Wie Spaniens Rentensystem funktioniert

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Spaniens Rentner haben’s besser – das Rentenniveau ist deutlich höher als in Deutschland. Sie können zudem früher in Rente gehen und bekommen prozentual mehr als deutsche Rentner.

Das offizielle Rentenniveau lag der Deutschen Rentenversicherung zufolge 2020 bei 48,2 Prozent. Wirklich aussagekräftig ist aber zum Vergleich mit anderen Ländern die Bruttolohnersatzquote. Sie gibt die Höhe der Rentenbezüge aus gesetzlichen öffentlichen und privaten Rentenversicherungen im Verhältnis zur Höhe des Verdiensts während der Erwerbstätigkeit wieder. Und da liegt Deutschland laut Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung(OECD) ziemlich abgeschlagen hinter den anderen europäischen Ländern – eben auch hinter Spanien. Für Durchschnittsverdiener mit vollständiger Erwerbsbiografie beträgt die Bruttoersatzquote in Deutschland bei 38 Prozent, in Spanien bei 72 Prozent. Das ähnelt dem Niveau, das hierzulande Pensionäre nach ihrem Beamtenleben bekommen.

Das Rentenniveau von Geringverdienern liegt laut OECD in Spanien bei 78,6 Prozent, von Durchschnittsverdienern bei 83,4 Prozent und Besserverdienern bei 82,8 Prozent. Für Deutschland betragen die Werte 56,1, 51,9 und 51,4 Prozent. Wobei diese Werte nur gelten, wenn jemand geriestert hat, denn vier Prozent Riester-Rente sind darin bereits eingerechnet.

Egal welche Statistik auch hergenommen wird, eines dürfte klar sein – Spanier bekommen prozentual deutlich höhere Renten.

Spaniens Rentensystem

Deswegen lohnt ein Blick auf das spanische Rentensystem.

Die Unterschiede:

  • Spanier bekommen 14 Renten | Deutsche nur zwölf
  • Spanier bekommen eine Mindestrente von 683,50 Euro
  • Mindesteinzahl-Zeitraum sind 15 Jahre | in Deutschland fünf
  • Durchschnittseinkommen in Spanien 2300 Euro | Deutschland 3462 Euro
  • In Spanien reichen 37 Rentenjahre | Deutschland 45 Jahre
  • Lebensarbeitszeit in Spanien 35,3 Jahre | Deutschland 39,1 Jahre
  • Rentenerhöhung an Inflation angepasst | Deutschland: Entwicklung Durchschnittseinkommen

Quelle: Segurad Social

Übrigens, Beschäftigte, die Beiträge in die staatliche Pfandleihe für die Seefahrt (Montepío Marítimo Nacional) oder eine Rentenkasse für Hafenarbeiter eingezahlt haben, können laut „Enterspain“ mit 55 Jahren in Ruhe­stand gehen.

Rente in Spanien

JahrRentenjahre-MinimumRenteneintrittweniger als MinimumRenteneintritt
202037 Jahre653765 J + 10 M
202137 J +3 M6537 J + 3 M66 Jahre
202237 J +6 M6538 J + 6 M66 J + 2 M
202337 J + 9 M6537 J + 9 M66 J + 4 M
202438 J6538 J66 J + 6 M
202538 J + 3 M6538 J + 3 M66 J + 8 M

Quelle: Segurad Social

Bei einem Rentenniveau von 83,4 Prozent bekommt ein spanischer Durchschnittsverdiener, wenn er mit 65 Jahren nach 37 Renten-Jahren in den Ruhestand geht, 1918 Euro Rente. Davon kann ein deutscher Standardrentner mit 45 Rentenjahren nur träumen. Er bekommt 1796 Euro, aber auch nur, wenn er die Riester-Rente mit einrechnet. Hat er nicht geriestert, sind es nur 1658 Euro – und damit annähernd 260 Euro weniger. Das sind alles Durchschnittswerte für einen Standardrentner mit 45 Rentenjahren und durchschnittlichem Verdienst. Tatsächlich bekommt der Durchschnittsrentner hierzulande lediglich 1140 Euro (Männer alte Bundesländer) oder 728 Euro (Frauen alte Bundestländer), weil viele keine durchgehende Erwerbsbiografie vorweisen können oder weniger als der Durchschnitt verdient haben.

Dieser Beitrag ist Teil einer Serie über Rentensysteme im Ausland:

Blüm Was wir von Österreich lernen können Insgesamt zeigt Österreich, dass es auch anders geht – zum Nutzen der Rentner.

 

Die Rente in der Schweiz ruht auf drei SäulenWas wir von der Schweiz lernen können Die Schweizer sind bei der Altersvorsorge ein Vorbild, von dem deutsche Rentenpolitiker 

 

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Helmut Achatz

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