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Mit 63 oder später in Rente gehen? Vieles geht. Wer Rente beziehen will, muss aber selbst aktiv werden und einen Rentenantrag stellen. Was dabei zu beachten ist.

Mit oder ohne Abschläge in Rente, mit 63 oder später? Das kommt drauf an. Aber egal mit welchem Alter, vor der Rente steht der Rentenantrag – und den muss jeder selbst aktiv beantragen. Wie geht das?

Bevor jemand einen Rentenantrag stellt, sollte er sich überlegen, ob er die Voraussetzungen erfüllt.

Nur so viel vorweg: Bei der Rente wird unterschieden zwischen

  • Regelaltersrente
  • Rente für langjährige Versicherte
  • Renten für besonders langjährig Versicherte
  • Erwerbsminderungsrente

Ein Rentenantrag ist immer zwingend. Die Deutsche Rentenversicherung informiert ausführlich über den Rentenantrag. Auch dort steht: „Die Rente kommt nicht automatisch, wenn Sie das Rentenalter erreichen. Denn alle Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung gibt es nur auf Antrag – so schreibt es der Gesetzgeber vor. Deshalb müssen Sie unbedingt einen Antrag stellen, um Ihr Rentenverfahren einzuleiten. Wir empfehlen, das etwa drei Monate vor dem beabsichtigten Rentenbeginn zu tun.“

Keine Angst vor dem Rentenantrag. Das „Antragsformulare dient quasi als Checkliste“. So ist es. Vieles ist schon im Vorfeld geklärt, denn jeder gesetzlich Versicherte hierzulande bekommt ab dem 27. Lebensjahr eine Renteninformation, in der wichtige Daten vermerkt sind“. Worauf ist dennoch zu achten?

So stelle ich den Rentenantrag

Der Rentenantrag stellen bei ihrem Träger, sprich der Deutschen Rentenversicherung (DRV) – und dafür gibt es verschiedene Wege.

  1. Online: Jeder kann seinen Rentenantrag online stellen auf der Internetseite der DRV. Der Antragsteller muss möglicherweise einige Formulare per Post an die DRV schicken.
  2. Per Post: Den Rentenantrag kann jeder auch zuhause auf Papier ausfüllen und per Post an die DRV schicken. Die Formularen gibt’s zum Herunterladen oder bei den Auskunfts- und Beratungsstellen der DRV.
  3. Persönlich: Warum sich nicht persönlich beraten lassen? Die Beratung durch einen Mitarbeitern der DRV ist kostenlos. Manche Fragen lassen sich vor Ort schnell und unkompliziert klären. Also keine Scheu. Aber unbedingt einen Termin vereinbaren. .

Was den richtigen Zeitpunkt beim Rentenantrag betrifft. Am besten den Rentenantrag drei Monate vor dem geplanten Renteneintritt stellen – und dran denken, die DRV ist sehr gefragt, also lieber früher als zu spät anrufen. Wer sich zu lange Zeit lässt, muss damit rechnen, dass die Rente später kommt.

Was verlangt die DRV an Unterlagen?

Vieles liegt der DRV ja schon vor, aber an einiges sollten sie beim Rentenantrag dennoch denken. Die DRV hat es auf ihrer Seite übersichtlich aufgelistet. Dazu zählen:

  • Ihre Rentenversicherungsnummer
  • Ausweisdokument in Kopie
  • Informationen über Kranken- und Pflegeversicherung
  • Ihre Steueridentifikationsnummer
  • Bankdaten
  • Geburtsurkunden der Kinder
  • Nachweise über Ausbildungen
  • Info über die Krankenkasse
  • Angaben über letzten Bruttoverdienst

Die Versicherungsunterlagen sorgfältig prüfen. Wenn Zeiten fehlen, versuchen sie zu dokumentieren. Alles zählt für die Höhe der Rente. Das gilt erst recht für alle, die  schwerbehindert, arbeitslos oder in Altersteilzeit sind. Der Antragsteller kann das alles mit dem Berater der DRV in Ruhe besprechen. Unbedingt den  Versicherungsverlauf prüfen: Ist alles vollständig. Nachweise über Zeiten der Arbeitslosigkeit unbedingt einreichen.

Wie viel Rente bekomme ich?

Für die Berechnung der Renten gibt es eine Rentenformel. Die ist kompliziert. Das muss aber niemand schrecken. Die DRV hat auf ihrer Internet-Seite hilfreiche Rechner, mit denen sich die Höhe ziemlich gut abschätzen lässt. Die wieder ist abhängig vom Verdienst während des Arbeitslebens.

Gesetzliche Rente:

Wie hoch die Rente ausfallen wird, lässt sich bereits anhand der jährlichen Rentenauskunft. Die endgültige Höhe im Rentenbescheid kann davon abweichen, weil vielleicht noch Ausbildungszeiten nachgereicht wurden oder andere Unterlagen.

Was ist die Renteninformation?

Ab dem 27. Lebensjahr bekommt jeder jährlich seine Renteninformation. Das ist noch kein Rentenbescheid, aber die Renteninformation lässt schon erahnen, wie viel jeder später in der Rente bekommen wird. Was steht genau in der Renteninformation drin, was bedeutet das? Wie lese ich meinen Rentenbescheid?

Regelaltersrente:

Was heißt Regelaltersrente und was sagt das Datum aus? Was die Deutsche Rentenversicherung zur Regelaltersrente sagt: „Seit dem Jahr 2012 wird für ab 1947 Geborene die Regelaltersgrenze schrittweise von 65 auf 67 Jahre angehoben. Für die Geburtsjahrgänge ab 1964 ist dann im Jahr 2031 67 die Regelaltersgrenze. Wer seine Rente früher erhalten will, muss in aller Regel Abschläge in Kauf nehmen. Die ständig steigende Lebenserwartung der Bevölkerung macht es nötig.“ Wer also beispielsweise 1954 geboren wurde, geht in der Regel mit 65 plus acht Monaten in Rente. Wer früher in Rente geht, muss Abschläge hinnehmen – für jeden Monat früher 0,3 Prozent. Wer 45 Beitragsjahre zusammenbringt, kann schon mit 63 Jahren gehen – ohne Abschläge.

Altersgrenze für abschlagsfreie Rente mit 63

GeburtsjahrAnhebung in MonatenRentenalter*
1952063
1953263+2
1954463+4
1955663+6
1956863+8
19571063+10
19581263+12
19591463+14
19601663+16
19611863+18
19622063+20
19632263+22
19642463+24

Wobei das zu ergänzen ist: Die abschlagsfreie Rente mit 45 Beitragsjahren wird auch mit jedem Jahrgang angehoben. “Die Rente ab 63 gilt nur für Versicherte, die vor dem 1. Januar 1953 geboren sind und deren Rente nach dem 1. Juli 2014 beginnt und die die sonstigen Voraussetzungen erfüllen”, so die Deutsche Rentenversicherung. Für Versicherte, die nach dem 1. Januar 1953 geboren seien, steige die Altersgrenze mit jedem Jahrgang um zwei Monate. Das heißt konkret, wer nach dem 1. Januar 1964 geboren wurde, kann nach 45 Beitragsjahren abschlagsfrei in Rente gehen, wenn er das 65. Lebensjahr vollendet hat. Das trifft aber nur Beschäftigte, die nach der Lehre gleich gearbeitet haben – und zwar ohne Pausen bis zum 63. Lebensjahr. Ein Studium ist frührenten-schädlich.

Kranken- und Pflegeversicherung:

Wer glaubt, er bekommt seine Rente eins zu eins ausgezahlt, sollte diesen Traum schnell begraben. Auf die Brutto-Rente werden Krankenversicherungs- und Pflegeversicherung fällig – ja und seit neuestem auch noch ein Zusatzbeitrag zur Krankenkasse. Für die Krankenkasse werden 7,3 Prozent fällig, für die Pflegeversicherung 2,55 Prozent und der Zusatzbeitrag macht ein Prozent aus.

Steuern:

Ja, Rentner müssen Steuern zahlen, wobei das so pauschal auch nicht gilt, denn betroffen sind vor allem Ruheständler mit hohen (gesetzlichen) Renten oder Zusatzeinkommen wie Mieten, Kapitalerträgen und Betriebsrenten. Was ist hoch? Ganz konkret gesprochen, wer mehr als 9408 Euro Rente bezieht und andere Einkünfte hat, muss eine Steuererklärung abgeben. 9408 Euro, das ist der Grundfreibetrag, der 2020 für Ledige gilt, bei Verheirateten sind doppelt so viel. Herunter gebrochen auf den Monat bedeutet das: 784 Euro oder 1568 Euro. Ach ja, da gibt es ja noch den Altersentlastungsbetrag und Werbekosten sowie Sonderausgaben. Und der Besteuerungsanteil steigt von Jahr zu Jahr – wer 2017 in Rente geht, hat einen Besteuerungsanteil von 74 Prozent.

Erwerbsminderungsrente:

Nicht alle schaffen es bis 63 Jahre, geschweige denn bis 65 plus. Wer vorher bereits nicht mehr kann und täglich nicht längere als drei Stunden Arbeit durchsteht, kann Rente wegen Erwerbsminderung – und zwar voller – beantragen. Dann bekommt er den in der Renteninformation ausgewiesenen Betrag. Wer indes zwischen drei und sechs Stunden täglich arbeiten kann, hat Anspruch auf 50 Prozent der Erwerbminderungsrente. Vorsicht! Die Rentenversicherung ziert sich, bevor sie Erwerbsminderungsrente zahlt – und verlangt ein ärztliches Attest und erwartet, dass entsprechend vorher Rentenbeiträge gezahlt worden sind.

Rentenhöhe:

Das bisher Erreichte: Also vor 63 Jahren gibt’s normalerweise keine Rente – und das gilt selbst für die besonders langjährig Versicherten, die auf 45 Beitragsjahre kommen. Wer allerdings früher aufhören will und nicht mehr in die Rentenkasse einzahlt, hat ja Ansprüche angesammelt. Wie viel das ist, steht in der Renteninformation. Das Geld zahlt die Rentenversicherung allerdings erst mit Rentenbeginn aus. Wer brav bis zur Regelaltersgrenze eingezahlt hat, darf eine monatliche Rente von … erwarten – wie gesagt, im besten Fall.

Rentenanpassung:

„Aufgrund zukünftiger Rentenanpassungen kann die errechnete Rente in Höhe von …. Euro tatsächlich höher ausfallen“, schreibt die Rentenversicherung. In den vergangenen Jahren sind die Renten ganz ordentlich gestiegen, ob das 2021 wieder so sein wird, ist wegen den Folgen der Corona-Krise mehr als fraglich.

Anpassungssatz:

Klingt etwas sperrig, ist aber nichts anderes als eine Wahrscheinlichkeitsrechnung. Die Deutsche Rentenversicherung prognostiziert, wie hoch die Rente ausfallen könnte, wenn sie jedes Jahr beispielsweise um ein Prozent steigt oder sogar zwei Prozent. Verlassen sollte sich allerdings niemand darauf, denn in der Vergangenheit gab es schon mehrmals Nullrunden, so 2004 bis 2006 und 2010, 2013 fiel die Erhöhung im Westen mit 0,25 Prozent auch eher bescheiden aus.

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

3 Comments

  1. Ich habe einen Aufhebungsvertrag unterschrieben, in dem steht, das ich zum frühestmöglichen Termin (63) in Rente gehe.

    Die wirtschaftliche Situation in unserem Privathaushalt hat sich aber geändert durch den Gesundheitszustand meiner Frau, wodurch sie jetzt weniger verdient. Ich kann aber zum Vertragsende von Fa. A zu Vollzeit bei Fa. B. neu anfangen. Ich würde also nicht in Rente gehen, sondern weiterarbeiten.
    Wäre das möglich? Ich denke, ich kann in dieser Situation doch entscheiden, dass ich später in Rente gehe, oder?

    Antworten

    1. Helmut Achatz 30. Juni 2020 at 9:23

      Spontan würde ich sagen: ja. Ich denke, es kann nicht schaden, sich das von der Rentenversicherungen durchrechnen zu lassen. Die Beratung bei der Deutschen Rentenversicherung ist übrigens kostenlos. Einen Rentenberater finden Sie sicher in Ihrer Nähe.

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  2. Herbert Wendland 18. Juni 2020 at 8:27

    Um Irrtümer zu vermeiden. Ich bin für den wohlverdienten Ruhestand und für eine dem Arbeitsleben entsprechende Rente. Ich bin auch ein mit über 20000 € geschädigter Direktversicherungsgeschädigter.
    Um diese zu erlangen, ist eine angemessene Entlohnung notwendig, keine prekären Arbeitsverhältnisse und keine Leiharbeit. Beides diente und dient vor allem der Bilanzaufbesserung der Regierenden.
    Und diese verwerflichen Arbeitsinstrumente werden mittlerweile von vielen auch Klein- und Familienunternehmen genutzt.
    Um das Auskommen im Alter zu sichern, gehört neben der Abschaffung de zuvor genannten Instrumente aber auch Ehrlichkeit.
    Und das bedeutet, dass es finanzmathematisch nicht funktioniert, mit 63 in Rente zu gehen, am besten noch ohne Abzüge u. diese dann 30 Jahre mit den inflationsbedingten Erhöhungen zu genießen.
    Anstatt den Menschen immer wieder Schlupflöcher aufzuzeigen, sollten wir lieber für altersgerechte Arbeitsplätze kämpfen. Denn, wer von der Regel abweicht, der schädigt die Ehrlichen und die welche sich an Vereinbarungen halten.

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