Freiheit im Ruhestand?!

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Die einen versauern im Ruhestand, die anderen blühen erst so richtig auf – wie geht’s Patricia Riekel, der ehemaligen „Bunte“-Chefredakteurin damit? Sie hat die Höhen und Tiefen nach dem Job-Ende in ihrem Buch „Wer bin ich, wenn ich nichts mehr bin?“ beschrieben.

Auf die Frage „Wie geht’s dir?“ erwarten Ex-Kollegen vermutlich keine ehrliche Antwort – wenn sie überhaupt dafür Zeit haben, denn sie strampeln ja noch in der Tretmühle. Für sie ist die Rente noch weit weg. Nur die wenigsten wollen sich damit beschäftigen – dabei fängt der Ruhestand mit dem Vorruhestand an. Denn, der Ruhestand will geplant sein.

Freiheit im Ruhestand

Wer so unvermittelt in den Ruhestand stolpert, erlebt möglicherweise sein blaues Wunder. Patricia Riekel hat es prägnant in wenigen Sätzen auf den Punkt gebracht: Und wer ist man noch, wenn man mit dem letzten Arbeitstag alles verliert, was bis dato so wichtig erschien? Die hart erkämpfte Position, das Einkommen, das ganze berufliche Netzwerk, das Gefühl, etwas bewegen zu können – alles futsch. Selbst die Visitenkarte kann in den Reißwolf. Ihr Buch heißt nicht von ungefähr „Wer bin ich, wenn ich nichts mehr bin?“

Riekel hat einen Trost parat: „Es wird besser“. Ja, so noch einiger Zeit begreifen wir, dass wir endlich frei sind – so frei, wie wir sonst nie im Leben waren. Ihr Buch macht Mut, diese Freiheit zu begreifen und auszukosten. Wir müssen niemand mehr Rechenschaft abliefern; wir können über unsere Zeit frei verfügen; wo wir leben wollen, können wir ebenfalls bestimmen.

Vom Beruf in Rente

Sie beobachte mit wachem Geist, was uns bewegt vor, während und nach dem Übergang vom Beruf in den Ruhestand. Übrigens, Frauen haben es da deutlich leichter als Männer, die „unter dem Verlust ihrer Wichtigkeit“ leiden. Als sie dann den „ersten Tag im Ruhestand“ erlebt, ist sie dennoch erstaunt – und stellt fest, „dass dir niemand sagt, wie man befriedigend und erfolgreich aus einem aktiven Berufsleben in den Ruhestand wechselt“. Na, so ganz stimmt das allerdings nicht, denn mittlerweile bemühen sich sogenannte Übergangscoaches genau um Ruheständler.

Denn, eines ist klar, Vakuum breitet sich aus in der ersten Zeit im Ruhestand. Wir müssen uns langsam an andere Abläufe und Routinen gewöhnen, uns ein neues Netzwerk aufbauen und neue Ziele setzen. Riekel hat das ganz richtig erkannt und beschreibt das Gefühl, das sie in dieser Zeit beschlich.

Was wäre ein Buch von Riekel ohne Schönheitsthemen, was Männer vermutlich nicht so ganz nachvollziehen können. Schönheitskorrekturen, Diäten und Krankheiten, einschließlich der richtigen Therapien – das sind die beherrschenden Themen bei Treffen. Sie beschreibt das beredt in ihrem Buch und kommt damit automatisch auf den Sinn des Lebens, und was das mit den Erwartungen der anderen zu tun hat. Im Alter müssen wir nicht mehr den Erwartungen unserer Umwelt gerecht werden. Wir müssen uns ihr Wohlwollen nicht mehr verdienen – auch das ist Freiheit.

Reisen mit leichtem Gepäck

Irgendwann kommt dann dich der Blick auf den Ballst, den wir so im Leben angehäuft haben. Dabei ist dir klar, dass es „sich leichter reist mit leichtem Gepäck“, wie die Gruppe „Silbermond“ singt.  „Denn eines Tages fällt dir auf – es ist wenig, was du wirklich brauchst“, auch so eine Erkenntnis, die im Alter kommt. Riekel scheint sich damit allerdings schwer zu tun. Sie outet sich als „Fashionista“ und sammelt ihre Kleider, wovon sie auch keines aus der Hand geben will. Für einen Mann ist das nur schwer nachvollziehbar, aber Frauen dürften sicher ihren Spaß beim Lesen haben. Klingt für einen Mann eher anstrengend, denn amüsant.

Beim Aufräumen kommen Riekel Gedanken über Tod und Testament. Wer würde uns vermissen? Für wen wäre das schlimm? Sie spricht aus, was vielleicht einige umtreibt: „Ich fragte mich, wie alte Menschen den Gedanken an den nahen Tod aushalten konnten. Die Gewissheit, dass dann alles ausgelöscht sein wird, was man an Erfahrungen und Wissen in sich trägt. Was für eine Verschwendung, wenn das kostbare Ich für immer in der Dunkelheit der Zeit versinkt!“ Aber auch das Abschiednehmen gehört zu dieser Lebensphase, wie Riekel richtig erkannt hat – und zu begreifen, das Leben zu leben, spätestens im Ruhestand.

Role-Models als Alters-Ikonen

Riekel führt natürlich ein privilegiertes Leben ohne finanzielle Sorgen, anders als Millionen anderer Frauen im Alter. Deswegen hat sie auch Zeit genug, sich mit der „Differenz zwischen der inneren und äußeren Wirklichkeit“ auseinanderzusetzen. Dabei schielt sie auf Frauen wie die Berliner Kultfigur Lotti Huber oder das Oldie-Model Jan de Villeneuve und Benedetta Barzini. Sie widmet einige Seiten dem Model Simone Jacob, die für Riekel Role-Model ist – da schimmert wieder die Ex-„Bunte“-Chefredakteurin durch.

Was tun mit der restlichen Zeit? Diese Fragen treibt Riekel in ihrem Buch um. Sie erzählt dann das Beispiel von Uschi Glas, die sich für die gemeinnützige Organisation brotZeit engagiert. Riekel leitet daraus den Tipp für Ruheständler ab: „beweglich bleiben – und aktiv auf andere zugehen“. Es gehe um das Gefühl, noch Teil der Gesellschaft zu sein. Dabei gilt immer: „Alles, was nach dem Berufsleben kommt, ist nicht Pflicht, sondern Kür“.

Das Buch macht Mut zum Ruhestand – also, worauf noch warten? „Marschieren Sie los! Gleich jetzt“, so Riekels Rat.

ABC für den Ruhestand

Zum Schluss – und als Orientierung – breitet sie ihr persönliches ABC für den Start in einen geglückten Ruhestand aus. Dieses ABC reicht von „A“ wie „Abenteuer“ bis „Z“ wie „Zeitdiebe“.

Wer bin ich, wenn ich nichts mehr bin?
Patricia Riekel
Hardcover mit Schutzumschlag, 288 Seiten
Verlag: Heyne
ISBN: 978-3-453-20736-3
20,00 Euro

 

 

 

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Helmut Achatz

Macher von vorunruhestand.de

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