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Tag 41 meiner Tour de France – muss ich mich für „meine“ Tour de France rechtfertigen? Nein. Aber manchmal erklären. Heute traf ich einen einen älteren Herren, der wissen wollte, wo ich herkomme und wo ich hinfahre. Ich habe ihm ausnahmsweise die Langfassung erzählt – und wir sind ins Gespräch gekommen.

Tag 41 meiner Tour de France

Er erzählt mir dann, dass er den Jakobsweg mit dem Rad gefahren ist. Na ja, von Wien bis Budapest würde er gern auch noch radeln. Avranches bis Bayeux – klingt wenig spektakulär, hat’s aber in sich. Mein Navi weist 92,8 Kilometer aus, 1156 Meter Gesamtsteigung und einen Verbrauch von 4687 Kalorien. Ehrlich gesagt, so habe ich mich bei der Ankunft in Bayeux auch gefühlt. 92 Kilometer sind für einen alten Mann wie mich einfach zu viel. Die kommenden Etappen werden kürzer.

Ja, und dann wollte ich ja auch noch rechtzeitig in Bayeux sein, um mir den Wandteppich von Bayeux anzuschauen. Auf 68 Meter Tuchstreifen ist die Eroberung Englands dokumentiert – in 58 Einzelszenen. Dieses Dokument ist annähernd tausend Jahre. Per Audio-Guide wird der Besucher durch die 58 Einzelszenen durchgeführt und bekommt ein Gefühl dafür, warum der normannische Herzog Wilhelm auf die Insel übergesetzt ist und Harald Godwinson in der Schlacht von Hastings am 14. Oktober 1066 besiegte.

Von Avranches bis Bayeux

Bayeux – mehr Normandie geht nicht

Für die Engländer und die englische Sprache hat sich mit diesem Ereignis vieles verändert. Das Anglo-Sächsische wurde zurückgedrängt, viele französische Wörter zogen ins Englische ein und haben seitdem ebenfalls einen Wandel erlebt. Teilweise stehen heute germanische und französische Wörter nebeneinander, die das gleiche ausdrücken – meist hat sich die französische Variante durchgesetzt. Aber ok, das ist etwas für Sprachwissenschaftler.

Wilhelm hat die Geschichte verändert

Wer etwas über die Königinnen der Wilhelm-Ära erfahren will, liest am besten die Trilogie von Joanna Courtney, die alle drei Frauen beschrieben – die von Harold, die von Wilhelm und die von Harald Hardrade, dem Wikinger. Alle drei Männer wollten über England herrschen, gelungen ist es nur Wilhelm, dem Eroberer. Der normannische Herzog hat alle anderen ausgebootet – mit Hinterlist, Zelstrebigket und Chuzpe.

Was ist ein Bière rousse?

Weil das ja alles noch nicht genug war – in Bayeux bin ich auch noch in ein Mittelalterfest geraten und musste mein Rad durch die Stadt schieben. Barden, Ritter und Bänkelsänger bevölkerten die Stadt, beim Stand von North‘ Fest blieb ich schließlich hängen und kam mit eine Österreicher ins Gespräch, der der Liebe wegen in der Nähe von Bayeux gelandet ist. Da der Brauer von Northmaen eine Freund des Österreichers ist, kam ich in den Genuss eines Gratis-Rousse. Ein bière rousse ist ein Bier, das aus Malz besteht, wenig gedarrt, karamellisiertem Malz und gerösteter Gerste, die diesem Bier seine rötliche Farbe geben. Brauer werden es sicher besser wissen – ich lasse mich gern belehren.

Nach einer Halben – ich hatte ja vorher noch zwei Gläser Wein getrunken – gehe ich gut angeheitert ins Hotel.

Die heutige Tour war ziemlich ambitioniert, wenn nicht sogar übermäßig anstrengend. Morgen wird’s kürzer. Ich radle nur bis Deauville.

à demain

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

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