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Tag 18 meiner Tour de France – ein Tag Auszeit vom Radeln: Ich lasse mich von meiner Ältesten nach Caracassonne im Auto kutschieren. Ok, deswegen gibt es auch nur einen grünen Punkt auf der Frankreichkarte, auf der meine Etappen vermerkt sind. Für gerädelte Etappen gibt’s einen weißen Punkt. 

Um möglichst schnell nach Carcassone zu kommen, nehmen wir die Maut-Autobahn. Das macht einfach 4,90 Euro – hin und zurück somit 9,80 Euro. In Frankreich sind die meisten Autobahnen mautpflichtigen. Und schon haben wir unser Gesprächsthema für die Pause in Carcassonne. Ist es nicht mehr als gerecht, wenn der deutsche Staat Ausländer abkassiert, die deutsche Autobahnen benutzen? Frankreich, Italien, Spanien und Österreich machen es ja auch? Eine Diskussion um die Maut kommt in Gang – zwischen mir und meinem Schwiegersohn und meiner Tochter. Schließlich soll die Pkw-Maut ab 2019 kommen. 

Maut und kein Ende

Eigentlich war ja geplant, ausländische Autofahrer an den Kosten der Infrastruktur zu beteiligen. So klamm heimlich wurden dann auch deutsche Autofahrer in die Pflicht genommen. Sie sollen je nach Größes ihrer motorisierten Kutsche zwischen 67 und 130 Euro berappen. Um inländischen Pkw-Fahrern die Maut schmackhaft zu machen, hat sich das Verkehrsministerium von Alexander Dobrindt einen Trick einfallen lassen: Der Staat rückerstattet ihnen die Maut, indem er sie von der Kfz-Steuer abzieht. Damit würden die Maut letztlich doch nur die Ausländer zahlen, die deutsche Autobahnen benutzen. Weil Dobrindt das aber zu laut gesagt hatte, sind die Österreicher hellhörig geworden und wollen gegen die ihrer Meinung nach Diskriminierung von Ausländern klagen. Ob die Maut 2019 also wirklich kommt, ist noch längst nicht sicher. 

Dobrindts Schildbürgerstreich

Ja, was die Einnahmen betrifft, so sind sich die Experten nicht sicher, ob sich das ganze überhaupt lohnt. Dobrindt Kassenwarte rechnen mit 500 Millionen Euro pro Jahr, die eine solche Maut bringen soll. Aber mal ehrlich, was sind schon 500 Millionen Euro? Das reicht für ein paar Kilometer Autobahn. Dobrindt geht es also nur darum, als der Verkehrsminister in die Annalen einzugehen, der die Maut in Deutschland eingeführt hat. Sein Vorhaben mutet wie ein Schildbürgerstreich an. Wer in über seine Maut reden hört, den beschleicht das Gefühl, das er ausschließlich sich selbst und seiner Partei gefallen will – und weil die CSU es als großen patriotischen Akt ansieht, eine Pkw-Maut für Ausländer in Deutschland einzuführen,  setzt er sich dafür ein. Macht sich ja gut am Stammtisch behaupten zu können, er sei es gewesen, der dieser vermeintlich gerechten Sache zum Durchbruch verhalf.  Dumm nur, das danach inländische Pkw-Fahrer für Straßen Maut zahlen sollen. Und glaube nur ja keiner, dass diese Maut jemals wieder in der Versenkung verschwindet. So war das schon mit der Sektsteuer, die zur Finanzierung von Kaisers Kriegsflotte eingeführt wurde – und die es immer noch gibt. Das ist das Wesen von Steuern und Abgaben: einmal eingeführt, für immer behalten. 

So viel zu unserer Diskussion über die Maut auf deutschen Autobahnen. 

Touri-Burg im wahrsten Sinn

Aber wird sind ja nach Caracassonne gekommen, um uns Stadt und Festung anzuschauen. Nach einstündiger Autobahnfahrt landen wir auf dem Parkplatz vor der Altstadt, die von einer durchgehenden Mauer umschlossen ist: eine Touri-Burg im wahrsten Sinn des Wortes. Die mittelalterliche Stadt ist schon etwas Außergewöhnliches: Mit 52 Türmen und drei Kilometer Mauern ist Carcassonne die größte Anlage dieser Art in Europa – und längst Weltkulturerbe. Verständllch, dass Caracassonne zu den meist besuchten Städten in Frankreih gehört. Wir sind schon um zehn Uhr da – an einem Mittwoch außerhalb der französischen Schulferien – und können noch gemütlich ohne Gedränge die Wehrgänge besteigen. Die Gesamtanlage ist einfach durch ihre Größe beeindruckend. In den vergangenen Jahrzehnte, eigentlich schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts, würde vieles erneuert und ergänzt, was in den Jahrhunderten davor beschädigt worden war. Jeder, der über die Mauern flaniert, bekommt ein Gefühl für das Mittelalter, in dem Carcassonne eine wichtige Rolle spielte. 

Panorama leider verpasst

Wegen familiärer Probleme, über die ich hier nicht eingehen will, ist meine Aufmerksamkeit eingetrübt. Wir hätten vielleicht noch mehr von der mittelalterlichen Stadt sehen können, vor allem das Gesamtpanorama. Aber dafür hat die Zeit nicht gereicht – eigentlich Grund genug, noch mal hierher zu fahren. 

Ach ja, dann wollte ich unbedingt noch neue Fahrradmäntel kaufen. Nach annähernd 1200 Kilometer – und dazu kommt noch die Strecke meiner Fahrten vor der Tour de France – ist das Profil ziemlich abgefahren. Wir machen also noch einen Abstecher zum Bike-Center. Mein Schwiegersohn blüht auf – sein Highlight des Tages.  

 

Bonne nuit et à demain!

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

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