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2016 waren es mehr als 241 000, die die abschlagsfreie Rente mit 63 gestellt haben, 2017 dürfte es vermutlich weniger sein. Dazu kommen noch die Arbeitnehmer, die mit Abschlag früher in Rente gehen. Warum ist die Rente mit 63 Jahren so gefragt?

Mal ehrlich, wer die Möglichkeit hat, geht früher – Ausnahmen bestätigen die Regel. Das Arbeitsleben ist in den vergangenen Jahren stressiger geworden, viele Stellen für Ältere stehen auf der Kippe. Dazu kommen noch gesundheitliche Einschränkungen. Es wird ab 60 einfach mühsamer. Das gilt sowohl physisch wie psychisch. Wer gehen kann, geht häufig. Das lässt sich an den Zahlen der Deutschen Rentenversicherung ablesen.

Warum gehen 63-Jährige?

Obwohl die Unternehmen immer wieder beteuern, wie teuer ihnen die Alten sind – nur wenige unternehmen etwas, um ältere Beschäftigte zu motivieren, doch zu bleiben. Woher kommt’s, dass 63-Jährige nicht mehr wollen? Sie hören doch nicht auf, weil es ihnen so gut geht und sie sich im Job wohl fühlen – das Gegenteil ist der Fall. Der Druck hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen – „Arbeitsverdichtung“ nennt sich das verharmlosend. Sie wollen unsinnigen Ansagen aus der Führungsetage nicht mehr einfach mitmachen. Dann jedes Mal die Angst, vom Teller zu fallen – Beispiele dafür gibt’s genug. Erinnert sei nur an Siemens oder die Medienbranche, die vor allem versucht, Ältere los zu werden. Tatsächlich gehen Männer im Schnitt mit 63,9 Jahren in Rente und Frauen mit 64,2 Jahren in Rente, so die Deutsche Rentenversicherung. Das durchschnittliche Renteneintrittsalter lag bezogen auf 2016 bei 64,1 Jahren.

Bosch als Ausnahme?

Sicher ist das nicht überall so, angeblich soll das bei Bosch beispielsweise ganz anders sein. Dazu führte die „Stuttgarter Zeitung“ mit dem Bosch-Geschäftsführer Christoph Kübel ein Interview, in dessen Rahme Kübel sagte: „Wir analysieren und zertifizieren dort zum Beispiel jeden Arbeitsplatz im Hinblick auf gesundheitliche Aspekte. Damit stellen wir sicher, dass Mitarbeiter auch jenseits der 60 noch arbeiten können“. Bosch hat sogar eine Tochtergesellschaft gegründet, die Pensionäre für Projekte vermittelt. Bosch ist indes eher die Ausnahme als die Regel, wie sonst ließen sich die Zahlen der Deutschen Rentenversicherung deuten. Die Forderung von Stephan Sandrock, Leiter des Fachbereichs Arbeits- und Leistungsfähigkeit beim Institut für angewandte Arbeitswissenschaft  „Arbeitsplätze sollten altersgerecht eingerichtet werden“, klingt zwar gut, die Realität sieht meist anders aus.

 

Gesetz macht’s möglich

Dass so viele vorzeitig gehen, verdanken sie dem Gesetz für „Altersrente für langjährig Versicherte“, das im Juli 2014 in Kraft trat. Das Gesetz für „besonders langjährig Versicherte“ wurde schon 2012 eingeführt. Danach können Arbeitnehmer in Deutschland, die mindestens 45 Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt haben, ohne Einbußen bei ihrer gesetzlichen Altersrente vorzeitig in den Ruhestand gehen. Ansonsten wird das reguläre Renteneintrittsalter bis zum Jahr 2029 auf 67 Jahre angehoben.

Das Gesetz kommt meist Männern zugute. Annähernd drei Viertel derjenige, die die vorgezogene Rente in Anspruch nehmen, sind Männer, denn Frauen haben leider keine durchgehende Erwerbsbiografie.

 

Beamte als Vorreiter

Am meisten davon betroffen ist der öffentliche Dienst. Der Anteil der Betriebe liegt dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zufolge bei mehr als 30 Prozent. In anderen Branchen seien es deutlich weniger, die früher in Rente gehen wollen.

Was machen die Betriebe, wenn die Alten gehen? Mehr als die Hälfte der Betriebe plane Neueinstellungen, nur ein Viertel wolle mit internen Umstrukturierungsmaßnahmen reagieren, etwa durch technische und organisatorische Veränderungen, um die Älteren halten.

Ost-West-Unterschiede

Zwischen West- und Ostdeutschland sind dabei deutliche Unterschiede festzustellen. Im Westen sind dem IAB zufolge elf Prozent der Betriebe betroffen, in Ostdeutschland 15 Prozent. Das liege an der Altersstruktur, das heißt, in ostdeutschen Betrieben sind die Beschäftigten älter.

 

Eine Frage zum Schluss: Wer hat bereits Erfahrungen gemacht mit der Rente ab 63? Würde mich auf Reaktionen freuen.

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

2 Comments

  1. […] Beschäftigten ein Bonbon als Ausgleich bieten – und führte für diese Klientel, sprich die besonders langjährig Versicherte, eine neue Altersrente ein: die abschlagsfreie Rente mit 63 Jahren. Festgezurrt wurde das im […]

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  2. […] Ich bin dann mal weg – die Rente mit 63 […]

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