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Keine Angst vor Altersarmut? Viele sollten sich aber vor Altersarmut fürchten, denn sie droht allen, die nicht auch noch privat vorsorgen. Im neuen Alterssicherungsbericht 2016 warnt jetzt auch die Bundesregierung vor Altersarmut. Wer sich nur auf die gesetzliche Rente verlässt, ist verlassen. Die gesetzliche Rente wird künftig nicht für ein auskömmliches Einkommen im Ruhestand reichen. Das Rentenniveau sinkt weiter von derzeit 47,8 Prozent auf 43 Prozent im Jahr 2030. Ab 2025, also in neun Jahren, geht es dann rapide nach unten: von 46,4 auf 45 und schließlich auf 43 Prozent, letztlich bis zum Jahr 2045 sogar auf 41,6 Prozent, wenn der Gesetzgeber nicht gegenhält.

Wie lässt sich die Versorgungslücke schließen?
Bestandsaufnahme vor der Rente in punkto Ausgaben und Einnahmen
Halb soviel Rente für Frauen wie für Männer
Wehe, wenn die heile Rentenwelt zerbricht
Rentenerhöhung, 4 Prozent im Westen, 5 Prozent im Osten

Große Versorgungslücke im Alter

Für viele öffnet sich da eine gewaltige Versorgungslücke im Vergleich zum letzten Gehalt. Wer nicht rechtzeitig extra vorgesorgt hat, schaut im Alter in die Röhre. „Ein erhebliches Risiko“ bestehe vor allem für Geringverdiener, mahnt die Bundesregierung. Das ist freilich noch ziemlich untertrieben. Geringverdiener werden im Alter zu Hartz-IV-Empfängern, sorry, das heißt ja Grundsicherung.

Das ist alles nichts neues, offensichtlich ist es noch immer vielen Bürgern nicht bewusst, was da auf sie zukommt. Von Angst oder Beklemmung kann keine Rede sein – „ist ja alles noch so weit weg“. Erst wenn der Rentenbeginn naht, wachen einige auf. Dann ist es allerdings zu spät. Altersvorsorge ist ein Langfristprojekt.

Alterssicherungsbericht 2016

Seit dem letzten Alterssicherungsbericht sind vier Jahre vergangen. Die Lage hat sich leider nicht verbessert, sondern verschlechtert. Der Alterssicherungsbericht umfasst 258 Seiten. Nur so viel vorweg, von den schätzungsweise 82 Millionen Menschen, die in Deutschland leben, sind mehr als 17 Millionen 65 Jahre oder älter – und drei Viertel der Altersleistungen kommen aus von der Deutschen Rentenversicherung.

Die Analyse dokumentiere aber auch große Einkommensunterschiede, schreibt die “Süddeutsche Zeitung”. So hätten Männer mit einem Alterseinkommen von netto durchschnittlich gut 1700 Euro fast 600 Euro mehr als Frauen. Auch Beamte hätten ein “überdurchschnittliches Alterseinkommen“: Ihre Pensionen seien mit durchschnittlich 2300 Euro netto im Monat höher als die Leistungen anderer Versorgungssysteme. Fast die Hälfte der ehemals Selbständigen verfüge hingegen nur über ein Nettoeinkommen von weniger als 1000 Euro. Eben deswegen erwäge Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD), eine Vorsorgepflicht für Selbständige einzuführen. Wie aus dem “Alterssicherungsbericht 2016″ hervorgeht, haben 47 Prozent der Niedrigverdiener keine zusätzliche Altersvorsorge.

Andrea Nahles will im November 2016 ein Rentenpaket schnüren

2017 geringere Rentenerhöhung

In diesem Jahr ist die Rentenerhöhung ja üppig ausgefallen, 2017 wird es wohl üppig sein. Die heutigen Rentner müssen im kommenden Jahr mit einer deutlich geringeren Erhöhung ihrer Bezüge auskommen als in diesem Jahr: Die Schätzungen gehen von 2,3 Prozent (West) und 2,58 Prozent (Ost) aus. Im Juli 2016 waren die Renten um 4,25 Prozent im Westen und 5,95 Prozent im Osten gestiegen.

Definition des Rentenniveaus

Das Rentenniveau beschreibt das Verhältnis der Standardrente zum Durchschnittseinkommen aller Erwerbstätigen. Derzeit liegt es bei 47,8 Prozent, bis 2030 darf es sich gesetzlichen Vorgaben zufolge auf bis zu 43 Prozent verringern. Für die Zeit danach gibt es noch keine Festlegung. Nach vorläufigen Berechnungen des Arbeitsministeriums würde sich das Absinken fortsetzen.

Kommentare der Medien:

  • “Mittelbayerische Zeitung”: “Der Befund des jetzigen Alterssicherungsberichts, Geringverdiener sollten bitte schön zusätzlich vorsorgen, ist nicht nur eine Kapitulation vor dem Problem der wachsenden Armut im Alter, sondern auch zynisch. Hier werden Ursache und Wirkung verdreht. Eine sehr große Koalition aus SPD, Union und Grünen ebnete vor Jahren den Weg in den Niedriglohnsektor, machte Arbeit flexibler und billiger. Mit den Nebenwirkungen dieser Politik will man nun am liebsten nichts zu tun haben. Wenn sich Ende der Woche die Spitzen der Union über die künftige Rentenpolitik beugen, dann sollten sie sich zuerst ehrlich machen. Und zweitens wirksame Haltelinien gegen Altersarmut auf den Weg bringen.”
  • Die „Volksstimme“ aus Magdeburg:  „In Zeiten, in denen Sparer wegen der Null-Zins-Politik Jahr für Jahr Milliarden bei ihrer Altersvorsorge verlieren, ist die kapitalgedeckte Altersabsicherung gescheitert. Die Politik scheut sich offenbar, diesen Fakt anzuerkennen. In der Rentenpolitik müsste eigentlich ein Umsteuern auf der Tagesordnung stehen. Aus mehreren Gründen: Weil die private Altersvorsorge keine Zinsen mehr abwirft. Weil die staatlich-geförderte Riesterrente, die vor allem für Geringverdienter gedacht war, sich zu einem Flop entwickelt hat. Weil die Rentenformel so gekürzt wurde, dass Normalverdiener trotz lebenslanger Einzahlung in der Altersarmut landen. Das gesamte System ist aus den Fugen geraten. Und es wird dem Staat noch gewaltig auf die Füße fallen.“
  • Die „Nürnberger Nachrichten“:  „Unsere Volksvertreter ermahnen dazu, private Rentenversicherungen abzuschließen – obwohl hohe Gebühren die Renditen in den ersten Jahren oft komplett auffressen. Obwohl für die meisten Kunden am Ende eine mickerige bis gar keine Rendite herausspringen wird – bis hin zum Verlustgeschäft. Und obwohl diejenigen, die eine Absicherung am nötigsten brauchen, oft kein Geld dafür übrig haben. Es ist Zeit, dass die Politik eine Kehrtwende einleitet. Weg von der Förderung privater Vorsorge, zurück zu paritätisch finanzierten Beiträgen.“

Weiterführende Links:

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

8 Comments

  1. Eine Anmerkung: vielen Bürgern war die aufklaffende Rentenlücke sehr wohl schon in frühen Jahren bewusst, sie sorgten für ihr Alter vor, auch durch die betriebliche Direktversicherung. Sie vertrauten auf die vom Staat unterstützenden finanziellen Vorteile und schlossen vor 2002 ca. 6,3 Mil. Verträge ab‼️ Und dann kamen 2004 SPD/Grüne mit der “Doppelverbeitragung” und knöpfen seitdem den Vorsorgenden ca. 20%‼️ des Ersparten dem Vorsorgenden ab. Auch für die CDU ist seitdem Vertragsschutz nur Makulatur 😂 Die Regierenden greifen ohne Scham in die Rentenkasse sowie Sozialkassen und bedienen sich reichlich!

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    1. danke, ja sehe ich genau so

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  5. Das ist ja toll für die die Binnennachfrage, wenn immer mehr Menschen kein Geld mehr ausgeben können, die astronomisch höher werdenden Mieten und Energiekosten nicht bezahlen u.s.w. Niemand bräuchte sich vor Altersarmut fürchten, die ist gewollt! Finanz- und Versicherungskonzerne wollen mit Hilfe politischer Entscheidungen Kasse machen. Auch mit privaten zusätzlichen Rentenversicherungen wird kaum jemand mehr Rente haben. Die immer wieder propagierte zusätzliche private Altersvorsorge entspricht einer Rentenbeitragserhöhung für die Arbeitnehmer außerhalb der gesetzlichen Rentenversicherung, zu Gunsten der Versicherungslobby, mit enormen Risiken. Die Misserfolge der privaten Altersorsorge kann man sowohl aus der Vergangenheit als auch in der Gegenwart begutachten. In Krisen- und Ausnahmezeiten gehen sie ersatzlos verloren. Das war so nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg, bei Inflation und bei Weltwirtschaftskrisen.
    Rente geht nur im Umlageverfahren
    Auch eine “private Finanzierung” ändert nichts daran, dass das, was an Renten ausbezahlt wird, von der gerade arbeitenden Generation zu erwirtschaften ist. Deshalb ist auch das Gerede von der ach so sicheren “privaten” Rente Augenwischerei. An solchen Modellen verdienen die Versicherungen, sonst niemand. Statt unsere unlagefinanzierte Rente zu stärken, wird das Geld aber lieber als “staatliche Zulage” an Versicherungen verteilt, die auch die heutigen Rentner, die nicht mal riestern konnten mit dem rentenkürzenden Altersvorsorgeanteil (AVA-§255 d,e SGB VI) mitbezahlen. Mit der Begründung: Sorge um kommende Generationen.
    Wenn wir und kommende Generationen 100€ mehr an eine gesetzliche zahlen, ruiniert das alle, wenn wir das gleiche an eine Private zahlen (mit dem Risiko des Verlustes) rettet das die Zukunft?

    Weil sich an dem Grundsatz, dass jeweils nur die aktuelle Wirtschaftsleistung verteilt werden kann, nichts ändern lässt, kann die logische Schlussfolgerung daraus nur heissen:
    Rentenversicherungspflicht für jeden und für alle Einkommensarten, keine Deckelung der Einzahlungen, aber Deckelung der Auszahlungen bei gleichzeitiger Festlegung einer Mindestrente für Geringverdiener. Bevor jetzt jemand das Gespenst des Sozialismus an die Wand malt, möge er sich über die AHV in der erzkapitalistischen Schweiz informieren.

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    1. Ja, das Schweizer Rentenmodell taugt als Vorbild

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  6. Inzwischen gibt es die Rentnergewerkschaft.Die DGB Gewerkschaften haben bisher kläglich versagt die zukünftigen Rentner auf die drohende Altersarmut hinzuweisen. Der Rentner der Zukunft sollte wissen was Sache ist. Dazu gehört daß er sich informiert wo er Sozialhilfe zu beantragen hat. Auch ist es für Ihn mehr als ratsam sämtliches Geldvermögen außerhalb der BRD anzulegen. Ich rate zu den Channel Islands und zur Isle of Man.Offshore banking heißt die Devise für zukünftige Rentner.Wenn Sozialhilfe beantragt wird darf es Deutschland nur noch ein Girokonto für die Rente geben.

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