Versorgungslücke:

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„Da die Renten im Vergleich zu den Löhnen geringer steigen werden und sich somit die spätere Lücke zwischen Rente und Erwerbseinkommen vergrößert …“, ein Satz mit Sprengkraft. Dazu kommt die Inflation, sprich der Kaufkraftverlust. Das heißt, Rentner werden systematisch immer ärmer, denn beide Entwicklungen treffen sie mit voller Wucht. Was das bedeutet, lässt sich leicht an den Zahlen des Statistischen Bundesamts ablesen. Seit 1992 beispielsweise haben die Deutschen annähernd ein Drittel an Kaufkraft verloren. Das klingt harmlos, bedeutet aber für Rentner, dass sie sich deutlich weniger leisten können – ihre Rente kann mit der Preissteigerung nicht mithalten. Sie werden zudem wegen der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank systematisch enteignet, weil der Zins für Tagesgeld mittlerweile deutlich unter der Inflationsrate liegt. Die Rentenerhöhungen haben diesen Kaufkraftverlust nur teilweise ausgeglichen, schließlich gab es in der Vergangenheit mehrere Nullrunden oder Jahre mit geringen Rentenerhöhungen.

Wie die Inflation die Kaufkraft auffrisst, lässt sich ganz einfach erklären: Von 100 Euro 1992 bleiben nach zehn Jahren noch 82,80 Euro übrig, nach 20 Jahren noch 71,10 Euro und bis 2016 noch 68,80 Euro. Anders ausgedrückt, die Verbraucher haben seit 1992 annähernd ein Drittel an Kaufkraft verloren – siehe Tabelle:

So wirkt Inflation

 Inflation in %Kaufkraft     
1992100
19934.595.5
19942.693
19951.891.3
19961.490.1
1997288.3
1998187.4
19990.686.9
20001.485.6
2001283.9
20021.482.8
20031.181.8
20041.680.5
20051.679.2
20061.578.1
20072.376.3
20081.575.1
20090.374.9
20101.174.1
20112.172.5
2012271.1
20131.570
20140.969.4
20150.369.2
20160.568.8

Was tun?

Spätestens jetzt dürfte jedem klar sein, dass er zwingend zusätzlich fürs Alter vorsorgen muss. Ob die Betriebsrente da allerdings der beste Weg ist, darf stark bezweifelt werden. Das gleiche gilt für die Riesterrente, die mittlerweile nichts mehr bringt. Die Rentenpolitiker müssten den aktiv Beschäftigten sagen, dass sie besser privat vorsorgen sollten und Betriebs- und Riesterrenten links liegen lassen sollten. Denn bei Betriebsrenten zwackt die Krankenkasse (“Doppelverbeitragung) annähernd ein Fünftel am Ende ab – alles, was der Betriebsrentner an Rendite erwirtschaftet hat, ist mit einem Schlag weg. Natürlich bietet die Deutsche Rentenversicherung einiges an wichtiger Information an. Wer überschlagen will, wie hoch seine Versorgungslücke ist, findet gleich mehrere Rechner im Netz, unter anderem einen Versorgungslückenrechner des Versicherungsverbands GDV und der Süddeutschen Zeitung beispielsweise.

Eines noch zum Schluss: Die Rentenstatistik weist leider große Unterschiede aus zwischen Ost und West, zwischen Männern und Frauen. Das hat viel mit der Erwerbsbiografie zu tun und den Verhältnissen. Wer demnächst in Rente geht, wird nichts mehr daran ändern, anders sieht die Sache für Junge aus. Sie können noch etwas daran ändern, wenn sie denn wollten. Es ist auch Sache der Alten, die Junge auf dieses Thema, sprich auf die voraussichtliche Versorgungslücke im Alter hinzuweisen, damit sie nicht verarmen, wenn sie in Rente gehen.

Rentenbescheid

Der Rentenbescheid dürfte so ziemlich das widerspiegeln, was bereits in der Renteninformation steht. Langjährige Versicherte wie ich können mit 63 Jahren Rente beziehen – allerdings mit Abschlägen. Pro Monat werden 0,3 Prozent abgezogen. Die Deutsche Rentenversicherung zahlt mittlerweile am Monatsende, darauf sollten sich Rentner einstellen. Ferner sollten sie beachten, den Rentenantrag rechtzeitig abzugeben. Faustregel: am besten drei Monate vor dem geplanten Renteneintritt. Überwiesen wird das Geld übrigens von durch den Renten Service der Deutschen Post AG. Und so sieht ein Rentenbescheid aus:

Der Rentenbescheid weist die Brutto- und die Netto-Rente aus Foto: vorunruhestand.de

Der Rentenbescheid weist die Brutto- und die Netto-Rente aus Foto: vorunruhestand.de

… und zum Schluss noch sieben große Irrtümer beim Thema Rente, die “Focus” gesammelt hat:  “Hätten Sie es gewusst? Sieben große Irrtümer beim Thema Rente”

Inhaltsverzeichnis

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

17 Comments

  1. […] steht da genau drin und was heißt das konkret? „Die Höhe ihrer künftigen Regelaltersrente … entspräche nach heutigem Stand einer monatlichen Rente von.“ Die dürfte schon niedriger […]

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  2. […] 65 Jahre plus neun Monate … Wer jünger ist, muss noch ein paar Monate länger arbeiten – bis 2031 die reguläre Altersgrenze bei 67 Jahre angekommen […]

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  3. […] Versichertenberater oder -älteste vorrechnet, was unterm Strich wirklich herauskommt und sie den Rentenbescheid […]

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  4. […] 65 Jahre plus neun Monate … Wer jünger ist, muss noch ein paar Monate länger arbeiten – bis 2031 die reguläre Altersgrenze bei 67 Jahre angekommen […]

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  5. […] dennoch mit 63 in Rente gehen will und die erforderlichen 45 Beitragsjahre nicht zusammenbringt, muss mit Abschlägen rechnen. Für die 1954 Geborenen heißt das: minus 9,6 Prozent, bei den 1955ern sind es 9,9 Prozent und […]

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  6. […] Darüber, wie Altersarmut entsteht und wie sie wirksam bekämpft werden kann, informiert der Sozialverband umfassend im Rahmen einer deutschlandweiten Informationskampagne. Neben aktuellen Zahlen, Daten und Fakten hat der Verband ein Konzept veröffentlicht, das konkrete Lösungswege aufzeigt. Die Kampagne richtet sich sowohl an die politischen Entscheidungsträger als auch an die Bevölkerungsgruppen, für die das Risiko wächst, im Alter zu verarmen. […]

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  7. […] Monat zehn Jahre lang an die Krankenversicherung. Wohl gemerkt zusätzlich zu dem, was sie als Rentner sowieso schon an Krankenkassenbeiträge berappen müssen. Einige dürften in der Rente damit mehr Krankenkassenbeiträge zahlen als in […]

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  8. […] wiegelte ab. Schulz wollte es dann noch genau wissen. Merkel bestand darauf, es bleibe bei der „Rente ab 67“. Schulz klopfte der  Kanzlerin verbal auf die Schulter: „ganz toll.“ Merkel betonte nach einmal: […]

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  9. […] Für jeden Monat, den ein Beschäftigter früher in Rente geht, muss er einen Abschlag von 0,3 Proze… in Kauf nehmen. Wer also beispielsweise Anfang März 1954 geboren ist, kommt auf einen Abschlag von 9,6 Prozent. […]

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  10. […] Wie lese ich meinen Rentenbescheid und was bedeutet das? […]

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  11. […] sich allein auf die gesetzliche Rente verlässt, ist verlassen. Ohne private Vorsorge geht’s nicht. Die betriebliche Altersvorsorge ist […]

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  12. […] muss schon 35 Jahre Wartezeit vorweisen können. Blödes Wort „Wartezeit“ – da fallen Beitrags- und Ersatzzeiten hinein, auch die Lehrlingsjahre und die Bundeswehr – ja, die gab’s damals noch zu meiner Zeit, als ich jung war. Dazu gehören neben […]

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  13. […] ja nur die halbe Wahrheit, denn von der Brutto-Rente gehen ja nicht nur Steuern weg, sondern auch Sozialabgaben, sprich Kranken- und Pflegeversicherung, die sich auf die Höhe der Rente beziehen. Das heißt, den Rentnern wird noch weit mehr als die […]

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  14. […] Altersvorsorge-Pass, der ausweist, wie viel jeder Einzelnen an privater und betrieblicher sowie gesetzlicher Rente zu erwarten hat und was ihm nach Abzug von Sozialversicherung und Steuern netto …. Den Altersvorsorge-Pass wird es allerdings so schnell nicht geben. Viele sind da ziemlich […]

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  15. Dirk R. Schuchardt 6. März 2017 at 11:45

    Bei der alljährlichen Renteninformation werden von den Empfängern drei wichtige Punkte gerne übersehen:

    1. Die genannten Rentenbeträge sind brutto, d. h. hiervon gehen noch Kranken- und Pflegeversicherung sowie im Einzelfall noch Steuern runter.
    2. Auf der RÜCKSEITE stehen noch weitere wichtige Informationen, insbesondere im vorletzten Absatz und da im letzten Satz: Wie hoch ist die Kopfkraft von 100 EUR wenn ich in Altersrente gehen werde?
    3. Bei der Renteinformation wird nicht geprüft, ob ihre Datengrundlage vollständig und richtig ist. Deshalb sollte man – am besten immer dann, wenn man einen runden Geburtstag feiert, aber auch jederzeit ohne besonderen Grund – einen “Antrag auf Kontenklärung” stellen. Auch die Information, dass alles richtig gespeichert ist, ist eine Information. Tipp: Statt einer RentenINFORMATION sollte man besser eine RentenAUSKUNFT beantragen. In dieser steht nämlich auch, wie hoch die Renten wegen Todes sind.

    Leider reitet die Renteinformation zu viel auf dem Thema “Altersvorsorge” rum. Mindestens genau so wichtig ist das Thema Absicherung im Fall der Erwerbsminderung (Rund 1/4 eines Jahrganges schafft es überhaupt nicht in die Altersrente, weil man so krank wird, das an Weiterarbeiten nicht zu denken ist).
    Bei Thema zusätzliche Absicherung im Fall von Erwerbsminderung, Alter und Tod empfiehlt sich der Gang zu Verbraucherzentrale. Eine Altersvorsorgeberatung kostet beispielsweise in NRW derzeit 170 €. Viel Geld? Auf jeden Fall weniger Geld, als sich Versicherungsvertreter und Banken für unsinnige Produkte als Provision auf die Tasche tun.

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  16. Wer seine Rente vor Erreichung des Regelalters beantragt muß Abschläge von 0,3 % für jeden Monat in Kauf nehmen den er früher in Rente geht. Bei zwei Jahren sind das bereits 7,2 % weniger als die errechnete Regelaltersrente. Wenn die Rente dann kommt ist es auf jeden Fall weniger als ursprünglich angekündigt. Jetzt werden auch noch Beiträge zur Krankenversicherung und auch Zusatzbeiträge, die allein vom Rentner zu zahlen sind, sowie Beiträge für die Pflegeversicherung von der Bruttorente abgezogen. Das sind dann auch noch mal € 100,- Abzüge pro Monat. Bei €1100,- Rente bleiben also nur noch €1000,- im Monat übrig. Das sind dann €12000,- Rente pro Jahr. Davon sind auch noch Steuern zu zahlen. Bei einem ledigen Rentner beträgt die steuerfreie Rente € 8625,-. In diesem Fall hätte der Rentner das Glück auch noch Steuern für eine Rente von €3375,- bezahlen zu dürfen.

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    1. Helmut Achatz 6. März 2017 at 7:59

      Danke für den Kommentar. Ja, brutto ist nicht gleich netto, das ist vielen nicht bewusst.

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