So hauen dich Bank und Versicherung übers Ohr

Finanzen

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Wir wollen nur dein Bestes – dein Geld. Darauf lässt sich die Beratung von Bank und Versicherung verkürzen. Beide sind an Provision interessiert, nicht am Nutzen des Kunden – gut für die Bank, schlecht für den Kunden.

Direktversicherte und auch andere Altersvorsorgesparer wurden jahrzehntelang hinters Licht geführt. Ihre Altersvorsorge über Bank oder Versicherung abgewickelt ist wegen der Abgaben im Alter schlechter als ein Bank- oder Aktiensparplan ohne staatliche Förderung. Leider nicht nur das, am Ertrag ihres Ersparten zehren auch die Provisionen von Bank und Versicherung. Am Ende bleibt von der einmal versprochenen Rendite wenig bis nichts mehr übrig. Millionen naive Anlagesparer sind auf den Schwindel von Banken, Sparkassen und Versicherungen hereingefallen – und fallen immer noch herein, wie das Beispiel Metallrente zeigt.

Der Bremer Boguslaw Zielke hat es einmal genau nachgerechnet, schließlich hat er die Zahlen seiner Direktversicherung bei der HUK seit Abschluss einschließlich aller Kosten, Prämien, Überschussbeteiligungen, Rückvergütungen und den Verlust an Entgeltpunkten der Rentenversicherung mit einem Banksparplan verglichen. Hätte er damals, in einen Banksparplan investiert, statt, wie auf Anraten der Politik, in eine Direktversicherung, so würde er heute über rund 40 000 Euro mehr verfügen. Hätte er in einen Fondssparplan investiert, wäre die Differenz vermutlich sogar noch weit höher ausgefallen.

Besser nicht zur Bank

Vollbeiträge und Steuern sind das eine, Provisionen das andere, wie die Wirtschaftsjournalistin Ursula Weidenfeld in einem Artikel für „T-Online“ verdeutlicht. Wer die örtliche Bank- oder Sparkassenfiliale besucht, macht schon den ersten Fehler. Denn, Banker müssen per se an die Provision denken – die aber mindert automatisch die Rendite. Viele Eltern, „immer noch geprägt vom Weltspartag und dem Glauben, man werde fair beraten, wenn man die örtliche Bankfiliale aufsucht, empfehlen den persönlichen Kontakt“, stellt Weidenfeld fest. Sie lassen damit ihre Kinder oder Enkel ins Messer laufen.

Was bekommen sie vom Bank- oder Sparkassenberater empfohlen? Drei teure Verträge:

  • ein Riester-Vertrag,
  • eine private Altersvorsorge und
  • ein aktiv gemanagter Aktienfonds.

Für junge Menschen sind alle drei schlechte Lösungen. Beim Riester-Vertrag gebe es zwar die staatliche Förderung, aber nach zwei bis drei Jahren müsse der Vertrag erst einmal beitragsfrei gestellt werden, weil die Studentin oder der Auszubildende ja eine Zeit lang wenig oder nichts verdient. Wer einen Riester-Vertrag kündigen will, macht ein schlechtes Geschäft.

Die Kapitallebensversicherung ist nicht viel besser. Die Renditen gehen gegen null; der Vertrag ist nicht so einfach kündbar. „Haben sie (die Jugendlichen) ihr Geld dann in gleich zwei langfristige Verträge gesteckt, kommen sie nur mit Verlusten wieder heraus“, so Weidenfeld. Für die Bedürfnisse junger Erwachsener grenze das an Körperverletzung.

Vorsicht vor hohen Ausgabeaufschlägen

Beim aktiv gemanagten Aktienfonds greifen Bank- und Sparkassenberater gern auf hauseigenen Produkte zurück – und die sind meist nicht die renditestärksten, dafür aber fällt vergleichsweise viel Ausgabeaufschlag an. Das ist alles andere als fair.

Was sollte sie denn stattdessen empfehlen? Passive Fonds in Form eines börsengehandelten Indexfonds – oder kurz ETF – auf den Weltindex MSCI World beispielsweise oder den MSCI All Country World Index (ACWI) oder auf den Technologie-Index Nasdaq oder den US-Index S&P 500. Diese ETFs bilden einen Aktienindex 1:1 ab.

Umsetzen lässt sich so ein Fonds- und/oder Aktiensparplan ganz einfach – und dazu fast zu null Kosten. Mittlerweile bietet mit Trade Republic das erste Wertpapierhandelshaus entsprechende Sparpläne zum Nulltarif an, wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ schreibt. Da für die langfristige Rendite natürlich die Kosten eine wichtige Rolle spielen, sind Anleger mit einem günstigen Anbieter besser dran, als einem teuren. Wie die Tabelle der FAZ zeigt, liegen zwischen dem günstigsten und dem teuersten 2,5 Prozentpunkte – die fehlen natürlich am Ende im Alter.

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4 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Und hier werde ich nicht beschissen? Und hier wird nicht auf Prov. gearbeitet?

    Antworten
    • Nein, deswegen auch der Link auf die FAZ, da kann sich jeder selbst ein Bild machen

      Antworten
    • Dirk Feldhinkel
      4. September 2020 11:35

      Ihren Vorwurf gegen den Blogbeitrag finde ich sehr unfair. Sie bekommen hier neutral recherchiert Fakten geliefert, die sich überprüfen lassen. Darüber hinaus können Sie sich eine eigene Meinung bilden, jedoch nicht generalisiert eine Vorteilnahme durch gezielte Beeinflussung unterstellen. Der Inhalt des Beitrags ist mehr als berechtigt und entspricht meinen jahrelangen Erfahrungen, die ich von beiden Seiten kenne. Erst die Einsicht in das Innere der Branche und danach nach gezielter Weiterbildung auf der Seite der Verbraucher. In Begleitungen von sogenannten „Beratungsgesprächen“ habe ich viele Täuschungen und Unwahrheiten aufgedeckt und nicht selten Bankvorstände damit konfrontiert. Oft wurde klein beigegeben, damit nicht mehr in die Öffentlichkeit gelangt oder eine ungute imageschädigende Rechtssituation für die Bank entsteht. Ich kann diese Sachlage aus „Fronterfahrungen“ direkt bestätigen.

      Antworten
  • Dirk Feldhinkel
    4. September 2020 13:16

    Hallo Helmut!

    Das ist ein sehr wichtiger Beitrag und bring viele Probleme auf den Punkt! Der Hinweis auf dieses Problem ist bei uns in Deutschland eine elementare Geschichte. Zu lange haben deutsche Bürger Finanzanlagen vertrauensselig Banken und Versicherungen überlassen. Zudem wache fürsorglich der Staat über alles, so der Glaube. Viele wissen zum Beispiel nicht, dass bis 1994 Lebensversicherungstarife von der BaFin genehmigt werden mussten. Danach war die Deregulierung angesagt. Im Jahr 2004 stellte jedoch das Bundesverfassungsgericht fest, dass die Versicherer heimlich zu viele stille Reserven einkassieren und mahnte den Gesetzgeber zur Regulierung. Das ist zwar geschehen, aber in verwässerter Form. Das ist sicher ein grundlegender Einfluss auf Direktversicherungen, der die Wirkung der nachträglichen Belastungen zur Minusrechnung gemacht hat.

    Auch durch direkte Kontakte in dieser Branche habe ich erfahren, was auf der anderen Seite des Beratungstisches hinter den Kulissen passiert. So berichtete mir ein Bankberater einer Sparkassenfiliale in einem Randgespräch, dass er nach Vorgaben verkaufen und zudem sich alle zwei Jahre erneut auf seinen eigenen Posten bewerben muss. Bereits hier beginnt ein gnadenloser Druck. Eine Angestellte der früheren Post, musste noch kurz vor ihrer Rente nach Vorgaben für die Postbank Bausparverträge (BHW) verkaufen und war darüber sehr unglücklich. Doch sie hatte keine Wahl.

    Ein Ehepaar in Rente sollte in einer Volksbank einen Bausparvertrag abschließen, weil es kaum Zinsen auf dem Tagesgeldkonto gäbe. Der Berater log diesen arglosen Menschen vor, Sie bekämen Wohnbauprämien. Jedoch gibt es diese heute nur, wenn ein konkretes Bauvorhaben vorliegt. Zudem wurde ausgeblendet, dass der Vertrag viele Jahre im Minus steht, weil die Bauspargebühr abbezahlt werden muss. Bei vorzeitiger Kündigung fällt eine zusätzliche Stornogebühr an. Die Boni können gekürzt werden, wenn die Bausparkasse aufgrund der der Nullzinspolitik zu eng kalkuliert hat. Den Vertrag konnte ich glücklicherweise abfangen.

    Ein Ehepaar in Essen musste im hohen Rentenalter ihr bescheidenes Bergmannshaus verkaufen, weil der Berater einer Essener Sparkassenfiliale mit überdimensionierten, ständig geteilten und neu abgeschlossenen Verträgen sich mit Provisionen vollgestopft hatte. Der Ehemann des Paares erlitt aufgrund des Stresses einen Schlaganfall. Eine ernste Konfrontation mit der Bank war aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich. Ein tragischer Fall, bei dem ich leider zu spät kam.

    Ein Ehepaar in Rente bekam von einem Verwandten des Mannes eine hohe Erbschaft aus Amerika. Völlig unbedarft vielen sie in die Hände einer Privatbank. Das Geld wurde zu einem großen Teil in ein nebulöses Zertifikat gesteckt. Im Internet fand ich das Prospekt auf 38 Seiten mit offenen Erklärungen von hohen Risiken und Interessenkonflikten. Die Inhalte ließen erahnen, dass hier in der riskantesten Phase griechische Anleihen über eine Schattenbank angelegt wurden. Durch Euribor -Indizierung verlor der Kunde gerade dann, wenn sich die Risiken erhöhen. Ein Win-Loose-Konzept mit dem eine große französische Bank die Risiken ihrer Junkbonds loswerden und zusätzlich die enormen Zinssätze abschöpfen konnte. Obendrauf wurde eine völlig überflüssige Sofortrente verkauft. Auch hier wurde ich leider zu spät informiert. Das Ehepaar hatte alle Verträge völlig unsicher wieder gekündigt und verlor in kurzer Zeit ca. 9.000 Euro nur durch Provisionen. Die Bank zu konfrontieren, davor hatten diese Menschen tatsächlich Angst. Der Werbeclaim dieser Bank: „…So geht Bank heute!“

    Die Reihe der Beispiele könnte ich endlos fortsetzen. Regularien wie Beratungsprotokolle schützen nur die Banken und Versicherungen. Es wird sich nur etwas ändern, wenn sich Menschen eigenständig ihr Bild machen. Man darf sich nicht im Voraus zum „Finanzanalphabeten“ erklären und in seiner Komfortzone bleiben. Das kann nicht nur teuer, sondern existenzbedrohend sein.

    Antworten

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Helmut Achatz

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