Last Updated on 26. August 2020 by Helmut Achatz

Seit 2017 bastelt die Bundesregierung an einem “Rentenkonto für alle”, einem Portal für die gesetzliche, betriebliche und private Altersvorsorge. Herausgekommen ist nur heiße Luft. Ende 2023 soll das Portal aber in Betrieb gehen – für die Dänen eine Lachnummer.

Erst jetzt, Ende August 2020, hat das Bundeskabinett den Entwurf eines Gesetzes für eine säulenübergreifende Rentenübersicht verabschiedet. Mit dem  „Rentenkonto für alle“ sollen Verbraucher einen Überblick über ihre gesetzliche, betriebliche und private Alterssicherung erhalten. Ziel sei es, dass jeder auf einen Blick sehen könne, wie es um die eigene Absicherung im Alter steht. Was in anderen Ländern wie Dänemark längst selbstverständlich ist, soll in Deutschland erst Ende 2023 kommen.

Sozialabgaben einfach vergessen

Dabei schaffen es selbst große Versorgungswerke wie die Metallrente oder das Versorgungswerk der Presse bis heute nicht, ihre Mitglieder darüber zu informieren, was an Abzügen in der Rente auf sie zukommt. Wer seine Auszahlungsmitteilung bekommt, erhält, wenn er Glück hat, noch einen Hinweis darauf, dass Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge zu zahlen sind, nicht jedoch, wie viel das voraussichtlich sein wird. Das Versorgungswerk der Presse beispielsweise weist den Versicherten nur darauf hin, dass „aufgrund des Solidarprinzips der gesetzlichen Krankenversicherung eine Beitragspflicht besteht“. Es helfe auch nichts, wenn „die Beiträge (während des Berufslebens) bereits aus sozialversicherungspflichtigen Einkünfte bezahlt wurden“. Dabei geht es nicht um einige Euros, sondern um Tausende.

Ob das in dreieinhalb Jahren fertige „Rentenkonto für alle“ diese Minderung berücksichtigt? Vermutlich kaum. Was ist dann aber ein „Rentenkonto für alle“ wert? Die Antwort kann sich jeder selbst geben.

Zumindest der Rentenbescheid über die gesetzliche Rente berücksichtigt Kranken- und Pflegebeiträge, so dass jeder weiß, was netto vom Brutto übrigbleibt. Bei allen anderen Mitteilungen der privaten und betrieblichen Altersvorsorge allerdings fehlt das bislang, was das Bild natürlich verfälscht. Teilweise müssen Privat- und Betriebsrenten zusätzlich versteuert werden, wie beispielsweise bei der Metallrente. Denn Rentnerinnen und Rentner müssen ihre Betriebsrente außerdem versteuern. Genau wie die gesetzliche Rente schrittweise steuerpflichtig wird, sind auch Betriebsrenten nach dem individuellen Steuersatz als Rentner/in steuerpflichtig. Zurzeit liegt der durchschnittliche Steuersatz im Rentenalter bei rund 15 Prozent. Der tatsächliche Steuersatz hängt indes von der individuellen Einkommens- und Vermögenssituation ab. Um die Netto-Betriebsrentenleistung zu bewerten, sollte deshalb auch abgeschätzt werden, wie hoch später der voraussichtliche Steuersatz individuell ausfallen wird und ab welchem Einkommen die geltenden Steuerfreibeträge voraussichtlich überschritten werden. Wie soll das ein „Rentenkonto für alle“ berücksichtigen?

Rentenkonto für alle ab 2024

Im Juli 2020 hatte Heil (SPD) einen Gesetzentwurf für die digitale Rentenübersicht vorgelegt. Die zentrale Stelle für die Digitale Rentenübersicht soll bei der Deutschen Rentenversicherung beheimatet sein und die Informationen aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Alterssicherung bündeln. Anschließend sollen diese, so der „Versicherungsbote“ über ein Online-Portal für Verbraucher bereitgestellt werden. Ab 2023 seien die Versicherungs- und Finanzbranche verpflichtet, entsprechende Informationen jedem einzelnen Kunden zu liefern. Für den Bau der digitale Renteninformation und die Startphase werde der Bund 18,6 Millionen Euro bis 2023 bereitstellen. Die Kosten für den laufenden Betrieb von 2024 an sollen bei rund 4,5 Millionen Euro pro Jahr liegen.

Der Dachverband der Verbraucherzentralen habe allerdings Bedenken angemeldet: Die Information könnte möglicherweise nicht unabhängig sein und Angst schüren, um der Versicherungs- und Finanzbranche als Verkaufsargument zu dienen.

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

6 Comments

  1. Herbert Wendland 27. August 2020 at 15:35

    Kann es sein, dass ich mich irre, wenn ich meine, gelesen zu haben dass die Betriebsrenten der Presseleute von Abgaben freigestellt sind per Gesetz dieses oder letzten Jahres. Bitte um Aufklärung.

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    1. Helmut Achatz 27. August 2020 at 17:07

      Kapitalzahlungen des Versorgungswerks der Presse werden zwar nicht besteuert, aber voll verbeitragt. Insofern sind die “Betriebsrenten” von Redakteuren definitiv nicht freigestellt.

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  2. Diese Sozialversicherung ist für den Axxxxx!!! Betriebsrentenzahlungen sind in Zukunft auch fraglich. Private AV lohnt sich nur für die Versicherungsfirmen….für den sozialistischen Staat “sichtbares” Vermögen (Spareinlagen, private AV, Festgeld, Aktien und Anleihen, Edelmetalle die “offziell” gekauft wurden, Immobilien) ist in Zukunft hochgradig gefährdet! Man siehe sich nur an, was dieser Olaf Scholz alles verzapft (Finanztransaktionssteuer, Steuer auf Gold ETF). Deshalb bin ich jetzt auf 50% TZ heruntergegangen da ich nicht rechne, dass ich aus diesen SV Zahlungen noch grossartig erhalten werde…..
    Was Viele nicht wissen: Bitcoin Gewinne sind nach einem Jahr Haltedauer, genau wie Gold/Silber, komplett von der Steuer befreit. Ausserdem kann kein Staat der Welt einem die Bitcoins konfiszieren bzw. wirklich einsehen, wieviel Jeder davon hat…..denn es ist dezentrales und deflationäres Volksgeld.
    Gold ist Gottesgeld, Bitcoin ist Volksgeld….

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  3. Dieser geplante Gesetzentwurf für eine digitale Rentenübersicht dient einzig und allein den Steuerbehörden um zu ermitteln was man aus den zukünftigen Rentnern noch herausholen kann. Die Krankenkassen haben sich mit politischer Billigung bereits bei den Betriebsrenten bedient und jetzt will der Staat den gläsernen Rentner schaffen um zu ergründen wie man diesen abschröpfen kann. Das die SPD mit Hubertus Heil dahinter steht braucht niemand zu wundern, aber der Minister könnte auch Seehofer von der CSU heißen. Wer eine gute zusätzliche Altersversorgung hat wird auch von dieser informiert welche Abgaben er als Rentner haben könnte. Da sehe ich noch die geringsten Probleme. Beschäftigte des öffentlichen Dienstes die eine Zusatzversorgung bei der VBL haben werden über alle eventuellen Abzüge und Freibeträge informiert. Ich selbst habe eine Zusatzversorgung beim Hamburger Pensionsverein der ebenfalls ausführlich über anfallende Steuern und Krankenkassenbeiträge informiert. Das Problem liegt einzig und allein bei der Politik die absolut unfähig ist hier verbindliche Regeln zu schaffen. Ganz anders sieht das bei der Altersversorgung der Bundestagsabgeordneten aus.Hier gibt es umfangreiche Regeln und Verordnungen die gesetzlich verankert sind um die großzügige Altersversorgung der Volksvertreter und Gesetzmacher zu regeln.Diesen Leuten sind auf jeden Fall 8 Jahre Anwesenheit im Bundestag wichtiger als 45 Jahre Berufstätigkeit. Wer das nicht glauben will sollte einmal vergleichen welche Altersversorgung ein Abgeordneter nach 8 Jahren Anwesenheit im Bundestag bekommt mit dem was ein Arbeiter/Angestellter als durchschnittliche Rente nach 45 Berufsjahren hat.

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  4. Erwin Tischler 26. August 2020 at 18:35

    Es graust einem vor der Politik! Kleinste Kompromisse werden als “Durchbruch” gefeiert, z. B. der Freibetrag auf die Versorgungsbezüge in Höhe von 159,25 € im Monat. Das ergibt eine Ersparnis von ca. 25 € bei den Krankenversicherungsbeiträgen. Oder, wenn Hartz IV um 7 € im Monat erhöht wird. Im Gegenzug genehmigen sich die Damen und Herren jährlich automatisch anpassende Diäten, sind nicht in der Lage, den Bundestag wieder auf ein vernünftiges Maß zu verkleinern, gehen bei ihren Dienstwagen nicht voran mit Elektro, Hybrid und Brennstoffzelle! Man weiß einfach nicht, wen man noch wählen kann! – Aber nicht wählen zu gehen, ist auch keine Lösung….

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