Die Zahlen sind erschreckend. Laut dem Informationsblatt der Deutschen Alzheimer Gesellschaft erkrankt in der Bundesrepublik alle 100 Sekunden ein Mensch an Demenz. Das sind mehr als 300 000 Neuerkrankungen im Jahr. Eine Heilung gibt es aus schulmedizinischer Sicht im Moment nicht. Dagegen liefert jetzt eine alternative Methode eine leise Hoffnung für die Betroffenen und ihre Familien.

Fitte 100jährige als Vorbild

Es gibt diese Menschen, die mit 80 Jahren flink über die Computertastatur jagen. Sie tippen nicht nur E-Mails selbstständig, sondern designen sogar individuelle Geburtstagskarten zum runden Fest, beispielsweise auf der Plattform von meine-kartenmanufaktur.de. Welches Geheimrezept haben 80-, 90- oder 100-Jährige, die geistig rege sind? Laut dem 103jährigen Fotomodell Ingeborg Wolf heißt die Erfolgsformel: “Bewegung, Bewegung, Bewegung.” Die zweite Heidelberger Hundertjährigen-Studie bestätigt diesen Ratschlag. Neben einer aktiven Lebensweise helfen zusätzlich Optimismus, Achtsamkeit, soziale Kontakte, Ziele und eine positive Sichtweise des Alterns gegenüber für ein langes und gesundes Leben. Ach so, das Rauchen sollten wir auch aufgeben, wenn wir fit bleiben wollen.

Ursachen von Demenz

Bedeuten die Erkenntnisse von Ingeborg Wolf und der Heidelberger Studie im Umkehrschluss, dass alle Demenzkranken zu wenig Sport getrieben haben? So einfach ist die Antwort nicht.

Bei Demenzerkrankungen handelt es sich um anhaltende, fortschreitende Beeinträchtigungen des Gedächtnisses, Denkens und der Hirnleistung. Es gibt verschiedene Formen, wobei die Alzheimer-Erkrankung die bekannteste ist.

Die Ursachen von Demenz sind nur teilweise bekannt. Zu ihnen gehören Ablagerungen in verschiedenen Gehirnregionen, absterbende Nervenzellen und Durchblutungsstörungen. Vieles deutet darauf hin, dass Gedächtnisverlust genetisch bedingt sein kann. Aber auch folgende Grunderkrankungen können Auslöser sein:

  • Alkoholsucht
  • Depressionen
  • Vitamin-Unterversorgung
  • Rauchen
  • Schädel-Hirn-Verletzungen
  • Schilddrüsenfunktionsstörungen
  • Übergewicht
  • Hoher Blutdruck
  • Zuckerkrankheit

Die schulmedizinischen Behandlungsmethoden können Symptome lindern. Als heilbar gilt Demenz offiziell nicht.

Alternative Behandlung

Spannende Erkenntnisse liefert uns der Arzt und Molekulargenetiker PD. Dr. med. Michael Nehls. Er hat sich unter anderem mit der Evolution beschäftigt und gesehen, dass das Alzheimerrisiko erst in den letzten Jahrzehnten massiv angestiegen ist.

So führte beispielsweise in Japan, wo einige der ältesten Menschen der Welt leben, die Abkehr von der traditionellen Lebensweise zum Gedächtnisverlust. Zwischen 1961 und 1985 hat sich dort die Anzahl der Demenzkranken versiebenfacht. Aus Sicht des Wissenschaftlers löst deshalb ein verhaltensbedingter Mangel die Krankheit aus.

Dr. Nehls, Autor des umstrittenen Buches Die Alzheimer-Lüge, hat ein alternatives Therapiekonzept (ATnN) entwickelt. In frühen Stadien der Demenzerkrankung soll der Ansatz nicht nur eine Verbesserung, sondern sogar eine Heilung ermöglichen.

Therapiemaßnahmen nach Nehls

Zunächst einmal setzt der Mediziner verschiedene, natürliche Heilmittel bei der Behandlung ein. Dazu gehören die folgenden Präparate:

  • Johanniskraut-Extrakt: Es regt die Bildung von Nervenzellen im Hippocampus an.
  • Alpha-Liposäuren: Sie regulieren den Energiestoffwechsel im Gehirn, der bei Alzheimerpatienten gestört ist.
  • Lithiumhaltiges Heilwasser: Es verhindert die Bildung des Alzheimer-Toxins.
  • Ginkgo biloba: Dieser Stoff sorgt für eine besser Durchblutung des Gehirns.
  • PQQ: Der vitaminähnliche Nährstoff treibt die Regeneration der Gehirnzellen an.

Aktiv gegen Alzheimer

Neben den fünf genannten Heilmitteln geht der systemische Ansatz von Dr. med. Nehls auch auf den Lebensstil der Patienten ein. Hier müssen ebenfalls Änderungen vorgenommen werden, um aus dem verhaltensbedingten Mangel herauszukommen.

Wir können mit folgenden Punkten nicht nur das Risiko an Alzheimer zu erkranken verringern, sondern die Krankheit im Anfangsstadium vielleicht sogar aufhalten:

  • Mehr Bewegung und körperliche Aktivität
  • Mehr soziales Miteinander
  • Hirngerechte Ernährung
  • Intermittierendes Fasten
  • Ausreichend Tiefschlafphasen

Bewegung

Das Mehr an körperlicher Bewegung lässt sich ganz einfach in den Alltag integrieren. Wir nehmen einfach das Fahrrad für den Weg zum Bäcker oder gehen zu Fuß. Ein täglicher Spaziergang von 30 Minuten an der frischen Luft schützt nicht nur vor Alzheimer, er macht auch gute Laune.

Soziale Kontakte

Je älter wir werden, desto mehr tendieren wir dazu, uns von Freunden, Bekannten und Familienmitgliedern zurückzuziehen. Das hat verschiedene Gründe. Bei manchen spielt der Körper nicht mehr mit, andere geben den Führerschein ab. Damit wir im Alter geistig fit bleiben, ist aber ein soziales Umfeld wichtig. Diesen Ratschlag finden wir auch bei den fünf Wegen das Gedächtnis besser zu schützen.

Es ist keine Schande beispielsweise nach Hilfe beim Transport zu fragen. Fahrgemeinschaften können Abhilfe schaffen. Alternativ laden wir einfach alte Kollegen und die besten Freundinnen zu uns nach Hause ein. Wem die Kraft oder die Lust zum Kuchenbacken fehlt, der darf einfach den Konditor aufsuchen.

Auch soziale Medien können ein Weg aus der Einsamkeit sein. Gruppen mit ähnlichen Interessen laden im Internet zur Diskussion ein. In altersgerechten Kursen können wir lernen, den Computer zu bedienen und am modernen Leben teilzunehmen.

Hirngerechte Ernährung

Es scheint Hinweise darauf zu geben, dass uns eine biologische, pflanzenbasierte Vollwertkost besonders guttut. Um die Leistung unseres Gehirns zu fördern, hilft der Verzicht auf tierische Fette und Zucker. Gleichzeitig unterstützt die Aufnahme von natürlichen Superfoods wie Chia, Weizengras, Leinsamen und Spirulina unser Immunsystem. Kokosöl, Granatapfelextrakte und Grüntee helfen der geistigen Fitness auf die Sprünge. Zu Superfood zählt aber auch Leinsamen, Bärlauch, Hagebutten und Blaubeeren – das sind Vitamin- und Antioxidantien-Lieferanten par excellence. Je pflanzenreicher die Ernährung ist, desto basischer. Der Körper übersäuert nicht. Einige Naturheilkundler gehen davon aus, dass ein basischer Organismus nicht krank werden kann.

Die ausreichende Versorgung mit dem lebenswichtigen Mineralstoff Magnesium wird ebenfalls empfohlen. Es ist nicht nur für unseren Energiestoffwechsel verantwortlich, sondern auch für die Funktion von Muskeln und Nerven. Magnesium ist beispielsweise in Vollkornprodukten, Bohnen und Erbsen enthalten. Es gibt allerdings auch entsprechende Nahrungsergänzungsmittel, die nur bei einem festgestellten Mangel genommen werden sollten.

Intermittierendes Fasten

Hier kommt der Begriff der Autophagie ins Spiel. Bei diesem Prozess werden schadhafte Zellorganellen wie beispielsweise alte Mitochondrien abgebaut. Verbleiben die schadhaften Zellen im Körper, verursachen sie unter anderem die Zellalterung und führen zu Ablagerungen im Gehirn.

Wie lösen wir die Autophagie aus? Der Zustand entsteht dadurch, dass wir die Zellen unseres Körpers hungern lassen. Der Energiebedarf, der normalerweise durch die Verstoffwechselung von Kohlenhydraten und Fetten gedeckt wird, wird nun durch den Abbau zelleigener Organellen versorgt. Zuerst baut der Körper vermutlich die alten, schadhaften Zellen ab.

Beim intermittierenden Fasten lösen wir das Hungern der Zellen durch eine längere Phase ohne Nahrungsaufnahme aus. Derzeit die beliebteste Form ist das 16/8 Fasten. Acht Stunden lang darf der Mensch nach Herzenslust essen, 16 Stunden lang wird streng gefastet. Idealerweise fällt der Zeitraum ohne Nahrung zum Großteil in die Nacht.

Tiefschlaf

In der Nacht, während wir uns in der Tiefschlafphase befinden, wird das Alzheimer-Toxin, abgebaut. Das macht der Körper ganz automatisch, allerdings nur, wenn wir wirklich tief schlafen. Im gleichen Zeitraum findet auch die Regeneration der Hirnzellen statt.

Der Schlaf unterteilt sich in verschiedene Phasen, die Einschlafphase, den REM-Schlaf und die Tiefschlafphase. Ein Zyklus dauert insgesamt rund 1,5 Stunden. Dabei hat die Einschlafphase einen Anteil von durchschnittlich 50 Minuten, REM- und Tiefschlaf dauern zusammen circa 40 Minuten. Am Anfang der Nachtruhe fällt ein höherer Anteil auf den Tiefschlaf. Morgens befinden wir uns häufiger im REM-Schlaf, der sich typischerweise durch rasche Augenbewegungen hinter den Lidern äußert.

Kritik an der Methode

Es gibt bisher kein ausreichend wissenschaftliches Material, das die Wirkungsweise der genannten, alternativen Therapie nachweist. Allerdings deuten erste Hinweise darauf hin, dass Dr. Nehls auf dem richtigen Weg sein könnte.

Im Kollegenkreis trifft Dr. Nehls vielfach auf Kritik. So veröffentlichte die Alzheimergesellschaft München eine Stellungnahme von Prof. Dr. Dr. hc. Christian Haass. In dieser wird geäußert, dass es unfair sei, den Erkrankten die Schuld am Ausbruch von Alzheimer in die Schuhe zu schieben. Außerdem würden Heilversprechen durch Dr. Nehls gemacht und Hoffnungen geweckt, die unrealistisch seien.

Unabhängig davon, ob die Therapie des Dr. Nehls tatsächlich Alzheimer heilen kann, wird ihre Anwendungen niemandem schaden. Wie schon erwähnt, ist eine gesunde Lebensweise mit Bewegung und sozialen Kontakten auf jeden Fall hilfreich, wenn wir lange und aktiv am Leben teilhaben wollen.

 

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

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