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Tag 28 meiner Tour de France – heute ist er letzte Tag meiner Tour de France. Ja, richtig gelesen. Morgen fahre ich mit dem Zug von Bordeaux zurück nach Straßburg. Warum? Ich will nur so viel verraten – wegen eines Krankheitsfalls in der Familie. Ich spüre, dass da ein Mensch dem Tod näher ist als dem Leben und fühle mich in der Pflicht. Mehr will ich dazu nicht schreiben. Morgen 7.23 Uhr fährt mein Zug und bringt mich nach Straßburg, wo ich abgeholt werde. 

Nur die halbe Tour de France

Es ist also nur eine halbe Tour de France geworden. In vier Wochen habe ich 1860 Kilometer zurück gelegt, mich 19 574 Höhenmeter hochgearbeitet und 87 342 Kalorien verbrannt – wenn stimmt, was mein Rad-Navi gespeichert hat. Ich war 87 Stunden im Sattel und bin zuletzt auf einen Schnitt von 20 Stundenkilometer gekommen. Ich habe zwei Fahrradmäntel verschließen, die Gepäckträgerhalter aufgearbeitet und mir ein Achter im Hinterrad dafür eingehandelt. Pro Tag habe ich sicher mehr als hundert Euro gebraucht – für Hotelzimmer, Essen und Trinken, Eintritte, Zugfahrt und Verschleißteile. Meine Regenjacke blieb unbenutzt. Dafür bin ich einmal in Avignon während eines Regenschauers bis auf die Haut naßgeworden. 

Vier Wochen unfallfrei

„Toi, toi, toi“ blieb mir ein größerer Unfall erspart. Auch sonst hätte ich Glück mit meinen Hotelzimmern und Bed & Breakfast. In den vier Wochen bin ich der französischen Mentalität ein Stück näher gekommen. Die Franzosen halten sich ziemlich strikt an die Mittagspause – von zwölf bis 14 Uhr. Wer später kommt, hat meistens Pech. Franzosen und Französinnen lieben Ringelhemden – weiß-blau quer- und längsgestreift. Das fängt bei den Kinder an und zieht sich bis zum Opa. Das waren nur zwei Beispiele. 

Essen von 12 bis 14 Uhr

Ach ja, das Essen – Franzosen geben spürbar deutlich mehr Geld aus für Restaurantbesuche. Dazwischen darf’s schon mal ein Apperitiv sein oder ein Bierchen – das hier doppelt so teuer ist wie in Bayern. Auch fürs Eis müssen sie tiefer und die Tasche greifen: 2,50 bis drei Euro für eine Kugel sind durchaus normal. 

Das scheint sie nicht davon abzuhalten, Eis zu schlecken. Überhaupt, wer am Abend durch die Straßen bummelt oder radelt, findet überall kleine und große Restaurants, die voll besetzt sind. Ok, heute ist Samstag, da gehen sicher mehr aus als unter der Woche. Aber in Deutschland könnten sich so viele Restaurants nicht halten. 

Wehmut beim Abschied

Ein bisschen Wehmut beschleicht mich schon beim Gedanken an Abschied von meiner Tour de France. Dass sie mich doch nicht übermannt, liegt an zwei Norwegern mit denen ich über die französischen Babybierkrüge gelästert habe und über die Art auf französisch zu zählen. Die Beiden kommen aus Bergen und sind wegen des Cognacs hier. In Bordeaux ist zurzeit Weinmesse und da müssen Kjetil und Nils natürlich dabei sein. Sie haben sich auf Cognac spezialisiert, weil die Norweger angeblich pro Kopf so ziemlich den meisten Cognac trinken. 

Meine Abschlussrunde führte mich dann noch über den Pont de Pierre, die steinerne Brücke Bordeauxs. Beim Überqueren gehen die Lichter an – ein stimmungsvoller Abschied. 

   

Adieu – und bis bald in Deutschland 

  

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

3 Comments

  1. Ruf mal an, wenn Du daheim bist.
    Horst

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  2. Ja, leider. Aber der Krankheitsfall im erweiterten Familienkreis hat es erforderlich gemacht.

    Antworten

  3. Christel Endlich 19. Juni 2017 at 11:34

    Schade, dass Du Deine Tour abbrechen musst! Ich.hatte Deine Berichte gerne gelesen! Arrive bien à la maison à Olching! Grüße aus der Nähe von Stuttgart!

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