Steuern wir auf eine Hyperinflation zu?

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Heizölpreis verdoppelt, Gas plus 260 Prozent, Kartoffeln plus 106 Prozent – das sieht ganz nach Hyperinflation aus. Wir bekommen immer weniger für unseren Euro. Die Währungshüter schauen tatenlos zu.

„Rekordpreise bei Kartoffeln, Fleisch, Nudeln, Butter – normales Essen wird zum Luxus!“, titelt die „Bild“. Dabei sind die Erhöhung bei Gas und Strom noch nicht beim Verbraucher angekommen, denn viele warten bibbernd auf ihre Nebenkostenabrechnung. Der Schock steht noch aus.

Inflation bei acht Prozent

Schon heute haben wir eine Inflationsrate von rund acht Prozent. Dabei wird es nicht bleiben, denn die Erzeuger und Importeure werden ihre Preiserhöhung auf die Verbraucher abwälzen, weil sie gar nicht anders können. Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes lassen Dramatisches erwarten: Die Preise für pflanzliche Erzeugnisse erhöhten sich im April um +45,7 Prozent und für tierische Erzeugnisse um +35,8 Prozent zum Vorjahresmonat.

Hyperinflation wie in den 20er-Jahren?

Wir wachen gerade in einer anderen Welt auf, die an die 20er-Jahre des vorigen Jahrhunderts erinnert als Arbeiter mit dem Schubkarren beim Lohnbüro vorfuhren, um ihr sauer verdientes Geld abzuholen, für das sie kaum noch etwas bekamen. Zugegeben, ganz so schlimm ist es noch längst nicht, aber bei manchen kommen doch Erinnerungen auf. Einige haben vielleicht noch Geldscheine aus dieser Zeit im Pappkarton auf dem Speicher. Zweimal haben die Deutschen im vergangenen Jahrhundert gelernt, dass Geld nur noch bedrucktes Papier sein kann, wenn der Staat verrücktspielt. Passiert das wieder? Die gegenwärtige Entwicklung lässt Schlimmes befürchten. Kommt es zu einer Hyperinflation wie in den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts?

Eine Million Mark

Eine Million Mark – 1923 war der Höhepunkt der Hyperinflation

 

Was machen Währungshüter bei der Europäischen Zentralbank (EZB)? Bislang haben sie beteiligungslos zugeschaut, wie der Wert des Euro bröckelt. Von der Zwei-Prozent-Marke sind wir mittlerweile weit entfernt. Die ersten Zinsschritte fallen zögerlich aus. Damit lässt sich das Gespenst der Hyperinflation nicht vertreiben.

Mittelstand verlor Stolz und Selbstbewusstsein

FOCUS-Online-Autor Armin Fuhrer hat ein Buch mit dem Titel  „Hunger & Ekstase. Berlin 1922/23“ über die dramatischen Jahre der Inflation geschrieben. Eine Passage aus seinem Buch:

Deutschland lebte 1923 im Taumel einer Hyperinflation, wie es sie vorher und nachher nie wieder in der Geschichte gab. Die Entwertung des Geldes ging so schnell vonstatten, dass die Löhne täglich ausgezahlt wurden und die Frauen der arbeitenden Männer den Lohn direkt von den Fabriktoren oder den Büros abholten und zum Metzger oder Bäcker rannten, um dafür irgendetwas Essbares zu kaufen.
Die Eile war dringend nötig, denn ein Brot, das vormittags noch 2000 Mark gekostet hatte, konnte am Nachmittag schon doppelt so teuer sein. Längst hatte der Koffer oder auch die Schubkarre das Portemonnaie ersetzt, damit all die Geldscheine überhaupt transportiert werden konnten, die zum Einkauf benötigt wurden. Und das, obwohl auf diesen Scheinen längst Millionen und Milliarden gedruckt waren. Die Leidtragenden waren Millionen Menschen überall im Land. Vor allem der Mittelstand, der sich als Träger des Staates fühlte, litt mehr und mehr unter der Geldentwertung. Bankguthaben verloren ihren Wert und spätestens Ende 1920 waren faktisch alle Inhaber von Bankkonten enteignet.
Es ist wichtig das festzuhalten, denn dieser Verlust wirkte sich auf die reale Situation und das Bewusstsein von Millionen Menschen aus. Der Mittelstand verlor sein Geld und zugleich seinen Stolz und sein Selbstbewusstsein. Millionen Menschen erlebten, was stets übersehen wird, ihre ganz persönliche Katastrophe eben nicht erst im Herbst 1923, sondern schon in den Jahren zuvor.

 

 

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3 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Eugen Dinkel
    16. Juni 2022 09:57

    Dass wir Geldscheine mit Schubkarren transportieren müssen, wird nicht mehr passieren, denn für die kommende Enteignung durch Hyperinflation werden weltweit Digitalwährungen vorbereitet.

    Antworten
  • Helmut Achatz
    16. Juni 2022 10:16

    Ja, heute ist es deutlich einfacher, Geld zu generieren.

    Antworten
  • […] Noch nie stiegen die Preise so rasant wie im Mai 2022. Die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte waren im Mai 2022 um 33,6 % höher als im Mai 2021, so das Statistische Bundesamt (Destatis) – das war der höchste Anstieg gegenüber einem Vorjahresmonat seit Beginn der Erhebung im Jahr 1949. […]

    Antworten

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Helmut Achatz

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