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Die Angst vor Altersarmut rückt stärker als andere Themen ins Bewusstsein der Deutschen. Sie machen sich „große“ Sorgen um ihr Auskommen im Alter – und das mit gutem Grund, denn die Rente reicht immer weniger.

Mehr als die Hälfte der Deutschen sorgt sich um die finanzielle Absicherung im Alter, das ergab eine aktuelle Umfrage der Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY). Nur Umweltverschmutzung und Krankheit treibt die Deutschen noch mehr um. Tatsächlich wird die gesetzliche Rente für einen auskömmlichen Ruhestand nicht reichen. Zurzeit ignorieren das noch viele, das ändert sich aber, wie die Studie belegt. Die Angst, im Alter zu verarmen, hatte in der Studie mit 18 Prozent (im Vergleich zum Vorjahr) die höchste Zuwachsrate in der Angstskala. Keine andere Sorge habe für die Deutschen so sehr an Bedeutung gewonnen, stellen die Autoren der Studie fest.

Angst-vor-Altersarmut

Die Angst vor Altersarmut an Position eins der Skala

Angst vor Altersarmut wächst

Mittlerweile hat sich auch bei den Jüngeren herumgesprochen, dass es im Alter mau aussehen wird. „Die Rente ist aus Sicht vieler Deutscher keineswegs mehr sicher, über die Hälfte der Bürger fürchten, im Alter finanziell deutlich kürzer treten zu müssen“, so das Resümee von Bernhard Lorentz, Leiter des Bereiches Government and Public Sector bei EY. Das ist ein doppeltes Problem, denn angesichts der aktuellen Nullzinsphase können die Jungen auch kein Vermögen aufbauen, außer, sie investieren in Aktien und Immobilien, wovon aber viele nichts wissen wollen.

Rentner sind zunehmend unzufrieden

Auch die heutigen Rentner sind mit ihrer finanzielle Situation im Vergleich zu den jüngeren Generationen deutlich unzufriedener. „Nur jeder Dritte Verbraucher über 65 ist mit seiner finanziellen Situation zufrieden“, sagt die Studie. Verbesserung dürfte auch 2019 nicht in Sicht sein. „2018 spürten die Konsumenten eine unerwartet hohe Inflation; Öl und Benzin, aber auch einige Lebensmittel waren teils deutlich teurer als vor einem Jahr“, kommentiert Thomas Harms, Leiter des Bereichs Consumer Products & Retail bei EY die Zahlen. Entsprechend bleibe bei den Bürgern trotzt Lohnerhöhung und Rentensteigerung am Ende weniger Geld im Portemonnaie übrig als vor einem Jahr. Tatsächlich stieg die Inflationsrate im November auf 2,3 Prozent und war im Dezember immer noch bei 1,7 Prozent.

Angst vor Altersarmut – Wenn die Rente nicht mehr reicht – Betroffene bei Peter Hahne – ZDF

Was Wunder, dass die Leute ihr Geld künftig vorsichtiger ausgeben werden. Sparen ist angesagt – und das laut Studie besonders bei Unterhaltungselektronik wie Smartphones und Tablets. Größere Einzelanschaffungen wie Autos oder Küchen sowie Haus- und Wohnungsrenovierungen werden zurückgestellt. Nur beim Urlaub wollen die Deutschen nicht sparen.

Dazu ein Kommentar von Heike Jahberg im „Tagesspiegel“

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

2 Comments

  1. Nicht zufrieden sein reicht nicht!
    Die Regierungsparteien nehmen den Unmut durchaus zur Kenntnis, aber sie unternehmen nichts. Das Nichtstun wird mit „Flickschusterei“ und „Rentenpaketen“ kaschiert, ohne das Problem der systematischen Verarmung der älteren Menschen wirklich anzugehen.

    Seit Mitte der 90er Jahre wurde das Versorgungsniveau für die älteren Menschen durch Gesetze abgesenkt, mit denen einer angeblichen „Demografischen Katastrophe“ entgegengewirkt werden sollte. Regierungen und Medien verbreiten seither, dass sich „die Alten“ es auf Kosten der wertschaffenden Generation „gut gehen lassen“ und dass die jüngere Generation mit der Versorgung der älteren Menschen überfordert wäre.

    In diesem medial unterstützten Gesellschaftbild fehlt allerdings der gesamtgesellschaftliche Ansatz! Selbstverständlich ist es eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, ALLE Menschen im Alter ANSTÄNDIG zu versorgen! Stattdessen wird die Versorgungslast auf die tendenziell schwächeren Schultern der Rentenbeitragszahler abgeladen, während sich alle übrigen Einkommen aus der gesellschaftlichen Verantwortung heraushalten.

    Je mehr technisiert, automatisiert und digitalisiert wird, desto mehr geraten die EInkommen der arbeitenden Menschen unter Druck. Gleichzeitig wächst die Wertschöpfung, die durch diese Rationalisierung und durch die rücksichtslose Ausbeutung der natürlichen Resourcen erzielt wird. Den Produktivitätszuwachs schöpfen allerdings überwiegend diejenigen ab, die sich nicht an der Finanzierung der Sozialkassen beteiligen.

    Um die jüngere Generation zu „entlasten“, wurde in Deutschland die gesetzliche Rente demontiert und die Altersversorgung zunehmend privatisiert. Das entlastet die Arbeitgeber, deren Anteil an den Sozialkosten „gedeckelt“ wurde und belastet die – vorgeblich zu schützende – jüngere Generation umso mehr mit Anforderungen an die „private Vorsorge“.

    Dass die Privatisierung – sogar mit jährlichen Milliarden-Subventionen – nur wenigen nutzt – vor allem aber der Versicherungswirtschaft – ist mittlerweile fast überall unbestritten. Die meisten Länder, die auf kapitalgedeckte private Altersversorgung gesetzt hatten, verlassen diesen Irrweg – und sie versorgen ihre älteren Bürger deutlich besser, als wir.

    Die deutschen Bundesregierungen hingegen haben seit der Jahrtausendwende die Privatisierung vorangetrieben und das öffentliche Rentensystem vernachlässigt. Deshalb hat Deutschland heute das erbärmlichste Altersversorgungssysten aller europäischen Industrieländer – und deshalb konnte der Begriff „Altersarmut“ in den letzten Jahrzehnte im deutschen Sprachgebrauch den erschreckend hohen Stellenwert erreichen, den er heute hat.

    Nicht zufrieden sein reicht nicht
    Wir wähen immer dieselben Parteien, obwohl wir mit deren „Leistungen“ zu Recht unzufrieden sein können.
    Auch eine andere Zusammensetzung des Bundestages wird daran nichts ändern!

    Wir müssen Druck auf die Verantwortlichen in ALLEN Parteien aufbauen, um ein Umdenken in der Sozial- und Arbeits(markt)politik zu erreichen.
    Den Interessen von mehr als 50 MILLIONEN Menschen : Rentnern UND Beitragszahlern(!) stehen die Interessen derer entgegen, die sich bisher aus der Finanzierung der Rente heraushalten (können) und derer, die mit all ihrer Lobbymacht die Privatisierung ausweiten wollen, weil sie an der Verarmung der Menschen prächtig verdienen!

    Gerechtigkeit braucht Engagement!
    DESHALB engagieren wir uns und sammeln wir im Internet Stimmen für eine SOLIDARISCHE Rentenpolitik!

    https://campact.org/solidarische-renten

    Denn nur mit SEHR VIELEN Stimmen können wir Druck auf die verantwortlichen Politiker aufbauen, um ein Umdenken in Gang zu bringen.

    Was andere Länder können, sollte das reichste Land Europas jawohl auch zu Stande bringen können.
    Wir müssen es nur WOLLEN!

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    1. Dirk Feldhinkel 7. Januar 2019 at 14:17

      Sehr geehrter Herr Domeier,

      ihr Beitrag bringt die Sache sehr gut auf den Punkt.

      Als Berater für Verhandlungsstrategien möchte ich Sie in den Punkten bestärken, die Sie gut machen:

      Sie gehen pro aktiv vor und organisieren Ihren Protest öffentlich
      Sie begründen Ihre Sache sehr gut und sachlich
      Sie stehen für eine Sache und nicht nur gegen eine Sache
      Sie vernetzen sich und kommunizieren
      Sie stellen das Thema auf eine breite Ebene für Betroffene
      Sie machen sinnvolle Vorschläge

      Diese Punkte sind nicht unwichtig, denn wer nur die Aufmerksamkeit gleich als Erfolg wertet, der hat oft die Rechnung ohne den Wirt gemacht.
      Wenn ich zurückblicke, welche hohe Aufmerksamkeit der DVG e.V. bis heute hat, jedoch die vielen salbungsvollen Zuwendungsansprachen verschiedener Politiker aus der Vergangenheit lautlos in der Versenkung verschwunden sind, dann hoffe ich, dass Sie in diese Falle nicht hinein laufen werden.

      In den 90er Jahren war ich selbst im Finanz- und Immobilienmarkt unterwegs und weiß, dass Sie im Grunde inhaltlich richtig liegen. Deshalb hatte ich dieses Geschäft verlassen.

      Über
      https://www.dirk-feldhinkel.de/über-mich-dirk-feldhinkel/
      können Sie darüber mehr darüber erfahren.

      Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Petition!

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