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Tag 5 meiner Tour de France – erstens kommt es anders als man denkt. „Ja mach nur einen Plan! Sei nur ein großes Licht! Und mach dann noch nen zweiten Plang; geh’s tun sie beide nicht“, Bert Brechts Ballade von der „Unzulänglichkeit menschlichen Planes“ traf mich wieder voll – beim Bezahlen meiner „Addition“, sprich meiner Rechnung im Restaurant „La Taverne“ in Digne-les-Bains in Frankreich. 

Aber der Reihe nach: Ich hatte „Beignet d’encornets et crevettes ‚panko'“ bestellt. Dazu ein Panaché, sprich ein Radler, einen halben Liter Rosé, ein Tirmisu und einen Café. Alles ok, der mit Kreide auf die Tafel geschriebene Preis schien mir d’accord. Ich staunte nicht schlecht, als am Ende auf den Preis noch die Mehrwertsteuer aufgeschlagen wurde – einmal zehn und dann 20 Prozent. Das ist Verbraucherbetrug, zumindest in meinen deutschen Augen. Wer rechnet denn in Nettopreisen? Zumindest nicht als Verbraucher. Für Verbraucher ist allein der Endpreis ausschlaggebend.  Der langen Rede kurzer Sinn – plus Mehrwertsteuer war der Preis nicht mehr ok. 

Taxe inclus ou exclus?

Jetzt bin ich vorgewarnt und werde nächstes Mal fragen: „taxe inclus ou exclus?“. Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt dann nämlich nicht mehr. Mir war das bei der letzten Rechnung in Sisteron nicht aufgefallen. Vielleicht handhabt das ja jedes Restaurant nach Gutdünken. Oder ist das eine provencalische Eigemheit? Ich halte euch auf dem laufenden. 

Ach ja, wie war mein Tag? Es rollte heute besser als gestern – waren ja auch „nur“ 800 Höhenmeter und 90 Kilometer. Dank Instagram lässt sich das ja alles noch gut nachvollziehen: Am Morgen startete ich in Gap auf der Route Napoleon, bis la Saulce, wo ich dann auf eine Nebenstraße abbog, immer an der Durance entlang bis Thèze. Am Stausee konnte ich nicht anders, als ein Bild zu schießen. Der Blick, einfach genial – im Stausee spiegelten sich die Alpen. Leider endete dieser pittoreske Weg und ich musste wieder auf die Nationalstraße. 

Menthe à l’eau pour chaque jour 

Immerhin war’s nach Sisteron nicht mehr weit. Da schon Mittag, machte ich eine Pause im Hotel de la Citadelle – mit tollem Ausblick auf die Durance. Wie schon am Tag davor bestellte ich ein Menthe à l’eau und einen Salat – dieses Mal Salade de de chèvre chaud, sprich einen gemischten Salat mit warmem Ziegenkäse. Mehr brachte ich nach der Etappe nicht runter. Die Angestellten schienen mir etwas desorganisiert. 

Kampf auf den letzten Kilometern

Eigentlich wollte ich dann auf die andere Flussseite wechseln, verpasste aber die Abfahrt – und so ging’s weiter auf der Nationalstraße. Dir Route Napoleon begleitete mich dann fast bis Digne-les-Bains. Lediglich für das letzte Stück fand ich wieder eine Nebenstraße. 

Alles in allem waren es heute wieder 90 Kilometer und 800 Höhenmeter. Gerade die letzten fünf Kilometer erschienen endlos. Erschöpft, durstig, ausgelaugt – steuerte ich das nächst beste Hotel an: das „Hotel de Provence“. Ein alter Kasten mit drei Meter hohen Zimmern, die Nacht für 62 Euro, ohne Frühstück – nur mal so zum Vergleich. 

Mal ehrlich, ich bin ja eher frankophil, aber das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt einfach nicht. Ob das die Franzosen begreifen? 

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

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