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#Draghi öffnet verbotener Staatsfinanzierung Tür und Tor“, twittert Oliver Stock vom „Handelsblatt“. Ein geheimes Abkommen mit der Europäischen Zentralbank (EZB) erlaube den Notenbanken des Euro-Systems, in großem Stil Wertpapiere zu kaufen. In Berlin vermute man „klammheimliche Staatsfinanzierung“ und fordere umfassende Aufklärung von Draghi. Klingt alles weit weg, bedeutet aber für Ruheständler – und alle anderen – eine Aushöhlung des Geldwerts. Der Euro von morgen wird weniger wert sein als der von heute, um es auf einen einfachen Nenner zu bringen. Juckt uns das? Offensichtlich nicht so richtig. Sollte es aber. „Der gehört vor Gericht! Warum lässt sich der Pöbel sowas gefallen?“, twittert die „pink-liberale“ Jenny in ihrem Blog „Pinksliberal“. Mit „Pöbel“ sind wir alle gemeint. Das Wort heißt nichts anderes als Volk. Allerdings insinuiert Pöbel einen Mangel an Intelligenz.

Wird der Euro zur Lira?

Und dabei geht es nicht um eine paar Milliardchen, sondern um richtig viel Geld: Das „Handelsblatt“ schätzt die „Gesamtsumme dieser Investitionen“ auf rund 575 Milliarden Euro. Das sei doppelt so viel wie im Jahr 2006. Bis Ende 2014 seien die Wertpapierkäufe sogar auf mehr als 720 Milliarden Euro gestiegen. Besonders die Banca d’Italia und die Banque de France sollen dem „Handelsblatt“ zufolge demnach sehr aktiv gewesen sein. Grundlage sei das sogenannte Anfa-Abkommen (Agreement on the Net-Financial Assets) – eine geheime Vereinbarung zwischen der EZB und den Notenbanken des Euro-Systems über Wertpapierinvestments. Die „Frankfurter Allgemeine“ schreibt von „Gelddrucken im Keller“. Auf diese Weise entstehen „graue Euros“.

Was das mit der Altersvorsorge zu tun hat?

Diese Politik wirkt sich auf die Altersvorsorge aus, wie mein gestriger Blog-Beitrag „Wie sich der Niedrigzins auf die Altersvorsorge auswirkt, denn die Versicherungen erzielen mit Anleihen immer weniger Rendite, wodurch die Überschussbeteiligung sinkt und damit auch die Altersvorsorge so langsam bröselt. Der Euro wird über kurz oder lang zur Lira. Wie kommentiert Eugen Klaholz auf der FAZ-Seite so schön: „Diese ganze künstliche Geldschöpfung der EZB wird uns noch früher oder später um die Ohren fliegen. Allein schon die Tatsache, dass diese Dinge im stillen Kämmerlein von div. Zentralbanken der EURO-Zone durchgeführt werden, spricht schon Bände. Was hatten wir doch in der Vergangenheit, mit der Deutschen Bundesbank, ein seriöses Institut. Alles ist auf diesem Altar „Euro“ geopfert worden.“ Jörg Mars erklärt ebenfalls auf FAZ Online was das für die Rentner bedeutet: „Die Staatsschulden sehr vieler Staaten sind so untragbar hoch geworden, dass sie mittelfristig zum Kollaps dieser Staaten führen. Um ihnen den Hauch einer Chance zu lassen, rettet man sich in die Inflation, die die Schulden entwerten soll. Genauso aber sämtliches andere Vermögen, ausgenommen Immobilien, Sachwerte, Aktien (die ja Anteile an Unternehmen darstellen, deren Wert nominal natürlich mit der Inflation mitsteigt). Damit entstehen zahlreiche Kollateralschäden und eine Umverteilung von Vermögen, je nach Vermögensart. Die sogenannten “einfachen” Leute sind die Looser (Arbeiter, die meisten Rentner etc.) – die großen Gewinner sind die, die Immobilien (tendenziell jedenfalls) und auf alle Fälle Eigentümer von wertschöpfenden Anlagen sind, wie auch Aktien-Besitzer, deren Kurse allein schon wegen der Inflation tendenziell steigen. Die Gesellschaft danach wird jedenfalls anders aussehen, wenn nicht enorme Rückverteilungsanstrengungen unternommen werden zugunsten der Inflationsverlierer.“

Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Wir sind mitten in einer gigantischen Umverteilungsmaschinerie – das Ende dürfte für die meisten von uns ziemlich schmerzhaft werden.


 

Übrigens, zum Thema „Transparency“ schreibt die EZB:

„Transparency means that the central bank provides the general public and the markets with all relevant information on its strategy, assessments and policy decisions as well as its procedures in an open, clear and timely manner. Today, most central banks, including the ECB, consider transparency as crucial. This is true especially for their monetary policy framework. The ECB gives a high priority to communicating effectively with the public.

Transparency of the ECB’s monetary policy

Transparency helps the public to understand the ECB’s monetary policy. Better public understanding makes the policy more credible and effective. Transparency means that the ECB explains how it interprets its mandate and that it is forthcoming about its policy goals.“

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

4 Comments

  1. […] Startseite » Blogosphäre » Wie EZB-Chef Draghi den Wert unseres Euros aushöhlt […]

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  2. Bitte, liebe Leute, bleibt sachlich…. Mit Verunglimpfungen wie “der Pöbel…” diskreditieren wir die EZB,
    aber noch viel mehr uns selbst. In der Tat ist Herr Dragi hier auf einem für Europa äußerst gefährlichen Weg. Er will unsere stabile Kapitalgrundsicherung durch das Aufgehen in der allgemeinen europäisch schlampigen Wirtschafts- und Finanzpolitik destabilisieren. Das gilt es mit allen Mitteln zu verhindern. Herr Schäuble, Herr Schulz und Herr Juncker sind in Habacht-Stellung. Dennoch sollte jeder von uns sich der Klemme bewusst sein, dass wir mehr und mehr nur noch ein Rädchen im europäischen Getriebe sind, dh. wir müssen uns selbst helfen. Dh. wir destabilisieren selbst den Euro, wenn wir gezwungenermaßen Teile des Vermögens in sicheren Drittwährungen (Dänische, Schwedische, Norwegische Krone) investieren. Auch Investments in Canada $ sind denkbar, aber halt dann “über den großen Teich rüber”…und somit bissl weit weg. Zu aller erst ist Ruhe und Besonnenheit jedenfalls zunächst die größte Bürgerpflicht, dh. heißt eben auch, die Regierung nach allen Kräften zu unterstützen, selbst wenn wir mit der einen oder anderen innenpolitischen Handlung nicht zufrieden sind.
    Viele Grüße
    Georg-W.Moeller

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    1. Habacht … klingt gut, das sollten wir sein und bleiben und das Gras wachsen hören

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