Wie wir alle ärmer werden

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Die Inflation frisst unser Vermögen – und das trifft vor allem Sparer und Rentner, die sich nicht wehren können. Viele werden ärmer und bekommen das jetzt zu spüren.

Es ist gekommen, wie es der ehemalige Chef des Münchner ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, schon im November 2021 in seinem Buch „Die wundersame Geldvermehrung“ prognostizierte: „Der Anstieg der gewerblichen Erzeugerpreise wird sich in den kommenden Monaten … sicherlich in der Inflationsrate der Konsumgüter widerspiegeln und Werte hervorbringen, die man schon sehr lange nicht mehr in dieser Größenordnung hat beobachten können“. Die Inflation ist da: Im Dezember stiegen die Preise um 5,3 Prozent, im Januar um 4,9 Prozent – und das dürfte erst der Anfang sein.

Die EZB flutet den Markt mit Geld

Die Europäische Zentralbank (EZB) unter ihrer Chefin Christine Lagarde denkt gar nicht daran, die Geldflut einzudämmen und die Leitzinsen anzuheben. Das heißt, es wird munter weiter Geld generiert, das die Inflation weiter anheizen wird.

Was uns noch erwartet, lässt ein Blick auf die Erzeugerpreise erahnen: Im Januar 2022 stieg der Produzentenpreisindex PPI um sage-und-schreibe 25 Prozent zum Vorjahresmonat, das war die höchste Steigerungsrate seit Beginn der Datenerhebung 1949. Für jeden dürfte klar sein, dass die Produzenten ihre Preise natürlich weitergeben werden – ja, weitergeben müssen. Wer beispielsweise schon eine Abrechnung seines Gaslieferanten bekommen hat, weiß, was das heißt.

Die EZB hat ihre Bilanzsumme mittlerweile auf annähernd neun Billionen Euro – das ist eine „9“ mit zwölf Nullen – aufgepumpt. Es ist derzeit nicht absehbar, dass sie diese Geldflut eindämmt. Wer diese „wundersame Geldvermehrung“ – so auch der Titel von Sinns neuem Buch – betrachtet, fühlt sich automatisch in das Deutschland der 20er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts zurückversetzt. Die Entwicklung damals könnte sich wiederholen – und das Geld ist irgendwann nichts mehr wert, mit der Folge, dass Unternehmen ihre Kredite nicht mehr bedienen konnten, in Konkurs gingen und Millionen ihre Stelle verloren.

Wir werden ärmer

Das Vertrauen in die damalige Währung, die Mark, erodierte. Die folgende Hyper-Inflation enteignete Millionen Deutscher, weil ihre Ersparnisse nichts mehr wert waren.

Vielleicht kommt es nicht so schlimm, aber der Ökonom Werner Sinn befürchtet, dass beispielsweise der „beschlossene Ausstieg aus der Kohle, dem Gas, dem Öl und der Kernkraft eine Kostenspirale in Gang setzt, die die Ölpreisschocks und die daraus entstandene große Inflation der 1970er-Jahre in den Schatten stellt“. Eine Finanzierung per Druckerpresse hat noch nie funktioniert, wie uns die Geschichte lehrt, Christine Lagarde ignoriert das geflissentlich.

Was ist der Euro noch wert?

Sie zerstört damit langfristig die Funktion des Geldes als Tauschmittel. Es ist an der Zeit, an die Inflation der 70er-Jahre zu erinnern. Damals lag die durchschnittliche jährlich Inflation bei fünf Prozent. Die Sorgen um die Stabilität des Euro sind begründet. Sinns Buch diskutiert die Mechanismen und Bedingungen, „unter denen eine Inflation schlummert, erwacht und dann möglicherweise nicht mehr gezähmt werden kann“.

Und, wie sieht die Lösung aus? Selbst Sinn tut sich schwer, eine anzubieten. Er räumt ein, dass er sich als Ökonom selten so hilflos wie heute gegenüber der sich anbahnenden Gefahr der Inflation fühlt. Die Hilflosigkeit resultierte nicht aus der fehlenden Erkenntnis dessen, was geschehen sollte, sondern aus der Erkenntnis des gewaltigen Verteilungskonflikts in Europa, der verhindere, dass die Sorge um die Preisstabilität, die der Maastrichter Vertrag der EZB aufgibt, hinreichend ernst genommen werde. Die Südländer mit Frankreich, Italien und Griechenland dominieren den EZB-Rat, ferner ist Christine Lagarde, die EZB-Chefin, eine Französin mit einem anderen Geldverständnis als beispielsweise Ex-Bundesbank-Chef Jens Weidmann oder jetzt sein Nachfolger Joachim Nagel. Er – und wenige andere Stabilitätsbanker – können sich gegen die andere Notenbanker kaum durchsetzen.

Deutsche werden kalt enteignet

Sinn plädiert für einen breiten öffentlichen Diskurs zu diesem Thema. Deutschland ist zurzeit leider mit anderen Themen beschäftigt. Die für den 21. Februar 2022 angekündigte Hart-aber-fair-Sendung „Preisschock überall: Gerät die Inflation außer Kontrolle?“ wurde zugunsten des Themas „Putin macht ernst: Beginnt jetzt ein Krieg um die Ukraine?“ verschoben. Zumindest widmete der „Spiegel“ eine Ausgabe dem Thema „Die kalte Enteignung“, gemeint ist damit die Inflation.

Die Deutschen werden sich vermutlich erst dann gründlich mit dem Thema beschäftigen, wenn es so richtig weh tut und an die Existenzgrundlage geht.

die-wundersame-geldvermehrung „Die wundersame Geldvermehrung“ (Gebundene Ausgabe)
Staatsverschuldung, Negativzinsen, Inflation
Hans-Werner Sinn
Verlag Herder, 1. Auflage 2021
Gebunden mit Schutzumschlag, 432 Seiten
Preis: 28 Euro
ISBN: 978-3-451-39127-9

 

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

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4 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • […] im Februar 2022 lag die Inflationsrate über fünf Prozent – und das dürfte erst der Anfang sein. Angesichts des Preisauftriebs wird […]

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  • […] Chefin Christine Lagarde? Nichts! Sie denkt gar nicht daran, die Geldflut einzudämmen und die Leitzinsen anzuheben. Das heißt, es wird munter weiter Geld generiert, das die Inflation weiter anheizen […]

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  • […] einige Rentnerinnen und Rentner, bringt das Entlastungspaket bares Geld – das gilt vor allem für ärmere Rentnerinnen und Rentner, die unterhalb der Grundsicherungsgrenze liegen: Wer weniger als 865 Euro im Monat zur Verfügung […]

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  • Hans Elmar
    7. Juli 2024 11:54

    Das Thema finanzielle Stabilitaet ist sicherlich extrem wichtig. Eine Loesung konnte Professor Sinn nicht bieten. Da Deutschland seine Finanzen der EZB uebertragen hat muss es sich deren Politik auch fuegen. Es ist zumindestens klar erkennbar dass am deutschen Wesen die Welt nicht mehr genesen kann. Alle Laender muessen voneinander lernen.Politiker muessen in die Verantwortung gezogen werden. Da kann die gesamte EU noch viel von der Schweiz lernen. Mit mehr Buergerbeteiligung sind viele Verbesserungen moeglich und der Egoismus der unterschiedlichen Interessengruppen muss unbedingt unter Kontrolle gebracht werden.

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Helmut Achatz

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