Die besten Rentenjahre sind vorbei

Finanzen

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Alle Säulen der Rente bröckeln. Die Negativzinsen wirken sich auf die Altersvorsorge aus. Die Steuern steigen. Sozialabgaben zehren die Rendite auf. Wenn die Babyboomer in Rente gehen, sind die besten Jahre vorbei.

Die Spatzen pfeifen es von den Dächern: Der Garantiezins der Lebensversicherungen löst sich im Nichts auf. Die Finanzmathematiker der Versicherungen (Aktuare) empfehlen schon lang, den Höchstrechnungszins, wie der Garantiezins offiziell heißt, zum 1. Januar 2022 für Neuverträge von jetzt 0,9 auf 0,25 zu senken, so der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV), Guido Bader. Damit wird deutlich, dass Lebensversicherungen ein Minus-Geschäft sind, denn die Kosten sind höher als der Garantiezins.

Die Negativzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) schlägt mittlerweile auf die Altersvorsorge der Deutschen durch – Negativzinsen fressen das Ersparte und die Ansprüche auf.

Die besten Rentenjahre sind vorbei

Wann dämmert es den Deutschen, was ihnen im Alter blüht? So langsam begreifen zumindest einige, was Negativzinsen für ihre Altersvorsorge bedeuten. Weltsparen, die Plattform für Geldanlage, hat gemeinsam mit den Meinungsforschern von Civey mehr als 2500 Menschen befragt, welche Auswirkungen die Niedrig- und Negativzinsen auf ihre Altersvorsorge haben. Die Ergebnisse zeigen, dass das Vertrauen in die staatliche Rente verloren ist.

Rund drei von zehn Deutschen (28,5 Prozent) machen sich aufgrund der Niedrig- und Negativzinsen finanzielle Sorgen um ihren Ruhestand. Es sind aber nicht nur die aktuell niedrigen Zinsen, die dazu führen, dass sich Deutsche bei den Gedanken an ihren Ruhestand den Kopf zerbrechen. Über ein Drittel aller Befragten gab an, dass sie kein Vertrauen in die staatlichen Renten haben. Besonders groß ist das Misstrauen bei den 40- bis 49-jährigen, von denen mehr als die Hälfte (53,2 Prozent) die staatlichen Renten als Grundlage finanzieller Sicherheit im Alter bezweifelt. Leider verlassen sich viele immer noch nur auf die staatliche Renten und werden im Regen stehen, wenn sie in Rente gehen.

Worauf bei der Altersvorsorge achten

Damit am Ende des Berufslebens keine Überraschung auf die Menschen zukommt, gibt Rentenexperte Dr. Alexander Kihm von Raisin Pension drei einfache Tipps, worauf bei der Altersvorsorge gerade in der Niedrigzinszeit zu achten ist.

3 Tipps für die Rente

  1. Rentenbescheide regelmäßig überprüfen

    Nahezu jeder zweite Rentenbescheid für die gesetzliche Rente ist laut des Bundesverbands der Rentenberater fehlerhaft. Regelmäßiges Überprüfen der angerechneten Rentenzeiten innerhalb der Widerspruchsfrist von vier Wochen und eine Rentenkontoklärung können helfen, dass beispielsweise Ausbildungs- und Kindererziehungszeiten berücksichtigt werden.

  2. Rentenlücke ermitteln und Rentenziel festlegen:

    Es kann nicht oft genug gesagt werden, die Rentenlücke zwischen gesetzlicher Rente und dem Bedarf zum Leben wird nach wie vor massiv unterschätzt. Oft werden Gehaltssteigerungen im Laufe des Erwerbslebens nicht berücksichtigt und die eigene Lebenserwartung unterschätzt. Beim einfachen Berechnen hilft zum Beispiel das Raisin Pension Cockpit.

  3. Bestehende Anlagen prüfen und Optionen abwägen

    Anstatt sich nur punktuell in Verkaufsgesprächen einen Überblick über seine aktuelle Rentensituation zu verschaffen, sollten auch bestehende Anlagen regelmäßig gecheckt werden. Wie hoch sind die Kosten, die Rendite und passt die Anlage noch zur Rentenlücke? Es empfiehlt sich, die identifizierte Lücke mit kostengünstigen Produkten zu schließen. Vertrag abgeschlossen – und gut? Nicht ganz. Anlagen zur Altersvorsorge sollten nicht nur vor Abschluss, sondern auch bei jeder größeren familiären und beruflichen Änderung sowie einmal jährlich kurz geprüft werden.

Städtevergleich

Sparen kann verschiedene Gründe haben. Zum Beispiel, weil die gesetzliche Rente nicht ausreichen wird und deshalb privat vorgesorgt werden muss. Weltsparen hat gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut Respondi analysiert, wie sich Großstädter aus Frankfurt, Berlin, München, Hamburg, und Köln um ihre Altersvorsorge kümmern. So sieht die Verteilung aus:

BerlinFrankfurtHamburgKölnMünchen
Ja40,7 %53,3 %53,0 %50,3 %53,0 %
Nein59,3 %46,7 %47,0 %49,7 %47,0 %

Die Umfrage zeigt: 60 Prozent der Berliner sorgen überhaupt nicht für das Alter vor. Am meisten sorgen die Frankfurter vor. 53 Prozent der Befragten gaben an, zusätzlich zur gesetzlichen Rente oder Pension für ihr Alter vorzusorgen.

Am meisten setzen die Großstädter auf die betriebliche Altersvorsorge. Auch Lebensversicherungen und die Riester-Rente sind beliebt, dicht gefolgt von Wertpapieren. Jeder dritte Frankfurter setzt auf eine betriebliche Altersvorsorge, in Berlin sind es dagegen nur knapp 18 Prozent. Auch Anleihen, Fonds Aktien und ETFs werden insbesondere von Frankfurtern genutzt, um für das Alter Geld anzulegen.

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6 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Nobby Cooper (norbert böttcher)
    2. Dezember 2020 19:29

    Schon früh wurde ich in der Familie mit dem Thema Rente konfrontiert. Der Großvater war selbstständiger Bäckermeister und hatte sich auf seine Fabrik und seine Häuse fürs Alter verlassen. Währungsreform, Krieg und Bomben zerstörten seine Altersträume.
    Diese Erfahrungen und Diskussionen kamen bei Familientreffen immer wieder hoch, da die Onkel und Tanten stets ihrem Vater Vorhaltungen machten, den Reichtum nicht über die Hitlerzeit erhalten zu haben.
    Großvater lebte im Alter vom gepachteten Bauernhof und verkaufte seine Schweine, Hühner sowie Eier und Gemüse an den örtlichen Einzelhandel. Nebenbei betrieb er noch einen kleinen Kiosk oder Büdchen und hielt sich so ganz gut über Wasser. Er sagte immer, Geld ist nicht das Wichtigste, sondern Zufriedenheit und Frohsinn. Er hätte alles gehabt und wäre heute auch so mit Oma glücklich und zufrieden.
    Diese Erfahrung lies mich schon beim Berufseintritt an die spätere Rente denken und ich hatte Chefs und Arbeitskollegen, die sich auskannten und mir Hilfestellung gaben. Bei Gehaltsverhandlungen hatte ich also immer auch die spätere Rente im Blick. Die Info’s der DRV-Bund wurden studiert und bald war ich in den Augen anderer ein richtiger Rentenprofi. Als dann der Ruhestand näher kam, war zu entscheiden, ob man sich weite Arbeitswege, verursacht durch Fuionen des Unternehmens, mit allen Risiken weiter antut oder mit Abschlägen in die Rente wechselt.
    Das war dann schnell ausgerechnet, denn ich hatte in jedem Jahr den Zuwachs der Rente, nach den Mitteilungen des AG an die Rentenkasse, aktuell auf dem neuesten Sand gehalten.
    Nicht nur für mich war diese Rechnung wichtig, sondern auch für Freunde und Kollegen, denen ich mit meinem Wissen half, ihre zukünftigen Renteneinnahmen – bis auf wenige Prozent Abweichungen – zu errechnen.
    Über die Arbeitsjahre hatten wir natürlich auf alle 3 Rentensäulen gesetzt. Nur, wir hatten die Rechnung ohne die Politik gemacht. Die Schröderregierung führte im Jahre 2003/2004 die Agenda 2010 ein und alle weiteren Regierungen ließen diese „Daumenschrauben“ weiterlaufen, obwohl sich die wirtschaftliche Entwicklung besserte und man auch die ein oder andere Entscheidung hätte zurückführen/-nehmen können.
    1) DRV-Bund Rente
    So fehlt heute am Wert des Entgeltpunktes durch zahlreiche Nullrunden und Minizuschlägen ein Wert von ca. € 6,50. Mit den Entgeltpunkten des Durchschnittsrentners berechnet, ist das schon eine stolze monatliche Einbuße (45 EP x € 34,19 Bruttorente)
    Weiterhin wurden KV und PV Abgaben zwischen AG und AN zu Lasten des AN umverteilt. (Zusatzbeitrag bis Ende 2019)
    2) Werksrente
    Für diese 2. Säule der Altersvorsorge lastete man dem Rentner den AG-Anteil zusätzlich auf. So waren hierfür nun die Abgaben für KV und PV in voller Höhe vom Rentner zu zahlen. (heute ca. ~ 20%)
    3) Direktversicherungen
    Diese Form der Altersvorsorge wurde ohne Bestandsschutz – auch für bereits abgeschlossene Verträge – mit Sozialabgaben belegt und zwar in voller Höhe (heute ca. ~ 20%), egal nach welchem Modell die Einzahlungen erfolgten. In der Regel erfolgten die Einzahlungen aus dem Verdienst des AN, z.B.: Weihnachts- oder Urlaubsgeld oder sonstige Tantiemen. Also aus bereits mit Sozialabgaben und Steuern belastetem Verdienst. Man spricht daher auch von der sog. „Doppelverbeitragung“.

    Ein Durchschnittsrentner mit 45 Entgeltpunkten, einer Werksrentner mit monatlich € 350 und einer kleinen Direktversicherung von € 30.000 hat so in 10 Jahren ca. € 40.000 eingebüßt.
    Hier sind die Rechnungen dazu zu finden:
    im Internet:
    http://www.sozial-info.jimdifree.com
    http://www.meine-rente.jimdofree.com

    Antworten
  • Norbert Wichmann
    3. Dezember 2020 05:59

    Es wäre ja so schön, wenn dann die betriebliche Altersvorsorge später voll zur Auszahlung kommen würde. Aber Flötepiepen, alles oberhalb eines Freibetrages von 159,25€ wird mit doppelten Sozialbeiträgen belastet.

    Antworten
  • Helmut Achatz
    3. Dezember 2020 06:31

    Richtig, der Staat macht unsere Lebensplanung obsolet und greift ständig in die Taschen der Bürger.

    Antworten
  • Und wenn die Politiker darauf kommen, das Jahr 1952 zu wiederholen , droht vielen der Supergau! 1952 mussten die Bürger die Hälfte ihrer Ersparnisse der Allgemeinheit abgeben. Eine sogenannte Sonderabgabe, um vieles nach dem Krieg aufzubauen. Wenn so etwas wieder passieren sollte, wird die private Altersvorsorge da absurdum geführt. Der fleißige Sparer, der für das Alter vorgesorgt hat, damit er vielleicht den Eigenanteil am Heimplatz von 2500 Euro oder mehr monatlich zahlen kann, muss die Hälfte für die abgeben, die alles verprasst haben und nun profitieren. Da schaut man gewiss ganz schön blöd aus der Wäsche. Daher bloß nicht rot rot grün wählen. Denen traue ich das zu. Nicht Neoliberalismus, sondern Neokommunismus.

    Antworten
  • Ich gehöre zu den sog. Babyboomern. Ein paar Jahre sind es noch bis zur Rente. Ich arbeite seit einigen Jahren daran, mein Leben zu vereinfachen. Motto: Weniger Kram, mehr Leben: Weg mit dem Kostenkiller Auto – ich wohne so, dass Carsharing und ÖPNV in der Nähe ist. Die meisten Wege mache ich inzwischen zu Fuß – bewegen bringt Segen. Weg mit sämtlichen unnötigen Kram, dadurch kann ich auf kleinem Raum wohnen – weniger Miete, weniger Heizung, weniger Ärger mit technischen Geräten und geplanter Obsoleszenz.

    Antworten

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