Von einem Euro bleiben den Bürgern nur 46 Cent übrig, den Rest zweigen sich Staat und Sozialkassen. Erst ab 15. Juli arbeiten Angestellte rein rechnerisch für sich selbst. Nirgendwo sonst auf der Welt, ausgenommen Belgien, werden die Bürger so vom Staat geschröpft, wie in Deutschland. Die Abgabenquote ist weltweit die zweithöchste.

Der Steuerzahlergedenktag 2019 ist am Montag, den 15. Juli. Erst Ab 21:56 Uhr, das hat der Bund der Steuerzahler ausgerechnet, arbeiten die Bürger wieder für ihr eigenes Portemonnaie. Das gesamte Einkommen, das die Steuer- und Beitragszahler vor diesem Datum erwirtschaftet haben, wurde – rein rechnerisch – an den Staat abgeführt. Damit liegt die Einkommensbelastungsquote für einen durchschnittlichen Arbeitnehmer-Haushalt in diesem Jahr bei voraussichtlich 53,7 Prozent. Von jedem verdienten Euro bleiben also nur 46,3 Cent zur freien Verfügung. In fast keinem anderen Land ist die Abgabenquote höher.

Dabei ist das nur die halbe Wahrheit, denn der Bund der Steuerzahler hat in seiner Rechnung kommunale Gebühren und andere Zwangsabgaben sowie Versicherungen noch gar nicht eingerechnet. Wer das auch noch ins Kalkühl zieht, kommt auf eine noch höhere Rate. Einem Single bleiben noch 37,7 Cent übrig nach Abzug aller Steuern, Versicherungen und Gebühren. Das mit der Abgabenlast kann so nicht weitergehen.

Wehe der Staat führt eine Steuer ein – sie wird nie wieder abgeschafft, da kann zwischenzeitlich sogar ein Kaiserreich und eine Diktatur untergehen, an der Steuer hält der Fiskus eisern fest. Die Rede ist von der Sektsteuer, die offiziell Schaumweinsteuer heißt. Sie wurde eingeführt, um Kaiser Wilhelms Flotte zu finanzieren. Den Kaiser gibt es nicht mehr und seine Flotte rostet am Meeresgrund vor sich hin, aber die Steuer gibt es immer noch. Das gleiche gilt für den Solidaritätszuschlag. Er wurde 1991 eingeführt wurde und sollte eigentlich 2019 abgeschafft werden, uneigentlich aber wird voraussichtlich erst ab 2021 schrittweise abgebaut. Jetzt planen die Politiker, eine CO2-Steuer einzuführen – damit wären wir dann endgültig Spitze und würden sogar noch die Belgier hinter uns lassen.

Exorbitante Abgabenquote

Geld, dass der deutsche Staat einmal hat, gibt er nicht so schnell wieder her. Der deutsche Fiskus ist da ziemlich effizient. Er ist so effizient, dass den Steuerzahlern nicht einmal mehr die Hälfte ihres Erarbeitenden übrig bleibt. Wer seinen Gehaltszettel aufmerksam liest, wird das bestätigen. Der Steuerzahlergedenktag – das ist der Tag, bis zu dem wir ausschließlich für Staat und Sozialkassen arbeiten – hat sich mittlerweile auf den 15. Juli geschoben. „Seit dem 15. Juli wirtschaften Sie – rein rechnerisch – endlich für Ihr eigenes Portemonnaie“, rechnet der Bund der Steuerzahler (BdSt) vor. Noch nie habe der Bürger länger bis zum Steuerzahlergedenktag arbeiten müssen.

Das Märchen vom reichen Land

Nur 37,7 Cent von einem Euro übrig

Wobei das nur die halbe Wahrheit ist, denn werden die kommunalen Steuern und Gebühren noch dazugezählt, denen ja keiner auskommt, dann ist die Abgabenlast sogar noch höher. Der BdSt hat zwei konkrete Beispiele herausgepickt: eine Krefelder Alleinerziehende mit einem Kind und einen Düsseldorfer Single. Selbst der Alleinerziehenden mit einem Brutto-Gehalt von 2346 Euro bleiben trotz Vergünstigungen nur 52,7 Cent von einem Euro übrig, beim Single mit brutto 5851 Euro sind es 37,7 Cent.

Die Gesamtbelastung setzt sich zusammen aus den direkten Abzügen vom Gehalt wie Lohn- und Kirchensteuer, Solidaritätszuschlag, Renten-, Arbeitslosen-, Kranken- und Pflegeversicherung plus spezielle Verbrauchsteuern auf Öl und Benzin, Zigaretten, Strom, einschließlich EEG-Umlage, Mehrwert-, Kfz- und Versicherungssteuer, Grundsteuer, Wasser- und Abwassergebühren sowie Müllabfuhr. Inklusive des Arbeitgeberanteils an der Sozialversicherung, die der Arbeitnehmer letztlich erwirtschaftet hat, bleiben eben noch diese 37,7 Cent beim Single und 52,7 Cent bei der Alleinerziehenden übrig pro verdientem Euro.

Abgaben-Vizeweltmeister hinter Belgien

Nur in Belgien ist die Gesamtbelastung von Durchschnittsverdiener laut OECD größer als hierzulande. Einschließlich Mehrwertsteuer bleiben Belgiern nur 42,6 Cent übrig von einem Euro, Deutschen 46,3 Cent.

Wir sind Vize-Weltmeister bei den Abgaben an den Staat (ab Minute 10:40 bis 15:50) 

Kein Wunder, dass die Deutschen im internationalen Vergleich immer weiter zurückfallen in punkto Nettoeinkommen. Die vermeintlich reichen Deutschen rangieren laut BdSt nur noch auf Platz zwölf der Nettoeinkommen. Leider ist keine Trendwende in Sicht, denn wenn der Staat bei einer Sozialversicherungsart kürzt, erhöht er die Abgaben bei einer anderen. Bestes Beispiel ist die Pflegeversicherung, die sich 2019 um ein halbes Prozent von 2,55 auf 3,05 Prozent (mit Kindern) und von 2,7 auf 3,3 Prozent (kinderlos) erhöht.

Abgabenlast in Deutschland und im Ausland

 20132014201520162017plus Umsatzsteuer
Land
Belgien55.6555.5955.2753.9453.7057.4
Deutschland49.2649.3149.4449.5449.6553.4
Italy47.8347.7847.8447.7847.6952
Fraankreich48.8148.3848.3948.0347.5951.6
Österreich49.1849.4149.6147.3347.41
Schweden43.0142.4642.6142.8442.91
Niederlande40.6438.9736.9537.2437.46
Luxembourg37.2237.6438.3938.5036.74
Dänemark36.4136.2636.4336.3736.32
Norwegen37.3536.9036.7836.2535.93
OECD-Durchschnitt36.1436.1436.0936.0435.91
USA31.4531.6431.4331.5831.69
Schweiz22.2121.8621.8421.7921.76

Alle Angaben in Prozent, Quelle: OECD

Es reicht jetzt

Das Ende der Fahnenstange ist erreicht, das Murren der Bürger wird immer lauter. Offensichtlich ist das jetzt sogar bei Politikern angekommen, denn „die CSU will eine Systematik einführen, die den Staat zwingt, seine Bürger bei Steuern und Abgaben regelmäßig zu entlasten“, schreibt die „Welt“.  Die CSU will die Bürger entlasten und eine „Steuerbremse“ einführen.

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

6 Comments

  1. Während das Leben der Beamten, ohne Sozialversicherungsabgaben noch einigermaßen erträglich ist sind die Arbeitnehmer die Bevölkerungsgruppe die geschröpft wird.In Deutschland wird damit alles finanziert, aber vieles hilft dem Bürger überhaupt nicht. Es werden Asylanten aufgenommen und nach Jahren wieder abgeschoben weil erst dann festgestellt werden kann daß die Voraussetzungen nicht vorliegen. Es werden Unsummen an die EU bezahlt und es gibt oft keine Kontrolle wo das Geld verblieben ist. In den meisten Bereichen fehlt die Transparenz. Es ist jedoch nicht alles schlecht in Deutschland, aber unsere Politiker sind gefragt endlich für soziale Gerechtigkeit auch im EU Vergleich zu sorgen. In Italien gibt man sich endlich Mühe die Ausgabenpolitik des Staates transparent zu gestalten. Wenn weniger Scheinasylanten in Italien aufgenommen werden dürfen die Einheimischen die Arbeit in der Landwirtschaft endlich selbst verrichten. Dann braucht der Steuerzahler in Norditalien nicht mehr für die Arbeitslosen in Süditalien zu bezahlen. Die Arbeitslosen in Süditalien sind auch plötzlich nicht mehr arbeitslos weil es genug Arbeit auf den Plantagen und in der Landwirtschaft gibt. So werden sich auf jeden Fall die Abgaben für die Bürger von Italien in den nächsten Jahren reduzieren. Die Schwarzarbeit wird bekämpft und der Staat erhält höhere Steuereinnahmen. Wie es jedoch in Deutschland weitergehen soll ist nicht voraus zu sehen. Die SPD und die Grünen fordern immer mehr neue Steuerabgaben und Deutschland hat gute Chance Belgien endlich zu überholen. Die letzte Hoffnung bleibt da nur der Wähler. Die SPD wurde bereits abgestraft und hat gute Chancen ganz aus dem Bundestag zu verschwinden. Die Grünen verstecken sich noch erfolgreich hinter dem Ökomantel, aber das wird der Bürger alsbald durchschauen. Die CDU unter Angela Merkel betreibt SPD Politik auf der ganzen Linie. Leider hat die Mehrheit der Deutschen noch nicht erkannt welche Alternativen es gibt. Für viele Wähler gibt es offensichtlich keine Alternative und sie gehen gar nicht mehr wählen. Da fragt man sich doch allen Ernstes warum schauen die deutschen Politiker nicht über den Gartenzaun und lernen von den anderen Ländern. Jahrelang wurde darauf hingewiesen daß Dänemark die höchsten Steuern habe, aber damit werden auch die Renten bezahlt die erheblich besser als in Deutschland sind. Jetzt ist es jedoch klar zu erkennen daß trotz der hohen Steuern Dänemark eine bessere Politik als Deutschland betreibt, denn unter dem Strich bleibt dem Bürger von Dänemark mehr in der Geldbörse als wie dem deutschen Arbeitnehmer und Rentner.

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    1. Hier hat jemand das Staatwesen und seinen Zusammenhalt völlig missverstanden. Schlag nach im Duden: Sozial ist das (geregelte) Zusammenleben der Menschen in Staat und Gesellschaft betreffend; auf die menschliche Gemeinschaft bezogen, zu ihr gehörend. Das was hier beschrieben wird ist egoistisch und somit assozial. Sozialabgaben. sind eine staatlich gereglte Versicherung gegen Unbillen des Lebens und haben nichts mit Steuern gemein.

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      1. Eugen Dinkel 13. Juli 2019 at 9:43

        „Sozialabgaben sind eine staatlich geregelte Versicherung gegen Unbillen
        des Lebens“. Diese Aussage könnte man jedem Politiker der etablierten
        Parteien zuordnen.
        Was Sozialabgaben auch sein können, hat sich 2004 gezeigt:
        Ein staatlich geregelter Betrug gegenüber Arbeitnehmern, die an die
        Einhaltung von Verträgen geglaubt haben und so dumm waren, für das Alter
        vorzusorgen.
        Aber es betraf ja keine Beamten, sondern nur Arbeitnehmer.

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  2. Am gravierendsten wirken sich Gehaltserhöhungen aus, da sie auf das bestehende Gehalt aufgesetzt werden und damit selbst bei mittleren Gehältern von der „kalten Progression“ erfasst werden. Von einer in Aussicht gestellten 100 Euro Brutto-Erhöhung, bei der der Arbeitgeber noch seinen Sozialabgaben-Anteil (inkl. Berufsgenossenschaft) addieren muss und damit Personalkosten von ca. 123 Euro hat, kommen am langen Ende nur ca. 49 Euro netto beim Beschäftigten an. Vielleicht sieht man bei solch einer Quote den Ruf einzelner Politiker nach noch mehr Gehalt nun aus einer anderen Perspektive. Und die Alternative? Am besten freiwillige abgabenfreie Arbeitgeberleistungen als quasi ‚Gehaltsplus ohne Fiskus‘ [↗], das auch tatsächlich 1 zu 1 ankommt. Davon gibt es ja reichlich bis hin zum Austausch von Brutto gegen Netto, was beide Seiten nichts kostet, aber viel bringt und zudem deutlich über eine „Tankkarte“ (44 €) hinausgeht . . .

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  3. Bet, arbeit, erwirb, zahl Steuern und stirb steht schon in meinem Poesiealbum von 1958.

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    1. Helmut Achatz 12. Juli 2019 at 15:39

      netter Spruch

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