Last Updated on 1. September 2020 by Helmut Achatz

Corona legt sich wie Mehltau über Deutschland und treibt die Deutschen dazu, möglichst viel Geld zu sparen, statt zu konsumieren. Angst geht um. Die Sparquote ist deutlich gestiegen – schlechte Zeichen für die Wirtschaft, vor allem für Handel, Gastronomie, Kunst und Kultur sowie Reiseveranstalter.

Selbst nach vier Jahren Nullzinsen lernen die Deutschen in punkto Geldanlage nichts dazu – sie lassen ihr Geld weiter auf dem Giro-, Tages- oder Festgeldkonto verkommen. Angesichts Inflationsraten von eineinhalb Prozent in den vergangenen Jahren ist ihr Vermögen geschrumpft. Die Deka Bank hat berechnet wie viel die Deutschen wegen dieses Sparverhaltens verlieren – es sind im Jahr 33,5 Milliarden Euro, im Schnitt pro Kopf jährlich mehr als 400 Euro, wie „Focus Online“ berichtet.

Sparen aus Angst

In diesem Jahr wird es noch weit mehr sein, denn die Deutschen legen wegen Corona nicht weniger, sondern sogar mehr Geld zurück. Die Sparquote ist seit Beginn der Corona-Pandemie sogar noch gestiegen. Das einzig Positive daran: Die Inflationsquote ist dank Mehrwertsteuersenkung und Energiepreisverfall auf null gesunken. Die Inflationsrate in Deutschland – gemessen als Veränderung des Verbraucherpreisindex (VPI) zum Vorjahresmonat – werde im August 2020 voraussichtlich 0,0 Prozent betragen, teilt das Statistische Bundesamt mit. Für das Gesamtjahr rechnet Jörg Zeuner, der Chefvolkswirt von Union Investment, in Deutschland mit einer Inflationsrate von 0,7 Prozent, wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ schreibt.

Das wird so nicht bleiben, denn die Senkung der Mehrwertsteuer ist bis Jahresende befristet – und dann gehen die Preise wieder nach oben. Der Zins wird aber weiter auf null bleiben, das hat die Präsidentin der Europäische Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, klar kommuniziert. Solange aber der Zins bei null liegt, verliert das Geld auf dem Konto schleichend an Kaufkraft, so die „Welt“. „Bei 1,5 Prozent Inflation geht bei einem Guthaben von 25 000 Euro binnen fünf Jahren der Gegenwert von fast 1800 Euro flöten“, rechnet die „Welt“ vor.

Sparquote deutlich gestiegen

Das veranlasst die Deutschen aber nicht weniger zu sparen, nein, sie sparen wegen Corona sogar mehr, wie „querschuesse“ verdeutlicht. Die unbereinigte Sparquote der privaten Haushalte lag im zweiten Quartal 2020 bei 99,76 Milliarden Euro und damit bei 20,1 Prozent – das sind 9,9 Prozentpunkte mehr als im Vorjahresquartal. Die saisonbereinigte Sparquote sei bei 21,1 Prozent gelegen. Das sei ein neues Allzeithoch – pures Angstsparen.

sparquote

Sparquote 2020 deutlich gestiegen                    Quelle: querschuesse.de

Einnahmen brechen weg

Das sei eine volkswirtschaftliche Lage von nationaler Tragweite. Viele haben Angst – Angst vor dem Einkaufen, Angst vor Job-Verlust, Angst vor der Zukunft. Da hilft auch nicht, wenn die Bundesregierung die Mehrwertsteuer senkt. Viele halten ihr Geld aus Angst zurück, weil sie nicht wissen, wie es weiter geht. Problem dabei, was die einen nicht ausgeben, können die anderen nicht verdienen. Messeveranstaltern, Gastronomie und dem Kunst- und Kulturbetrieb brechen die Einnahmen weg. Das kann kein Staat dieser Welt auf Dauer auffangen. Dabei haben staatliche Hilfen, Kurzarbeitergeld und die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht geholfen, das Schlimmste abzufedern. Auf Dauer kann der Staat aber kein ganzes Land alimentieren. Spätestens 2021 wird den Bürgern die Rechnung präsentiert in Form höherer Steuern und Abgaben. Schon heute zahlen Rentner doppelt Steuern. Die Bürger müssen wirklich Angst vor den Folgen haben, dieses Mal den wirtschaftlichen.

Und zu Corona schreibt die “Neue Zürcher Zeitung”: “Kollabierte Kommunikation: Was, wenn am Ende «die Covidioten» recht haben?”

Kollabiert ist seitdem aber eines: die Kommunikation über das Virus. Das Virus entfaltet eine ungeahnte Nebenwirkung: Es befällt das Denkvermögen. Nun lautet die neue Gefahr: «Die zweite Welle ist im Anmarsch.» Besonders falsch sind da natürlich gerade Massendemonstrationen gegen die Corona-Politik wie letztes Wochenende in Berlin. Die Ansteckungsgefahr sei zu hoch. Erst versuchte man die Demonstration pauschal zu verbieten. Als das nicht klappte, rief man dazu auf, ihr fernzubleiben, es sei ohnehin nur eine Ansammlung von «Covidioten», Rechtsextremen und Reichsbürgern. Es ist ungeheuerlich: Politiker und einige Journalisten verunglimpfen pauschal Menschen, die gegen die derzeitige Politik demonstrieren. Man ruft erneut nach dem Wolf, aber immer weniger Menschen glauben offenbar, dass er kommt. Gibt es ihn denn, den Wolf?

Die NZZ schreibt weiter:

Die Statistik gibt gerade den «Covidioten» recht: Sowohl die Zahl der Hospitalisationen als auch jene der Todesfälle geht in allen europäischen Ländern seit Wochen zurück. Gegenüber den Peaks im April ist die tägliche Todesrate in allen europäischen Ländern um etwa 99 Prozent gefallen. Seit Mitte Juni ist in der Schweiz die Zahl der Todesfälle höchstens einstellig, an den meisten Tagen starb seither niemand mehr an (bzw. mit) Covid. Das Lockdown-abtrünnige Schweden hatte am 15. April einen Peak von 115 Corona-Toten zu vermelden. Diese Zahl ist seit dem 20. Juli einstellig, seit dem 23. August bei null. Wer aufbauend auf diesen Zahlen jetzt eine Impfpflicht oder mögliche weitere Lockdowns diskutiert, ist, pardon, selbst nicht ganz bei Trost.

Bild von Stefan Keller auf Pixabay

 

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

2 Comments

  1. Dass in Deutschland aufgrund der Corona-Hysterie vermehrt gespart wird, ist ja noch eine der weniger schlimmen Auswirkungen. Die wirtschaftlich katastrophalen Folgen in Handel, Gastronomie, Reiseveranstalter etc, sind nicht vom Corona-Virus verschuldet, sondern von der Politik. Wer will denn schon z.B. eine gemütliche Busreise unternehmen, wenn man gezwungen wird, während der ganzen Fahrt eine Maske aufzusetzen – einfach absurd.
    Der traurige Höhepunkt der medialen Gehirnwäsche: Die Infektion von ca. 1500 Arbeitern bei Tönnies hat dazu geführt, dass alle 600.000 Einwohner vom Kreis Gütersloh überall wie Aussätzige behandelt wurden. Dafür kann man sich nur abgrundtief schämen.
    Schuld an so einem schäbigen Verhalten der Bevölkerung sind Politik und Medien, von denen wir auch beim Thema Corona unisono belogen und betrogen werden.
    Dass Politiker Menschen, die gegen Corona-Maßnahmen protestieren, als Covidioten, bezeichnen, ist einfach nur widerlich und zeugt von der Qualität des Berufsstandes „Politiker“.
    Wenn man dann noch liest, dass angeblich 80% der Bevölkerung die Maßnahmen der Regierung für richtig halten, kann man nur sagen:
    Deutschland geht dunklen Zeiten entgegen.

    Antworten

  2. Da fragt man sich doch mal wieder. Wer ist hier der eigentliche Idiot? Die mutigen Menschen, die gerade in Berlin gegen diese völlig verrückt gewordene Regierung demonstrieren oder der Otto-Normal-Verbraucher Deutsche der die Lügenschau immer noch sieht und sein Geld in Euro auf dem Sparkonto anspart?
    Manche Seelen (und das ist besonders die Baby Boomer Generation) haben eine Erwachungsblockade verpasst bekommen. Sie KÖNNEN gar nicht aufwachen! Deshalb bis zu ihrem Tod werden sie blind durch die Gegend laufen und erst danach verstehen, was eigentlich abging und wie sie betrogen wurden….Im nächsten Leben können sie es dann besser machen…
    Denn wir sind ja alle hier um zu lernen…..

    Antworten

Kommentar verfassen