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Tag 31 meiner Tour de France – erste Routine stellt sich ein. Essen, trinken, organisieren, schreiben, schlafen, Akkus aufladen – alles Andere kommt später. Für mehr bleibt weder Zeit noch Aufmerksamkeit. Vielleicht noch ab und an ein Bild posten.

Von Blaye nach Royan

Diese Mal habe ich mir etwas mehr vorgenommen, nämlich 80 Kilometer bis Royan. Nur soviel: 80 sind mehr als 50. Am Vormittag lief’s ja auch noch ganz locker. Die Temperaturen waren auszuhalten, die Stimmung entsprechend. Ich radle durch Weinberge – sorry, eher Hügel. Ein Chateau nach dem anderen. Weinreben wohin ich schaue – St. Martin, St. Genès, Segonzace. Die Winzer sind unterwegs, ihre Reben oben abzusäbeln, damit nicht zu viel Saft in die Triebe steigt. Kaum ein Mensch unterwegs. Ich lasse das Atomkraftwerk Blayais links liegen. Die benachbarte Gemeinde Braud et  St. Louis hat wohl einiges Geld abbekommen, denn die Straßen sind proper, die Gemeindebücherei wohl bestückt.

Tag 31 meiner Tour de France

Ich entferne mich von der Gironde und stoße erst wieder in Port Maubert auf den Fluss. Zum Essen ist es noch zu früh, also radle ich weiter nach Mortagne-sur-Gironde. Eigentlich will ich nur was Kleines esse – ein Faux Filet – aber, dann kommt da noch ein Café dazu und ein Menthe à l’eau. So bleibe ich sitzen und genieße die Atmosphäre – oder soll ich besser Ambiente sagen. Nichts besonderes die Cabane (Hütte), aber doch irgendwie anheimelnd.

Von der Bretagne bis nach Spanien

Übrigens, es gibt eine Veloroute, sprich, einen Radweg von Roscoff in der Bretagne bis nach Hendaye nahe der spanischen Grenze – immer der Atlantikküste entlang. Die Route nennt sich „Vélodyssee“. Wer also Anregungen braucht, schaut am besten bei Vélodyssee vorbei.

Schieben – welche Schande

Ich wusste, dass mir noch etwas bevorsteht: eine 18prozentige Steigung – und die kam dann auch. Mit Gepäck ist die nicht mehr ohne Absteigen zu meistern. Ich schiebe – welche Schande. Die Sonne ist mittlerweile über den Zenit; die Temperaturen steigen mir läuft der Schweiß über die Stirn. Ich habe mir klugerweise vom Wirt die Flaschen auffüllen lassen.

Der Radweg führt an der Küste entlang weiter bis nach Talmont sur Gironde – ein Museumsdorf, in dem ich mein Rad schieben muss. Beeindrucken wegen seiner Lage direkt an der Gironde. Ich bummle durchs Dorf und schaue mir zumindest die romanische Kirche Ste-Radegonde an.

Jede zehn Meter zählen

Bis Rayon sind es ja noch einige Kilometer, als breche ich auf und radle weiter. So langsam spüre ich die Hitze – es hat über 30 Grad im Schatten. Meine beiden Wasserflaschen leeren sich. Die Distanz wird aber nur langsam weniger. Dann endlich, ab zehn Kilometer bis zum Ziel schaltet das Navi um und zählt in Zehn-Meter-Schritten runter.

Wer denkt, es gibt hier am Meer keine Steigungen wird eines Besseren belehrt. Ein Hügel folgt dem nächsten – und das bei schwindenden Kräften und sinkendem Pegel in meinen Wasserflaschen.

Dann nähert sich Royan. Noch vier Kilometer, noch drei – und immer weiter am Strand entlang. Durchgeschwitzt und ausgedörrt radle ich schließlich in Royan ein.

Trinken, Duschen, Essen – was sonst?

Die Wünsche nach so einer Radtour beschränken sich auf: duschen, essen, trinken – alles machbar. Nach der Dusche befrage ich Tripadvisor, wo denn ein akzeptables Lokal zu finden ist. Leider hat das erste Restauren Ferien, das zweite erscheint etwas teuer, so dass ich schließlich im „Les Voiles blanches“ lande. Das Restaurant hat eine fantastische Auswahl an Miesmuscheln – auf normannisch, spanisch und …

Mit der Welt versöhnt, schlendere ich zurück ins Hotel „Abacus“, poste meinen Beitrag und gehe schlafen, um morgen ausgeruht weiter zu radeln – nächstes Ziel ist La Rochelle.

à demain – bis morgen

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

2 Comments

  1. Den Teil habe ich schon hinter mir. Jetzt geht es durch die Bretagne

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  2. Erwin Tischler 29. Juni 2018 at 0:01

    Und dann viel Spaß beim Aufstieg zum Mont Ventoux! Da war ich auch schon mal. 1973 mit einem Mercedes-Benz 220/8. Es war im Mai und damals lagen dort noch 2 m Schnee!

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