keiner so richtig wahrhaben will…. ich habe den Artikel bei facebook geteilt. Vor allem trifft es ehemalige Selbständige, die von ihrer meist kläglichen Rente noch viel Geld für die meist private Krankenkasse zahlen müssen!!!

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