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Die Unionsparteien wollen die drei Millionen Selbstständige in Deutschland zur Rente zwingen. Bislang ist es ihnen selbst überlassen, fürs Alter vorzusorgen. Viele legen ja auch Geld zur Seite, eine Minderheit aber eben nicht – damit stehen sie im Alter vor dem Nichts und sind auf die Fürsorge des Staats angewiesen. Das soll sich ändern. Deswegen der Zwang zur Altersvorsorge für Selbstständige.

Immer mehr Selbstständige brauchen den Staat und seine Grundsicherung, um über die Runden zu kommen. Ok, was heißt schon „immer mehr“. Die Zahl der Betroffenen, die hierzulande auf Hartz IV angewiesen sind, ist von 2007 mit 66 910 bis 2014 auf 117 904 gestiegen, so die „Ruhr Nachrichten“ im vergangenen Jahr. Mittlerweile dürfte die Zahl weit über 150 000 liegen – und sie wird weiter steigen, weil es immer mehr Solo-Beschäftigten oder Ich-AGs gibt.

Zwang auf Selbstständige

Momentan zwingt sie keiner, in eine Rentenversicherung einzuzahlen. Das soll sich ändern: Die Unionsparteien wollen die Selbstständigen zwingen, fürs Alter vorzusorgen. Übrigens, hatte das schon 2012 die damalige Bundesarbeitsministerien Ursula von der Leyen, die ebenfalls der CDU angehört, versucht – und ist daran gescheitert. Heute ist sie Bundesministerin der Verteidigung und hat das Thema natürlich ad acta gelegt. Seit dem sind vier Jahre vergangen.

Jeder soll Vorsorge betreiben

Heute wie damals sollen die Selbstständigen die Wahl zwischen verschiedenen Möglichkeiten haben: Sie können, so das Gesetz denn kommt, entweder Pflichtbeiträge in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen oder sie entscheiden sich für eine Altersvorsorge. Ein Staat, der bedürftigen Rentnern eine Grundsicherung gewähre, so das Argument der Unionspolitiker, müsse von jedem Mitbürger verlangen, dass er entsprechende Vorsorge betreibe.

Ob es dem jetzigen Vorstoß genau so geht wie damals der Initiative der Ex-Sozialministerin von der Leyen? Es könnte sein, dass dieses Mal mehr Druck dahinter ist, denn auch die jetzige Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) ist dafür, die gesetzliche Rentenversicherung für Kleinselbstständige zu öffnen.

Dass noch vieles im Argen ist, hat vor kurzem der „mdr“ berichtet. Der Sender verweist dabei auf eine Studie des deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Köln. Danach sorgen   rund 20 Prozent der 2,3 Millionen Solo-Selbstständige nicht ausreichend für die Rente vor.

Na, mal schauen.

Weiterführende Links: 

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

6 Comments

  1. […] von weniger als 1000 Euro. Eben deswegen erwäge Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD), eine Vorsorgepflicht für Selbständige einzuführen. Wie aus dem „Alterssicherungsbericht 2016″ hervorgeht, haben 47 Prozent […]

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  2. Unsere Volksvertreter verarschen uns leider nur:

    Wo sind unsere ersparten Renten?

    Politik bediente sich immer wieder von den Rentenkassen 1970 – 2016.

    Wiedervereinigung Deutschland ca. 120 Milliarden DM.

    Absenkung des Rentenniveau durch fehlende Steueranpassung und Hartz4.

    Insgesamt wurden ca. 700 Milliarden der ersparten Renten von der Politik in Versicherungsprämie Leistungen verpraßt.

    Erst die Renten verprassen und jetzt fehlt das Geld.

    Wenn die Politik gerecht wäre müsste Sie erst mal die 700 Milliarden an die heutigen Rentenbeitragszahler und Rentner zurückzahlen.

    Nein man überlegt, wenn man denn noch das Geld aus der Tasche ziehen kann.

    Ich möchte es hier nicht sagen, aber nicht seriöse Politik kann Schaden.

    Das ist nicht anderes als Bürgerbetrug.

    Fremdes Geld klauen und anders verwenden.

    Mal sehen wie lange das Deutschland und dzf. Europa aushalten.

    Schöne Grüße an Donald Trump

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    1. Nur so viel zur Info: In der gesetzlichen Rentenversicherung wird nichts angespart, da sie es sich dabei um ein Umlageverfahren handelt, das heißt, die Jungen zahlen sowohl für die Alten und sorgen für die kommende Zahlergeneration

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  3. Helmut Achatz 15. Juli 2016 at 15:09

    Ja, das Thema Beamtenpension ist in der Öffentlichkeit längst nicht so präsent – und wird schon gleich gar nicht diskutiert – wie es nötig wäre.

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  4. natürlich klingt dieser Versuch, auch Selbstständige in den Rententopf einzahlen zu lassen, nach Bevormundung. Wenn wir aber je das große Defizit im Rententopf für die nächsten dreißig Jahre stopfen wollen, müssen wir einfach alle, auch Beamte, Rechtsanwälte, Ärzte an dieser Solidarleistung beteiligen. Ich kenne die Argumentation, dass Beamte ja bereits für den Staat arbeiten und von deren Nettogage bereits Ansparentgelte für die äußerst üppigen Pensionen einbehalten worden sind. Das geht aber nicht so weiter. Wir brauchen einen Topf für alle. Wir brauchen sozialverträgliche Mindestrente, von der die Menschen vernünftig leben können und müssen zusehen, dass nach oben (Beamte) nicht die Pensionen ins Kraut schießen. Es kann nicht sein, dass der x,y,z-Mensch mit rund 900,– bis 1.000 Euro Rente sein letztes Lebensviertel gestalten soll, während die „big Macs“ aus den Staatsdiensten in Spitzen bis 15.000 Euro im Monat nach Hause überwiesen bekommen. Für solche Aufgaben ist nur unsere derzeitige Ministerin wahrscheinlich heillos überfordert.

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