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Stress ist im Grunde nichts Schlechtes. Als instinktives Überbleibsel längst vergangener Zeiten half er den Jägern und Sammlern, in Gefahrensituationen Höchstleistungen zu erbringen, um das eigene Überleben zu sichern. Da Stress eine zutiefst natürliche und automatisierte Reaktion unseres Körpers ist, können wir oft nicht viel gegen sein Erscheinen tun. Aber wir können uns etwas unternehmen, in schnell abzubauen – und das sollten wir auch, denn häufiger akuter Stress oder gar Dauerbelastung kann schwere Folgen für Körper und Psyche haben: Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch erhöhten Blutdruck, Diabetes durch hohen Blutzuckerspiegel, Magen-Darm-Geschwüre wegen verringertem Stoffwechsel, um nur ein paar zu nennen. Wie aber akuten Stress abbauen?

Übergang vom Arbeitsleben zur Rente

Dass nur junge Menschen gestresst sind, ist ein Irrglaube. Denn mit dem Älterwerden verändern sich viele Dinge und nicht alle können damit gut umgehen. Eine problematische Situation ist etwa der Übergang vom Arbeitsleben zur Rente. Für viele war der Beruf jahrzehntelang Lebensinhalt. Fällt die Arbeit weg, bleiben oftmals nur noch Leere und unendlich viel Zeit, mit der manche nichts anfangen können. Andere haben einen übervollen Terminkalender, sind sportlich aktiv, engagieren sich in Vereinen, kümmern sich um die Familie, Haus und Garten – und sind schnell damit überfordert. Aber was hilft tatsächlich gegen plötzliche Stressattacken? Gleich zur Chemiekeule greifen? Besser nicht.

Kräuter – kein Hexenwerk

Viele Ratgeber schwören noch immer auf bewährte Heilkräuter gegen akuten Stress. Selbst homöopathische Arzneimittel enthalten stets irgendeine Form von Pflanzen- oder Blütenextrakt, die dort Heilung versprechen, wo die Allgemeinmedizin versagt. Die Wirksamkeit bestimmter Kräuter ist wissenschaftlich nachgewiesen. So hilft Passionsblume Studien zufolge zuverlässig gegen Angst und nervöse Unruhezustände. Ob die Wirkung von den in der Pflanze enthaltenen Flavonoiden oder den ätherischen Ölen herrührt, ist bis heute ungeklärt.

Auch Lavendel, Johanniskraut und Hopfen wurden zahlreichen Tests unterzogen, die allesamt positive Resultate lieferten. Bereits in kleinen oder verdünnten Dosen, zum Beispiel in Form von homöopathischen Globuli, Tees oder Essenzen wie von der Bach-Blüte Elm sollen sie Unruhe, Stress und Überforderung schon kurz nach der Einnahme lindern. Dabei scheiden sich die Geister darüber, ob der lindernde Effekt wirklich körperlichen oder eher psychischen Ursprungs ist.

Bewusstes Atmen

Entspannungsübungen gegen akuten Stress gibt es viele, von Meditation, über Spaziergänge bis hin zum ausgelassenen Tanzen. Eines haben sie aber alle gemeinsam: Im Mittelpunkt steht die bewusste Atmung als Kernelement. Eine hilfreiche Übung ist die der Bauchatmung:

  1. Aufrecht hinsetzen.
  2. Tief durch die Nase in den Bauch einatmen und dabei bis zehn zählen.
  3. Ohne die Luft anzuhalten, langsam durch den Mund ausatmen und dabei bis zehn zählen.
  4. Jetzt den Atem für sechs bis zehn Sekunden anhalten.
  5. So lange wiederholen, bis spürbar Besserung eintritt.

Warum das hilft?

Warum das hilft? In Stresssituationen beschleunigt sich die Atmung automatisch, um Gehirn und Muskeln mit mehr Sauerstoff zu versorgen. Die Übung lenkt diese Abläufe wieder in normale Bahnen. Auch beim als Reiki bekannten Händeauflegen oder verschiedenen Klopfübungen steht bewusstes Atmen im Mittelpunkt. Welche Variante individuell am besten wirkt, lässt sich aber nur im Selbstversuch herausfinden.

Bild: Flickr meditation Syed Shameel CC0 1.0 Öffentliche Domäne

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

2 Comments

  1. vielen Dank für den Kommentar. Ist auch meine Meinung

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  2. Ich finde gut, dass Sie, lieber Herr Achatz, hier die alternative Medizin ins Spiel bringen, ja sogar eine Idee weit die Meditation streifen, um Stress erfolgreich zu begegnen. Soweit gilt das ja unbedingt nicht nur für uns Silver-Ager, sondern auch für alle, die mit Stress umgehen lernen wollen. Der Stress im Alter hat etwas besonderes: ganz häufig ist es die innere Unruhe, die Sie auch streifen, aber bitte vertiefen sollten. Unruhe, die bei denen aufkommt, die aus dem Arbeitsleben ausscheiden und nun in ein tiefes Loch fallen. Es fehlt die Routine, die Verantwortung, das Gleichmaß, das uns Menschen einen Halt und Orientierung gibt. Um diesem Stress vorzubeugen, empfiehlt es sich, sich möglichst vor der Verrentung oder Pensionierung intensiv mit dem „Leben danach“ zu beschäftigen. Es geht um die feste, verbindliche Aufgabe, der wir Silver-Ager uns stellen. Verbindlich, wenn ich bitten darf. Es bringt nichts, zu sagen, ich habe ja meine Enkel, die ich hüten kann. Oder das geliebte alte Hobby lass ich wieder aufleben. Oder ich drehe meinen Garten von rechts nach links und zurück. Es geht um mehr: Es geht um die Frage: wie kann ich mich nützlich machen? wie kann ich meine Lebens- und oder-Berufsexpertise zum Wohle anderer einbringen? Welche Aufgabe liegt mir, die ich dauerhaft, in meinem Tempo und in meiner selbst gewählten Intensität ausüben werde. Auch in der Zeit als Rentner, Pensionär brauche ich eine Routine: morgens raus aus den Federn: vielleicht nicht um 6.00 Uhr aber um 7.30 Uhr, geregeltes Frühstück, Zeitungsstudium oder ähnliches. Dann aber stehe ich wieder zur Verfügung: als „Vorsitzender der VHS…“, als Ferien-Omi, Berater für junge Unternehmer, Kirchenvorstand, Chorleiter, oder, oder, oder. Das ist ja das Schöne an dieser Zeit: ich kann mir selbst aussuchen, wo ich mich engagieren möchte. Voraussetzung ist: – ich tue es auch, regelmäßig -. Dann beginnt die Zeit nach dem Arbeitsleben Sinn zu bekommen, neue Freude am Gestalten zu wecken und neue Horizonte zu erreichen. Der beste Weg, Stress zu vermeiden, weil ich das Tempo und den Umfang selbst bestimmen kann.

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