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Die zweite Ausgabe von „Brigitte Wir – das Magazin für die dritte Lebenshälfte“ liegt am Kiosk. Gruner + Jahr will’s also wissen und die Zielgruppe der 55plus-Generation abdecken. Ich will meine Eindrücke schildern, die mir so beim Durchblättern gekommen sind.

Nur so viel vorweg, die aktuelle Ausgabe ist deutlich schlüssiger, redaktionell und auch visuell besser gemacht und geht stärker auf die Generation der Babyboomerinnen ein, die „weltoffenen, lebensklugen älteren Frauen“ (O-Ton „Brigitte Wir“). Mit Anzeigen für diese Klientel sieht es allerdings mau aus. Die wenigen sind auch nicht alle für Babyboomerinnen maßgeschneidert, denn ob ein junges Dessous-Model von Chantelle die Zielgruppe anspricht, wagen ich zumindest zu bezweifeln.

“Es gibt im Leben viele erste Male – Altwerden gehört dazu”

Ok, das sind Petitessen, insgesamt wirkt das Heft und vor allem die Mischung weit weniger abstrus als die Premierenausgabe. Die Frauschaft von Herausgeberin Brigitte Huber findet langsam zu einer eigenen Handschrift. Gelungen das Porträt von Hannelore Elsner und sehr einfühlsam mit Text von Evelyn Holst und Bildern von Sammy Hart. Treffend der Satz: „Sie war lange ein deutscher Star, der lieber ein französischer gewesen wäre“.

Ein bisschen abseitig erscheint die Reportage über eine Frau „Mutter Zivilcourage“, die Roma-Kindern den Weg in die Integration weist. Aber vielleicht kommt es auch nur mir so vor. Die pensionierte Lehrerin bringe Roma-Kindern Benimm und Schreiben bei, so Autor Mathias Becker. Kann schon sein, dass sich Babyboomerinnen mit Hermine Jinga-Roth identifizieren können.

“Brigitte Wir” auch für Männer

Auch für Männer ist „Brigitte Wir“ lesenswert – und zwar der Artikel über „Das neue Wir-Gefühl“, sprich über „Paare und das Geheiminis ihrer langen Liebe“. Das Magazin geht der Frage nach, warum es einige Paare schaffen, „auch nach Jahren noch glücklich miteinander zu sein“. Diese Kunst lasse sich lernen, meint Autorin Birgit Schönberger. „Paare, die nach vierzig gemeinsamen Jahren noch leidenschaftlich miteinander diskutieren, Erotik versprühen, sich zu neuen Entdeckungen und Entwicklungen verführen, ihre Liebe mit allen Aufs und Abs als Geschenk und den Partner als Wunder betrachten, haben nicht einfach nur das große Los gezogen“, formuliert Schönberger griffig. Zu einer langen Liebe gehöre, sich immer wieder gemeinsam neue Stufen von Nähe, Reife und Sinnlichkeit zu erobern, so die Brigitte-Wir-Autorin.

Ein wenig “unbeschwertes Planschen”

Natürlich darf auch ein bisschen Gesellschaftskritik nicht fehlen: Dem Thema Meerverschmutzung widmet „Brigitte Wir“ zwei Seiten mit der Headline „Unbeschwertes Planschen“. Schade, dass es nur zwei Seiten sind – so ein bisschen mehr hätte es schon sein können. Aber vielleicht ist das ja Männersicht. Wir Vorruheständler, aufgewachsen in der Öko-Bewegung, sollten wieder stärker Verantwortung übernehmen. Unser Engagement ist eingeschlafen – Zeit, es wieder zu reaktivieren, allen schon unseren Enkeln zuliebe.

Was steckt noch in dieser zweiten Ausgabe? Die Rubrizierung „Vorwärts“, „Rückwärts“, „Seitwärts“, „Ran“ hat die Redaktion beibehalten.

Inhaltsverzeichnis:

Unter „Vorwärts“ stehen Artikel wie

  • die Reportage über Rumänien,
  • eine Kolumne über das undemokratische Alter und die Ungerechtigkeit der späten Jahre,
  • ein Gespräch mit der Soziologin Ruth Westheimer über Lust im Alter und
  • das Planschen in sauberen Meeren
  • das neue Wir-Gefühl und über
  • Mode – very british und very stylisch, eine Britin mit Schloss zeigt Abendmode

„Rückwärts“ enthält Themen wie

  • Frauen, die bewegen, weil sie sich selbst bewegen: der Lebensweg von Jane Goodall
  • Reise: New York – im Taxi durch Manhattan
  • Sätze, die wir lieben

„Seitwärts“ enthält mit Themen wie

  • Dem Porträt von Hannelore Elsner
  • Geschenk für die Enkel
  • ein bisschen Kultur
  • ein Porträt über Christian Brückner, dem Mann mit der berühmtesten Stimme

„Ran“ enthält die Themen

  • Psychologie – Sehnsucht nach Berührungen
  • Fotografie – Mutter-Tochter-Porträts
  • Gesundheit – Naturheilmittel gegen Gelenkentzündungen
  • Kosmetik – was Make-up kann
  • Porträt – von Irmgard Wegener
  • Flüchtlinge – wie Hamburgerinnen helfen
  • Das Letzte – Vera Sandberg über Fitness-Armbänder

Als besonderes Goody liegt dem Magazin ein Extra-Heft „Immunsystem“ bei, das viele nützliche Tipps enthält wie beispielsweise „Selbsthilfe bei Erkältungen“ und wie sich die Abwehr stärken lässt.

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

4 Comments

  1. […] am Markt, darunter „Victoria“ und „meins – Frauen wie wir„. Gruner+Jahr probiert es mit „Brigitte Wir„ –  und hat immerhin schon einige Ausgaben Erfahrung. Auch „Brigitte Wir“ […]

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  2. […] Startseite » Blogosphäre » Was „Brigitte Wir“ dazu gelernt hat […]

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  3. Deinem Bericht, lieber Helmut Achatz, zu folgern, hat “Brigitte Wir” dazugelernt.
    Dies ist doch in jedem Lebensalter wichtig und wertvoll.
    Nicht nur für die Zeitungsmacher.
    Erst Recht für eine Zeitschrift mit einer ganz bestimmten Zielgruppe.
    Mich hat Deine Reflektion neugierig gemacht und ich werde mir die Zeitschrift gleich morgen besorgen.
    Dann bin ich schon jetzt sehr gespannt wie der Kommentar zu der nächsten Ausgabe ausfällt.

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    1. Danke Karin für den Kommentar – ich bleibe dran 😉

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