Erst die Finanztransaktionssteuer, jetzt die Aussetzung des Handels von Schweizer Aktien an deutschen Börsen. Die Europäische Union (EU) unternimmt alles, um den Bürgern Aktien madig zu machen. An Schweizer Aktien in ihrem Depot kommen sie zurzeit nicht mehr ran.

Bei jedem Kauf und Verkauf sollen, wenn es nach dem deutschen Finanzminister Olaf Scholz geht, Anleger eine Finanztransaktionssteuer zahlen – egal, ob sie damit Gewinn oder Verlust gemacht haben. Das ist ein Dämpfer für die eh schon schwache Aktienkultur hierzulande. Jetzt hat die EU noch eins draufgesetzt. Seit gestern sind Schweizer Aktien an europäischen Börsen nicht mehr handelbar. Dumm, wer Schweizer Aktien im Depot hat, denn er kann sie weder verkaufen, noch Aktien kaufen.

EU macht Bürgern Aktien madig

Die „Süddeutsche Zeitung“ beschreibt das Problem so: „Der Konflikt zwischen der Schweiz und der Europäischen Union hat am Montag (1. Juli 2019) mit der gegenseitigen Blockade der Börsenzulassung eine neue Stufe erreicht. Die Regierung in Bern verbot zum Schutz des heimischen Börsenplatzes den Handel mit Schweizer Aktien an den EU-Aktienmärkten. Zuvor hatte die EU-Kommission den sogenannten Äquivalenzstatus der Schweizer Börsen auslaufen lassen. Grundsätzlich dürfen Banken und Vermögensverwalter aus der EU an der Schweizer Börse SIX nun nicht mehr handeln, weil die Börsenregulierung in der Alpenrepublik nicht mehr als gleichwertig zur eigenen anerkannt wird. Die SIX ist der viertgrößte Handelsplatz in Europa.“

Deswegen sind bei einigen Banken, darunter der Postbank, Schweizer Aktien im Depot eingefroren. Die Kunden kommen nicht mehr ran. Die Anleger müssen sich gedulden, ob und wie die Banken eine Lösung finden. Bei anderen Banken soll es möglich sein, Schweizer Aktien an der Schweizer Börse zu kaufen und verkaufen, aber mit deutlich höheren Gebühren. Die Postbank schreibt, sie erstelle zurzeit einen Übergangsprozess, der es den Kunden ermögliche, per Telefonorder Verkaufsaufträge an der Schweizer Börse platzieren zu können. „Wir gehen davon aus, dass wir unseren Kunden diesen Alternativprozess Ende der Woche zur Verfügung stellen können“, so Pressesprecher Ralf Palm. Das heißt, ab 8. Juli müsst es wieder möglich sein, Schweizer Aktien zu kaufen und verkaufen. Bei Comdirekt ist es nach eigenen Angaben möglich, Schweizer Aktien im Live-Trading oder Limithandel mit der Commerzbank und Lang & Schwarz zu kaufen und zu verkaufen.

Anleger müssen Streit ausbaden

Das betrifft alle 28 Mitgliedstaaten der EU. Banken und Börsenhändler dürfen an der Schweizer Börse nicht mehr uneingeschränkt mit Aktien von schweizerischen Unternehmen handeln, die auch in der EU gehandelt werden. Zu den Schweizer Aktien gehören auch so Schwergewichte wie Nestlé, Roche und Novartis.

Mit der Aberkennung des Äquivalenzstatus will die EU die Schweiz zwingen, ein Rahmenabkommen zu unterschreiben, dass die Beziehungen zwischen der EU und der Schweiz neu regeln soll. Die Schweizer müssten dann einige Brüsseler Regeln übernehmen, was sie nicht wollen. Der Börsenstreit ist insofern ein Stellvertreterkrieg.

Im Moment ist die Frage, ob die EU europäischen Händlern und Banken den Handel in Zürich erschweren will, um die Schweiz so zwingen, das Rahmenabkommen doch noch zu unterschreiben.

Ausbaden müssen den Streit vor allem Anleger in der EU, denn sie kommen nicht mehr so einfach an ihre Schweizer Aktien – und wenn, dann verteuert sich der Kauf und Verkaufe.

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

3 Comments

  1. Krieger Edgar 4. Juli 2019 at 23:20

    …die frühere Wirtschaftsunion EU war doch rückwärts betrachtet gar nicht sooo schlecht…?Nachbesserung ist ja immer möglich ??
    …also zurück auf Start…?
    auf zur neuen Welt ..????
    aber ohne die Wasserköpfe von Brüssel.???

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  2. Eugen Dinkel 3. Juli 2019 at 20:47

    Dass ein freies Land wie die Schweiz der EU ein Dorn im Auge ist, überrascht nicht.
    Und nach der Schmierenkomödie um die Nachfolge von Juncker kann man die Frage,
    ob man so eine EU braucht, immer deutlicher mit „NEIN“ beantworten.
    Dabei wäre ein politischer und wirtschaftlicher Zusammenschluss der europäischen
    Länder langfristig sinnvoll, um in der Welt eine bedeutende Rolle zu spielen.
    Dass die Briten die EU verlassen wollen, kann man jetzt noch viel besser verstehen.
    Und solange solche Politiker wie Macron nur ihren Kopf durchsetzen wollen, bleibt
    diese EU zum Scheitern verurteilt. Nach den Vorgängen um die Schweizer Aktien
    erscheint das vielen Bürgern sogar von Vorteil.
    Sicher erinnern sich viele noch an Merkel´s Mantra: „Scheitert der Euro, scheitert
    Europa“. Dieser Quatsch ist völlig unglaubwürdig, denn die EU ist nicht Europa.
    Vor einiger Zeit habe ich das anders gelesen: „Scheitert der Euro nicht, dann
    scheitert die EU“.
    Das ist viel realistischer.

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  3. Dirk Feldhinkel 3. Juli 2019 at 12:02

    Es ist wahr. Die EU begibt sich selbst nach postulierter Freiheit des Handels selbst in den Modus der Handelskriege. Seit dem die britische Regierung den Brexit will, will man auf Seite der EU Härte zeigen. Der Chefunterhändler Barnier hat in Mediendokumentationen offen bekannt, dass ihm besonders die Schweizer Sonderregelungen ein Dorn im Auge sind. Das liegt offensichtlich daran, dass die Briten von Beginn an vergleichbare Vorstellungen zum Brexit hatten. Es ist ein Schatten dessen, was beim Brexit noch bevorsteht. Es ist sommerliche Ruhe eingekehrt. Doch es ist eine knisternde Spannung, ohne Lösung in Sicht. Es ist die Ruhe vor dem Sturm.

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