Wie die Autobranche unsere Gesundheit ruiniert

Gesundheit

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Staat hat versagt

Der Staat als oberster Kontrolleur hat jahrzehntelang weggeschaut und die Autohersteller in ihrem Unrecht bestärkt. Erst Messungen der Deutschen Umwelthilfe (DUH) ließen die Betrügereien auffliegen – und natürlich die USA: Im September 2015 deckte die US-Umweltbehörde EPA die illegalen Abschalteinrichtungen in Motorsteuerungen bei Diesel-Fahrzeugen von Volkswagen auf. VW hatte per Software den Motor so gesteuert, dass er im Labor die Abgasnormen erfüllt, aber nicht auf der Straße. Diese VW-Modelle wurden – und werden – aber nicht nur in den USA verkauft, sondern auch hierzulande. Amerika hat sich gegen diesen Betrug gewehrt, Deutschland nimmt ihn hin.

Kontrolleure schauen weg

Das Kraftfahrtbundesamt hat einfach weggesehen, statt seine Pflicht zu erfüllen und die Fahrzeuge aus dem Verkehr zu ziehen. Selbst moderne Diesel-Fahrzeuge, die der Euro-6-Norm sind Dreckschleudern, wie die DUH in Tests belegt. Im Sommer lagen die Stickoxidemissionen bei mobilen Messungen teils neunfach über dem Grenzwert von Euro 6, im Winter sogar 17,2-fach darüber. Aber dieses Abgas atmen wir alle ein – und das wird in der Diskussion um Euronorm und Grenzwerte geflissentlich übergangen.

Der Protest wird lauter und ist nicht mehr so leicht zu überhören. Stefan Stahl von der „Augsburger Allgemeinen“ bringt es auf den Punkt:

Eigentlich ist das eine Selbstverständlichkeit: Die Luft sollte in einer Stadt so sauber sein, wie es der Gesetzgeber vorschreibt. Doch in Stuttgart und München ist dies an bestimmten Straßen nicht der Fall. Die Politiker wissen das seit Jahren – und schauen weg. Der Glaube muss vorgeherrscht haben, es werde alles so weitergehen in der Auto-Republik Deutschland. Doch dann fühlte sich VW unverwundbar und glaubte sich mit manipulierten Dieselfahrzeugen selbst in den USA durchmogeln zu können. Was für eine unglaubliche Dummheit!

Die DUH formuliert es etwas härter: „Diesel-Abgase töten!“ Alle Verkehrsminister in dieser Zeit haben nur die Schultern gehoben und der Autobranche ansonsten freie Hand gelassen. Erst als der Skandal 2015 von der amerikanischen Umweltbehörde aufgedeckt wurde, wurde auch Dobrindt aus seinem Schlaf gerissen.

Gewinn wichtiger als Gesundheit

Ohne auf die Details einzugehen, lässt sich doch sagen, dass den Autokonzernen der Gewinn wichtiger war als die Gesundheit von Menschen. Die Branche wiegelt ab und verharmlost. Auf Dauer wird das aber nicht funktionieren. Es braucht jedoch eine andere Verkehrspolitik. Wann begreifen die Automanager, dass sie umdenken müssen – falls nicht, werden sie dazu gezwungen. Die Folgen des Einfach-weiter-so wären weit schlimmer.

Aber, der Diesel-Gipfel am Mittwoch dürfte vermutlich kaum einen Wendepunkt markieren, darauf lässt schon allein die Liste der Eingeladenen schließen. Die Runde wird vor allem versuchen, Fahrverbote zu vermeiden. Also, Augen zu und durch – auf Kosten der Bürger. Tatsächlich haben sich die Beteiligten auf ein Software-Update geeinigt. Das ist der kleinster gemeinsame Nenner und hilft der Umwelt nicht weiter. Diesel-Fahrzeuge werden also weiter unsere Atemluft verpesten. „Die 5,3 Millionen Dieselautos in Deutschland sollen mit einer neuen Software weniger Schadstoffe ausstoßen“, schreibt die „Welt“. Umweltschützer und Experten halten das, so die „Süddeutsche Zeitung“ allerdings für Augenwischerei. „Ein Software-Update bringt gar nichts“, zitiert sie etwa Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen.

Was die Diesel-Gipfel-Besteiger versprechen – das Video zum Gipfel

Foto: Rueter/DUH

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Helmut Achatz

Macher von vorunruhestand.de

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