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„Denn es reist sich besser mit leichtem Gepäck“, singt Stefanie Kloß von „Silbermond“. Ja, es reist sich leichter und es lebt sich leichter. Das erkennen immer mehr. Minimalismus und Downsizing liegen voll im Trend. Vor dem Minimalismus aber kommt das Aufräumen. Wie das geht und warum Ordnung mehr Klarheit ins Leben bringt, verrät Beth Penn in „Das kleine Buch vom Aufräumen“.

Penns Buch hat 95 Seiten. Die „Professional Organizer“ nimmt ernst, was sie selbst propagiert und hält sich kurz. Aufräumen ist ihr Thema. In ihrem Taschenbüchlein – ja, auch vom Format ist ihr Buch eher klein – beschreibt sie, wie sich Ordnung und Klarheit ins Leben bringen lässt. So übersichtlich wie auf dem Cover ist auch das Buch, begleitet von vielen Zeichnungen und Zitaten.

Warum sich Aufräumen lohnt

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Das kleine Buch vom Aufräumen

Trotz der Kürze wird schnell klar, dass hier ein Profi schreibt, der weiß, wovon er spricht. „Ordnung zu schaffen, ist kein einmaliger Akt, sondern Gewohnheit, tägliche Praxis und bewusste Absicht – also eine Lebenseinstellung“, so Penn. Und sie sagt auch, warum sich das Aufräumen lohnt. Es gehe beim Aufräumen nicht nur im erspartes Geld, sondern um den inneren Frieden. „Ein aufgeräumtes Leben zu führen heißt, sich von allem zu befreien, was nur belastet – und das hat einen Zugewinn an Zeit, Raum und Freude zur Folge“, kürzer lässt es sich kaum beschreiben.

Sie geht in ihrem Buch auch auf den Konsumismus ein. „Warum haben wir überhaupt so viel ‚Zeug‘?“, fragt sie. Ja, mal ehrlich, macht Materielles glücklich? Eben nicht. Selbst über Neues freuen wir uns nur kurz. Also, warum dann immer wieder Neues kaufen? Genau darum geht es in ihrem Buch. Weg mit dem Krempel, denn „letztlich hat alles, was Sie besitzen, Sie in der Hand“.

Kampf dem Krempel

Ihr Büchlein ist Ansporn, dem Krempel den Kampf anzusagen. Krempel hindert uns am selbstbestimmten Leben. Leider ist es nicht so leicht, Krempel wieder loszuwerden. Teilweise empfinden wir Schuldgefühle, dieses Zeug zu verschenken oder wegzuwerfen. Auch auf diesen Aspekt geht Beth Penn ein.

Die Ordnungsverfechterin lässt Chaoten und Messis nicht allein. Sie gibt Tipps, wo jeder ansetzen kann. Ordnung ins Leben bringen ist einfacher als gedacht. Dabei helfen ganz einfache Fragen:

  • Wie oft benutze ich etwas?
  • Ist es erforderlich?
  • Wie wäre es, wenn der Gegenstand weg wäre?

Das klingt einfacher als es ist. Deswegen hilft es, Pausen einzulegen, Tagebuch zu führen und sich zu belohnen. Möglichst wenig „Sollte“ und „Müsste“.

Wenn einmal aufgeräumt ist, soll es auch so bleiben. Dabei könnte ihr einfacher Satz zum Motto werden: „Behalten Sie nur Nötiges und Dinge, die Sie verwenden und lieben.“

Hilfe zur Selbsthilfe

Wer das allein nicht schafft, kann sich ja Hilfe holen. Es gibt Gruppen, Bücher und professionelle Ordnungshelfer. So ein Stups wirkt manchmal Wunder.

Übrigens, warum nicht lieber in Erlebnisse investieren als in Sachen? Von den Erlebnissen einer Reise lässt sich lange zehren – und sie vermüllen nicht die Wohnung.

Ordnung auch bei der Zeit

Beth Penn beschäftig sich in ihrem Buch auch mit dem Thema Zeitverschwendung. Sie rät, den Terminplan zu entrümpeln. Jeder sollte, so ihr Tipp, sicherstellen, für die Dinge genügend Zeit zu haben, die einem am Herzen liegen. Wie schreibt der römische Philosoph und Staatsmann Seneca so schön: „Nicht gering ist die Zeit, die uns zu Gebote steht – wir lassen nur viel davon verloren gehen. Nicht das Leben, das wir empfangen, ist kurz, nein, wir machen es dazu – wir sind nicht zu kurz gekommen; wir sind vielmehr zu verschwenderisch.“

Müll hat seinen Preis

Und auf noch einen Aspekt geht Penn ein – auf den Preis des Mülls. Wir schaden unserem Planeten mit allem dem Krempel, weil er produziert, transportiert und entsorgt werden muss. Also, „besser – nicht mehr“. Sage niemand, es betreffe ihn nicht. „In fast 20 Jahren hat sich die Menge der in den USA weggeworfenen Kleidung verdoppelt“, zitiert Penn die „Newsweek“. Wir Deutschen kaufen und werfen vielleicht nicht ganz so viel weg, aber so viel nachhaltiger sind wir vermutlich auch nicht – oder? Penn nennt es „Fast Fashion“. Was dagegen zu tun ist? Ihr Rezept: eine sorgfältig gewählte Grundgarderobe, die vielseitig kombinierbar ist.

Vorsicht vor Ködern der Marketiers

Penn räumt ein, dass es schwer ist, auf die Köder der Marketiers nicht hereinzufallen. Sie empfiehlt deswegen, sich nicht mit anderen zu vergleichen. „Ganz Sie selbst zu sein, ist das schönste Geschenk, das Sie sich machen können“, propagiert sie. „Vergleiche rauben die Lebensfreude“, sagt Theodore Roosevelt, der 26. Präsident der USA – und hat er nicht Recht?

Aufräumen ist ein Prozess

Allerdings ist ein aufgeräumtes Leben nicht eine einmalige Sache, sondern ein Prozess. Es gehe darum, seine Einstellung zu ändern. Ja, damit hat Penn sicher Recht. „Gehen Sie Ihren Weg“, gibt Penn allen mit, die sich um ein aufgeräumtes Leben bemühen.

Natürlich kann Penn auf diesen 95 Seiten nicht alle Aspekte des Aufräumens beleuchten. Ich Buch ist aber ein Weckruf, der ermutigt. Allein schon deswegen lohnt die Lektüre ihres Buchs.

Und hier noch mal das Video von „Silbermond“ zum Thema „leichtes Gepäck“

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

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