Bürgern winkt Entlastung, Betriebsrentner erwartet Belastung

Angeblich können viele Arbeitnehmer 2019 mit hundert und mehr Euro Entlastung rechnen, für Betriebsrentner steigt im kommenden Jahr allerdings die Belastung. Es lohnt sich, genauer hinzuschauen.

Ein Single mit 6000 Euro Bruttogehalt profitiert 2019 am meisten von den steuerlichen und sozialversicherungstechnischen Entlastungen – ihm bleiben unterm Strich laut Datev 247 Euro mehr übrig. Woran das liegt? Der Beitrag für die Arbeitslosenversicherung sinkt von drei auf 2,5 Prozent; ab Januar teilen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer den Zusatzbeitrag zur Krankenversicherung – das gilt im Übrigen auch für alle, die eine gesetzliche Rente beziehen. Ferner gibt es höhere Steuerfreibeträge. Gleichzeitig steigt aber der Beitrag zur Pflegeversicherung um ein halben Prozentpunkt auf 3,05 Prozent (Kinderlosen zahlen 3,3 Prozent).

Belastung für Betriebsrentner

So weit, so gut – die Betriebsrentner allerdings sind die Dummen, denn sie zahlen im kommenden Jahr sogar mehr. Zurzeit bekommen alle Betriebsrentner von ihren Krankenkassen ein Briefchen, in dem die Kassen ihnen vorrechnen, was sie im kommenden Jahr abführen müssen – und das ist mehr als bisher.

Hier ein Auszug aus dem Schreiben der Techniker Krankenkasse:

„Dieses Jahr hat der Gesetzgeber beschlossen, dass der Beitragssatz zur Pflegeversicherung um 0,5 Prozentpunkte steigt. Bei allen gesetzlich Krankenversicherungen erhöht sich dadurch der Beitrag der betroffenen Mitglieder automatisch. Dies können wir leider nicht beeinflussen. Auf unseren eigenen Beitragssatz hingegen haben wir Einfluss: Zum 1. Januar 2019 haben wir unseren Zusatzbeitrag um 0,2 Prozent gesenkt. Er beträgt nun 0,7 Prozent. Damit liegen wir weiterhin unter dem gesetzlichen durchschnittlichen Zusatzbeitrag von zukünftig 0,9 Prozent. Für Beiträge aus Renten und Versicherungsbezügen, die die auszahlende Stelle direkt an uns abführt, gilt der Zusatzbeitragssatz erst ab 1. März 2019. Da wir unseren eigenen Zusatzbeitrag senken, können wir die gesetzlich verordnete Beitragserhöhung für Sie zum Teil ausgleichen.“

Doppelbeitrag auch 2019

Betriebsrentner – und dazu werden seit 2004 auch Direktversicherungen gezählt – müssen also weiter den vollen Beitragssatz (Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil) zahlen und profitieren bei der TK erst am 1. März 2019 von der Senkung des Zusatzbeitrags. Vermutlich halten es andere Krankenkassen ähnlich wie die TK. Bei der AOK Rheinlandpfalz/Saarland zahlen Betriebrsrentner sogar noch mehr, weil sie auf den 0,9 Prozent Zusatzbeitrag besteht. Hier die Sätze der AOK:

 

Beitragssätze bei Versorgungsbezügen im Zahlstellenverfahren
VersicherungszweigPro­zent­satz
Kran­ken­ver­si­che­rung
bis zum 28.2.2019 gilt ein Ge­samt­bei­trags­satz von15,6  %
ab dem 1.3.2019 gilt 14,6 % zu­züg­lich Zu­satz­bei­trags­satz der AOK Rhein­land-Pfalz/​Saar­land15,5  %
Kran­ken­ver­si­che­rung (Be­zie­her von Ren­ten und Land­ab­ga­be­ren­ten nach dem ALG)
bis zum 28.2.2019 gilt ein Ge­samt­bei­trags­satz von8,3  %
ab dem 1.3.2019 gilt 7,3 % zu­züg­lich Zu­satz­bei­trags­satz der AOK Rhein­land-Pfalz/​Saar­land8,2  %
Pfle­ge­ver­si­che­rung3,05 %
Pfle­ge­ver­si­che­rung Kin­der­lo­se3,3  %

Quelle: AOK Rheinlandpfalz/Saarland

Hier die Info der KVdR / BKK Mobil Oil:

Krankenversicherung 2019
Gesamtbeitragssatz für Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung15,7 %

7,85 % (Anteil Rentenversicherungsträger)

7,85 % (Anteil Mitglied)

Gesamtbeitragssatz für ausländische Renten7,85 %
Gesamtbeitragssatz für Versorgungsbezüge und Arbeitsaufkommen15,7 %
Pflegeversicherung 2019
Allgemeiner Beitragssatz3,05 %
Beitragssatz für Kinderlose nach dem Kinderberücksichtigungsgesetz3,3 %

Bei mir macht diese Maßnahme rund fünf Euro monatlich und 60 Euro jährlich aus – und bei euch?

Ich freue mich auf Kommentare und Mails, denn es ist spannend zu erfahren, wie andere Kassen mit Zusatz- und Pflegebeitrag umgehen.