Rentner müssen sich selbst um die Steuer kümmern

Jeder Rentner muss sich übrigens, anders als bei Angestellten, um die Versteuerung seiner Einkünfte selbst kümmern. Das heißt, sie müssen eine Einkommensteuererklärung abgeben und die errechnete Steuer dann bezahlen.

So ganz vertraut der Fiskus seinen Kunden allerdings nicht. Deswegen hat er eine Meldepflicht für Rentenzahlungen eingeführt. Alle Rententräger müssen laut Anweisung des Bundeszentralamts für Steuern (Az. St II 3-S 2257c-5/08) seit Anfang Oktober 2009 die Finanzämter über die ausgezahlten Renten informieren – auch rückwirkend. Übrigens, wer zusätzlich zur gesetzlichen Rente weitere Einkünfte hat, kommt schnell über den Steuerfreibetrag.

Das Bayerische Landesamt für Steuern hat einen „Alterseinkünfterechner“ ins Netz gestellt, mit dem Rentner ihre Einkommensteuer ermitteln können und sich so einen Eindruck von ihrer steuerlichen Situation verschaffen. Der Rechner berücksichtigt persönlichen Freibeträge bei Renten und Pensionen sowie den Abzug von Pauschbeträgen und Aufwendungen.

Steuersoftware für Rentner

Steuer zahlende Rentner sind gut beraten, sich eine entsprechende Steuersoftware zu kaufen. Denn, die richtige Wahl der Steuersoftware erleichtert das Ausfüllen der Steuerformulare und sichert zudem, dass Rentner nicht zu viel Steuern zahlen. Der Kauf dürfte sich in der Regel auszahlen. Einige Anbieter haben eigene Rentner-Versionen aufgelegt. Darunter ist beispielsweise die „SteuerSparErklärung für Rentner 2017“ (29,95 Euro), „Taxman für Rentner 2017“ (34,90 Euro) und „tax 2017“ (14,95 Euro).


Wie „plusminus“ in einer Sendung am 11. Mai 2016 zeigte, wird die Rente doppelt besteuert.

Seit 2005 müssen Ruheständler auf ihre Rente Steuern zahlen. So hat es das Bundesverfassungsgericht beschlossen. Die Vorgabe: Eine Doppelbesteuerung muss vermieden werden. Nun zeigt eine aktuelle Studie: In vielen Fällen werden künftige Rentner trotzdem doppelt zur Kasse gebeten. Viele Experten fordern schon lange das Alterseinkünftegesetz zu ändern. Doch das Bundesfinanzministerium sieht bislang keinen Bedarf.  Der Bürger zahlt Steuern auf sein Einkommen. Aus dem versteuerten Einkommen die Beiträge in die staatliche  Rentenkasse –  und die werden im Alter jetzt noch einmal versteuert. Franz Ruland war 2002 der Chef der Deutschen Rentenversicherung. Er hat die Regierenden schon damals  vor der Problematik der Doppelbesteuerung eindringlich gewarnt. Geschehen ist bis heute nichts.

Jochen Pleins hatte 2010 Verfassungsbeschwerde gegen diese Doppelbesteuerung eingelegt – die Annahme seiner Beschwerde wurde jedoch vom Bundesverfassungsgericht abgelehnt.

Die 1. Kammer des 2. Senats des Bundesverfassungsgerichts hat mit Beschluss vom 30.09.2015 die Annahme der Verfassungsbeschwerde (Az. 2 BvR 1066/10) abgelehnt.
Damit bleibt die Verfassungsmäßigkeit der Rentenbesteuerung weiterhin ungeklärt.

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Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

14 Comments

  1. […] Wer eine Steuererklärung abgeben muss, kann als Rentner diverse Ausgaben geltend machen – vorausgesetzt, es sind Belege über diese Ausgaben vorhanden. Als Belege gelten Kassenbons, Kaufverträge und Kopien von Überweisungsaufträgen. Rentner können Versicherungen und Sonderausgaben geltend machen. Dazu zählen unter anderem: […]

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  2. […] ja, was verbindet Hubert und Christine noch mit Deutschland? Die Rente – und das Finanzamt. „Die paar Jahre, die wir in Deutschland und Österreich gearbeitet haben, bringen uns eine […]

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  3. […] Nach den Rentenerhöhung 2016 und 2017 rutschen viele Rentner in die Steuerpflicht – sicher ungewohnt für einige. Viel Papierkram, missverständliche Formulare und die Angst davor, etwas zu vergessen oder einen Fehler zu machen, bleibt weder Jung noch Alt erspart. In vielen Fällen ist die Steuererklärung für Rentner aber gar keine Verpflichtung. Mehr dazu unter welchen Umständen Rentner überhaupt steuerpflichtig sind. […]

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  4. […] Rente bezog und weiter bezieht, zahlt Steuern – und zwar muss er sie zu 50 Prozent versteuern. Seit dem steigt der zu versteuernde Anteil jedes Jahr um zwei Prozent, so dass, wer 2017 in Rente ge…, 2018 sind es dann 76 Prozent und 2040 dann hundert […]

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  5. […] Ja, Rentner müssen Steuern zahlen, wobei das so pauschal auch nicht gilt, denn betroffen sind vor allem Ruheständler mit hohen (gesetzlichen) Renten oder Zusatzeinkommen wie Mieten, Kapitalerträgen und Betriebsrenten. Was ist hoch? Ganz konkret gesprochen, wer mehr als 8652 Euro Rente bezieht und andere Einkünfte hat, muss eine Steuererklärung abgeben. 8625 Euro, das ist der Grundfreibetrag, der 2016 für Ledige gilt, bei Verheirateten sind es 17304 Euro. Heruntergebrochen auf den Monat bedeutet das: 721 Euro oder 1442 Euro. Ach ja, da gibt es ja noch den Altersentlastungsbetrag und Werbekosten sowie Sonderausgaben. Und der Besteuerungsanteil steigt von Jahr zu Jahr – wer 2017 in Rente geht, hat einen Besteuerungsanteil von 74 Prozent. […]

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  6. […] Rentner auf die Hälfte ihrer Altersbezüge Steuern zahlen – und dabei bleibt es nicht, denn der Fiskus will von den Rentner, die nach 2005 eine Rente beziehen sukzessive prozentual immer mehr. Für jeden neuen […]

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  7. […] 4 Prozent im Westen, 5 Prozent im Osten Mit der Rente geht es richtig rauf Wann Rentner Steuern zahlen müssen SPD fordert ein Rentenniveau bei 50 […]

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  8. […] Rente ab Juli heißt auch mehr Steuern Wann Rentner Steuern zahlen müssen Was geschieht mit der Rente nach einer Scheidung? Bestandsaufnahme vor der Rente in punkto Ausgaben […]

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  9. Das Alterseinkünftegesetz konnte 2005 nur mit den falschen Daten des Herrn Rürup durchgesetzt werden. Das BVerfG zitiert nicht mal aus seinen eigenen Quellen richtig: sehr genau wird das hier erklärt: http://altersarmut-per-gesetz.de/

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  10. Früher war das Leben einfacher. Renten wurden nicht versteuert weil die Beiträge zur Rentenversicherung bereits versteuert wurden. Pensionen wurden versteuert weil der Pensionär nie Beiträge an die Pensionskasse entrichtet hatte.

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